Dummheit

6 03 2014

Meine Bibellesung führte mich vor einiger Zeit zu einer überraschenden Entdeckung.

Dabei ist es ja nicht so, daß man nicht auch in vermeintlich wohlvertrauten Bibelpassagen immer wieder etwas neues entdecken würde. Das ist aber besonders der Fall, wenn man den griechischen Text oder die (durch die Kirche als „authentisch“ deklarierte, somit maßgebliche) lateinische Vulgata heranzieht. Die erwähnte überraschende Entdeckung bezog sich auf eine altbekannte Stelle, die ich für meine Meditation in den Versionen Griechisch und Latein konsultiert hatte.

In der Einheitsübersetzung (die man leider guten Gewissens nur sehr bedingt empfehlen kann, die Einleitungen gar nicht) heißt es also bei Mk 7, 20-23:

Weiter sagte [Jesus]: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.

Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,

Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.

All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

 

Wenn man sich den lateinischen und griechischen Text ansieht, steht für das in allen gängigen deutschen Übersetzungen verwendete „Unvernunft“ stultitia bzw. aphrosyne.

Stultitia ist aber viel härter und pointierter, als es „Unvernunft“ nahelegt. „Unvernunft“ klingt ja fast ein bißchen entschuldigend. Einem Kind oder Jugendlichen z. B. sieht man manche „Unvernunft“ gerne nach. Alles andere wäre überzogen.

Aber es geht um etwas anderes. Zu der hier angeprangerten Fehlhaltung sagte man früher „Torheit“. Heute sagt man „Dummheit“. Der stultus ist ein „Narr“, ein „Blödmann“, umgangssprachlich ein „Depperter“.

Es stellen sich dann die Fragen: Kann diese Eigenschaft Sünde sein, und wenn ja, wie? Oder: Macht uns die Dummheit tatsächlich innerlich „unrein“?

Nun, es ist wie mit den anderen Begriffen aus der Tugendlehre, mit Tugenden und Lastern: Sie sind heutzutage kaum mehr verständlich. Die Manipulation des Denkens durch die diskreten, subversiven Zirkel hat sich als weitgehend erfolgreich erwiesen. Schauen wir nur beispielsweise auf die Kardinaltugenden: „Klugheit“ ist eliminiert, „Gerechtigkeit“ in staatliche Konfiskation des Privateigentums und Verteilung an bestimmte Klientelen umgelogen, „Tapferkeit“ kommt als Ausdruck fast nicht mehr vor, allenfalls zeigt jemand „Mut“ oder „Zivilcourage“, wenn er gegen – sicherheitshalber inexistente – „Neonazis“ auf die Straße geht, „Mäßigung“ ist nur mehr im Zusammenhang mit „Ernährungssünden“ relevant.

Oder auf die theologischen Tugenden: „Glaube“ kann sich auf alle möglichen und unmöglichen Überzeugungen beziehen, „Hoffnung“ auf innerweltliche, politische Utopien, „Liebe“ ist praktisch nur mehr „Sex“.

Die Wahrheit der Tugenden ist also verdeckt worden. Die Laster sind als solche aus dem Bewußtsein vertrieben worden – „Sünde“ gibt es ja nicht mehr – und werden derzeit allenfalls (und immerhin) als psychiatrische Phänomene wieder thematisiert. 

 

Um also zu unserem Thema zu kommen:

Ein erstes intuitives Verständnis von „Dummheit“ zeigt uns, daß es sich um ein „Laster“ handelt, nämlich um eine Haltung, die sich aus moralisch verwerflichen Gründen (Trägheit, Unaufmerksamkeit, Flucht vor dem Gewissen und dem Anspruch Gottes) gegen die Kenntnisnahme notwendiger Informationen sträubt. Eine Haltung, die also nicht wissen will. Das ist sicher als „deppert“ zu bezeichnen.

Damit können wir auch schon einmal festhalten, was „Dummheit“ nicht ist: „Dummheit“ ist nicht von vorneherein der Mangel an formaler oder gar akademischer Bildung. (Sie wäre es aber dann, wenn aus eigener Ignoranz die Chance auf Bildung verspielt wurde.) Viele Intellektuelle und Professoren sind leider Gottes dumm. Dummheit ist somit auch nicht der Zustand einer Krankheit oder Behinderung.

Im Zusammenhang mit zitierter Bibelstelle und mit der gesamten Tugend- und Lasterlehre der katholischen Tradition schlage ich zu definitorischen Zwecken folgende drei Facetten des Wesens von Dummheit vor:

Dummheit ist (1) die moralisch verwerfliche Weigerung, seinen eigenen Seelenzustand, sein Gewissen, wirklichkeitsgemäß zu betrachten und zu prüfen. Sie ist (2) die Weigerung, die eigene Person zu entfalten und damit dem Schöpfungsauftrag Gottes zu entsprechen und die „Talente“ zur Ehre Gottes, zum Wohl und Heil des Nächsten und zum eigenen Heil einzusetzen. Sie ist (3) schließlich die Weigerung, die von Gott geoffenbarten und zur Verfügung gestellten Mittel zur Erlangung des endgültigen Heils (Sakramente, Gebet, Bibellesung, Fasten, Werke der Nächstenliebe) zur Kenntnis nehmen und einsetzen zu wollen.  

Wenn man diese Kriterien anlegt, wird man den Schluß ziehen müssen, daß eine große Anzahl von Zeitgenossen im Zustand der Dummheit lebt. Das eigene Innenleben zu ignorieren, ist eine unausweichliche Folge des Konsums der Massenmedien. Hier werden viele überflüssige (und falsche) „Informationen“ eingesaugt, aber das „eine notwendige“ (Lk 10, 42) nicht zur Kenntnis genommen. Es ist die für unsere Zeit charakteristische „Flucht vor Gott“ (Max Picard, 1934).

