Die Faszination von Helden

17 07 2010

Wie die Menschheit auf einen Orakel-„Paul“ gewartet hat…

von Dennis Riehle, Konstanz

Was für ein Aufschrei! Sondersendungen und Live-Berichterstattungen. „Paul“ hat wieder einmal gesprochen: Diesmal war zwar der Aufwand nicht mehr so gewaltig wie bei der Vorhersage des Fußball-Sieges von Spanien oder Deutschland, doch auch heute kam es zu neuer Gewissheit: In Oberhausen entschieden die Tentakel der Unterwasserkrake über den nächsten Machthaber im Kreml.

Und glaubt man der Aussagekraft von Pauls Entscheidungen während der Weltmeisterschaft, dann dürften zukünftig Wahlen oder Spiele unnötig werden. Denn immerhin hat die Welt ein neues Orakel, das die Zukunft in Präzision in seinen Fresstöpfen zutage bringen kann. Das Prinzip ist einfach: Dem Tier werden Möglichkeiten bereitgestellt – und je nach Hunger und Zufall bleibt es dort stehen, wo es an diesem Tag am günstigsten ist. Ein Statistik-Professor raufte sich zwar bereits die Haare, denn solch eine Trefferquote ist eigentlich unerklärlich und wissenschaftlich nicht nachweisbar. Und doch hat man es im Aquarium im Rheinland geschafft: „Paul“ macht all die Sorgen überflüssig, worüber bisher gebangt und geängstigt wurde. Paul ist Wahrsagen pur – und die Menschen glauben an ihn.

Wie soll man zukünftigen Generationen noch verkaufen können, dass im Weltgeschehen doch noch ein Rest Unsicherheit bleibt? Dass selbst Prognosen weiterhin einen Unsicherheitsfaktor beinhalten? Scheinbar hat nicht nur Deutschland seine Sensation gefunden. Niemand braucht mehr fragend vor Großereignissen stehen, die Ungeduld bekommt eine neue Faszination. Nein, niemand wird mehr wissen wollen, wie sich Vorgänge wirklich entwickeln; allein die Ungewissheit, wohin „Paul“ diesmal tendiert, ist noch der einzige Grund, zitternd vor den Fernsehbildschirmen zu sitzen.

Gut, die Situation mag zugespitzt sein. Doch passt sie wunderbar in Entwicklungen, wonach nicht mehr Gott im Mittelpunkt dessen steht, was Menschen erwartet. Bereits die Faszination um Bischöfin Margot Käßmann, die wie kaum eine andere Person in den letzten Jahren die Herzen der Bevölkerung an sich zog, oder der Stolz auf Lena, die Deutschland in ein neues „Eurovision Song Contest“-Fieber stürzte und verloren gegangenes Selbstbewusstsein in Minuten kittete – all sie sind zu neuen Helden im Land geworden. Ob Müller oder Podolski, ob Klose oder Mertesacker – nein, wofür brauchen wir noch einen Gott? Wir haben unseren Sinn gefunden. Und jetzt noch „Paul“, der uns nicht nur Siege prognostiziert, sondern für den mittlerweile Liebeslieder geschrieben werden – er reiht sich in dieses wohlige Gefühl ein, was sich offenkundig viele wünschten: Unklarheit braucht es nicht mehr, die Wege sind klar aufgezeigt. Traurigkeit ist vorbei, denn wir können uns über die Triumphe unserer Idole freuen. Und das Streben nach Freiheit à la Mainstream wird uns noch leichter gemacht – die Vorreiter predigen schon auf den Kanzeln.

Mir kommt all das bekannt vor: Schalten wir durch die Fernsehprogramme dieser Zeit, werden wir mit astrologischen Prophezeiungen nur so beworfen. Alles wird gut, alles liegt in unseren Händen – oder besser in denen, die dafür ausgewählt erscheinen. Die neuen Helden beenden ein Warten, das die Kirchen offenbar so unmenschlich noch unterstützen: Nicht morgen, nicht nächste Woche, nicht in der Ewigkeit wird das Gute in diese Welt kommen – nein, es ist bereits schon da. Gott, der uns die Gelassenheit lehrt, wird zum Vertröster, der den Spaß am Hier und Jetzt kaputt machen möchte. Die Argumentationen sind stets die gleichen, auch in der Entdeckung der Angebeteten aus Oberhausen, Hannover oder Südafrika.

