Der heikle Aspekt im Islam – die Frau und die Islamophobie

19 12 2011

Foto: Kenneth Taylor Jr

Von Inge M. Thürkauf

Die Stellung der Frau im Islam gehört vermutlich zum heikelsten Aspekt in der Auseinandersetzung der beiden Kulturen von Kreuz und Halbmond. Traditionelle Muslime haben einen anderen Blick auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern als der westlich orientierte Mensch. Der Koran postuliert die Überlegenheit des Mannes, verlangt von den Frauen Gehorsam und legitimiert deren körperliche Züchtigung. In einem Hadith (Sammlung der Worte und Taten Mohammeds) lesen wir, daß der Prophet festgestellt habe, den Frauen fehle es an Vernunft und an Religion. Die Frauen fragten nach dem Grund. Er antwortete: „Ist die Zeugenaussage der Frau nicht halb so viel wert wie die des Mannes? Das kommt von ihrem Mangel an Vernunft. Muß sie nicht während der Menstruation aufhören zu fasten und zu beten? Das kommt von ihrem Mangel an Religion“ Ein weiterer Hadith sagt aus, daß die Mehrheit der Menschen in der Hölle aus Frauen besteht. Aus diesen Gründen müsse sie im Haus bleiben. „Die Frau ist eine Aurah (das Wort bedeutet Mangel, kann aber auch die Schamgegend betreffen), wenn sie ausgeht, dann kommt ihr der Teufel entgegen. Sie ist am nächsten zu Gott, wenn sie in ihrem Haus tief steckt.“ Vor der Welt verborgen, gerät sie nicht in die Lage, Schande über die Familie zu bringen und ihre Ehre zu beschmutzen. Nichts zählt mehr in der muslimischen Welt als die Ehre. Zwangsheirat und Familienrache im Namen der Ehre gehören unter Muslimen auch in den westlichen Ländern zum Alltag. In den letzten Jahren gab es über 50 Ehrenmorde allein in Deutschland, weltweit ca. 5000, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, gar bis zu 100 000 Ehrenmordopfer pro Jahr nach einem Bericht der UN. Sichere Statistiken gibt es nicht, da manche Taten als Unfall getarnt sind, oder eine Frau wird als vermißt gemeldet, und niemand ist bereit, Auskunft zu geben. Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Opfer Frauen.

Die Frau wird mit ihrer ganzen Person auf Sexualität reduziert. Daher die Forderung nach ihrer Verschleierung, damit sie dem Mann nicht zur Fitna, zur Unruhe werden kann. Dies wirft nicht unbedingt ein vertrauenerweckendes Licht auf die Männer. Offensichtlich reduzieren sie sich selbst zu einem triebhaften Wesen, das beim Anblick einer Frau die Kontrolle verliert. Daß der Mann seinen Sexualtrieb könnte beherrschen lernen, davon ist weder im Koran noch in den Hadithen etwas zu finden. So ergibt sich sowohl für die Frau als auch für den Mann ein erniedrigendes Bild der Geschlechter, und es ist daher nur allzu verständlich, daß vor allem junge Musliminnen, die in einem westlichen Land geboren und aufgewachsen sind, sich der unwürdigen Prägung, Besitztum der Männer zu sein, entledigen wollen. Tragischerweise orientiert sich ihr Anspruch auf Freiheit und Gleichberechtigung am westlichen Ideal. Sie stellen sich dadurch mit ihrem irregeleiteten Freiheitsideal außerhalb der Umma, der islamischen Gemeinde. Jedoch wird das Wertesystem des Westens von den meisten Muslimen, Frauen wie Männer, verachtet. „Was ist das für eine Welt“, ereiferte sich eine Kopftuch tragende Frau im Verlauf einer hitzigen Diskussion in Paderborn, „in der Frauen halb nackt ihren Körper zur Schau stellen? Was für eine Freiheit soll das sein?“

Kritik an einer Gesellschaft, die immer mehr einem sittlichen und moralischen Tiefpunkt entgegensteuert, wird durchaus von gläubigen Christen geteilt. Sie haben jedoch mit beruflichen Nachteilen oder gar richterlicher Verfolgung zu rechnen, wenn sie aus Glaubens- oder Gewissensgründen auf Zustände hinweisen, die der christlichen Moral und Ethik entgegenstehen, wie: Abtreibung, Homosexualität, schulische Sexualerziehung, schamlose Kleidung oder die neue Ideologie von Gender Mainstreaming mit der ganzen Skala ihrer hedonistischen Facetten. Muslime haben in dieser Beziehung nichts zu fürchten. Ihnen wird zugute gehalten, daß ihre Ansichten eben kulturbedingt sind. Diese Ungleichbehandlung spiegelt sich auch bei der Anwendung gesetzlicher Bestimmungen wider: Die 2008 in Wien neugegründete Agentur der EU für Grundrechte (FRA) verfolgt jede Form der Diskriminierung, des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit mit der damit einhergehenden Intoleranz, wobei laut Direktor Morten Kjaerum die zunehmende Islamophobie (das bedeutet: Angst vor dem Islam) in Europa als größte Herausforderung und deren Bekämpfung als wichtigste Aufgabe gesehen werden muß. Hingegen findet die weltweite Christenverfolgung in seiner Agenda keine Erwähnung, obwohl aufgrund von Diskriminierungen durch radikale Muslime immer mehr Angehörige christlicher Minderheiten den Nahen und Mittleren Osten verlassen. Der Anteil der Christen im Nahen Osten sinkt fast überall. Arabien droht zur christenfreien Zone zu werden. Der ägyptische Kopten-Bischof Stephanos klagt: „Christen in Ägypten erleben die schlimmste Zeit der letzten Jahrhunderte. Es werden auch systematisch Kirchen zerstört, ohne daß die Polizei eingreift oder jemand dafür bestraft wird.“ Christen werden vor den Augen der internationalen Medien umgebracht. Im Sudan, im Irak und Iran und nun auch in Ägypten wird der Welt vorgeführt, wie der Islam die Christen behandelt, wenn sie sich weigern, die „Religion des Friedens“, den Islam anzunehmen. Wer will es Menschen anlasten, die aufgrund solcher Ereignisse Angst vor dem Islam bekunden, d. h. sich islamophob verhalten? Doch Präsident Erdogan nennt in seiner Düsseldorfer Rede Islamophobie, genauso wie Antisemitismus und Rassismus, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Am 13. Oktober 2011 wurde, ebenfalls in Wien, mit den Ländern Österreich, Spanien und Saudi-Arabien der Gründungsvertrag für das „King Abdullah International Center for Interreligious and Intercultural Dialogue“ (ein interreligiöses Dialog-Zentrums), feierlich unterzeichnet. Die neue Institution soll u. a. weltweit zur Förderung der Religionsfreiheit dienen. „Genau dafür ist das Zentrum gegründet worden“, bekräftigt der saudi-arabische Außenminister Faisal. Man kann diese Aussage nur irritiert zur Kenntnis nehmen: Saudiarabien, wo lediglich die wahhabitische Auslegung des sunnitischen Islam erlaubt ist und jeder Abfall vom Islam mit dem Tode bestraft wird, soll sich nun glaubhaft für Religionsfreiheit stark machen? Selbst der Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität warnte davor, den Saudis in dieser Weise eine Plattform zu bieten. Doch das Dialog-Zentrum wurde unter Beisein des österreichischen Außenministers eröffnet. 





Europa im Ansturm von Multikultur

6 10 2011

von Inge M. Thürkauf

Multikultur ist seit einigen Jahrzehnten eine gesellschaftliche Wirklichkeit in unseren europäischen Ländern. Die Gruppe der Migranten, die die multikulturelle Diskussion in der westlichen Welt nachhaltig angestoßen und zu einem zentralen Diskussionsthema ausgeweitet hat, sind die Muslime. Wir sind nicht allzu weit davon entfernt, nicht nur in den Stammländern des Islam, sondern auch im westlichen Europa von einem „real existierenden Islam“ zu sprechen. Diese neue Konstellation ist dabei, sich zu einem bedrohlichen „Kampf der Kulturen“ auszuweiten. Um dies zu verhindern, versuchen nicht wenige Politiker und auch Vertreter der Kirche, sich auf die islamische Religion, die den eigenen Glauben doch nur bereichern könne, „einzulassen“ und erträumen einen Islam, den es nicht gibt und den selbst die Muslime so nicht wollen. Aufrichtige Muslime wehren sich gegen die Behauptung, beide Glaubensrichtungen hätten ein und denselben Gott. Ihnen ist sowohl der trinitarische Gott als auch die plurale Gesellschaft ein Greuel. Es sind die Muslime selbst, die die Verniedlichungsversuche der grün-roten Linken sehr scharf widerlegen.

Auch weigern sich islamische Staaten, die im Westen geltende Menschenrechtserklärung anzuerkennen, was deutlich zeigt, daß wir es hier mit einer politischen Ideologie zu tun haben, die mit den Werten und Normen unserer westlichen Staatssysteme unvereinbar ist. Die Unkenntnis (oder besser gesagt: das Nicht-wahrhaben-wollen) der Politiker und nicht weniger Vertreter der Kirche gegenüber der Wirklichkeit dieser Kulturkreise, die sich diametral gegenüberstehen, ist verstörend. Da im Koran Anklänge aus dem Alten und Neuen Testament zu finden sind, die den Anschein geben, die beiden Glaubensrichtungen hätten Ähnlichkeiten aufzuweisen bzw. nur unwesentliche Unterschiede würden sie trennen, entsteht die irrige Meinung, wir alle würden an einen Gott glauben. Eine intensive Beschäftigung mit dem, was der Islam beinhaltet und vor allem wer die Menschen sind, die im Kulturkreis des Islam leben, ist daher erstrangig. Dabei haben wir als Christen die Pflicht, zu unterscheiden zwischen Muslimen, also den Menschen und dem Islam, d. h. dem religiös-politischen Machtsystem.

Ein wesentliches Kriterium der beiden Glaubensrichtungen ist das völlig verschiedene Gottesbild und das entsprechend unterschiedliche Menschenbild. Der Muslim sieht sein Verhältnis zu Allah ausschließlich in der Beziehung des Herrn zu seinem Knecht, zu seinem Sklaven. Der Sklave beugt sich vor seinem Herrn mit der Stirn auf den Boden. Anders die jüdisch-christliche Stellung des Geschöpfs zum Schöpfer. Sie basiert auf einer Veranschaulichung Gottes und spricht vom Angesicht Gottes: „Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig“ (Numeri 6, 25f) lautet der aronitische Segen, und der im unzugänglichen Licht wohnende Gott (1.Tim 6, 16) sandte seinen Sohn, damit das Licht der Herrlichkeit Gottes sich zeige im Angesicht Jesu Christi.

Dieses konkrete bildhafte Anschauen Gottes lehnt der Muslim strikt ab. Schon gar nicht kann er Jesus als Gott anerkennen. Für ihn ist Jesus lediglich ein Geschöpf, ein Diener Allahs. Das Verhältnis des Christen zu Gott ist eine Vater-Kind-Beziehung. Auf die Bitte der Jünger hin: „Lehre uns beten“, antwortet Jesus: „So sollt ihr beten: Vater unser, der Du bist im Himmel…“ Für den Muslim ist die Anrede Vater oder Abba, was übersetzt werden kann mit Papa, Väterchen eine Blasphemie. Im Islam darf sich niemand mit der Liebe eines Kindes an Allah wenden. Sure 19,94 spricht davon, daß keiner in den Himmeln und auf Erden sich dem Erbarmer anders nahen darf, denn als Sklave.