Die Oberflächlichkeit als Flucht vor dem Anspruch, dem eigenen Gewissen, damit der Stimme Gottes, Raum zu geben – das ist die Situation unserer Zeit. Die kostbare Lebenszeit vor dem Fernsehgerät zu verschwenden, ist Dummheit. Es ist Dummheit, eine änderbare Lebensführung nicht zu ändern, die Gewissensbisse auslöst (oft als „Krankheit“ getarnt) und unglücklich macht. Dummheit ist, der Lüge zuzustimmen und nicht für die Wahrheit einzutreten, wo man es könnte.

Es ist äußerste Dummheit, angesichts der ewigen Wahl zwischen Himmel und Hölle unachtsam, gleichgültig und desinteressiert zu sein.

In diesem Sinne ist das Gegenteil von Dummheit eben nicht, wie schon gesagt, die formale oder akademische Bildung, sondern die Klugheit. Das ist diejenige Tugend, die erste der vier Kardinaltugenden, die mir hilft, die allgemeinen ethischen Prinzipien im Hinblick auf die Erlangung des eigenen Heils auf die konkrete Situation anzuwenden.

Um hier eine Geläufigkeit zu erlangen, bedarf es großer Aufmerksamkeit und Übung. Die Aufmerksamkeit filtert aus der Masse an Sinneseindrücken und Informationen heraus, was wirklich wichtig ist – im Hinblick auf mein ewiges Ziel.

In diesem Sinne ist auch Aufmerksamkeit das Gegenteil von Dummheit, die inhaltlich und etymologisch mit „Dumpfheit“ verwandt ist. Das wache Interesse an der Wirklichkeit, vor allem an der Wirklichkeit des eigenen Seelenlebens und Gewissenszustandes, immunisiert gegen die Dummheit, fördert die Klugheit, und läßt den Klugen sicherer das ewige Ziel seines Lebens erreichen.

Das wird es sein, was der Herr meinte, wenn er die „Unvernunft“ oder „Dummheit“ in eine Reihe mit anderen Fehlhaltungen stellte, die zunächst weitem schwerwiegender und dramatischer klingen (Mord, Ehebruch, Verleumdung). Aber sie benötigen eben in gewisser Weise die stultitia.

Darum heißt es auch: „Die Toren sagen in ihrem Herzen: Es gibt keinen Gott“ (Ps 14, 1; Ps 53, 2). Aus dem Atheismus der Toren folgen die anderen Fehlhaltungen. Dabei bedarf es keineswegs des elaborierten theoretischen Atheismus des 19. Jahrhunderts, es ist auch der praktische Atheismus der alltäglichen Gottvergessenheit unserer Zeit, der aus der Torheit stammt und zu ihr führt. Die fünf törichten Jungfrauen im Gleichnis (Mt 25, 1-13) haben nicht vorausschauend gehandelt. Bei der Ankunft des Herrn waren sie nicht vorbereitet.

Eine ernste Mahnung an den Leser!  

Der Beginn der vorösterlichen Bußzeit ist ein hervorragender Zeitpunkt, die Haltung der Aufmerksamkeit für das Wesentliche, die christliche Klugheit und die Wissenschaft des Wortes Gottes neu zu kultivieren.

Schon seit alters wird Maria, die Mutter des Herrn, unter dem Titel sedes sapientiae, Sitz der Weisheit, angerufen. Möge sie allen, die ernstlich aus der Dumpfheit des Dahinlebens aufbrechen und sich um die Wahrheit bemühen wollen, eine wirksame Hilfe sein.





Dreifaltigkeit

16 06 2011

Trinity Church, New York, Foto: massmatt - Flickr.com

Am Sonntag nach Pfingsten begeht die Kirche das Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit.

Nach dem Osterfest, dem Fest des zentralen Heilsereignisses, nämlich der leiblichen Auferstehung Jesu Christi von den Toten, und nach dem Pfingstfest, dem Fest der Herabkunft des Heiligen Geistes, ist dieser Sonntag – gleichsam in einer Zusammenschau der Heilsereignisse - der Betrachtung der Dreieinigkeit von Vater, Sohn und Geist geweiht.

So weit, so bekannt.

Worauf ich hier hinauswill, ist die kultur- und zivilisationsprägende Dimension der Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes neu ins Bewußtsein zu rufen. Die Botschaft der Kirche gemäß der hl. Schrift ist, daß Gott die Liebe ist. Diese Liebe wendet er dem Menschen zu. Allerdings ist es so, daß er den Menschen nicht als Objekt seiner Liebe “braucht” (man verzeihe mir die sehr menschliche Ausdrucksweise),  denn er ist in sich Liebe. Gott ist in sich die Liebe des Vaters zum Sohn und diese Liebe ist personhaft der Heilige Geist. So sagt es, etwas schlicht formuliert, die traditionelle Lehre.

Gott ist in sich perfekt und er benötigt nicht den Menschen, um zu sich selbst zu kommen, so wie es die Irrlehren der alten und der neuen Gnosis, allen voran das Hegelsche Wahnsystem, lehren. Diese Irrlehre bringt dann den politischen Totalitarismus, der immer säkular und auf eine perverse Weise “religiös” zugleich ist, hervor. Denn dort muß der Mensch – um eben die Gottheit zum Ziel zu bringen –  die Perfektionierung der Menschheit, also wahlweise das tausendjährige Reich oder die klassenlose Gesellschaft oder ein anderes, vermeintliches  Ziel der Geschichte selbst leisten. Wer da nicht mitmachen will, wird als “Verhinderer” ausgemerzt. Das alles ist reiner Wahnsinn. Wir haben im 20. Jahrhundert zur Genüge  gesehen, wohin das führt.

Man sage also nicht, theologische Lehren hätten keine Auswirkung auf Politik und Kultur. Das haben sie sehr wohl – bis hinein in Detailbereiche der Gesetzgebung, der Rechtsprechung, der Kunst, der Ehe und des Familienlebens und aller anderen Lebensbereiche.