Hat der Glaube versäumt, die Menschen in ihren aktuellen Lebenssituationen abzuholen? Oder weshalb bekommen diejenigen Auftrieb, die das Glück zeitnah unter die Leute bringen? Gott ermutigt dazu, das Leben auf ihn auszurichten. Und damit dem Geheimnis um so manch einen Zweifel und Ungeduld standzuhalten. Gott will uns selbst schützen, wenn er uns davor bewahrt, neue Götter auszuwählen. Denn Vertrauen in etwas, was kurzfristige Lösungen anbietet, steht auf weichem Grund. Die Sehnsucht nach allem Planbaren, nach Sicherheit und Geborgenheit in Zeiten, in denen wir durch Krisen und Leid gehen müssen, ist allzu menschlich – doch sie verleumdet die Existenz nach etwas viel Größerem.

Weil wir es nicht erwarten können, dass Gott unsere Wege weisen wird und nicht verstehen, dass er uns auch durch so manche Tiefe und Dunkelheit gehen lässt, um Erfahrung zu sammeln, dass er sein Tun so verschlüsselt und im Verborgenen zeigt– weil wir all das zu kompliziert und unpraktisch empfinden, suchen wir einfachere Türen: Sie öffnen uns zwar die Wege zu scheinbar Ecken- und Kantenlosem, doch sie lenken unser Leben in Bahnen, die uns in die Irre führen. Weg von der Barmherzigkeit des Herrn, hin zu dem, wohinter Profit, Macht und Eigennutz stehen. Wer sich für menschliche (oder andere) Helden ausspricht, der verkennt, dass er damit in Unbeständigkeit investiert. Denn der erste Fehltritt Pauls wird kommen – aber Gottes Zusagen halten immer!





Paperblog geht online mit Schreibfreiheit

14 07 2010

Schreibfreiheit wurde von der deutschen Online Platform Paperblog – das Beste aus Blogs – als einer von 100 deutschsprachigen Blogs vorausgewählt. Alle Blogeinträge von Schreibfreiheit erscheinen somit ab sofort auch auf Paperblog.

zu Paperblog gehts hier





Über die Zukunft der Welt

8 07 2010

Foto: Chuck “Caveman”

von Inge M. Thürkauf

Zahlreich sind die Prophezeiungen, Deutungen und Legenden, die sich des ewigen Widersachers Gottes bemächtigen, und im Verlauf der Geschichte wurden immer wieder Menschen, die sich über alles erhoben was Gott und Gottesverehrung heißt (2 Thess 2,3), mit dessen Schmähtitel bezichtigt: des Antichrist. Sowohl von Paulus als auch von Johannes wird bezeugt, daß dieser eine Person sei, der vor der Erfüllung der Zeit, d.h. vor der Wiederkunft Jesu Christi, in Erscheinung treten müsse. In der heutigen Diskussion über die Zukunft der Welt ist die Möglichkeit der Wiederkunft des Herrn in eine somnambule Ferne gerückt. Wir leben so, als ob dieses Ereignis in unserem Leben keine ernstzunehmende Bedeutung mehr hätte. Die christliche Gesellschaft, sofern sie sich überhaupt noch als solche bezeichnen kann, ist im Begriff, sich für immer auf Erden einzurichten. Das Weltbild der Wissenschaft, die Machbarkeit aller Dinge, hat sich an die Stelle der christlichen Kultur gesetzt, und es drängt sich die Frage auf, ob im Glauben an die Wissenschaft, die immer eigenmächtiger sich alle Bereiche des Geisteslebens erobert und damit den Glauben an Gott verdrängt, nicht jener Geist des Antichrist verborgen liegt, von dem Johannes warnt: „Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, ist aus Gott, und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichrist, von dem ihr gehört habt, daß er kommt; und nun ist er schon in der Welt“ (1 Jo 4,3).