Ein äußerst tragischer Aspekt im Islam ist der Mangel an Heilsgewißheit, auch für fromme Muslime. Da Allah allmächtig ist, schließt das mit ein, daß er völlig frei entscheiden kann, wen er am Ende annimmt und wen er verdammt. Allah, so sagt der Koran wörtlich, ist ein sehr launischer Gott, er schafft den einen im Zorn für die Hölle, den andern in einer Laune der Barmherzigkeit für die Gärten der Wonnen, für das Paradies. Nur der Martyrer kommt mit Sicherheit in die Gärten der Wonnen. Daher die erschütternde Zahl junger Menschen, die sich in einem Selbstmordkommando für den Islam opfern.

Es ist nachvollziehbar, daß ein ungewisses Lebensziel mutlos oder aggressiv macht, und es ist sehr wohl denkbar, daß die Gewaltbereitschaft der Muslime auch auf dem Hintergrund dieser Vorstellung eines Gottes wächst, der den Menschen grundlos in die Hölle verstoßen kann.





Die Familie ist der wärmste Ort gegen die Kälte dieser Welt

27 08 2011

oder

Gender Mainstreaming und das Umerziehungsprogramm von Ehe und Familie

von Inge M. Thürkauf

 Siehe auch Inge M. Thürkauf: „Löscht sie aus – die Familie“ in CIVITAS, Nr. 4, 2008 und Inge M. Thürkauf: „Der Weg des ‚neuen Menschen’ – von der biologischen Revolution zur Diktatur des Genderismus“ in MEDIZIN und IDEOLOGIE, Nr. 2/2007.

Bild: ABUS Security Tech Germany /Flickr creativ commons

Im Gästetrakt eines Benediktinerklosters weist eine kleine Tafel auf die Haus-, Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft Familie hin, so wie sie seit jeher verstanden wurde, und wie sie von den meisten Menschen auch heute noch gewünscht wird. Die Haltung der Gesellschaft im Hinblick auf den „wärmsten Ort gegen die Kälte dieser Welt“, hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Die Doppelverdiener-Ehe, alleinerziehende Mütter oder Väter, nichteheliche und homosexuelle Lebensgemeinschaften, Patchwork- und Pflegefamilien sowie die frühkindliche Fremdbetreuung haben aus der Familie einen „dynamischen Prozeß“ gemacht, der bis zur Unkenntlichkeit weiterhin im Wandel begriffen ist.

Veränderungen in Gesellschaft und Familie, wie wir sie heute erleben, haben ihre Verkünder, nur werden sie selten gehört, wie z. B. Dr. Richard Day, Professor für Kindermedizin an der Mount Sinai Medical School in New York, der im März 1969 vor 80 Medizinern der „Vereinigung Amerikanischer Kinderärzte“ in Pittsburgh unverhohlen Teile des Programms der Neuen Weltordnung[i] ausgebreitet hat. Das folgende Zitat[ii] beschreibt knapp und unmißverständlich die vorgegebene weitere „Entfaltung“ der westlichen Zivilisation:

„Es wird alles gemacht, damit die Familie nicht mehr zusammenbleibt. Die Frauen sollen arbeiten und immer mehr Menschen bleiben alleinstehend. Kinder werden als Babys bereits von der elterlichen Erziehung entfernt und politisch korrekt indoktriniert. Den jungen Mädchen wird als Vorbild nicht mehr die Familie und die Erziehung der Kinder vorgegeben, sondern sie sollen Leistung erbringen und eine ‚Karriere’ verfolgen. Mädchen wird erzählt, sie müssen genauso sein wie Jungs, und umgekehrt. Man will den geschlechtslosen Menschen, das Neutrum erzeugen. Frauen sollen maskuline Mode tragen – wie Hosen – und Männer sich immer femininer geben. Männersportarten wie Rugby oder American Football sollen verschwinden.“

Umsetzungsprogramme dieses neuen Weltsystems sind schon seit Jahrzehnten im Gange. Zunächst führten uns die New-Age-Ideologen in ein „Neues Zeitalter“. Eine Wendezeit in Bezug auf eine sinnerfüllte, humane und ganzheitliche Zukunft der Menschheit wurde uns versprochen. Viele ließen sich von dieser Traumwelt betören, sind mehr oder weniger kritiklos dem Mainstream New Age gefolgt und haben sich durch das ganze esoterische Programm der New-Age-Bewegung „dummgeglotzt“ (Alexander Kissler), so daß es immer schwieriger geworden ist, nachfolgende Gefahren zu erkennen, geschweige denn begreiflich zu machen.

Der neue Mainstream in Folge, der detailliert, akribisch und erfolgreich die Mitteilungen von Dr. Day umsetzt, nennt sich „Gender“ oder „Gender Mainstreaming“. Es ist keine Weltanschauung, Meinung oder Ideologie unter anderen, sondern eine offizielle, politische Zielsetzung, die administrativ und auf dem Weg des Gesetzes in die Politik eingedrungen ist und nun in sämtliche gesellschaftliche Bereiche hineingepreßt werden soll.

Die offizielle Definition von Gender Mainstreaming will vortäuschen, es handle sich um die Gleichbehandlung und Gleichstellung der Geschlechter. Die folgenden Ausführungen werden zeigen, daß ganz andere Ziele verfolgt werden:

In der englischen Sprache gibt es zwei Begriffe für das Wort „Geschlecht“: gender und sex.

  • Gender ist der grammatikalische Begriff zur Unterscheidung des Geschlechts eines Wortes.
  • Der Ausdruck sex ist kein Hinweis auf den sexuellen Akt, sondern bezeichnet das biologische Geschlecht von männlich und weiblich.

Wendepunkt in der politischen Strategie zur Einführung von Gender Mainstreaming war die 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking, wo das Wort „sex“ ersetzt wurde durch den bis heute von den meisten Menschen kaum noch erfaßten Begriff „gender“. Diese Definition bedeutet ein gewandeltes Verständnis von Geschlecht, mehr noch, eine neue Weltanschauung, die alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht als naturgegeben, sondern als gesellschaftsbedingt versteht. Das heißt: Jede sexuelle Orientierung – heterosexuell, homosexuell, lesbisch, bisexuell und transsexuell – soll gleichwertig sein und gesellschaftliche Akzeptanz beanspruchen. Das biologische Geschlecht, also die Tatsache, daß der Mensch von Gott als Mann und als Frau geschaffen wurde, ist – den Gender-Ideologen entsprechend – nicht mehr von Belang.

Gegen diese Zumutung setzte sich die Familienallianz besagter Konferenz zur Wehr. Die Beschlüsse von Peking seien „ein direkter Angriff auf die Werte, Kulturen, Traditionen und religiösen Überzeugungen der großen Mehrheit der Weltbevölkerung sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industrienationen“. Das Dokument zeige keinerlei Respekt für die Würde des Menschen, versuche die Familie zu zerstören, ignoriere die Ehe, werte die Bedeutung der Mutterschaft ab, fördere abweichende sexuelle Praktiken, sexuelle Promiskuität und Sex für Jugendliche.

Offensichtlich war der Protest der Verteidiger von Ehe und Familie gegen diesen „europäischen Unsinn“ wirkungslos, denn am 1. Mai 1999 wurde im Amsterdamer Vertrag auf EU-Ebene der Gender-Mainstreaming-Ansatz als durchgängiges „Leitprinzip und Querschnittsaufgabe“ rechtlich verbindlich festgeschrieben. Art. 2 und Art. 2 Abs.2 dieses EG-Vertrags verpflichtet die Mitgliedstaaten zu einer aktiven Gleichstellungspolitik im Sinne des Gender Mainstreaming.

Da Gender Mainstreaming ein weltweites Umerziehungsprogramm beinhaltet, muß es sich um ein politisches Konzept handeln, denn ohne die von der Politik verordneten Gesetze wird ein solches Programm nicht durchzudrücken sein. Der Grund, warum diese Begriffe und dieser Vertrag bis vor kurzem unbekannt waren, erfahren wir vom luxemburgischen Premierminister und Präsidenten der EU-Runde Jean-Claude Juncker, der 1999 unverblümt zugab: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“[iii] Diese Vorgehensweise findet vermutlich in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft ihre Anwendung.

Was von Anbeginn der Menschheit als „natürlich“ und „normal“ gegolten hat, die Zuordnung als Mann und Frau, soll nun unter der Führung von tonangebenden Sexualwissenschaftlern durch Umerziehung geändert werden, die so früh wie möglich beginnen soll. Inzwischen schreckt man nicht mehr davor zurück, die Geschlechterabschaffung bereits in Kindertagesstätten und Kindergärten umzusetzen, mit entsprechender Schulung des Lehrpersonals. Der Hintergedanke dabei ist, daß ein auf diese Art umerzogenes, d.h. ge-gendertes Kind beizeiten begreifen lernt, daß es nicht nur Mann und Frau gibt, sondern daß die Palette viel bunter und reichhaltiger ist. Im bekannten Wiener Modell-Kindergarten „Fun & Care“ werden die Geschlechter von Jungen und Mädchen zunehmend und systematisch aufgeweicht, um sie letztlich gänzlich abzuschaffen. Mädchen werden mit technischen Spielzeugen bekanntgemacht und aufgefordert, Fußball zu spielen und sich gegen die Buben zur Wehr zu setzen. Den Jungs hingegen wird beigebracht, mit einer Kosmetikbox umzugehen, Prinzessinnenkleider zu tragen, Fingernägel zu lackieren, sich schön zu machen, ganz allgemein eine positive Körperwahrnehmung zu erlernen, um weicher, weiblicher zu werden. Das Ganze drängt in die Richtung, die Wahrnehmung für die verschiedenen Geschlechter, wie Homosexualität, lesbische Lebensweise, Bisexualität und Transsexualität so früh wie möglich auszubilden. Daß hierbei sexuelle Übergriffe von Kindern an Kindern nicht ausbleiben können, ist vermutlich in den Plänen der Genderisten inbegriffen. Besorgten Eltern wird beruhigend erklärt, daß die Kinder das Recht hätten, sich sexuell zu betätigen, und daß solche „Kinderspiele“ zur Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit gehören.

Die Bemühungen der Gender-Ideologen waren von Anfang an darauf gerichtet, die sexuelle Identität im Grundgesetz zu verankern, was notgedrungen dazu führt, daß das gesamte Ehe- und Familienrecht geändert werden muß, damit Homosexuellen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen eine gleichberechtigte „Ehe und Familie“ ermöglicht werden kann. Bestrebungen in dieser Richtung sind zur Zeit in Vorbereitung. Vor zehn Jahren wurde in Deutschland die sogenannte Homo-„Ehe“ eingeführt. Nun verlangt die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zusammen mit den Grünen und den Linken die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe, obwohl dies verfassungsrechtlich dem Schutz von Ehe und Familie zuwiderläuft. Außerdem – so die Homosexuellen-Organisation ILGA – soll das Adoptionsrecht für Homopaare eingeführt und den Kindern die Möglichkeit eingeräumt werden, mehr als zwei Eltern zu haben. Niemand fragt, was dies für Auswirkungen auf das Kindeswohl haben wird. Den Kindern wird mit dieser Neudefinition von Ehe und Familie das Leitbild der monogamen Ehe von einem Mann und einer Frau als Orientierung für ihr Leben immer mehr entschwinden.