Die andere Bestreitung der überlieferten Lehre von der Dreifaltigkeit, die uns heute zu schaffen macht, ist die islamische. Wenn Gott als einsamer, nicht-dreifaltiger und sich nicht als die Liebe geoffenbarter verkündigt wird, muß das auch für die Beziehung der Menschen untereinander große Auswirkungen haben.

Welche das sind, können wir seit 1400 Jahren im islamischen Machtbereich mitverfolgen:  Dieser Gott ist zwangsläufig und offensichtlich ein Despot und ein Willkürherrscher. Und er ist – entgegen dem Wortlaut der islamischen Grundschriften – ganz offensichtlich kein “Allerbarmer”.

Das am kommenden Sonntag zu begehende Fest erinnert uns also an das tiefste innergöttliche Geheimnis, an die Liebe. Es erinnert uns daran, daß wir Menschen kein “Teil” Gottes sind, aber aus Gnade an der göttlichen Natur teilhaben sollen (wie es im 2. Petrusbrief heißt). Und es erinnert uns daran, daß wir als Menschen die innergöttliche Liebe in unseren menschlischen Beziehungen gleichsam widerspiegeln sollen, indem wir allen Menschen Wohlwollen zeigen und so vollkommen werden, wie der Vater vollkommen ist (wie es in der Bergpredigt, im fünften Kapitel bei Matthäus, heißt). Das gibt uns für das politische Tun auch das Wissen, daß wir auf dieser Erde ohnedies nicht das Paradies errichten, aber vieles zum Guten wenden können. Das fordert uns zur zwar fleißigen und mutigen, aber eben nicht zur verbissenen und “fanatischen” Weltgestaltung auf.  

Klingt das alles zu weit hergeholt?

Nun, ich überlasse es mithin dem geneigten Leser, erstens die Spuren der Lehre von der Dreifaltigkeit in unserer Kultur und Zivilisation zu suchen und zu finden, zweitens die Folgen einer Ablehnung dieser Lehren zu erwägen und sich drittens selbst das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit immer tiefer anzueignen.

Dann werden wir jedenfalls den kommenden Sonntag mit tieferer Anteilnahme zu begehen wissen.

 





Entwicklungsländer?

3 12 2010

Von Assemani

Letztens ist mir wieder einmal der Kragen geplatzt. Da habe ich wieder von “Entwicklungsländern” und “Entwicklungshilfe” (das ja seit einiger Zeit “Entwicklungszusammenarbeit” heißt, weil die korrupten Potentaten ja mit uns “auf selber Augenhöhe” stehen sollen o. ä.) und ähnlichen mysteriösen Dingen lesen müssen.

Ja, wann sind denn diese Länder endlich entwickelt? Welche Maßstäbe sollen angewandt werden, um den Status der Entwicklung festzustellen?

Ich diagnostiziere, daß die meisten islamischen Staaten, auch die armen, ohnehin schon entwickelt sind. Denn gemäß ihren eigenen Vorgaben kann man sich nicht anders entwickeln. Es kann immer nur ein korrupter Staat mit Verschwendungswirktschaft und enormer Bürokratie herauskommen. Ähnliches trifft auf viele Staaten zu, in denen alle möglichen Götzenkulte herrschen. Solange die Neidgesellschaft des Heidentums nicht durch das Licht des Evangeliums überwunden wird, werden alle diese Länder auf einem primitiven Niveau stagnieren.

Nur der wahre Gott erlaubt einem Individuum, einer Gruppe, einem Gemeinwesen, einem Staat oder Staatenbund sich wirtschaftlich, kulturell und menschlich gut weiterzuentwickeln. So unvollkommen viele europäische Kolonialmächte auch waren und so viele Fehler sie auch gemacht haben (was ich nicht bestreite), muß man doch die Kirche im Dorf lassen und fragen: Ist die Situation z. B. der afrikanischen Länder nach der “Befreiung” besser geworden? Ist es besser, von europäischen Staaten mit mehr oder weniger christlicher Ausrichtung regiert zu werden oder von einheimischen Potentaten, die – wie im Falle der 60er Jahre und danach – von kommunistischen Ideen verseucht sind oder europäisch kodifizierte Menschenrechte durch grausame Scharia-Vorschriften ersetzen? Ist die Renaissance des Wahhabismus und anderer Phänomene den Bevölkerungen des Orients zuträglicher als – meinethalben – der französische Einfluß vor hundert Jahren (so unvollkommen er auch war)?

Mir platzt förmlich der Kragen, wenn ich wie zuletzt höre, daß man jetzt noch die europäischen Kolonialmächte für alle möglichen Versagen der Gegenwart, einschließlich der AIDS-Ausbreitung, verantwortlich macht. Haben die post-kolonialen Staaten kein Eigenleben und keine Eigenverantwortung?

Nein, die Entwicklungsländer in Afrika und anderswo waren schon einmal weiter. Die islamische Welt hatte schon einmal mehr Menschenwürde, Menschenrechte und Prosperität gesehen, nämlich als der Einfluß des Islam zurückgedrängt war.  Jetzt, in der “Moderne”, haben Steinigung, Amputation, Zwangsehe und Kinderehe, eine gewaltige Renaissance erlebt.

Ist das die “Entwicklung”, die sich der Westen wünscht?

 Nein, Entwicklung gibt es nur – und wir sehen das jeden Tag – wo man den wahren Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft liebt und der Nächsten wie sich selbst. Alle anderen Gesellschaftsmodelle werden die Menschen auf einem primitiven Niveau festhalten – oder Schlimmeres.

Auch wenn man es im Westen nicht hören will.





Barbarisierung

30 10 2010

Von Assemani

Vor etwa zwanzig Jahren wurde gleichsam schleichend für den 31. Oktober ein heidnisches Fest –  gut, sagen wir ein heidnischer Brauch, denn, was hier gefeiert werden soll, ist ganz unerfindlich, aber irgendetwas wird begangen, dem Vernehmen nach ein keltischer Totengötze, oder was auch immer – eingeführt.

