Die Unvernunft des Atheismus

6 12 2009

Am 4.12.09 hielt der Althistoriker Dr. Jürgen Spieß einen Vortrag in Wien über den neuen Atheismus und dessen Denkfehler. Dazu zog er hauptsächlich das Buch “Der Gotteswahn” von Richard Dawkins und dessen darin enthaltenen Hauptthesen heran. Veranstaltet wurde der Abend vom Institut Renovatio und der Evangelischen Allianz.

Die erste Überaschung trat auf als ein äußerlich unscheinbarer und schüchtern wirkender Vortragender zu Reden begann. Sein Vortrag war verbal und inhaltlich hervorragend, und meine deutschen Freunde mögen verzeihen – für einen Deutschen und Althistoriker unerwartet humorvoll.

Der moderne Atheismus gilt als Antwort auf die Ereignisse des 11.September 2001. Er geht von der Annahme aus, dass eine Welt ohne Religion friedlich ist. Er äußerte sich unter anderem in der Atheismuskampagne des letzten Sommers. Dawkins stellt die Behauptung auf “Ich bin Atheist weil es wahr ist” obwohl er im Buch davon spricht, dass es nur “mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit keinen Gott gibt”. In einem Fernsehinterview bezifferte er diese Wahrscheinlichkeit mit 98,5% ohne näher darauf einzugehen wie er auf diese Zahl gekommen ist. Verglichen mit einer Betriebsgarantie von 98,5% z.B. bei einem Internetanschluß würde das bedeuten, dass wahrscheinlich an ca. 5 Tagen pro Jahr das Internet nicht funktioniert. Hier lies sich der Vertreter des neuen Atheismus also ein noch recht großes Schlupfloch offen.

Die 4 Hauptthesen für den Atheismus des Buches “Der Gotteswahn”  sind:

1, Glaube und Wissenschaft sind Gegensätze
Der Glaube ist blind, Wissenschaft steht auf Basis von Belegen. Er gibt zu, dass man auch als Wissenschafter einen gewissen Glauben an Dinge braucht, nennt dies aber Vertrauen.
Der Basissatz ist hier, dass es nichts Übernatürliches gibt. Dies ist ein Widerspruch in sich, da eine philosophische Basisaussage dazu verwendet wird um eine naturwissenschaftliche Behauptung zu tätigen. Wie im “Netz des Physikers” geschildert können nicht alle Dinge Naturwissenschaftlich erkannt werden. Die Frage des Übernatürlichen kann nicht durch das Natürliche erklärt oder widerlegt werden, da sich die Mittel zur Erkenntnis ausserhalb des natürlichen Systems befinden. Das Netz des Physikers kann nur Fische fangen die größer als 5cm sind, daher geht er davon aus, dass alle Fische größer als 5cm sind. Alle kleineren Fische könnte er nur mit einer anderen Betrachtungsweise herausfinden. Daher folgt, dass Gott naturwissenschaftlich weder bewiesen oder widerlegt werden kann.
Die Naturwissenschaft bringt sowohl bei gläubigen, als auch bei ungläubigen Wissenschaftern die gleichen Resultate hervor. Sehr viele Naturwissenschafter sind gläubig und dies stellt keinen Gegensatz zu ihren Glauben dar.

2, Unsere Welt ist so komplex, dass sie den Anschein erweckt, dass sie intelligent gestaltet wurde. Das ist Wunschdenken, denn die Evolution hat durch natürliche Selektion dazu geführt.
Als Gegenargument kann man anführen, dass die Nichtexistenz Gottes ebenso Wunschdenken sein kann. Der Wunsch dass es Gott nicht gibt ist für den Menschen nämlich viel bequemer und die Evolution legitimiert seinen Egoismus. Weiters behauptet kein ernsthafter Wissenschafter, dass die Evolution Neues schafft. Dadurch erklärt sie in keinster Weise die Schöpfung sondern nur die geringfügige Veränderung. Auch die Veränderungen von einer Art in eine andere kann nicht belegt werden, sondern nur die Mikroevolution, die Veränderung und Anpassung innerhalb von Arten.
Die Evolution und Selektion erklärt nicht wie es vom Nichtleben zum Leben kommt, vom Nichtbewußtsein zum Bewußtsein, von der Nichtsittlichkeit zur Sittlichkeit. Wo kommen die Anfänge her? Im Gegensatz zur Evolution lehrt uns das Anthropische Prinzip, dass der Kosmos mit seinen Naturkonstanten im Gesamten auf den Menschen hin geschaffen wurde. Weiters zeigt uns die Entropie, dass sich in der Natur ein System höherer Ordnung immer in ein System niedriger Ordnung entwickelt, wenn nicht mit absichtlicher Intervention die Ordnung erhöht wird.

3, Eine Welt ohne Religion ist friedlich. Noch nie wurde im Namen des Atheismus Krieg geführt.
Dieser Argumentation konnte sich nicht einmal der sonst links-liberale Spiegel anschließen. Sicherlich ist Religion, und hier vornehmlich der Islam, auch für kriegerische Aktivitäten verantwortlich. Aber ebenso andere Weltanschauungen wie der Kommunismus oder der Faschismus, die ausgesprochen antireligiös sind, waren oft die Kriegstreiber oder die Mörder an unschuldigen Leben. Habgier, Geltungssucht oder das wehrhafte Verhalten gegen die Ungerechtigkeit waren in der Geschichte ebenso Auslöser für Krieg. Hitler war Atheist und erklärter Gegner des Christentums, ebenso wie Marx, Stalin oder Mao.

4, Die Evangelien sind eine literarische Erfindung, ein Roman, genau so wie das Buch Sakrileg von Dan Brown.
Als Althistoriker legte Dr. Spieß hier klar, dass aus historischer Sicht die Evangelien, sowie die Aussagen davon wie die Auferstehung eine historische außerordentlich gut belegte Tatsache ist. Es gibt keine historischen Fakten aus dem ALtertum die besser belegt sind als die Evangelien und die biblische Geschichte. Wenn wir das in Zweifel ziehen, dann müssten wir die gesamte uns bekannte Geschichte ebenfalls anzweifeln und überhaupt keine historisch wissenschaftlichen Belege gelten lassen.

Wir müssen bedenken, dass der Umstand ob es einen Gott gibt oder nicht die Grundlage der Gesellschaft, der Politik, der Rechtssprechung und der Moral darstellt.

Sollte es Gott geben, dann hat das zwingendermaßen Auswirkungen auf unser gesamtes Leben. Es gibt ein absolut richtig und falsch und Richtlinien an denen wir unser Leben ausrichten sollen, ob es uns Spaß macht oder nicht.

Sollte es keinen Gott geben, dann hat das natürlich ebenfalls enorme Auswirkungen auf unser Leben. Es gibt kein richtig und kein falsch, alles ist relativ. Übrigens ist hier der oft benutzte Bezug dieser Aussage auf Einstein vollkommen falsch, denn dieser hat diese Aussage nie gesagt, sondern er verwehrte sich zu Lebzeiten dagegen, da er sehrwohl an einen Gott glaubte. Es gibt auch keine Moral, somit keine Grundlage für Gesetze. Das Gesetz ist ein Abbild der aktuellen Gesellschaft und passt sich an unsere Bedürfnisse an. Dann muss auch Mord kein Verbrechen sein. Abtreibung kann man problemlos argumentieren, ebenso wie Euthanasie.

Wenn es keinen Gott gibt, dann ist, wie Dostojewski sagte,  alles erlaubt.

Die EU ist bereits voll in eine Welt ohne Gott unterwegs. Das ehemalig christliche Amerika vollzieht unter Obama gerade einen Schwenk. Die ehemallig kommunistischen Länder sind orientierungslos. Die Errungenschaften der christlich westlichen Welt werden weggeworfen und gegen eine vermeintlich bessere moderne Lebensordnung eingetauscht die Genderismus, Evolutionstheorie, natürliche Selektion und neuen Atheismus predigt. Diese schöne neue Welt ist eine Welt ohne Moral und Liebe, ohne Werte, ohne Hoffnung. Ohne die wesentlichen Elemente die das Menschsein ausmachen.

Weiterführende Informationen unter www.iguw.de

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3 responses

2 01 2010
Religionsgegner

Diese altbekannte Argumentation der Abergläubigen ist Schwachsinn ohne Ende. Es werden einfach Behauptungen aufgestellt und keine Beweise gebracht. Und natürlich wieder die Hetze gegen Abtreibung. Leute wacht auf und werdet vernünftig.
Hier könnt ihr lernen, wie: http://religionsfrei.wordpress.com

10 01 2010
schreibfreiheit

Die Behauptungen stellt Dawkins in seinem Buch “Der Gotteswahn” auf. Diese sind sehr schwach, aber die Atheismus Gläubigen glauben halt daran, weil es ihrem Wunsch nach einer Welt ohne Gott entspricht.
Das hin- und her- argumtieren kann ewig weitergehen, doch man wird zu keinem Ergebnis kommen. Denn wenn es Gott gibt, dann werden wir ihn nicht so beweisen können, dass ein Atheismus Gläubiger umkehrt und andererseits ist es auch nicht beweisbar, dass es Gott nicht gibt.
Was sollen wir aber tun ? Mit Paulus gesprochen:
Jetzt sehen wir nur ein undeutliches Bild wie in einem trüben Spiegel. Einmal aber werden wir Gott von Angesicht zu Angesicht sehen. Jetzt erkenne ich nur Bruchstücke, doch einmal werde ich alles klar erkennen, so deutlich, wie Gott mich jetzt schon kennt.
Was bleibt, sind Glaube, Hoffnung und Liebe. Die Liebe aber ist das Größte.

13 05 2013
Christin

Leider ist es so, ich erlebe es jedenfalls sehr oft, dass Menschen, die gegen Gottesglaube sind, fast immer mit Beleidungen (Schwachsinn) und markigen Worten (Hetze) versuchen zu agitieren, aber nicht eine einzigeThese von Dr. Spieß herausgreifen, Argumente dagegen schreiben oder hier zur Diskutission stellen. Ich denke, Höflichkeit muss im Zwischenmenschlichen doch gewahrt werden. Und auf dieser Ebene der gegenseitigen Wertschätzung und Akzeptanz kann dann ein guter Austausch stattfinden, aber nicht so.

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