Am 20. Juli 2011 berichtet die FAZ über eine Anordnung des Berliner Senators für Bildung, Jürgen Zöllner (SPD), in der bestimmt wird, daß Grundschulkinder sich ab dem 5. Lebensjahr daran gewöhnen müssen, sich an der sexuellen Vielfalt als Norm zu orientieren. Das bedeutet, eine aggressive Wegführung von der Vater-Mutter-Kind-Familie hin zu homosexuellen Lebensformen. Im Aufklärungsprogramm des Senators findet sich ein Bücher- und Spielekoffer, mit dem nach den Sommerferien den Grundschulen das andere Bild von „Familie“ vorgestellt werden soll. Ab der 5. Klasse sollen Kinder die einschlägigen sexuellen Begriffe in Scharaden darstellen. Eine der Geschichten aus dem Bücherkoffer schildert die Suche nach einer Prinzessin, denn der Kronprinz soll heiraten. Viele Mädchen werden ihm vorgeführt, aber keine gefällt ihm, bis die Prinzessin Liebegunde mit ihrem Bruder eintritt. Da verliebt sich der Kronprinz in den Bruder der Prinzessin. Sie heiraten und regieren gemeinsam als „König und König das Land“. So klingen die Märchen im 21. Jahrhundert.

Die Schweiz – eifrig bemüht der EU zu Diensten zu sein – hat ebenfalls ihr Umerziehungsprogramm gestartet. Durch die Schweizer Boulevard-Zeitung „Blick“ wurde die Öffentlichkeit auf das Sexualprogramm des Kantons Basel-Stadt aufmerksam. Dort wurden in 30 Schulen und Kindergärten Sex-Koffer und Boxen mit eindeutigem Inhalt verteilt: Puppe, Puzzels, Bücher und anderes „Lehrmaterial“ für Vier- bis Zehnjährige, das die erotischen Zonen der Kinder und deren Möglichkeiten der Stimulation erklärt.

Daß gerade in den letzten Monaten ein flächendeckendes Programm zur Früh-Sexualisierung von Kleinst- und Kindergartenkindern gestartet wurde, ist nicht zufällig. Ende August 2010 fand in der mexikanischen Stadt Léon Guanajuato eine Weltjugend-Konferenz statt, die mit einem sogenannten „Statement-Entwurf“ abgeschlossen wurde, dessen Inhalt in höchstem Grad als jugendgefährdend und familienfeindlich bezeichnet werden kann. Um die weltweite Abtreibungsmentalität immer mehr auszuweiten, hat der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen (UNFPA), unterstützt von den radikalen Feministinnen und den bekannten Abtreibungs- und Anti-Familiengruppierungen, eine globale Kampagne gestartet, um heranwachsende Mädchen zu sogenannt „selbstbestimmten Menschen“ heranzubilden und ihnen eine „erschöpfende sexuelle Erziehung“ zu gewährleisten, vor allem aber, sie für die Abtreibung zu gewinnen. Es geht bei dieser Kampagne jedoch nicht nur um die Durchsetzung der Abtreibung als Menschenrecht, sondern das letzte Ziel ist eine anti-christliche Indoktrinierung der Jugend. Diese soll nach den Vorgaben der Gender-Ideologen sexuell aufgeklärt und entsprechend erzogen werden. Die Forderungen, die in diesem 11 Seiten umfassenden Statement aufgelistet wurden, beinhalten das Recht auf Abtreibung und eine Erziehung, die sich freihält von jeglicher Religion. Wörtlich heißt es: „Die Regierungen müssen das fundamentale Recht einer religionsfreien Erziehung garantieren.“ Darüber hinaus soll Gender-Gleichheit vorgeschrieben werden, was bedeutet, daß die sexuellen Interessen der LGBT (Lesben-, Gay (gay engl. = schwul), Bisexuellen und Transsexuellen) durchzusetzen seien. Ebenso sollen die Regierungen mit den Medien und Behörden zusammenarbeiten und ihren Einfluß geltend machen, um jegliche Ablehnung und Phobie von Gender Mainstreaming zu beseitigen. Regierungen werden aufgefordert, LGBT als Teil des Spektrums von Gender-Gleichheit zu akzeptieren und sollen dafür sorgen, daß Jugendliche ihre sexuelle Identität (die sich ja nach Belieben wandeln kann) als Menschenrecht verstehen lernen. Es wird darauf gepocht, daß die Regierungen der Mitgliedstaaten diese Forderungen in ihren Ländern popularisieren.

Um diese Ziele besser bekannt zu machen und durchsetzen zu können, wurde von den Vereinten Nationen am 12. August 2010 ein „Internationales Jahr der Jugend ausgerufen, das bis Ende 2011 dauern soll. Länder, die sich gegen die Indoktrinierung ihrer Gesellschaft mit Gender Mainstreaming zur Wehr setzen, wie z. B. Ungarn, geraten unter den massiven Druck der Abtreibungslobby und der Institutionen der EU. Diese versuchen, die neue ungarische Verfassung, die sich für den Schutz des Lebens „von der Empfängnis an“ und für die monogame Ehe von Mann und Frau einsetzt, zu diskreditieren.

Der Vorstoß der Vereinten Nationen, Abtreibung weltweit durchzusetzen – und zwar durch die unerträgliche Beeinflussung heranwachsender Mädchen und junger Frauen – ist eine immense Gefahr für das Leben, für die Familie, für die Heiligkeit und die Würde des Lebens, eine Gefahr für die Erhaltung moralisch-ethischer Werte und für die Freiheit der Christen, ihren Glauben zu leben.

Der Höhepunkt des Zynismus ist jedoch der erwähnte Statement-Entwurf, der im August 2010 in Mexiko verabschiedet wurde. In unüberbietbarer Rücksichtslosigkeit werden gesundheitliche Risiken durch die propagierte zügellose sexuelle Lebensweise mit unterschiedlich praktizierten sexuellen Orientierungen ganz bewußt in Kauf genommen. Anstatt zu einer Lebensweise anzuregen, die lebensbedrohliche Krankheiten wie z. B. Aids vermeiden hilft, wird von den Regierungen verlangt, jenen, die aufgrund ihrer sexuellen Lebensweise erkranken, umfassende medizinische Dienstleistungen durch die Allgemeinheit zu garantieren.[iv]

In seiner Schrift „Athanasius und die Kirche unserer Zeit“ zitiert Bischof Rudolf Graber aus einer Geheiminstruktion aus dem Jahr 1819, in der diese Ziele klar schon zur Sprache gebracht wurden. „Schmeichelt allen Leidenschaften“, heißt es da, „den schlechtesten ebenso wie den hochherzigsten…popularisieren wir das Laster…Schafft Herzen voller Laster und ihr werdet keine Katholiken mehr haben…Laßt das Greisenalter und das reifere Alter beiseite; geht zur Jugend und wenn es möglich ist zu den Kindern.“ Diese Anweisung scheint heute ihre perfekte Anwendung gefunden zu haben.

Um den gesellschaftsverändernden Plänen die erfolgreichste Resonanz zu verschaffen, hat der Genderismus vor allem im universitären Bereich Fuß gefaßt. In akademischen Kreisen wird die Frage nach dem „Geschlecht“ schon mit einer Gegenfrage beantwortet, welche lautet: Geht es um das biologische oder um das angeblich sozial konstruierte Geschlecht, also geht es um „Gender“? „Gender-Studies“ ist eine neue Disziplin, die sich in den Universitäten schon längst etabliert hat. Darüber hinaus ist sie das einzige Fach, das sich über ein ungebrochenes Stellenwachstum freut. Eine von der Gender-Theorie unabhängige Geschlechterforschung existiert nicht, denn Kritiker der Gender-Ideologie haben an den Universitäten keine Chance.

In allen studierbaren Fächern muß Gender integriert werden. Selbst die Studenten der Önologie (Weinbau) sollen „geschlechterspezifische Wertesysteme erkennen“ lernen. An vielen Universitäten sind solche Forderungen schon umgesetzt. Agrarwissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität beispielsweise können „Gender und Globalisierung“ als Wahlfach belegen. Das ist das Ergebnis „mehrjähriger Lobbyarbeit von Frauen aus Frauenbewegung und Frauenforschung“ und ihrer „fantasievollen und kämpferischen Aktionen“, wie das Netzwerk verkündet.[v]

Um dem neuen Studien-Fach „Gender“ Attraktivität und vor allem Glaubwürdigkeit zu verleihen, wurde das Fach zum Objekt „feministischer Naturwissenschaftsforschung“, m.a.W. man will wissenschaftlich beweisen, daß Gender Mainstreaming eine Wissenschaft ist, und zwar auf dem Hintergrund der Naturwissenschaft. Offensichtlich spielt es keine Rolle, daß dieses Ansinnen an den Haaren herbeigezogen ist, denn naturwissenschaftliche Beweisführung ist objektiv, weil es auf dem systematisch-reproduzierbaren Experiment beruht. Nur was systematisch-experimentell bewiesen werden kann, hat eine objektive naturwissenschaftliche Beweiskraft. Da dies in Bezug auf Gender völlig unmöglich ist, wird der Begriff „Naturwissenschaft“ schlicht und einfach umgepolt. Für die Genderisten ist Naturwissenschaft nicht mehr objektiv, sondern subjektiv. Genauso wie sie sich entschlossen haben, das „Geschlecht“ neu zu definieren, sind sie nun von der neuen Erkenntnis beseelt, eine subjektive Naturwissenschaft zu denken. Die Wissenschaftsgläubigkeit ihrer Zeitgenossen tut das übrige, sie gläubig dabei zu unterstützen.

Als Beispiel für diese „Kopernikanische Wende“ in der Geisteswissenschaft sei die Hamburger Universität genannt. Die Erziehungswissenschaftler und „Queer-Forscher“, Robin Bauer und Helen Götschel, nennen das neue „wissenschaftliche“ Feld „Gender & Science-Studies“. Das heißt, die Naturwissenschaft wird nun aus einer Geschlechter-Perspektive erforscht.[vi] Robin Bauer, Professor für „Mathematik und Gender Studies in der Mathematik“ an der Universität Hamburg, hieß bis vor einigen Jahren noch Birgit. Er hat also die Erforschung seiner sexuellen Identität und Interessen zum Beruf gemacht. Queer-Forscher befassen sich also „wissenschaftlich“ mit sich selbst, das heißt mit ihrer eigenen sexuellen Identität und ihren eigenen Praktiken und werden dabei staatlich finanziert.

Eine seiner Veröffentlichungen heißt: „Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung“ (d. h. das Faktum der beiden Geschlechter „Mann und Frau“ verletzt die Menschenrechte). 2004 erhielt Robin Bauer eine Auszeichnung der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaft. Gewürdigt wurde das Projekt „Degendering Science“ mit dem Modul „Gender-Studies und Naturwissenschaft“ als erfolgreiche Strategie zur Überwindung von frauenspezifischen Grenzen in Forschung und Lehre in den Naturwissenschaften.