Ich weiß nicht, wer das gemacht hat. Vermutlich gab es dazu weder Ministerratsbeschlüsse noch EU-Richtlinien. (Immerhin. )

Aber das ist auch fast unerheblich. Was  nicht unerheblich ist, ist, daß durch das Aufflammen des längst überwunden geglaubten heidnischen Mumpitz eine Re-Paganisierung und dadurch eine Re-Barbarisierung unserer Zivilisation betrieben wird – mit allen schlimmen Folgen. Der Anblick absichtlich häßlich gemachter junger Menschen in Hexen- und Teufelskostümen, die andere Leute belästigen und bei diesen im Falle, daß sie ihnen nicht die geforderten Süßigkeiten aushändigen, kleinere Sachbeschädigungen verüben, ist ein durchaus unerfreulicher.

Hexen und Teufel sind nicht gut. Sie sind nicht Vorbild und sie sind auch nicht “integrierbar”. Sie öffnen das Tor zum Aberglauben, zu Angst und Abhängigkeit, letztlich zum Ruin des Menschen.  Zu Recht wurde dieser Spuk beendet, als Europa getauft wurde.

Jetzt kommt dieses Zeug aber wieder. Dabei sind die kommerziellen Interessen einer pervertierten Spielzeugindustrie noch der verhältnismäßig harmlosere Aspekt. Es ist der orchestrierte Rückfall in gewollte Bösartigkeit, in Heidentum und Barbarei, der sich als geistige Tendenz mit einer gewissen Macht darstellt, der hier zum entschlossenen Widerstand aufrufen läßt.

Die “Feier” des irischen Totengötzen, damit des Todes selbst, ist eine direkte Beleidigung Gottes. Sie schmäht Sein Erlösungswerk am Vorabend des ersten Novembertages, da Seine Kirche alle Heiligen feiert. In Dankbarkeit gedenken wir Christen aller Menschen, die vor uns das ewige Ziel erreicht haben und mit denen wir zutiefst verbunden sind. Wir erinnern uns aller bekannten Heiligen, aller, die wir nicht kennen, und aller, von denen wir nicht wissen, daß sie bei Gott sind. Von dort aus treten sie für uns.

Sie sind gestorben, aber sie sind nicht “tot”, denn Gott ist kein Gott der Toten sondern der Lebenden.

Wer dieser frohen Botschaft den alten Götzenkult entgegensetzt, gibt Ärgernis und führt viele in die Irre. Dabei sind es  kaum die Kinder, die einer für sie aufregenden Mode nachlaufen, die hier selbst schuldig werden als vielmehr diejenigen, die diese unfaßbare Barbarisierung betreiben oder sie fördern.  Wir wissen, was denen gebührt, die die Kinder zum Bösen verführen.

Hier ist Wachsamkeit gefragt. Hier ist auch das Zeugnis gefragt, das wir allenfalls unseren Nachbarn, Arbeitskollegen, Angehörigen und Freunden geben sollen, wenn morgen diese abscheuliche Barbarisierung quasi-kultisch zelebriert werden wird. Wir werden dafür von vielen Spott und Verachtung ernten. Wir werden das aber gerne für unsere Kinder, für unser eigenes Gewissen und für die Ehre Gottes auf uns nehmen.





Langeweile

13 09 2010

Ein Blick auf das Lebensgefühl unserer Zeitgenossen macht eines klar: Die Langeweile nimmt in erschreckendem Ausmaß zu. „Mir ist fad“, ist geradezu zum Lebensgefühl vieler Menschen geworden. “Events”, “Feste”, clubbings, shows, action, matches u. andere Spektakel, inklusive der unfaßbaren Verschwendung von Lebenszeit durch das Fernsehen bezeugen den Status des gegenwärtigen Menschen als eines sich langweiligenden Wesens, als eines Wesens, der ohne diese “Events” ein unerträgliches Gefühl der Lehre, einen horror vacui, erleiden müßte.  

In der klassischen Tugend- und Lasterlehre der Kirche ist die Langeweile in der „akedia“, dem „Überdruß“, enthalten, die siebte der sieben Hauptsünden. Sie ist eine Geistesverfassung, die den von ihr Befallenen hindert, Glanz, Sinn und Wert in den Dingen und Ereignissen, vor allem aber in den geistlichen Dingen, ja in Gott wahrzunehmen.

Wie kommt es nur, daß heute so viel Leere und Überdruß herrschen, daß es eine eigene Freizeit-Industrie braucht, um die Menschen zu beschäftigen?

 Wie kommt es, daß so viele Menschen so viel Zeit mit sinnlosen Dingen, halb-falschen Informationen und nichtigen Bildern zubringen? Daß Kinder und Jugendliche Jahre ihres Lebens mit unproduktiver bzw. nicht-persönlichkeitsformender Tätigkeit verlieren? Daß auch erwachsene, ja ältere Menschen sinnlose Stunden pro Tag in freiwillig vollzogener Gehirnwäsche (TV) zubringen?

Eine erste Antwort darauf ist der fast völlige Verlust des Wissens um das ewig Gültige, der Verlust des Bewußtseins eines zukünftigen Gerichts, der Verlust des Sündenbewußtseins in unserem Kulturkreis. Wenn alles erlaubt ist, ist alles gleich gültig,  somit gleichgültig, somit grenzenlos öde. Nichts hat mehr Wert und Bedeutung.  Nichts kann nützen, nichts kann schaden, wir kommen alle, alle in den Himmel. Damit können wir tun und lassen, was wir wollen – und viele tun es auch. Tu, was du willst, sagt ein infamer okkulter Schriftsteller. Er sagt aber nicht, was wir wollen sollen, wenn wir nicht umsonst gelebt haben wollen.

Eine zweite Antwort ist aber – und hier ist ein politischer Blog gefragt -  daß dieser gerade genannte Verlust des Wissens um absolut Gutes und Böses, um Tugend und Sünde, kein Zufall ist. Es gibt kein Naturgesetz oder kein Geschichtsgesetz, wonach seit einigen Jahrzehnten die Langeweile als Lebensgefühl in westlichen Kulturen (und anderswo) ausbrechen mußte.

