Europa in einer nachchristlichen Ära – raunzen oder hoffen?

26 02 2011

Von Tag zu Tag schrumpft der Einfluss des Christentums! Zumindest in Europa ist nichts mehr so, wie es einmal war. Aus der einst überheblichen Vormachtstellung des Christentums ist unversehens eine Randerscheinung geworden, die von den Medien und der Gesellschaft belächelt wird. In den Entscheidungsprozessen unserer Generation spielen christliche Werte kaum noch eine Rolle.
Christen werden gegenwärtig in Europa

vom Zentrum zum Rande der Gesellschaft gedrängt
•  von einer Mehrheit, die alle Bereiche des Lebens prägte, zu einer bedeutungslosen Minderheit
•  von Privilegierten zu Anhängern einer der vielen Religionsgemeinschaften.

Heute müssen sich Christen daher in dieser ungewohnten, neuen Welt eines post-christlichen Zeitalters erst zurechtfinden!

Ihre Reaktionen könnten allerdings nicht unterschiedlicher ausfallen:
Einigen fällt nicht mehr dazu ein, als endlos zu jammern. Andere blicken nur wehmütig zurück und beginnen äußere christliche Statussymbole heroisch zu verteidigen. Viele sehen in den Medien oder im Islam jenen billigen Sündenbock, der nun für die selbstverschuldeten Versäumnisse herhalten muss. Ist da aber auch noch jemand, der voll christlicher Hoffnung an einer Trendwende arbeitet?

Schon die frühe Kirche lebte als Minderheit inmitten einer multireligiösen, heidnischen Gesellschaft. Unsere Epoche ist dennoch nicht einfach mit jener vor der Konstantinischen Wende vergleichbar. (Jene frühen Christen hatten z.B. noch nicht den schmutzigen Rucksack der oft „unchristlichen“ Kirchengeschichte zu tragen.) Trotz allem Versagen quer durch die Kirchengeschichte waren es dennoch erst die christlichen Grundwerte, welche unsere hohe Zivilisation und Kultur hervorgebracht haben!

Solange es aber kaum mehr Zeitgenossen gibt, die mit Begeisterung erläutern können, was den eigentlich den Kern der christlichen Frohbotschaft ausmacht, bleibt das Christentum ein verstaubtes Museumsstück!

Ich schätze christliche Symbole wie beispielsweise das Kreuz! Aber wenn niemand mehr interpretieren kann, worauf diese Zeichen eigentlich hinweisen, wird das bloße Ringen um den Verbleib derartiger Symbole bald ein völlig nutzloses Unterfangen sein! Wie ein Kreuz am Halse einer Prostituierten verliert solch ein Symbol letztlich seine eigentliche Aussage, oder es wird gar konterkariert!

Europas Christen wären daher besser beraten, wenn sie den Verlust ihrer gesellschaftlichen Relevanz an der eigentlichen Wurzel bekämpfen würden!

Nur dort – und nicht im Kampf um bloße äußere Symbole – kann der Kampf um ein christliches Europa gewonnen werden! Nicht dort, wo man der Vergangenheit nachtrauert, nicht dort, wo man sich einbunkert und auch nicht dort, wo man krampfhaft an alten Privilegien festhält, wird die christliche Zukunft liegen.
Gemeinschaften, die nicht einmal ihren eigenen Kindern ihre Überzeugungen glaubwürdig vermitteln können, sind ohnehin daran, ihre Zukunft abzugraben. Da nützt es dann auch wenig, einige Relikte oder Gebäude aus der Vergangenheit zu retten.
Dieses „Pseudo-Christentum“, war wohl die längste Zeit nur ein Zivilisations- und Kulturphänomen welches nun auf der Müllhalde der Geschichte landet. Dieses ausgehöhlte „Christentum“ hat seinen Heimvorteil verspielt. Keinesfalls wird  auch ein rückwärtsgewandtes, institutionsorientiertes Christentum alten Zuschnitts die kommende Gesellschaft überzeugen.
Wenn es nicht gelingt durch Mission und Evangelisation neue Gläubige zu gewinnen, würde ohnehin bald niemand derartige Einrichtungen benötigen!

Der gegenwärtige Umbruch bietet somit auch die wunderbare Gelegenheit, ganz neu darüber nachzudenken, was Kirche Jesu Christi letztlich ausmacht!

Viele der heutigen Europäer haben in ihrem Leben noch nie eine Erfahrung mit Jesus Christus gemacht. Dies gilt mittlerweile nicht nur für jene, die aus einem anderen Kulturkreis kommen! Tatsächlich haben mitten in Europa heutzutage viele noch nie etwas von der Liebe Christi oder seinem Opfertod zur Vergebung der Sünden gehört. Sie stehen jener Frohbotschaft und jener lebensverändernden Kraft, von der die Evangelien zu berichten wissen, völlig ahnungslos gegenüber.
Das Christentum kann somit nur dann wieder an Bedeutung gewinnen, wenn es – wie einst sein Meister – alle Symbole der Macht und Hegemonie aufgibt und sich wieder seiner Ursprünge besinnt. Wahre Kirche Jesu hat wohl kaum mit der Rettung von Gebäuden und Symbolen zu tun! Will die Kirche überleben, muss sie sich vielmehr selbst gemäß der Heiligen Schrift als ein „lebendiger Brief Jesu Christi“ (2. Kor 3,3) verstehen, der mit Begeisterung neue Zeitgenossen zu gewinnen vermag! (Mt. 28, 19)
Aber warum sollte nicht aus der Asche unseres alten, christlich geprägten Kontinentes wieder eine neue, dynamische Christenheit erstehen? Warum sollte es nicht zu einer Wiederentdeckung der Bibel und jener Werte kommen, durch die unser Kontinent schon mehrmals profitiert hat?