„Im Ganzen gesehen kann man sagen, daß sich in den letzten Jahren an den Universitäten ein Fach etabliert hat, das wissenschaftliche Objektivität und Rationalität gegen offen praktizierten Subjektivismus eingetauscht hat, um politisch-ideologische Ziele zu erreichen. Was muß man von einer Universitätskultur halten, die gegen diese Machtergreifung der Geisteswissenschaften keinen Widerstand leistet?“[vii]

Ziel der Gender-Ideologen ist die 50/50 Quotenregelung für Männer und Frauen für sämtliche Arbeits- und Lebensbereiche. Die Frauen müssen mit oder ohne Kinder jederzeit einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Männer jedoch sollen dazu bestimmt werden, 50 % der Säuglings- und Kinderpflege zu übernehmen. Die Kinderbetreuung und -pflege übernimmt der Staat. Wie verunsichert die Männer in dieser für sie fremden Zuordnung schon sind, zeigt eine von vielen Umfragen, die aber alle mehr oder weniger dasselbe Resultat ergeben. 27 % der Männer möchten die traditionelle Rolle als Verdiener und Ernährer behalten, so die Umfrage von protestantischer wie katholischer Seite. 19 % verstehen sich als sogenannte moderne Männer mit Vätermonaten zur Kinderbetreuung und erwerbstätiger Ehefrau. 24 % der Befragten bezeichnen sich als „balancierende Männer“, die die alten Rollen nicht verlassen und die neuen Rollen nicht übernehmen wollen. Der größte Teil – nämlich 30 % der Männer – nannten sich „suchend“, sie hätten sich von den klassischen Rollen verabschiedet, die neuen aber noch nicht gefunden[viii].

Die Revolution der Neuen Linken 1968 war der Wendepunkt für eine Geisteshaltung, die ernst gemacht hat mit den vorgegebenen Programmen und sich die Abschaffung der Familie, das Schleifen jeglicher Autorität, die „Befreiung“ zur Sexualität von Kindesbeinen, die Selbstverwirklichung und Befriedigung aller Bedürfnisse auf die Fahne geschrieben hat.

Das, was jetzt mit Ehe und Familie geschieht, ist der tiefste kultur-revolutionäre Eingriff der Menschheitsgeschichte. Er verändert den Menschen in einer Weise, daß er in Gefahr gerät, seine Gottesebenbildlichkeit zu vergessen. Was wird aus der Familie, aus unserer Gesellschaft, unserer Nation, unserer Kultur? Fühlt sich noch jemand zuständig?

Im September 2010 fand in Berlin ein Kongreß der AUF-Partei (Partei für Arbeit, Umwelt und Familie) statt, der sich intensiv mit dem Lebensschutz und der Familienpolitik befaßte. Zum Schluß dieses Kongresses wurde eine friedliche Kulturrevolution gefordert. Der Appell aufzuwachen, um Himmels Willen aufzuwachen, ging an alle, denen Ehe, Familie, Kinder ein tiefes Anliegen ist, denn etwas dürfte jetzt jedem klar geworden sein: während wir schliefen, „kam der Feind, und säte Unkraut“ (Mt. 13, 25).

Der Schriftsteller Johannes Grassl hat bei diesem Kongreß einen Satz geprägt, dem ich mich anschließen möchte. Er sagte: „Es ist für eine Umkehr nicht entscheidend, ob man die Mehrheit stellt. Entscheidend ist, daß Gott immer einen kleinen Überrest benutzt, um das große Ganze zu verändern.“


[i] Präsident Georg H.W. Bush, US Präsident 1989-1993 am 11. September 1990 vor dem amerikanischen Kongreß.

[ii] KOMMA, Nr. 75/2010, S. 36

[iii] SPIEGEL, Nr. 52/1999.

[iv] Quelle: C-FAM vom 11. August/8. September 2010.

[v] Handelsblatt Nr. 181 vom 19. September 2009, S. 9.

[vi]„Queer“, (dt. seltsam, sonderbar) ist eine Eigenbezeichnung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transsexuellen, Asexuellen, also Menschen, die sich von den Heterosexuellen unterscheiden. Sie sind an vielen Universitäten, etwa in Hamburg und Göttingen, ein integrierter Teil der Gender-Studies.

[vii] Handelsblatt dito

[viii] Idea Spektrum, Nr. 32, 2010.





Das furchtbare Schreien der Kinder

28 05 2011

von Inge M. Thürkauf

Im Ares Verlag Graz ist ein Buch erschienen mit dem Titel „Kinder brauchen Mütter. Die Risiken der Krippenbetreuung – Was Kinder wirklich stark macht“. Hanne K. Götze hat es geschrieben. Aufgewachsen in der ehemaligen DDR schildert sie ihre Beobachtungen und Erfahrungen als Mutter von vier Kindern zum damaligen Kinderkrippen-System. Fassungslos über die Absichten der Gender orientierten Regierungen, flächendeckend die Krippenplätze auszubauen, berichtet sie vom Alltag der Kinderkrippen-Fremdbetreuung. „Panik, verzweifeltes Schreien, Streß kamen bei den Babys auf, als ihre Mütter sie in die Krippen brachten. Schlimmer noch war mit anzusehen, wie diese Kinder nach einiger Zeit schließlich resignierten und nur noch stumpf vor sich hinblickten. Aus ihren Augen waren die Freude und die kindliche Neugierde gewichen. Kinder verbrachten einen wichtigen Teil des Tages in einem apathischen Zustand.“

Was dieses Buch unbedingt lesenswert macht, sind die Erfahrungsberichte der Mütter und Erzieherinnen, die „das furchtbare Schreien“ der Kinder schildern, als die Mütter sie morgens in den Krippen abgeliefert haben. „Jeden Morgen um 6 Uhr hätte dieses furchtbare Schreien begonnen. Es sei so schrecklich gewesen, daß sie sich geschworen hätte, niemals ein so kleines Kind wegzugeben. Wenn sie selbst einmal Kinder bekäme“, schildert eine Hausbewohnerin einer Kinderkrippen-Station ihre Beobachtungen.

Eine Mutter berichtet, „daß ihr kleiner Junge auf dem Weg zur Einrichtung im Kinderwagen bereits wimmerte: ‚Sitten bleiben, sitten bleiben!’ Dort angekommen, hätte er sich krampfhaft am Wagen festgehalten und sich steif gemacht, um tatsächlich sitzen zu bleiben. Mit seiner ganzen Kraft hätte er gegen das Unvermeidliche gekämpft. Eine Frau erzählte davon, daß sich ihr Kind regelrecht in die Polster des Kinderwagens verbissen hätte, wenn es morgens in die Krippe ging.“

Es gibt heute genügend wissenschaftliche Arbeiten, die einwandfrei belegen, daß die frühe Trennung der Kinder von den Müttern eine Störung der Persönlichkeitsentwicklung zur Folge hat. Die Autoren der Studie „Study of Early Child Care and Youth Developement“ stellen bei 12-jährigen Kindern, die als Kleinkind einer Krippenbetreuung übergeben wurden, Verhaltensauffälligkeiten und vermehrte Aggressionen fest. Kinder, die mindestens 10 Stunden pro Woche in der Kinderkrippe verbracht hatten, zeigen im 6. Schuljahr häufiger aggressives und schwieriges Verhalten, als Kinder, die von den Eltern betreut wurden. Die Trennungsangst des Kindes darf nicht bagatellisiert werden. Die frühkindlichen Beziehungserfahrungen sind letztlich Grundlage für die psychische Gesundheit, vor allem legen sie das Fundament zu späteren befriedigenden Bindungen.





Fukushima und die Büchse der Pandora

10 05 2011

Von Inge M. Thürkauf

Mit den Atomkraftwerken verhält es sich ähnlich wie mit der Büchse der verführerischen Pandora, von der die griechische Mythologie erzählt und die im Haus des Epimetheus stand. Diese Büchse zu öffnen war den Menschen verboten, weil alle Übel der Welt darin enthalten waren. Doch das „Wissen-Wollen“ der Neugierigen war stärker, sie brachen das Siegel und Jammer und Elend kamen über die Erde.

„Wie im Hause des Epimetheus steht in einem Atomkraftwerk eine Büchse: das Reaktorgefäß, dessen Inhalt weit gefährlicher ist als die Übel der Pandora: die radioaktiven Spaltprodukte. Sie entstehen als zum größten Teil unerwünschte Nebenprodukte bei der Kernspaltung des Urans zur Gewinnung von Atomenergie. Solange die Büchse geschlossen bleibt, ist alles in Ordnung. Wie jede Büchse kann aber auch ein Reaktorgefäß geöffnet werden. Auf verschiedene Weisen. Die Erfahrung zeigt, daß auch die modernste Technik etwas nicht kennt: absolut dichte Gefäße. Atomkraftwerke sind die Spitze einer Entwicklung, gewissermaßen die Spitze eines Eisbergs, der aus dem Meer der technologischen Maßlosigkeiten unserer Zeit herausragt. In den Reaktoren der Atomkraftwerke erzeugen die Menschen „etwas Neues unter der Sonne“: gewaltige Mengen von künstlicher Radioaktivität. Bei Normalbetrieb gelangt Radioaktivität in „gesetzlich zugelassenen Mengen“ in die Umwelt. Bei einem (gesetzlich nicht zugelassenen) Unfall können weite Landstriche unbewohnbar werden.“

Am 11. März 2011 ereigneten sich in Japan in einigen Kernkraftwerken, gesetzlich nicht zugelassene Unfälle, hervorgerufen durch ein Erdbeben, das auf der Richterskala mit 8,9 gemessen wurde. Der darauf folgende Tsunami überspülte die Nordost-Küste des Landes und vernichtete Dörfer und Siedlungen. Über 20 000 Menschen haben ihr Leben verloren, wurden ins Meer gespült oder unter den Trümmern der einstürzenden Häuser begraben. Fast 400 000 Bewohner verloren ihr Hab und Gut. Zusammen mit dem schweren Erdbeben löste der Tsunami Störungen in den AKWs aus, wobei der Reaktor in Fukushima am Schwersten betroffen wurde. Heftige Explosionen zerstörten Teile des Reaktors, Tausende Tonnen radioaktives Wasser gelangten ins Meer, Radioaktivität in die Umgebung. Freiwillige Arbeiter versuchen vor Ort die nukleare Katastrophe einzudämmen. Doch Radioaktivität ist ein unlöschbares Feuer.

Seit diesem Desaster von Fukushima erinnert man sich wieder an den Super-Gau von Tschernobyl in der Ukraine vor fast 25 Jahren. Damals wie heute erhielt die Anti-Atomkraft-Bewegung in der Folge enormen Aufwind. Kernenergie, so war von den diversen Gruppen der Atomkraftgegner zu hören, soll nur als Übergangsenergie zu betrachten sein. Damals wie heute verlangen große Teile der Bevölkerung den Ausstieg aus der Atomenergie, eine Forderung, die damals wie heute nicht eingelöst werden kann, auch nicht von den Linksparteien, die als Anführer der Weltverbesserer vor allem vor den Wahlen sich mit wohlüberlegten Argumenten sorgen um die Zukunft des Menschen und seines Planeten. „Für Politiker sind Atomkraftwerke ein gutes Mittel zur Karriere; mehr als die Umwelt erhitzen sie die Gemüter.“ Und aus Erfahrung wissen sie, daß sie sich auf die Trägheit und Vergeßlichkeit der Massen verlassen können.