Nein, für skrupellose Machthaber war die Erzeugung von metaphysischer Tristesse immer ein gutes Mittel, um bei ihren Untertanen Offenheit für regierungskonforme und regierungsgesteuerte Vergnügungen zu erzeugen. Langeweile und Überdruß im Volk schreien nach Abhilfe – nach den circenses der Machthaber, die hier auch ihre inhaltlichen Botschaften senden können. Es ist heute nicht grundsätzlich anders als im späten Rom: Regierungen, auch Stadtregierungen, werden zu Alleinunterhaltern bzw. sie kontrollieren die Unterhaltung. Staatskünstler, auch Kabarettisten, die den Machthabern nicht wirklich weh tun, haben daher einen einträglichen Job.

Vor allem müssen skrupellose Machthaber danach trachten, daß die Menschen nicht Dinge von Sinn und Wert finden, die von den Machthabern selbst nicht kontrollierbar sind.  Darum sind Christen, die Sinn und Glanz im geistlichen Leben, in Bibel und Kirche, in Liturgie und Diakonie finden, für illegtime politische Systeme aller Zeiten eine große Gefahr. In diesem Sinne ist der christliche Glaube zutiefst subversiv, er richtet sich einerseits gegen die Langeweile einer rein diesseitigen Welt, andererseits gegen Versuche, diese Langeweile auf illegitime Weise zu beheben.

Und im übrigen wissen auch Machthaber, wie subversiv gesellige Unterhaltung im Freundeskreis und private kulturelle Vergnügungen sind. Sie sind so schwer kontrollier- und manipulierbar.  

Somit lautet die – erwartbare – Schlußfolgerung: Ja zu gediegener Unterhaltung, ja zu Kunst und Literatur – aber im Wissen, daß die Sehnsucht des Menschen erst in Gott Erfüllung findet. Nein zu sinnlosen Spektakeln und deren politischem Mißbrauch. Ja zur Askese, die die Seele für “das eine, das nottut”, vorbereitet und jedem Überdruß die Spitze abbricht.





ORDO AMORIS

27 08 2010

Die wiederum sehr hitzig und noch mehr völlig konfus geführte mediale Pseudo-Diskussion um Patriotismus, Rassismus, Nationalismus, “Wiener Blut” (und türkische Milch) und alles, was damit zusammenhängt, zeigt eines sehr deutlich:

Der gesunde Menschenverstand hat sich aus der öffentlichen Diskussion schon lange verabschiedet.

Es liegt schon geraume Zeit zurück, daß man in der Erörterung diesbezüglicher politischer Probleme das Offenkundigste auszusprechen wagte, nämlich, daß es eine  “Ordnung der Liebe” (ordo amoris) gibt. Das ist von der Natur der Sache und ausdrücklich von der Lehre des Neuen Testamentes her klar und evident:

Liebe ist nur real, wenn sie konkret umgesetzt wird. Niemand darf prinzipiell von der Absicht des Wohlwollens (intentio benevolentiae) ausgeschlossen werden, aber freilich ist dieses Wohlwollen in aktiver Form sinnvollerweise zunächst den Menschen der nächsten Umgebung entgegenzubringen: der Familie, dem Nachbarn, dem Kollegen, dem Freund, den Verwandten u. s. w. Darum spricht man auch von “Nächstenliebe”, da ja eine  “Fernstenliebe” keinen wie immer gearteten realen Effekt zeitigen kann.

In einem analogen Sinn gilt dieses oben genannte Wohlwollen auch den Strukturen und ihren Angehörigen, die uns nun mal näher sind: Dorf oder Stadtteil, Stadt, Bundesland, Kanton oder Region, Staat. Natürlich wird sich ein Wiener Politiker um die Sorgen der in Wien lebenden Menschen zu kümmern haben. Um welche sonst? Analoges gilt für die Politiker anderswo.

Würde sich jeder einzelne und jeder Politiker an diese Rangordnung halten, wäre viel Verwirrung und Chaos beseitigt und vor allem würden konkrete Effekte dieses Wohlwollens schnell greifbar werden. Da aber heute viele von “globaler Verantwortung”, “Integration”, “niemanden zurücklassen” und “Bewegungsfreiheit für alle” u. dgl.  herumschwadronieren, ohne ihre Ziele offenzulegen, ist viel Konfusion eingetreten. (Oder drastischer gesagt: Nicht jeder, der Herrn Strache wegen “Ausländerfeindlichkeit” und “Rassismus” kritisiert, will schon seinem eigenen Nächsten wohl.)

Vielleicht wollen die Schwadronierer auch von der Liebe überhaupt gar nichts wissen? Vielleicht haben sie gar keine Absicht des Wohlwollens und brauchen daher keine Ordnung der Liebe? Vielleicht geht es ihnen um Gesellschaftsveränderung im Sinne einer der vielen wahnwitzigen Utopien, die zwar viel versprechen, aber keinen konkreten Einsatz der Liebe fordern, und am Ende viele Tote zurücklassen? Wie im Marxismus? So sieht es jedenfalls aus.

Nein, jeder, der sich in dieser Diskussion zu Wort meldet, muß sagen, ob er dieses Wohlwollen will oder nicht. Wenn er es nicht will, möge er als Haßprediger demaskiert und gemieden werden.

Der morgige 28. August ist im katholischen Kalender der Gedenktag des hl. Augustinus (gest. am 28.08.430), des “doctor amoris”, des “Lehrers der Liebe”, wie ihn die Tradition nennt. U. a. er hat die Lehre vom “ordo amoris” ausformuliert. Sein Leben und seine Werke beweisen, daß ein glühendes Herz und ein scharfer Verstand, demütiger Glaube und hochgestimmtes Denken, gut zusammengehen. Sie beweisen auch, daß uns die Klassiker der christlichen Antike immer noch (natürlich) vieles zu sagen haben. Und vor allem könnten sie uns helfen, die oben genannte Konfusion aufzulösen und zu Taten des Wohlwollens im privaten und öffentlichen Leben zu ermutigen. Das wäre für die gegenwärtige Politik am heilsamsten. 

