Die „Moral des Glücks“

6 05 2010

von Inge M. Thürkauf

In der nordenglischen Hafenstadt Workington wurde ein baptistischer Prediger festgenommen, nachdem er in Bezug auf die Gebote Gottes homosexuelle Lebensweisen als sündhaft bezeichnet hatte. Ihm wird öffentliche Diskriminierung vorgeworfen.

Es ist nicht das erste Mal, daß Aussagen gegen die Homosexualität in Großbritannien strafrechtlich belangt werden. Im Vereinigten Königreich ist die freie Meinungsäußerung im Hinblick auf homosexuelles Verhalten sehr eng begrenzt. Vor ca. 2 Jahren wurde ein anglikanischer Bischof zu einer Strafe von mehreren zehntausend Euro verurteilt und mußte an einer Anti-Diskriminierungsschulung teilnehmen, weil er sich geweigert hat, einen Homosexuellen in kirchliche Dienste zu nehmen.

Noch weitaus strikter werden in Großbritannien kritische Meinungsäußerungen gegenüber homosexuelle Lebensweisen bei Politikern geahndet. Ein Lehrer der Schottischen Konservativen (Tories) wurde aus der Partei ausgeschlossen, weil er sich gegen die Homo-Ehe ausgesprochen hat und sich auch nicht für deren staatliche Förderung einsetzen wollte. Auf seiner Internetseite verteidigte er seine Haltung mit der ‚Begründung, daß er „zwar das Recht Homosexueller, ihr Leben im privaten Bereich nach ihren eigenen Vorstellungen zu leben“, akzeptiere, jedoch müsse den Eltern und Lehrern ebenso das Recht eingeräumt werden, sich dagegen zu wehren, daß den Kindern homosexuelle und heterosexuelle Ehe als gleichwertige Lebensart vermittelt werde.

Man sollte nun annehmen, diese Berichte – auch wenn sie aus dem Ausland kommen – wären den Vertretern der Kirche Anlaß, durch eindeutigen Bezug auf die kirchliche Lehre den Gläubigen wie den Fernstehenden die Unvereinbarkeit der homosexuellen Lebensweise mit der christlichen Ehe nahe zu bringen. Doch weit gefehlt: In einem Interview für die „FRANKFURTER RUNDSCHAU“ sprach sich der deutscher Moraltheologe, Eberhard Schockenhoff, für ein „positives Echo“ der Kirche und „Rückhalt für praktizierende Homos“ aus. Seiner Meinung nach sei es „ethisch wertvoll“, „wenn homosexuell empfindende Menschen eine feste, auf Solidarität und Dauer angelegte Beziehung eingehen“.

Ähnlich befremdend argumentierte Kardinal Christoph Schönborn bei einer Veranstaltung Ende April in Wien: „Beim Thema Homosexualität“, so meinte er, „sollten wir stärker die Qualität einer Beziehung sehen. Und über diese Qualität auch wertschätzend sprechen. Eine stabile Beziehung ist sicher besser, als wenn jemand seine Promiskuität einfach auslebt.“ Er sprach dann von einem Wandel einer „Pflicht-Moral“ hin zu einer „Moral des Glücks“, wo nicht die Sünde im Zentrum der Betrachtung stehe, sondern der Versuch, den Geboten zu entsprechen.

Abgesehen davon, daß eine „stabile“ und „auf Solidarität und Dauer angelegte Beziehung“ unter Homosexuellen kaum oder höchst selten anzutreffen ist, dürften Seiner Eminenz die Kapitel des Katechismus der Katholischen Kirche zur Homosexualität nicht unbekannt sein, war er doch seinerzeit als Redaktionssekretär bei dessen Herausgabe maßgeblich beteiligt. Dort wird unter Punkt 2357 davon gesprochen, daß „gestützt auf die Heilige Schrift“, Homosexualität eine „schlimme Abirrung“ ist, und „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind.“ Und bei Punkt 2359 wird deutlich darauf hingewiesen, daß homosexuelle Menschen zur Keuschheit gerufen sind. „Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich … durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.“

Es ist somit offensichtlich: Eine „Moral des Glücks“ können wir nur durch die Befolgung der Gebote, die Gott uns als Leitlinien gegeben hat, erreichen. Das sechste Gebot spricht nicht nur vom Verbot des Ehebruchs, sondern auch, daß der Mensch „nicht Unkeuschheit treiben“ soll. Die beiden maßgebenden Texte im Alten Testament für die Beurteilung der Homosexualität drücken dies aus: In Lev 18, 22 heißt es: „Du sollst nicht mit einem Manne fleischlichen Umgang haben, wie mit einem Weibe, denn dies ist ein Greuel“ und in Lev 20, 13: „Wenn jemand mit einem Manne Umgang hat wie mit einem Weibe, so haben beide eine Greueltat verübt“, m. a. W. es geschah eine Verletzung des sechsten Gebotes.