Bei einem Ausstieg aus der Atomkraft sei die Versorgung gesichert, versichern die Umweltschützer. Sic! Reicht die Alternativenergie, um die Ansprüche der Angestellten einer Fabrik z. B. zu befriedigen, die hoffen, in absehbarer Zeit befördert zu werden. Solche Beförderungen bedeuten eine Erhöhung des Einkommens und des Ansehens. Der Umsatz einer Fabrik hängt von Maschinen ab; ein größerer Umsatz erfordert mehr, schnellere und größere Maschinen. Auf die Steigerung des Umsatzes könne man nicht verzichten – wegen der Konkurrenz. Maschinen werden mit Elektrizität angetrieben. Woher kommt die Elektrizität für all die Bequemlichkeiten, die in unserer Verschwendungswirtschaft längst zur Selbstverständlichkeit geworden sind? Wo nehmen wir die Elektrizität her für die Maschinen, die uns immer mehr auch aufgedrängt werden, ohne die selbst der Normalbürger vermeint nicht mehr auszukommen. Wer im Grünen wohnt außerhalb einer Stadt braucht ein Auto, vielleicht auch zwei. Fernsehen gehört selbstverständlich zum Standard, und ohne Computer mit allem Zubehör ist Kommunikation kaum mehr möglich. Wer ohne Handy durch die Welt reist, hat in den Augen der meisten Zeitgenossen irgendwie den Anschluß verpasst! Von den ungezählten kleinen und großen technischen Hilfsgeräten in Haus und Garten nicht zu reden. Kein Zweifel, die technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat die materiellen Ansprüche ins Maßlose getrieben, und wer möchte sie reduzieren oder verzichten. Die Benützung der so bequemen Technik ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Aber all diese Apparate sind ohne Elektrizität weder herzustellen noch zu betreiben, und auch nicht zu entsorgen.

Vor 40 Jahren wäre ein Ausstieg aus der Atomenergie schrittweise noch möglich gewesen. Da gab es vieles, was uns heute so unentbehrlich erscheint noch nicht. Warner vor einer technischen Expansion gab es genug. Sie wurden im günstigsten Fall belächelt, doch wenn die Ermahnungen allzu konkret formuliert und die Kraftwerkbetreiber mit Szenarien wie Tschernobyl oder Fukushima konfrontiert wurden, konnte es schon vorkommen, dass die Warner aus ihren Positionen geworfen oder sogar körperlich bedroht wurden.

Das, was wir heute als Fortschritt bezeichnen, besteht in einer Perfektionierung der Maschine. Sie hat mit dem Leben nichts gemeinsam. Das Leben ist ein Phänomen jenseits der Maschine. Immer dort, wo die Maschine maßlos angewendet wird, vernichtet sie Leben, und sie wird um des Geschäftes willen maßlos angewendet. Nach wie vor verurteilen wir unsere Nachkommen zu Wächtern unserer Zivilisationsabfälle über Jahrtausende hinweg. Atommüll kann man nicht bewachen, wie man Menschen, Tiere, Häuser oder Straßen bewachen kann. Für die Radioaktivität haben wir keine Sinnesorgane. Um die tödliche Gefahr festzustellen, braucht es eine hochentwickelt Apparatetechnik. Somit verurteilen wir unsre Nachkommen dazu, jahrtausendelang Technokraten zu sein.

Die Wurzel des Übels gründet in einer Wissenschaft, die sich für wertfrei hält. Wertfreiheit der Wissenschaft bedeutet: forschen ohne moralisch-ethische Werte zu beachten, mit andern Worte ohne auf Gottes Gebote zu achten. Es darf alles getan werden, was technisch möglich ist. Doch eine solche Wertfreiheit kann es gar nicht geben, weil die beanspruchte Wertfreiheit selbst ein Wert ist, und zwar der alle Werte entwertende Wert der Wertfreiheit, und dieser Wert ist es – man darf ihn ruhig Gottlosigkeit nennen – , der uns heute bedroht. Bei seinen Abschiedsreden hat der Herr gesagt: „Ohne mich könnte ihr nichts tun“ (Jo 15,5). Er hat nicht gesagt, gewisse Dinge könnt ihr ohne mich nicht tun, sondern „nichts“. Und ausgerechnet bei einer derart folgenschweren Tätigkeit wie der Naturforschung haben wir ohne IHN – wertfrei – getan. Die Folgen sehen wir. Die Spitzen des Eisbergs, mit welchen unser Zivilisationsschiff auf Kollisionskurz steht, hat der bekannte Biochemiker Erwin Chargaff in aller Deutlichkeit genannt: „Mit der wertfreien Wissenschaft haben wir zwei Grenzen überschritten, die wir hätten meiden müssen und beide Male handelt es sich um die Manipulation eines Kerns: des Atomkerns und des Zellkerns.“ Die Frage ist nur, welche Manipulation katastrophalere Folgen hat: die Genmanipulation oder die Kernenergie.

Mein Mann hat in seinen Büchern und Vorträgen eine Technik angemahnt, deren Grundlagen die Gesetze des Lebens berücksichtigt und nicht lediglich die Gesetze von Physik und Chemie. Eine solche Technik widerspricht keinem einzigen Naturgesetz, nur den Börsengesetzen unserer Raubbauwirtschaft. Eine Technik für das Leben würde keine durch Radioaktivität verseuchten Menschen dahinsiechen lassen und unbewohnbar gewordene Gebiete zurücklassen.

Unsere materialistische Lebensweise ist eine Folge mißbrauchter Freiheit, einer Freiheit von Gott statt einer Freiheit für Gott. Gott kann dem Menschen nicht die Freiheit geben und ihn zugleich zwingen, keinen Raubbau an seiner Schöpfung zu betreiben. In unserer materialistisch geprägten Gesellschaft ist wohl die Verfügbarkeit materieller Güter angestiegen, aber parallel damit eine Verarmung an geistigen und seelischen, also kulturellen Werten. Da jedoch die Materie begrenzt ist, wird bald auch eine Verarmung an materiellen Gütern eintreten. „Die Zeit ist nicht mehr fern, wo auch die Reichsten kein gutes Wasser und keine reine Luft mehr haben können- nicht für alles Geld der Welt. Der selbstverständlich gewordene Komfort und das verlängerte Erdenleben der Menschen in den reichen Ländern werden zerrinnen wie die letzten Minuten im Stundenglas des Atomzeitalters.“

Auch wenn die Neu-Atheisten sich voll Entsetzen davon abwenden, daß Naturwissenschaft irgend etwas mit Religion zu tun haben könnte: Die Wissenschaft der Zukunft wird eine Wissenschaft sein, die zuerst Gott sucht, und der dann alles andere dazugegeben wird, die nicht bloß Wissen stapelt, sondern zu Weisheit führt. Eines ist sicher, und dies hat mein Mann auch immer wieder betont: Es wird ein Kreuzweg sein, doch er führt zu dem der ihn vor uns gegangen ist: er führt Christuswärts.

Diese Gedanken sind entnommen aus: Max Thürkauf: „Pandorabüchsen der Wissenschaft – Das Geschäft mit dem Energiehunger“ (vergriffen), „Die Gottesanbeterin“, „Das Fanal von Tschernobal“.





Der Antichrist

26 04 2011
Antichrist (Bild: justin wilson, Flickr-creativ commons)
von Inge M. Thürkauf

 Gedanken über das Wesen und Wirken des Antichrist in der Kleinschrift von Reinhard Raffalt, Linsverlag, A-Feldkirch, 1966.

Zahlreich sind die Prophezeiungen, Deutungen und Legenden, die sich des ewigen Widersachers Gottes bemächtigen, und im Verlauf der Geschichte wurden immer wieder Menschen, die sich über alles erhoben was Gott und Gottesverehrung heißt (2 Thess 2,3), mit dessen Schmähtitel bezichtigt: des Antichrist. Sowohl von Paulus als auch von Johannes wird bezeugt, daß dieser eine Person sei, der vor der Erfüllung der Zeit, d.h. vor der Wiederkunft Jesu Christi, in Erscheinung treten müsse. In der heutigen Diskussion über die Zukunft der Welt ist die Möglichkeit der Wiederkunft des Herrn in eine somnambule Ferne gerückt. Wir leben so, als ob dieses Ereignis in unserem Leben keine ernstzunehmende Bedeutung mehr hätte. Die christliche Gesellschaft, sofern sie sich überhaupt noch als solche bezeichnen kann, ist im Begriff, sich für immer auf Erden einzurichten. Das Weltbild der Wissenschaft, die Machbarkeit aller Dinge, hat sich an die Stelle der christlichen Kultur gesetzt, und es drängt sich die Frage auf, ob im Glauben an die Wissenschaft, die immer eigenmächtiger sich alle Bereiche des Geisteslebens erobert und damit den Glauben an Gott verdrängt, nicht jener Geist des Antichrist verborgen liegt, von dem Johannes warnt: „Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, ist aus Gott, und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichrist, von dem ihr gehört habt, daß er kommt; und nun ist er schon in der Welt“ (1. Jo 4,3).

Die bekannteste Betrachtung über das Ende der menschlichen Geschichte und die Gestalt des Bösen schlechthin ist die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ des russischen Philosophen und christlichen Denkers Wladimir Solowjew. Seine gewaltige apokalyptische Schau, in viele Sprachen übersetzt, wurde oft mißverstanden und falsch ausgelegt, nicht zuletzt deshalb, weil er seine Zukunftsvision mit Schilderungen anschaulich zu machen versuchte, die sowohl auf historischen Erwägungen beruhten als auch seiner Phantasie entsprangen. Trotzdem behält Solowjews Werk in seinem Ringen um ein tieferes Verstehen der endzeitlichen Geschichte gerade auch für den heutigen Leser seine bleibende Gültigkeit.

Nicht weniger brillant und von prophetischer Aussagekraft als die „Erzählung“ Solowjews ist die kurze Studie „Der Antichrist“ des leider früh verstorbenen deutschen Philosophen, Historikers und freien Schriftstellers Reinhard Raffalt. Er unternimmt nicht den Versuch, die Zeit des auftretenden Antichrist zu berechnen. Aber seine Analyse erhellt in erregender Weise die heutige Zeit im Hinblick auf sein Erscheinen. Eine seiner Perspektiven in bezug auf den Widersacher Christi ist der „richtig lebende Mensch“, der sich nach seinen Anlagen zu einem beinah technisch funktionierenden Wesen entwickelt, „dessen einzige Bestrebung sein muß, nichts falsch zu machen“. In seinem Erscheinen manifestiert sich die „extreme Entfaltung irdischer Macht“, die im Ziel gipfelt, den Weltfrieden zu verwirklichen und alle Religionen gleichzuschalten. Der Glaube an die Erlösungstat, an das Kreuz Jesu Christi, wird durch das Gebot der Nächstenliebe überwunden. Der Nächste wird zwar geliebt „wie sich selbst“, aber die Ursache der Liebe, Gott, wird ausgeklammert. „Von der Perspektive der sich höher entwickelnden Menschheit her gesehen, ist das Reich des Antichrist der Zustand äußerster irdischer Vollkommenheit“. Das einzige, das fehlen wird, ist das Wesen der menschlichen Freiheit: das Fragenkönnen und Fragendürfen und somit das geschichtliche Bewußtsein.

Hier nähern wir uns in gefährlicher Weise einer geistigen Bewegung, die seit ungefähr 40 Jahren immer tiefer in unsere gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen eingedrungen ist: New Age mit allen Facetten der Esoterik. Zur Zeit der Abfassung seiner Überlegungen noch weitgehend unbekannt, folgte Reinhard Raffalt mit seiner Analyse den Spuren eines Prozesses, der sich immer mehr dem Geiste des Christentums zu entziehen droht. Es sind beklemmende Visionen, die er vor uns entfaltet, die aber in unserer nur aufs irdische Dasein fixierten Gesellschaft schon erschreckende Wirklichkeit erfahren geworden sind. Die Heilige Schrift sagt vom Antichrist, daß er ein großer Lästerer sein werde, „und er werde die von ihm ins Werk gesetzte Verwüstung zum Gegenstand allgemeiner Verehrung machen“. Lästerung des Heiligen und Lust an der Verwüstung bis hin zum absichtsvollen Verzicht auf Schönheit sind Verirrungen der heutigen Kunst und auch der Medien, die unter dem Deckmantel der künstlerischen und publizistischen Freiheit sich jeder kritischen Überlegung enthalten, weil die Toleranz es verbietet.