 





Wiener Blut?

19 08 2010

Von Assemani

Wie man überall lesen kann, hat das Wahlkampfplakat der FPÖ – die wohl erwarteten bzw. berechneten – Wellen geschlagen.

Viele echauffieren sich über die “rassistische” Botschaft des Plakates und überschlagen sich förmlich vor gespielter Empörung.

Dazu nur ein kurzer Gedanke:

Sind wir in diesem Land schon so weit, daß Selbstverständlichkeiten solch ein Geschrei rechtfertigen? Sind wir schon so weit, daß die Medien- und Politiknomenklatur nach dem Staatsanwalt ruft, wenn ein österreichischer Politiker für österreichische Interessen eintritt? Für welche sollte er sonst eintreten? Wird normaler Patriotismus (wahlkampfmäßig pointiert und mit einer literarischen Anspielung ausgedrückt) schon als moralisch verwerflich und juristisch inkriminierbar eingestuft?

Persönlich finde ich den Slogan mäßig gut. Es geht nämlich nicht so sehr um “Blut”, also um das “Blut” der einheimischen und der zugereisten Bevölkerung, sondern um deren Gesinnung. Was denken und was wollen diejenigen, die zu uns kommen? Was denken und wollen diejenigen, die schon bei uns sind? Was denken und wollen die Staatsbürger? Wohin soll die Reise gehen?  Das wären die wichtigeren Fragen. Aber natürlich hat – naturrechtlich gesehen – ein Staat das Recht, sich seine Zuwanderer auszusuchen. Und natürlich hat ein  Staatsvolk das Recht, nicht durch eine schleichende oder rasche Landnahme zur Minderheit im eigenen Land zu werden. (Oder bestreitet das der Lissabon-Vertrag schon?)

Wie erregen sich doch die moralisierenden Kultur- und Sozialanthropologen über die Kolonisierung mancher Erteile durch Europäer und über die “Überfremdung” derer authchthoner Kulturen! Nun, und hier?

Die eigentliche Katastrophe, die sich im Zuge der Affichierung der FPÖ-Plakate ereignet, ist die Bildung einer Art von parteiübergreifender Volksfront (aber ohne Volk), die der österreichischen Bevölkerung um jeden Preis Multikulturalität und  Überfremdung aufdzwingen will – und sich dazu eines großen moralischen Gestus bedient.  Das ist der eigentliche Skandal und das ist die letzte Phase vor der Abschaffung von Demokratie und Souveränität.

Die FPÖ könnte sich anläßlich dieser Ereignisse im Gegenzug fragen, für welche Positionen sie steht. Wo soll die Reise dann hingehen, wenn die Überfremdung eingebremst ist? “Blut” alleine wäre sicher zu wenig.





Fastenzeit?

17 08 2010

Von Assemani

Wie wir in praktisch allen Medien hören, begeht ein bestimmter Teil der in Europa lebenden Einwanderer (oder wie sagt man korrekt, Zuwanderer, eigentlich nur Wanderer, migrantes heißt ja wohl so viel wie Herumstreifende o. ä., na egal) eine Art von Fastenzeit.

Nachdem diese festgelegte Zeit im Jahreskreis aufgrund der Orientierung an einem speziellen Kalender  immer nach vorne rutscht, wird man als Einheimischer gleichsam immer wieder von dieser Zeit überrascht: Ja, ist denn schon wieder Fastenzeit?

Untertags dürfen die Mitglieder dieser Bevölkerungsgruppe weder essen noch trinken. Was für Stimmung und Arbeitskraft eher abträglich ist. Nach Sonnenuntergang wird aber dann ordentlich zugegriffen. Praktisch jeden Abend ist Fest – und die gesamte Nachbarschaft muß es mitanhören, egal, ob sie zu dieser Bevölkerungsgruppe gehören oder nicht.

Das eigentliche Thema dieser Fastenzeit ist aber nicht das Fasten, kann es aufgrund der abendlichen Gelage auch gar nicht sein, sondern die Feier einer neuen Offenbarung, die ein bestimmter Prophet erhalten habe. In dieser Offenbarung werden die Gläubigen anderer Religionen verächtlich gemacht, deren Glaubensüberzeugungen falsch wiedergegeben und - in den Ländern, in denen diese Offenbarung Gesetz ist – zum Ziel von verbalen und sonstigen Attacken gemacht. Kann man dazu gratulieren?

“Fasten” würde anders ausschauen.  

Nein, es handelt sich nicht um eine Fastenzeit, wie wir sie kennen. Es ist kein Fasten, das nach den Anweisungen der früheren – und abschließenden – Offenbarung stattfinden soll: freiwillig, diskret, zur Öffnung für Gott und den Mitmenschen, zur Buße für die eigenen und für die fremden Sünden, als Fürbitte für andere, maßvoll, aber dennoch spürbar, nicht die Gesundheit schädigend, als Vorbereitung für ein unfaßbar großes, echtes Fest.

Wie wäre es, wenn die Mitglieder o. g. Bevölkerungsgruppe, die diese “Fastenzeit” begehen, ja  begehen müssen, frei werden? Wenn sie nicht ihrem Kult huldigen würden mitsamt dessen problematischen Inhalten, sondern zur Wahrheit kämen? Wenn die Wahrheit sie frei machen würde? Das wäre doch eine große Freude. Dann könnten wir ihnen wirklich gratulieren.





Märtyrerkanzler

24 07 2010

Von Assemani

Morgen, am 25.07.2010, jährt sich die Ermordung von Bundeskanzler Dr. Engelbert Dollfuß durch nationalsozialistische Putschisten zum 76. Mal.

Diesem großen Österreicher soll hier Reverenz erwiesen werden.