Dazu wäre allerdings wieder jener Glaube nötig, der auch die ersten Christen befähigte, Europa zu verändern!





Medien heizen religiöses Klima auf

5 11 2010

Medien sind geil auf Einschaltquoten, neigen zum Dramatisieren und verstärken somit ein ohnehin schon hochexplosives Klima. Dies gilt auch besonders für den Bereich des Religiösen.

Dazu ein Beispiel

Im Bundestag: Religionsfreiheit und die Rolle der Medien

von Thomas Schirrmacher

(MEDRUM) Bonn, 28. Oktober 2010 – In meiner gestrigen Aussage als Sachverständiger im Menschenrechtsausschuss des Deutschen Bundestages wurde besonders meine Aussage zur Rolle der Medien diskutiert.

Viel zu wenig berücksichtigt wird meines Erachtens, dass es vor allem die Medien im weiten Sinne sind, die darüber bestimmen werden, ob die Diskussion über die Integration islamischer Glaubensgemeinschaften in Europa zu einem sinnvollen Ergebnis führt oder nicht. Dies hat die Mediendiskussion rund um das Buch von Thilo Sarrazin oder einen Satz in der Rede des Bundespräsidenten gerade eben wieder bewiesen.

Ein Beispiel ist die Rolle der internationalen (auch der deutschen) Medien im Umgang mit einem verrücken und isolierten Prediger in den USA, der die Verbrennung eines Korans ankündigte, in einer Welt von 2,5 Milliarden Muslimen und Christen aller Schattierungen ein völlig bedeutungsloser Vorgang, wären denn da nicht die Medien. Man wollte unbedingt endlich die friedlichen Evangelikalen im Kulturkrieg mit den Muslimen sehen – Fundamentalisten gegen Fundamentalisten, da waren die Einschaltquoten sicher. (Mein Kronzeuge ist dabei ein tiefschürfender Kommentar des ‚Spiegels‘ im Rückblick.) Schnell rechnete man Gewalttaten von Muslimen in Afghanistan und anderen Ländern daz. Ob die wirklich im Zusammenhang mit der angekündigten Koranverbrennung standen, konnte so schnell sicher niemand prüfen, aber für die Medien stand es fest. Dass man dabei tatsächlich die Gefahr von Mord und Totschlag in Kauf nahm, interessierte nicht. Die 420 Mio. Mitglieder starke Weltweite Evangelische Allianz hatte sich dagegen längst empört und lautstark gegen die Koranverbrennung gewandt (und diese übrigens auch konkret verhindert). Und keiner von ihnen verbrannte einen Koran. (Dass zeitgleich ständig weltweit Bibeln und Kirchen, ja bisweilen sogar Christen, oder im Iran Baha’ischriften und in Indien Korane verbrannt werden, war bisher übrigens kaum einer Medienanstalt eine Meldung wert.)

So tragen die Medien nicht zum sozialen Frieden zwischen Religionen bei, sondern für den billigen Effekt der Einschaltquoten und Leserzahlen zur emotionalen Aufladung zwischen religiösen Gruppen. Die Rolle der Medien in Belgien oder orthodoxen Ländern oder der Türkei liefert viele Beispiele, dass die Medien gerne Religionskonflikte anheizen oder ausnutzen, um dann hinterher den moralischen Richter zu geben.

Die Medien werden eine wesentliche Rolle dabei spielen, ob religiöse Spannungen zwischen großen Religionen oder gegenüber religiösen Minderheiten zunehmen oder abnehmen. Denn Übergriffe gegenüber anderen Religionen setzen oft voraus, dass zuvor böswillig Falschdarstellungen oder Verallgemeinerungen (‚Juso biss wehrloses Kind‘) verbreitet werden und die Menschen sich an Pauschalierungen gewöhnen und die enorm differenzierte und aufgefächerte Welt des Islam (oder der Evangelikalen) allesamt in einen Topf werfen und auf handliche Stammtischnenner bringen. Hier sollte gerade Deutschland die Geschichte der Judenhetze studieren, die der Judenvernichtung voranging.

Wer die Evangelikalen als gewalttätig, die Yezidis als „Teufelsanbeter”, katholische Geistliche als Kinderschänder aufgrund des Zölibats und Muslime als zur ‚Lüge‘ gegenüber Ungläubigen berechtigt darstellt oder jedes Mal, wenn das Wort Islam im Fernsehen fällt, Bilder vom 11. September 2001 zeigt, und beim Wort ‚Evangelikale‘ ein Bild von George Bush einblendet und den Irakkrieg zeigt, bereitet religiöse Gruppierungen zum ‚Abschuss‘ vor, indem er durch ständige Wiederholung die Bevölkerung gegen sie einnimmt.

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