Antichristliche Zeichen als Vorboten der beginnenden Endzeit sind zugleich Zeichen der Wiederkunft des Menschensohnes. Das letzte Wort wird nicht vom Antichrist gesprochen werden, auch wenn sich dieser „in das Haus Gottes setzt, und von sich erklärt, daß er Gott sei“ (2. Thess 2,4). Uns jedoch ist aufgetragen, eine Entscheidung zu fällen. Reinhard Raffalts einzigartige Studie weist in einer prophetischen Sprache auf jenes Ziel, das uns über den Antichrist hinaus gewiesen ist: auf jenen, der von sich sagte, daß er der Weg, die Wahrheit, und das Leben ist (Jo 14,6), und daß er mit uns sein wird bis ans Ende der Welt (Mt 28,20).





Atome für den Frieden oder die Zukunft der Elektrizität

15 04 2011

 

Österreichs einziges AKW in Zwentendorf wurde nie in Betrieb genommen

von Inge M. Thürkauf

Zunächst zwei Episoden aus den Erinnerungen meines Mannes Max Thürkauf:

Es war im Sommer 1945, kurz nach dem Ende des II. Weltkriegs. An der Universität Basel hatte er sich als erstsemestriger Student immatrikuliert. In der damaligen Zeit interessierten sich nur wenige Studenten für Physik, die mehr oder weniger als brotlose Kunst betrachtet wurde. So entschied er sich für das Fach physikalische Chemie. Ihn fesselten beide Fächer, wobei die Chemie bei ihm eindeutig den Vorrang einnahm. Im physikalischen Institut hatte jeder Doktorand sein eigenes Laboratorium. Manche Räume standen jedoch leer und wurden lediglich als Abstellräume gebraucht. Im chemischen Institut hingegen drängten sich die Studierenden. Sie mußten sich ihre Arbeitstische teilen, da gab es keine leerstehenden Laboratorien. Mein Mann machte einen Direktor der heimischen chemischen Industrie, der auf der Suche nach möglichen Talenten eine Runde durch die Institute machte, auf dieses Mißverhältnis aufmerksam. Dieser meinte, na ja, für Physik findet man keine Sponsoren, was will man mit Physik schon anfangen, nur ein Schwachkopf verbeißt sich in dieses Fach. Als mein Mann redegewandt diese für ihn doch wichtige Hälfte seines Studiums verteidigen wollte, klopfte ihm der Direktor jovial auf die Schultern und sagte: „Junger Mann, sobald in der Weltwirtschaft so etwas auftaucht wie eine physikalische Industrie, wollen wir Ihre Begeisterung in Erwägung ziehen.“

Das war vor über 65 Jahren. In der Zwischenzeit ist mehr aufgetaucht als nur eine physikalische Industrie: ein naturwissenschaftlicher Moloch hat sich der Erde bemächtigt, dem die Menschen mit Eifer alles opfern, was ihnen an Leben, Schönheit und Geist von Gott geschenkt wurde. Angefangen hat es in eben diesem Sommer 1945 mit dem „Gerücht“ von einer Atombombenexplosion in Amerika. In den Zeitungen wurde zwar darüber berichtet, aber Genaues war nicht zu erfahren. Daher verlangten die Basler Journalisten von den Professoren der Universität die Einberufung einer Pressekonferenz, die ihnen ungern, aber immerhin gewährt wurde. Doch lassen wir meinen Mann nun selbst erzählen:

„Der kleine Hörsaal war bis auf den letzten Platz besetzt, offensichtlich hatte sich die Sache herumgesprochen und war auf ein unerwartetes Interesse gestoßen. Man mußte in den großen Hörsaal wechseln. Der Institutsdirektor, zwei außerordentliche Professoren des Instituts und der Ordinarius für theoretische Physik waren bereit, der Presse mit ihren Fachkenntnissen zur Verfügung zu stehen. Der Direktor schickte voraus, daß es seines Erachtens bei dem Gerücht von der geheimnisvollen Explosion einer amerikanischen Atombombe in der Wüste von Neu Mexiko um eine – und er habe gute Gründe dies anzunehmen – Ente im sommerlichen Blätterwald handeln würde. Die Journalisten lachten und stellten berufsgewohnt ihre Fragen. Zunächst wollten sie wissen, was ein Atom überhaupt sei, wie groß vor allem und wie es möglich war, daß ein blindes Mädchen aus hundert Kilometer Entfernung den Explosionsblitz habe sehen können? Ja, das sei eben gerade ein Beweis, daß die ganze Geschichte mit der Atombombe nichts anderes als der Sommergag eines schlauen Journalisten sei, denn blind ist blind, und basta, trumpfte der Direktor auf. Der theoretische Physiker griff ein und erklärte, daß nach der speziellen Relativitätstheorie seines Freundes Albert Einstein, und in Hinsicht auf die Entdeckung der Herren Otto Hahn und Fritz Straßmann über die Spaltung des Uranatomkerns es den Gesetzen der Physik nicht widerspreche, wenn ein faustgroßes Stück Uranmetall mit der Wucht von Tausenden von Tonnen Dynamit explodiere.

Der Professor gab sich große Mühe, den neugierigen Laien zu erklären, wie sich die Sache mit dem Uran verhält. Es gäbe, so dozierte er, zwei Sorten von Uran, Isotope genannt, mit den Atomgewichten 235 und 238. Das Uranisotop 235 ist mit weniger als einem Prozent in der Natur vorhanden, aber zum Bau einer Atombombe brauche es eben gerade dieses Isotop. Weil das Uran 235 und das Uran 238 sich chemisch nicht voneinander unterscheiden, ist eine Trennung mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden. Um auch nur ein tausendstel Gramm reines Uran 235 herzustellen, sei ein Aufwand erforderlich, der sich selbst mit der schwierigen Gewinnung von Radium nicht vergleichen lasse. Und für eine Atombombe müßte das Isotop kiloweise, also in millionenfach größerer Menge zur Verfügung stehen.

Unter den Zuhörern befand sich auch ein international anerkannter Professor auf dem Gebiet der Elektrodynamik, dieser meldete sich nun zu Wort: „Wissenschaftlich“, so meinte er, „wissenschaftlich ist diese Trennung der Uranisotope schon möglich, aber praktisch ausgeschlossen.“ Als die Journalisten wissen wollten, wie dies zu verstehen sei, antwortete er: „Es wäre viel zu teuer!“. Die eingetretene Stille unterbrach der Institutsdirektor mit der Bemerkung: „Meine Damen und Herren, Sie müssen verstehen, daß es sich hier nicht um die Fabrikation von Kanonen handelt, sondern um den Bau von außerordentlich komplizierten wissenschaftlichen Apparaten, die es heute noch gar nicht gibt, und die – Hunderte von Millionen, wenn nicht Milliarden kosten würden.“

Als mein Mann nach der Pressekonferenz in seinem Lehrbuch für anorganische Chemie, einem neuen umfangreichen Werk, das er sich eigens für sein Studium angeschafft hat, das Kapitel über Uran aufschlug, las er: „Uran hat keine technische Bedeutung“.

Auf der Titelseite der größten Tageszeitung der Stadt stand am nächsten Tag: „Physikprofessoren: Atombombe unmöglich, da zu teuer“. Drei Wochen später riefen die Zeigungsverkäufer: „Atombombe auf Hiroshima! Hunderttausend Tote!“ Von diesem Augenblick an gehörte jene Physik, die eine Atombombe für unmöglich hielt, weil sie zu teuer sei, der Vergangenheit an, sie hatte aufgehört zu existieren. „Sie war eine Wissenschaft der Fastenzeit; hungern war damals für die Forscher als Existenzmöglichkeit ebenso anerkannt wie für die Künstler. Eine Wissenschaft der vollen Fleischtöpfe kann so etwas natürlich kaum für möglich halten.“

Aus dem eisengrauen Uran, von dem die Chemiestudenten vor dem August 1945 wissen mußten, daß es keine technische Bedeutung habe, ist ein Politikum erster Ordnung geworden. Noch im Jahre 1937 sagte der damals in aller Welt bekannte Atomforscher Ernest Rutherford, daß jemand, der an eine technische Verwendbarkeit von Kernreaktionen glaube, ein Phantast sei.“ Was würde er wohl heute zu unserer Epoche sagen, die als das „Atomzeitalter“ in die Geschichte eingegangen ist und das Antlitz der Erde völlig verändert hat.

Nachdem 1954 das erste zivile Atomkraftwerk der Welt im russischen Obninsk in Betrieb genommen wurde, konnte Amerika natürlich nicht länger zurückstehen. 1955 hielt der damalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, General Eisenhower, vor der UN-Vollversammlung eine Rede, in der er zur ausschließlich friedlichen Nutzung der Atomenergie aufrief. Die Absicht war, nach den Verbrechen von Hiroshima und Nagasaki dem Begriff „Atom“ wieder eine friedliche Bedeutung zu geben. Weltweit warb er für sein Programm, während der US-Konzern General Dynamics die dazugehörigen Werbeplakate mit dem Motto „Atome für den Frieden – Atoms for Peace – L’atome au service de la paix“ lieferte.

Die Friedensatome werden in Atomkraftwerken hergestellt, die auf der ganzen Erde in immer schnellerer Folge entstehen. 443 sollen es heute schon sein, über 150 sind noch geplant. Das „technisch unbedeutende“ Uran erbrütet dort ein Metall, das es auf der Erde gar nicht gibt, das Plutonium. Die Physiker haben es nach dem Gott der Unterwelt getauft. Ein paar Kilogramm davon genügen zum Bau einer Atombombe, dieselbe Menge reicht aus, um alle Menschen auf der Erde an Lungenkrebs sterben zu lassen. Außer bei Hiroshima und Nagasaki wurde diese Waffe bis heute nicht benützt. Die Atombombe ist zusammen mit der Genmanipulation der Gipfel aller bösen Taten, die die Menschen je hervorgebracht haben, und nichts hat so viele gute Seiten wie das Mittel dazu: die Elektrizität. Das elektrische Stromnetz ist bereits über die ganze Erde ausgeworfen. Es sind die guten Seiten des Bösen, mit denen wir in die Sklaverei des Materialismus geführt wurden. Die moderne Technik vermag mit der Elektrizität Dinge hervorzubringen, die viele Menschen zum Glauben gebracht haben, die Welt sei machbar.

Je mehr Maschinen die Menschen bauen, um so berechenbarer wird die Welt, die sie sich machen. So können die Techniker etwa berechnen, wie viel Elektrizität Neu Babylon im Jahr 2050 nach der Geburt des Herrn brauchen wird. Dabei vergessen sie, daß in ihrer Rechnung das Wichtigste fehlt, weil nicht berechnet werden kann, ob Neu Babylon im Jahr 2050 überhaupt noch Elektrizität braucht, weil es ihm ergehen könnte wie dem Mann, der die Jahre berechnet, die er von seinem Vorrat leben kann, und dem der Herr gesagt hat: „Du Tor, diese Nacht noch wird man dein Leben von dir fordern; wem aber wird gehören, was du aufgespeichert hast?“ Es wäre vermessen, zu meinen Neu Babylon könne von Gott nicht zurückgefordert werden, weil es so groß ist, daß es die ganze Welt umspannt. Vielleicht ist die Katastrophe von Fukushima der Anfang der Forderung des Schöpfers, der zusehen muß, wie seine Schöpfung des Profits und der vollen Fleischtöpfe willen vernichtet wird. Die Menschen haben nun nicht mehr vor dem Unbekannten, sondern vor dem Berechenbaren Angst. Nun beklagen sie, was voraussehbar war.