Was umso angemessener ist, als sich in der offiziösen bis offiziellen Geschichtsschreibung  (Wer schreibt die eigentlich?) und mainstream-Publizistik (Wer publiziert die eigentlich?) praktisch eine Gleichsetzung oder doch wenigstens eine innere Beziehung des ständestaatlichen Systems mit dem Nationalsozialismus eingeschlichen hat. Man spricht von beiden Systemen als von “faschistisch” und klagt Dollfuß absurderweise an, er habe den Weg für Hitler bereitet.  (Bizarrerweise fordern die sogenannten “Grünen” derzeit eine Rehabilitierung aller Justizopfer des Ständestaates – mit Ausnahme der nationalsozialistischen. Das heißt im großen und ganzen, daß der rote Terror der Zwischenkriegszeit reingewaschen und als “demokratischer Kampf”, oder so ähnlich,  gerechtfertigt werden soll.)

Man kann zum Wirken von Engelbert Dollfuß legitimerweise verschiedene Meinungen haben, man mag die ständestaatliche Ordnung aus der Sicht der freien Marktwirtschaft ablehnen, man mag die Todesurteile oder doch einige von ihnen moralisch verurteilen (wie es der katholische Philosoph und Konvertit Dietrich von Hildebrand gegenüber Dollfuß selbst getan hat), man mag die damalige enge Verbindung von Staat und Katholischer Kirche aus verschiedenen Gründen problematisch finden, das ist sicher alles legitim, aber man darf diesem Großen der österreichischen Geschichte nicht den guten Willen absprechen.

Leider wird derzeit das Andenken an einen Mann, der den Frieden wollte, mit Schmutz beworfen. Es kann nicht angehen, daß auf marxistischen Druck hin die Kirche selbst das Andenken an Dollfuß relativiert: Der Klubchef des oö. SPÖ-Landtagsclubs pfeift, der Linzer Dompfarrer springt und bringt eine Zusatztafel beim Dollfuß-Gedenken am Domportal an. Die sozialistischen Jungorganisationen demonstrieren vor der St. Pöltner Prandtauerkirche, der Bischof läßt das Fresko mit dem Abbild des Bundeskanzlers verhängen. Vor wenigen Monaten wurde das Dollfuß-Relief in der Seitenkapelle der Wiener Michaelerkirche Ziel eines Farbanschlages. Mittlerweile ist es restauriert. Aber man konnte in der Öffentlichkeit nichts von dem feigen und nichtswürdigen Anschlag hören. Das ist eine Schande.

Ungeachtet der unterschiedlichen Bewertungen zu diesem und jenem Aspekt von Politik und Lehre von Engelbert Dollfuß (soweit alle Archive eben schon ausgewertet sind oder auch nicht) muß man dreierlei anerkennen, und darauf möchte ich mit diesem Beitrag hinaus:

1. Engelbert Dollfuß war der einzige Staatsmann, der im Kampf gegen Hitler fiel. Als man in Prag noch meinte “Lieber Hitler als Dollfuß” und als London und Paris auf Beschwichtigung setzten (was bis in die Preisgabe Österreichs und in das unrühmliche Münchner Abkommen mündete), hat Österreich in Gestalt eines aufrechten Christen und Patrioten ein kompromißloses Nein zum Nationalsozialismus gesagt.

 2. Im Jahr 1934 war seit geraumer Zeit (nämlich seit dem Kommunistischen Manifest und den anderen Wahnphantasien des falschen Propheten aus Trier) erkennbar, daß der Marxismus ein totalitäres und blutrünstiges System ist, das in Form der sowjetischen Revolution, der Rätediktaturen in München und in Budapest und der Verbrechen in Spanien zu ungeheurem Blutvergießen geführt hat und noch führen sollte, ja mußte. Daß also irgendein sozialistisches System, und auch wenn es sich “sozialdemokratisch” nannte, das anstreben hätte sollen, was wir normalerweise unter “demokratisch” verstehen, ist eine lächerliche Lüge und eine absurde Geschichtsklitterung. Der Austromarxismus bediente sich ja der gleichen Terminologie wie seine Genossen in Moskau, so wurde die “Diktatur des Proletariats” als Zielvorgabe des Linzer Programms genannt. Kann man es einem Regierungschef verdenken, daß er im Falle eines solcherart motivierten Aufstandes wie eben am 12. Februar 1934 mit dem Schlimmsten rechnet und entsprechend hart durchgreift (wenn auch bei weitem nicht so hart, die es die gängige Geschichtsklitterung vorgibt)? 

3. Nach der Aussage eines mir bekannten Priesters sei Bundeskanzler Dollfuß nicht lange vor seiner Ermordung in Mariazell einer Vision Marias bzw. einer Art innerer Einsprechung gewürdigt worden. Er sei im Anschluß an das Gebet kreidebleich und in großer Eile mit dem Taxi nach Wien gefahren. Der Inhalt der Vision war dem Vernehmen nach die Bitte, sein Leben für Österreich anzubieten. Vermutlich wird man das nie genau erfahren können. Aber in der Todesstunde und angesichts seiner Mörder zeigte sich die Größe von Engelbert Dollfuß. Zu seinen letzten Worten gehörte: “Ich wollte nur den Frieden. Den anderen möge der Herrgott vergeben.” Kein Mensch, der im Leben nicht das Gute wollte und mit Gott verbunden war, kann auf diese Weise sterben. Insofern ist die Geschichte von der Vision nicht unglaubwürdig und paßt zu einer tiefgläubigen Lebensführung.

Dollfuß ist nicht davongelaufen. Er hat sich nicht ins Exil verkrochen. Er hat keinen Kuhhandel mit Hitler abgeschlossen. Er hat seine Überzeugungen nicht verraten. Er hat beide diktatorischen Wahnsysteme bekämpft. Das muß anerkannt werden.

In diesem Sinne möchte ich an alle p. t. Leserinnen und Leser guten Willens appellieren, das Wirken und das letzte Zeugnis von Engelbert Dollfuß – ungeachtet aller Differenzen in der Beurteilung aller sonstigen Details seiner Politik - der paulinischen Anweisung (Röm 13, 7) gemäß zu würdigen:

Ehre, wem Ehre gebührt.