Eine der wichtigsten Aussagen im Hinblick auf die homosexuelle Praxis finden wir im Römerbrief. Hier unterscheidet Paulus deutlich zwischen weiblicher und männlicher Homosexualität. In Vers 21 beschreibt Paulus Menschen, die sich von Gott abgewandt haben, nachdem sie ihn erkannt hatten   Danach wurden sie „eitel in ihren Gedanken und ihr unverständiges Herz ward verfinstert“(21). Gott hat sie sich daraufhin selbst überlassen. Er gab sie „den Begierden ihres Herzens preis, der Unreinheit, daß sie ihre Leiber an sich selbst schänden“ (24) Bei Paulus ist daher homosexuelles Verhalten nicht Ursache, sondern Folge und Ausdruck der Apostasie vom Dreifaltigen Gott. Und es heißt weiter: „Er gab sie schmachvollen Leidenschaften preis. Denn ihre Weiber vertauschten den naturgemäßen Gebrauch in den Gebrauch, der wider die Natur ist (26). Gleicherweise aber verließen auch die Männer den naturgemäßen Gebrauch des Weibes und entbrannten in ihren Gelüsten gegen einander, indem sie, Männer an Männer, Schändung trieben und so den Lohn, der ihrer Verirrung gebührte, an sich selbst empfingen“(27). Und Gott überließ sie „der verworfenen Gesinnung, daß sie tun, was sich nicht geziemt“(28). Paulus beschreibt also die homosexuellen Praktiken als Verirrung und Täuschung. Sie werden als „Schändung“ bezeichnet.

In den angeführten Texten wird die homosexuelle Praxis als mit dem Willen Gottes nicht vereinbar bezeichnet. Wie also können wir – wie Kardinal Schönborn sich ausdrückt -„wertschätzend“ über eine Handlungsweise sprechen, die Gottes Wertschätzung nicht haben kann? In der Diskussion um die Homosexualität geht es darum, den verirrten Menschen die Wertschätzung entgegenzubringen, die sie als Geschöpf Gottes haben. Menschen, denen Gott selbst seine liebende Hand entgegenstreckt, um sie zur Umkehr ihrer Gesinnung zu bewegen, um sie dadurch – in der Umgestaltung ihres Lebens – eine „Moral des Glücks“ erfahren zu lassen.


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2 Antworten

6 05 2010
Siegfried Molnár

Ausgezeichneter Artikel, danke!
Der faschistoiden Verfolgung von Homosexuellen in der Nazizeit und später folgt jetzt die genauso faschistoide Verhetzung, Verfolgung und Bestrafung jener, welche den Begriff „Sünde“ noch nicht aus ihrem Wortschatz verbannt haben und – anders als die Nationalsozialisten oder Kommunisten oder Islamisten – sehr wohl zwischen dem Wert und der Würde jedes Menschen und der Sache unterscheiden können.

6 05 2010
Prof.Dr. Hans Schieser

Frau Thürkauf hat recht!
Es müßte doch in einer freiheitlichen Demokratie möglich sein, seine Meinung auszudrücken, die außerdem noch mit der Wirklichkeit (nicht nur mit der Bibel!) übereinstimmt.
Es ist wissenschaftlich und empirisch (=von der Erfahrung seit Jahrhunderten!) feststellbar, daß Homosexualität eine „Sünde“ (das ist die bilische Sprache), d.h eine „unrealistische“ (= nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmende) Orientierung des Menschen ist. Ob das nun „genetisch“ bestimmt ist (dafür gibt es keinerlei haltbare Hinweise!) oder eine krankhafte, von der Person gewählte Orientietrung, ist hier irrelevant.
Wenn gewisse Kreise schon allergisch reagieren, wenn man nur von der Möglichkeit spricht, daß dies heilbar ist, und die Tatsache erwähnt, daß viele sich tatsächlich von ihrer „Orientierung“ befreien konnten, dann läßt das vermuten, daß diese den Anschluß an die Wirklichkeit verloren haben (was ein Symptom von Geisteskrankheit ist) und sich genauso intolerant zeigen, wie sie es Anderen vorwerfen.

Übrigens: die (katholische) Kirche hat noch nie Homosexuelle „verdammt“, sondern ihnen den Weg aus dieser „Orientierung“ gezeigt. Es wurde schon immer darauf hingewiesen, daß man die Sünde haßt, aber nicht den Sünder.
Im „Dritten Reich“ hat man Homosexuelle eingesperrt und sogar „liquidiert“, wogegen die Kirche (übrigens als Einzige!) protestiert hatte.

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