Die Technokraten vergessen, daß alle Kulturen der Weltgeschichte ohne Elektrizität aufgebaut worden sind, ja, daß eine entscheidende Voraussetzung dieser Kulturen das Fehlen der Elektrizität gewesen ist. Das beweist das Atomzeitalter, welches – ein Produkt der Elektrizität – als eine kulturlose Zivilisation von der Kultur des christlichen Abendlandes übriggeblieben ist. Deshalb werden die Menschen einmal wissen, daß der Verzicht auf Elektrizität eine, wenn auch nicht hinreichende, so doch notwendige Voraussetzung für die Existenz einer Kultur ist.

Die Zeit der Buße und der Umkehr ist gekommen. Auf den Ruinen des Materialismus, in der materiellen Beschränkung der geplünderten und gemarterten Erde, werden die geistigen Werte der kommenden Kultur wachsen. Diese Kultur, die eine Verwirklichung des Christentums sein wird, geht aus der Apokalypse des Materialismus hervor. Es geht nicht darum, etwas Großes zu leisten. Es geht darum, etwas Gutes zu denken und es auch zu tun. In der Nacht sind auch die kleinen Lichter wichtig. Alle guten Gedanken, die jetzt in die Tat umgesetzt werden, sind bedeutungsvolle Bausteine für die kommende Kultur. Das Gute wird groß werden, langsam – durch das Werk jener, die guten Willens sind.

 Aus Max Thürkauf: „Die Tränen des Herrn Galilei“ (vergriffen).





Das sogenannte „Enthüllungs“-Buch des David Berger

23 01 2011

David Berger - Der heilige Schein

von Inge M. Thürkauf

Unter großem medialem Interesse erschien im Ullstein-Verlag letzten November – laut Ankündigung im Klappentext – ein „sehr persönliches Buch“ des katholischen Theologen, Dr. David Berger, mit dem Titel „Der heilige Schein“. Durch seine zahlreichen Publikationen zu Thomas von Aquin hat Berger in der Fachwelt einen respektablen Bekanntheitsgrad, der ihm u. a. dazu verhalf, sich in der renommierten polnischen Universität Lublin zu habilitieren. Auch wurde er in Anerkennung für seine „Verdienste um die Fruchtbarmachung der Lehre des Thomas von Aquin in traditionell katholischen Kreisen“ in den illustren Kreis des Ritterordens von Jasna Gora aufgenommen. Er war korrespondierender Professor der „Päpstlichen Akademie des heiligen Thomas“, Vizepräsident der „Deutschen Thomas-Gesellschaft“, Herausgeber des Internationalen Thomistischen Jahrbuchs „Doctor Angelicus“ und der in traditionellen Kreisen geschätzten Zeitschrift „Theologisches“. Auf diesem intellektuell hochdotierten Hintergrund konnte man durchaus annehmen, daß auch ein „persönliches“ Buch des namhaften Thomisten das geistige Niveau seiner bisherigen wissenschaftlichen Publikationen hochhält. Kaum jemand hätte eine Lektüre erwartet, die sich in Sprache und Inhalt an den Niederungen der Boulevard-Medien orientieren würde. Auf den beinahe 300 Seiten seines neuen Opus stellt Berger nicht nur seine homosexuelle Lebensweise verteidigend ins Rampenlicht, sondern sieht vor allem die Notwendigkeit, „das perfide Unterdrückungssystem scheinheiliger Kirchenoberen“ und „die heuchlerische, bigotte Haltung der katholischen Kirche zur Homosexualität“ zu entlarven. Für die in den letzten Monaten durch die Mißbrauchskandale gegen die katholische Kirche aufgeheizte Leserschaft ein willkommenes Unterhaltungsprogramm.

Die Behauptung Bergers, die Scheinheiligkeit der Kirche im Hinblick auf Homosexualität hätte ihn dazu bewogen, „als Herausgeber und Chefredakteur der konservativen Zeitschrift ‚Theologisches’ zurückzutreten“, kann nur als einen Vorwand betrachtet werden, der Entlassung aus diesen ehrenamtlichen Diensten durch den Vorsitzenden der „Fördergemeinschaft Theologisches“, Prof. Dr. Manfred Hauke, zuvorzukommen, denn Professor Hauke konnte an Hand von Facebook nachweisen, daß Berger Beziehungen zum „homosexuellen Milieu“ unterhält. Nach anfänglicher Leugnung dieses Sachverhalts trat Berger die Flucht nach vorne an und bekannte sich im April 2010 in der „Frankfurter Rundschau“ mit dem Artikel „Ich darf nicht länger schweigen“ zu seiner Homosexualität. Im

November 2010 erschien dann sein Buch „Der heilige Schein“, gewissermaßen als ein „Schwarzbuch der katholischen Kirche“, in dem er seine Anschuldigungen gegen die Kirche wiederholt und sie im Stil einer Apologie seiner eigenen homosexuellen Befindlichkeit mit bisweilen anstößigen Details von Begegnungen bekannter, ihm wohlgesonnener Persönlichkeiten des traditionellen Lagers unter Nennung ihrer Namen ausschmückt – nicht unbedingt die Art des feinen Mannes von „vornehmer Intellektualität“.

Die Anklage Bergers konzentriert sich auf die „hierarchisch strukturierte, absolutistisch regierte Kirche“ und dabei im besonderen auf die tridentinische Liturgie, „die das Heilige in einer Überbetonung des Ästhetischen zu finden sucht“, von dem sich, wie er behauptet, gerade homosexuelle Männer – Priester wie Laien – magisch angezogen fühlen. Ehemals im konservativ-katholischen Raum beheimatet, stellt er heute die lateinische Liturgie als „Produkt homosexueller Sublimierung“ dar, derer sich gerade homosexuelle Priester bedienen, die ihre Sexualität aufgrund des Zölibats nicht wagen auszuleben. Was ihn einst so faszinierend anzog, „die lateinische, tridentinische Liturgie“, überzieht er nun mit Bezeichnungen wie „religiöse Märchenwelt“ und „Parfüm- und Operettentraditionalismus“.

David Berger dürfte es nicht unbekannt sein, daß seit der Freigabe der alten Messe durch das Motu propio „Summorum Pontificum“, zunehmend vor allem junge Priester und Gläubige jeden Alters sich für diese Form der Liturgie beginnen zu interessieren. Soll ihnen nun suggeriert werden, es sei in den meisten Fällen eine homosexuelle Neigung, die sie die Nähe der Tradition suchen läßt, da es ihnen lediglich um die Ästhetik dieser „disneyhaften Kulisse tridentinischer Subkultur“ gehe? Es ist offensichtlich, daß hier eine Verknüpfung geschaffen werden soll, zwischen der seit Jahrhunderten gefeierten römisch-katholischen Messe und der Homosexualität. Berger geht sogar so weit, einen Zusammenhang „zwischen Homosexualität und der Vorliebe für den Thomismus“ herzustellen, denn „die Art, wie der Aquinate denke“, komme „vielen homosexuellen Thomisten persönlich zustatten“. Dadurch würde das Doppelleben mancher homosexuellen Theologen „gewissermaßen eine mit höchsten Weihen ausgestattete programmatische Verankerung“ finden.

Die im Sprachduktus des Alten Testaments als „die Sünde Sodoms“ charakterisierte Homosexualität (sie wird heute ganz zwanglos mit dem einst als „obszön“ genannten Begriff „schwul“ umschrieben), wird von Berger als eine „typisch mittelalterliche“ Denkweise des Aquinaten bezeichnet und als nachrangig-zeitbedingt eingeordnet. Im Hinblick darauf wäre es „einsichtig, daß man denkerisch durchaus Thomist und zugleich schwul sein könne.“ Augenscheinlich hat Berger im Eifer der Verteidigung seiner Lebensführung übersehen, daß sich Thomas in seinem Werk an die Aussagen der Bibel gehalten hat, und diese sind – gerade in diesem Aspekt – weder nachrangig noch zeitbedingt, auch wenn die heutige Exegese noch so vehement die praktizierte Homosexualität als eine in der westlichen Welt anerkannte Lebensform verteidigt. Denkt der Thomist Berger daran, daß auch seine Haltung zur Geschlechtlichkeit einmal als „zeitbedingt“ angesehen werden könnte? Die Orientierung an der ewigen Wahrheit der Lehre der Kirche schützt vor den Verirrungen des Zeitgeistes, denn Christen sind, wie in der frühesten Kirchenordnung der Christenheit, der Didache, zu lesen ist, „einfach anders, sie tun nicht, was ‚man’ so tut.“

Die maßgebenden Texte im Alten Testament für die Beurteilung der Homosexualität stehen bei Lev 18, 22 und Lev 20, 13, und eine der diesbezüglich wichtigsten Aussagen im Neuen Testament finden wir im Römerbrief. Der hl. Paulus beschreibt dort Menschen, die, obwohl sie von Gott wußten und ihn erkannt hatten, sich von IHM abgewandt haben. Gott hat sie daraufhin sich selbst überlassen. Bei Paulus ist homosexuelles Verhalten nicht Ursache, sondern Folge und Ausdruck der Apostasie vom Dreifaltigen Gott. In den angeführten Texten wird die homosexuelle Praxis als mit dem Willen Gottes nicht vereinbar bezeichnet. Paulus beschreibt sie eindeutig als Verirrung und Täuschung, als Verlust der Wahrheit.

Auch der „Katechismus der Katholischen Kirche“ stützt sich auf die Heilige Schrift und spricht unter Punkt 2357 von der Homosexualität als einer „schlimme Abirrung“. Homosexuelle Handlungen sind in sich nicht in Ordnung … und „in keinem Fall zu billigen.“ Bei Punkt 2359 wird deutlich darauf hingewiesen, daß homosexuelle Menschen zur Keuschheit gerufen sind. „Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich … durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.“ Die Aussagen der Bibel und des Katechismus wollen auch in Bezug auf Menschen mit homosexueller Neigung nichts anderes zum Ausdruck bringen, als das, was Augustinus in unmißverständlicher Klarheit schrieb: Liebe den Sünder, aber hasse die Sünde.

Beim Lesen dieses „Insiderberichts“ überkommt einen ein großes Erbarmen mit diesem zweifellos intelligenten und begabten Theologen, der seine eigenen Probleme in – gelinde gesagt – unwürdiger Weise versucht auf andere zu projizieren. Seine Behauptung, die Kirche nütze die sexuellen Verfehlungen der Priester als Instrument der subtilen Erpressung und Machtausübung aus, um die Sünder zu Gehorsamsleistungen gefügig zu machen – „bis hin zur Selbstaufgabe“, wirft die Frage auf, wer ihn zu einer solch bedauerlichen Verteidigung- und Anklageschrift überredet haben mag, um ihn selbst „gefügig zu machen“?

Im Vorwort seines Buches unternimmt Berger eine Gewissenerforschung und stellt fest, daß es im Leben Augenblicke gebe, da einem „schlagartig bewußt“ wird, daß etwas ganz entschieden falsch gelaufen ist. Es ist zu hoffen, daß es ihm in nicht zu ferner Zeit erneut „schlagartig bewußt“ werden möge, daß in seiner gegenwärtigen Lebensführung etwas ganz entschieden falsch gelaufen ist.