Gottesliebe

15 07 2010

Die Katholische Kirche feiert heute den hl. Bonaventura (1221 – 15.07.1274), Kirchenlehrer, Mystiker, Generaloberer des Franziskanerordens, bekannt als “Doctor seraphicus”. Er gilt als Fachmann für den Aufstieg zu Gott und als Künder und Lehrer der Liebe zu Gott.

Ohne auf seine Person und sein Werk hier näher einzugehen, soll der eine Aspekt seines Schaffens, für den er berühmt geworden ist, deutlicher hervorgehoben werden: die Gottesliebe.

Was ist Gottesliebe? Und warum ist das für eine politische Seite relevant?

Unvermeidlicherweise ist es so, daß der Mensch in der Praxis so handelt, wie er im Inneren glaubt und überzeugt ist.

Unvermeidlicherweise ist es auch so, daß der Mensch sich an etwas orientiert. Unvermeidlicherweise muß der Mensch wählen zwischen der Ausrichtung an Gott und der Ausrichtung an etwas Zeitlichem, Geschaffenem, Vergänglichem - das dann zum Götzen wird und zum Einfallstor für das Böse: Entweder der Mensch liebt Gott bis zur Verachtung seiner selbst oder er liebt sich selbst bis zur Verachtung Gottes (wie ein anderer Lehrer der Liebe, der hl. Augustinus, 354 – 28.08.430,  gesagt hat). Etwas drittes gibt es nicht. Das ist die radikale Alternative, auf die jedes Leben hinausläuft.

Gehen wir von unserer alltäglichen Erfahrung aus: Es gibt Menschen, die das Gute ausdrücklich und bewußt wollen und sich – bei allem Scheitern und aller Schwäche und Unvollkommenheit – darum bemühen und es gibt Menschen, die das Gute nicht wollen bzw. die sich dafür nicht interessieren. Viele kümmert sich nur um  kurzfristige – und vermeintliche –  Eigeninteressen. Manche wiederum wollen ausdrücklich das Verbrechen,  ja das Böse selbst  (was vermutlich nur selten in ganz bewußter Weise vollzogen werden dürfte).  

Wer das Gute tun und vollbringen will, wird bald die Entdeckung machen, daß das nicht so einfach ist. Es gibt viele innere und äußere Widerstände. Der Aufstieg zum Guten läßt sich nicht durchführen, wenn man den Guten, Gott, nicht ausdrücklich sucht. Von Gott stammt alles Gute. 

Jetzt ist es aber so, daß Gott durch sein geschichtliches Eingreifen einen konkreten Weg geöffnet hat, auf dem wir ihm begegnen können und sollen.  Nicht alle Wege, die vermeintlich zu Gott führen, können das leisten, weil sie ja grundverschieden und widersprüchlich sind, wie wir an den “Religionen” und Heilsversprechen sehen.  

Worauf ich hier aber hinauswill, ist, daß es für die Politik und Wirtschaft, für die menschlichen Beziehungen und die Beziehungen der Völker, für Gerechtigkeit und Nächstenhilfe, Gesetzgebung, Wohlfahrt, Gesundheitswesen, Umweltschutz und alle anderen Bereiche des Lebens einen Unterschied macht, ob sich die Menschen überhaupt “guten Willens”, “bonae voluntatis” sozusagen, dafür interessieren oder ob es ihnen egal ist. Um wieviel mehr macht es einen Unterschied, ob die Zeitgenossen tatsächlich Gott lieben wollen, gemäß dem “Großen Gebot”, oder ob sie sich nicht darum kümmern oder – abgründige Möglichkeit des Menschsein – ob sie ihn hassen.

Das Wollen ist der erste Schritt zur Gottesliebe. Die Gottesliebe ist Anstrengung (“mit ganzem Herzen, mit all deinen Gedanken und mit all deiner Kraft”) und gleichzeitig  – wie menschliche Liebe und Freundschaft auch – ungeschuldetes Geschenk.  Wir können sie nicht ganz durchschauen, sie bleibt Geheimnis.

Es ist trivial das festzuhalten, manchmal muß man aber das Offenkundige besonders betonen, wiederholen und verkünden: Eine Gesellschaft, in der die Gottesliebe gedeiht und die Bereiche des Lebens erfüllt, muß anders ausschauen als eine Gesellschaft, in der das nicht geschieht. Das müßte auch einem Atheisten oder Agnostiker klar sein. Eine Gesellschaft, in der es die Gottesliebe nicht einmal dem Begriff nach gibt, muß in Terror, in Angst und Schrecken, im Polizeistaat und in der Diktatur enden.

Diese Analyse macht auch klar, daß nicht alles, was sich “Gott” nennen läßt, auch tatsächlich Gott ist.

Freilich kann es eine halb-unbewußte Gottesliebe geben (nämlich durch eine Ausrichtung am erkannten Guten, wie unvollkommen auch immer), aber ganz real ist sie nur, wenn sie ausdrücklich und bewußt ist und sich von der Gnade Gottes leiten und stärken läßt.

Dazu hat sich Gott als die Liebe  geoffenbart, wie auch die hl. Schrift des Neuen Bundes sagt. In der Dreifaltigkeit gibt es nur Liebe und Gemeinschaft. Das gilt es nachzuahmen.

Somit müßte es klargeworden sein, inwiefern die Gottesliebe gesellschaftlich und politisch relevant ist.

Darauf wollte ich hinaus. Dafür kann auch der Heilige des heutigen Kalendertages Inspiration und Stärkung bieten. Auch diejenigen p. t. Leser, die nicht gläubig oder nicht katholisch sind, können einmal in das Werk des hl. Bonaventura hineinschmökern und auf sich wirken lassen, was er zu sagen hat. Vielleicht haben die “Mittelalterlichen” doch mehr zu sagen, als man glaubt.








Follow

Erhalte jeden neuen Beitrag in deinen Posteingang.

Schließe dich 286 Followern an

%d Bloggern gefällt das: