Von Mensch zu Mensch – CARINA KERSCHBAUMER
24.3.2010 Printausgabe Kleine Zeitung S. 10
Schaffen wir doch die Kinder ab!
Wer hat den Mut, endlich laut zu fordern:
Schaffen wir die Kinder ab.
Sofortiges Einsparpotenzial: 7,85 Milliarden.
7,85 Milliarden Euro mit einem Schlag erspart!
7,85 Milliarden ist jene Summe, die Österreich pro Jahr für Familien ausgibt.
Ein gigantisches Einsparvolumen, wenn es keine Kinder mehr gäbe.
Eine absurde Annahme?
Wifo-Expertinnen haben ja soeben vorgeschlagen, Zahlungen an Familien zu kürzen und dafür mehr Kindergärten und Krippen zu schaffen. Zusätzlich soll Eltern, die zweieinhalb Jahre ihr Kind betreuen, diese Möglichkeit gestrichen werden. Weil die lange Kindergeldvariante „keinen Beitrag zur Förderung der Berufstätigkeit leistet”. Was auch stimmt. Und es stimmt: Wenn Frauen gleich arbeiten wie Männer, würde auch das Armutsrisiko von Frauen verringert. Und die Wirtschaftsleistung würde nach einer EU-Studie um ein Drittel steigen.
Also wer hat endlich den Mut zu fordern: „Weg mit den Kindern.”
Am grünen Tisch lässt sich natürlich vieles fordern und ausblenden. Wer denkt da schon an weinende Babys oder fragt nach den Folgen völlig outgesourcter Kinder. Solche Fragen nerven und stören nur. Sie würden ja auch erklären, warum immer noch viele Eltern zwei Jahre beim Kind bleiben. Oder warum so viele Teilzeit arbeiten. Weil halt Kinder keine seelenlosen Maschinen sind und es Kinder gibt, die mit neun noch „drokene Mere” schreiben und Eltern brauchen, die ihnen helfen.
„Zunehmende Kinderentsorgung” konstatieren Soziologen. Entsorgung? Da muss nichts mehr entsorgt werden. Entsorgt werden kann nur, was zuvor wahrgenommen wird. Aber wer nimmt noch abseits von Wirtschaftsleistung und Förderung der Berufstätigkeit Bedürfnisse von Kindern wahr?
Sie erreichen die Autorin unter carina.kerschbaumer@kleinezeitung.at
Siehe auch: AK und Wifo gegen Kinderbetreuungsgeld