Die mittelmäßige Generation

6 12 2010

(ITh):André Charlier, der ehemalige Leiter des Gymnasiums „Roches de Maslacq“ in den Pyrenäen, schrieb am 22. Oktober 1954 an die Eltern seiner Schüler einen Brief, der heute einen leider noch aktuelleren Stellenwert hat als damals. Er wurde veröffentlicht in „Itinéraire“ Nr. 205, Juli/August 1976, S. 31-35:

Was mich am meisten verblüfft, ist, daß diese Jugend wenig mannhaft ist. Und warum ist das so? Ganz einfach deshalb, weil Ihr als Eltern nichts von ihr gefordert habt. Ihr wart nur darauf bedacht, Eure Söhne glücklich zu sehen und seid allen ihren Wünschen zuvorgekommen. Von klein auf habt Ihr sie in jeder Weise verwöhnt. Wie also sollen sie von sich aus darauf kommen, daß einerseits das Leben mühsam und nur das Mühsame reizvoll ist, daß andererseits alle Freuden ihren Preis haben und daß sie um so teurer erkauft werden müssen, je größer sie sind.

Den Kindern wurde immer alles geschenkt, und so glauben sie gar, daß sie Anspruch darauf haben. Sie empfinden es als ungerecht, daß Bildung und Wissenschaft nicht umsonst zu haben sind. Sie sind nicht weit davon entfernt, sich als Opfer zu fühlen, weil Latein und Mathematik ihnen nicht umsonst ihre Geheimnisse enthüllen. Das kommt daher, daß sie bei der Erziehung, die Ihr ihnen habt angedeihen lassen, immer alles umsonst bekamen.

Ihr wart Opfer der weltweiten Demagogie und des modernen Liberalismus, die Autorität als ein Überbleibsel barbarischer Zeiten betrachten. Ihr habt die Autorität abgelehnt; Ihr wolltet Euren Söhnen gefallen, damit sie Euch lieben. Ihr werdet aber von ihnen nicht mehr geliebt werden als unsere Väter von uns, und Ihr werdet vielleicht von Euren eignen Kindern weniger geachtet werden, wenn sie alt genug sind, um urteilen zu können, denn Ihr habt sie nicht gelehrt, daß alles seinen Preis hat und daß Wertvolles teuer erkauft werden muß. Sie mußten sich keines der Vergnügen, die Ihr ihnen bereitet habt, je verdienen und sie haben nie gelernt, etwas zu tun, wozu sie keine Lust hatten.

Ich habe als Kind gelernt, Dinge, die mir aufgetragen wurden, ohne Widerspruch zu erledigen; man hat mir damit einen unermeßlichen Dienst erwiesen. Aber Eure Kinder widersprechen endlos. Nichts findet Gnade vor ihren Augen. Sie beurteilen alles danach, ob es ihnen unmittelbar Freude macht. Seid daher nicht erstaunt, wenn sie weder Gehorsam noch Disziplin kennen, wenn sie weder Respekt noch Pflichtgefühl haben.

Ich habe nie etwas Traurigeres gesehen als junge Menschen ohne Ehrgeiz. Was für ein sonderbares Glück ist doch das Fehlen von Ehrgeiz.

Ihr macht Euch nicht klar, welche außerordentliche Mühe Ihr Euch gebt, wenn es um Gesundheit, Ernährung, Sport, Bequemlichkeit und Ferien geht – nicht zu vergessen die Schulbildung, denn an deren Ende steht ja die sakrosankte Matura – aber denkt Ihr denn auch an die Seelen Eurer Kinder? Ihr werdet Euch einmal für sie vor Gott verantworten müssen!

Glaubt Ihr denn, daß eine seelenlose Generation unsere Gesellschaft von seinen Übeln heilen wird? Wir sind dabei, die mittelmäßigste Generation hervorzubringen, weil Eure Kinder nie gelernt haben, etwas auf sich zu nehmen, das mit Mühe verbunden ist.

Ich weiß sehr wohl, daß die Aufgabe der Eltern, wenn sie sie gewissenhaft erfüllen wollen, angesichts des sittlichen Zustands der modernen Welt eine fast heldenmütige Aufgabe ist. Trotzdem muß man sie beherzt angehen und ihr nicht ausweichen. Niemand kann Euch ersetzen, und Ihr müßt nun einmal für Eure Kinder die Verantwortung übernehmen.

Wir üben hier als einige wenige noch einen Beruf aus, den niemand mehr ausüben will und in dem uns niemand auch nur in irgendeiner Weise unterstützt. Verleidet uns also unsere Arbeit nicht völlig, indem Ihr uns das Gefühl gebt, daß das, was wir auf der einen Seite aufbauen, auf der anderen Seite wieder völlig niedergerissen wird. …

Ich versuche, die Jungen wie Männer zu behandeln; bitte glaubt mir, daß das nicht einfach ist. Ein Mann zu sein bedeutet nicht, zu widersprechen und immer alles in Frage zu stellen. Es bedeutet, mutig und hochherzig Verantwortung in einer höheren Ordnung zu übernehmen. Macht es daher wie ich. Ihr findet das heldenmütig? Dann seid Helden! Anders geht es nicht.“

 





Vater, Mutter und der heilige Benedikt

29 10 2010

 

von Inge M. Thürkauf

 Die geistig-geistlichen Werte, die uns durch den Vater des abendländischen Mönchtums in seiner Regula aufgezeichnet wurden, haben von Anfang an weit über die Reihen der Mönche hinaus Beachtung und Wertschätzung erfahren. Obwohl die Regula Benedicti für das Gemeinschaftsleben eines italienischen Klosters des 6. Jahrhunderts geschrieben wurden, hat sie bis heute ihre Bedeutung erhalten und ist auch für Laien zum Leitfaden auf der Suche nach Lebenssinn und Lebenserfüllung geworden. Ihre Weisungen verbinden die Forderung nach Gehorsam und Disziplin mit Duldsamkeit, Mitgefühl und Freude an Gott. Schon ihre ersten Worte: „Höre, mein Sohn, … neige das Ohr deines Herzens; nimm die Mahnung des gütigen Vaters willig an …, um dem wahren König, Christus, dem Herrn, zu dienen“, spiegeln die innere Dynamik in der Beziehung des Vaters zu seinen Kindern wider.

Daher sind die Prinzipien des Zusammenlebens, welche die Regeln vermitteln, auch gültig für das Zusammenleben in der durch den Liberalismus so bedrohten Familie. Es ist eine Regel für die Praxis, die jeder nachvollziehen kann, der sich um ein harmonisches Familienleben bemühen will.

Kinder brauchen Mütter und Väter. In unserer Zeit erleben wir aber einen im Christentum noch nie gekannten Verlust der elterlichen Autorität, vor allem der Autorität des Vaters. Im Gefolge der Geisteshaltung des Neuen Zeitalters (New Age) haben die Kräfte des Feminismus und der Homosexualität die Macht über die schöpfungsgemäße Vaterschaft erlangt, und zwar in einer Weise, die radikal im Widerspruch steht, nicht nur zum Christentum, sondern auch zur religiösen und moralischen Tradition der Menschheit. Diese Umordnung der Schöpfungsordnung hat den Mann in eine Situation geworfen, die ihn substanziell verunsichert. Er ist aus seiner Aufgabe als Vater und Haupt der Familie herausgefallen.

Die Frau ist dem Mann als Hilfe beigegeben: „Ich will ihm eine Hilfe machen, ihm zur Seite“, lesen wir in der Genesis. Diese Hilfe hat ihm die Frau durch ihre Emanzipationsbestrebungen aufgekündigt. Damit wurde ihm die Stütze genommen, ohne die er in Gefahr gerät, ohne Hilfe hilf-los zu werden.

Die Ordensregel des hl. Benedikt kann hier zur Richtschnur werden und heilen, was in der Vergangenheit zwischen Frau und Mann zerbrochen wurde. Der Nährboden für die verschiedenen feministischen Bewegungen, deren Vertreterinnen den Männern den Krieg erklärt haben, war nicht zuletzt die Entwürdigung und Entrechtung, die sie durch die Männer erfahren haben. Gott verlangt vom Mann nicht weniger Tugenden als von der Frau. Es braucht die gegenseitige innere Formung der Eheleute, das beharrliche Bemühen, miteinander heilig zu werden. Dies ist letztlich der Hauptgrund und eigentliche Sinn der Ehe. Es ist ein Geben und Nehmen in Vertrauen und Liebe.

Die benediktinische Regel bietet gerade für den Mann am Verhältnis des Abtes zu seinen Mönchen ein Vorbild für den natürlichen Vater zu seinen Kindern.

Zu Beginn der Ordensregel beschreibt ein langes Kapitel das Wesen des Abtes. Er soll ein liebender, reifer und starker Mann sein, der die Würde Christi in sich trägt. Seine Verantwortung und seine Autorität betrachtet er als von Gott geschenkt. Um sein Kloster würdig leiten zu können, muss er den Titel bedenken, mit dem er angeredet wird: Vater.

Gleichermaßen steht der Vater der christlichen Familie vor, der eines Tages, wie der Abt, für seine „Herde“, zur Verantwortung gezogen werden wird. Er weiß, daß ihm Seelen anvertraut sind, die er zu Gott, zur Kirche, zur Heiligkeit führen soll. Und daß gerade dem Mann diese hohe Aufgabe gegeben ist, zeigt folgender Bericht:

Vor ca. 15 Jahren führten die schweizerischen Behörden eine Umfrage durch, die untersuchen sollte, wie Religion von einer zur nächsten Generation weitergegeben wird. Die Umfrage ergab, daß in Familien, in denen der Vater regelmäßig zur Kirche ging und die Mutter ihren Glauben nicht praktizierte, 44 Prozent der Kinder später regelmäßig Kirchgänger wurden. War jedoch der Vater nicht praktizierend, selbst wenn die Mutter regelmäßig die Kirche besuchte, so wurden nur zwei Prozent dieser Kinder regelmäßige Kirchgänger, während mehr als sechzig Prozent niemals zur Kirche gingen. Ein anglikanischer Vikar kommentierte dies wie folgt:

„Die Ergebnisse sind schockierend, sollten aber nicht überraschen. Sie sind so politisch unkorrekt wie nur denkbar, bestätigen jedoch einfach nur das, was Psychologen, Kriminologen, Erziehungswissenschaftlern und traditionellen Christen bereits bekannt ist. Gegen die Biologie der schöpferischen Ordnung kommt man nicht an. Der väterliche Einfluss steht in keinem Verhältnis zu der ihm in der liberalen westlichen Gesellschaft zugewiesenen – und stark reduzierten Rolle.“

Eines bringt diese Mitteilung recht klar zum Ausdruck: Die Beziehung zwischen Vater und Kind ist sehr entscheidend für die Beziehung des Kindes zu Gott. Wir übertragen nicht selten die Erfahrung unseres Vaterbildes auf unser Gottesbild. Der Abt der Regula wie auch der christliche Familienvater wissen, dass sie in ihrer Aufgabe als Vater auf die Gnade und Hilfe Gottes angewiesen sind. Für beide gilt: dem Stande eines jeden einzelnen entsprechend ein Leben mit den Sakramenten zu führen, im Gebet vor den Herrn zu treten und um seine Hilfe zu bitten.

Vom menschlichen Standpunkt aus gesehen, sind wir für die Anforderung, die der Herr an uns stellt, nämlich heilig zu werden, völlig ungeeignet. Doch die Barmherzigkeit Gottes hat uns alle Hilfsmittel zur Verfügung gestellt, um das höchste und größte Ziel, die Vereinigung mit Gott in der Ewigkeit, erreichen zu können. Die Liebe, mit der wir zu Gott gehen sollen, besteht im Willensakt, die Gnaden, die er für uns bereit hält, auch empfangen zu wollen.








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