Die bekannteste Betrachtung über das Ende der menschlichen Geschichte und die Gestalt des Bösen schlechthin ist die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ des russischen Philosophen und christlichen Denkers Wladimir Solowjew. Seine gewaltige apokalyptische Schau, in viele Sprachen übersetzt, wurde oft mißverstanden und falsch ausgelegt, nicht zuletzt deshalb, weil er seine Zukunftsvision mit Schilderungen anschaulich zu machen versuchte, die sowohl auf historischen Erwägungen beruhten als auch seiner Phantasie entsprangen. Trotzdem behält Solowjews Werk in seinem Ringen um ein tieferes Verstehen der endzeitlichen Geschichte gerade auch für den heutigen Leser seine bleibende Gültigkeit.

Nicht weniger brillant und von prophetischer Aussagekraft als die „Erzählung“ Solowjews ist die kurze Studie „Der Antichrist“ (Lins-Verlag, Feldkirch) des leider früh verstorbenen deutschen Philosophen, Historikers und freien Schriftstellers Reinhard Raffalt.

Reinhard Raffalt unternimmt nicht den Versuch, die Zeit des auftretenden Antichrist zu berechnen. Aber seine Analyse erhellt in erregender Weise die heutige Zeit im Hinblick auf sein Erscheinen. Eine seiner Perspektiven in bezug auf den Widersacher Christi ist der „richtig lebende Mensch“, der sich nach seinen Anlagen zu einem beinah technisch funktionierenden Wesen entwickelt, „dessen einzige Bestrebung sein muß, nichts falsch zu machen“. In seinem Erscheinen manifestiert sich die „extreme Entfaltung irdischer Macht“, die im Ziel gipfelt, den Weltfrieden zu verwirklichen und alle Religionen gleichzuschalten. Der Glaube an die Erlösungstat, an das Kreuz Jesu Christi, wird durch das Gebot der Nächstenliebe überwunden. Der Nächste wird zwar geliebt „wie sich selbst“, aber die Ursache der Liebe, Gott, wird ausgeklammert. „Von der Perspektive der sich höher entwickelnden Menschheit her gesehen, ist das Reich des Antichrist der Zustand äußerster irdischer Vollkommenheit“. Das einzige, das fehlen wird, ist das Wesen der menschlichen Freiheit: das Fragenkönnen und somit das geschichtliche Bewußtsein.

Hier nähern wir uns in gefährlicher Weise einer geistigen Bewegung, die in den letzten Jahrzehnten immer tiefer in unsere gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen eingedrungen ist: New Age. Zur Zeit der Abfassung seiner Überlegungen noch weitgehend unbekannt, folgte Reinhard Raffalt mit seiner Analyse den Spuren eines Prozesses, der sich immer mehr dem Geiste des Christentums zu entziehen droht. Es sind beklemmende Visionen, die er vor uns entfaltet, die aber in unserer nur aufs irdische Dasein fixierten Gesellschaft schon erschreckende Wirklichkeit erfahren haben. Die Heilige Schrift sagt vom Antichrist, daß er ein großer Lästerer sein werde, „und er werde die von ihm ins Werk gesetzte Verwüstung zum Gegenstand allgemeiner Verehrung machen“. Lästerung des Heiligen und Lust an der Verwüstung bis hin zum absichtsvollen Verzicht auf Schönheit sind Verirrungen der heutigen Kunst und auch der Medien, die unter dem Deckmantel der künstlerischen und publizistischen Freiheit sich jeder kritischen Überlegung enthalten, weil die Toleranz es verbietet.

Antichristliche Zeichen als Vorboten der beginnenden Endzeit sind zugleich Zeichen der Wiederkunft des Menschensohnes. Das letzte Wort wird nicht vom Antichrist gesprochen werden, auch wenn sich dieser „in das Haus Gottes setzt, und von sich erklärt, daß er Gott sei“ (2 Thess 2,4). Uns jedoch ist aufgetragen, eine Entscheidung zu fällen. Reinhard Raffalts einzigartige Studie weist in einer prophetischen Sprache auf jenes Ziel, das uns über den Antichrist hinaus gewiesen ist: auf jenen, der von sich sagte, daß er der Weg, die Wahrheit, und das Leben ist (Jo 14,6), und daß er mit uns sein wird bis ans Ende der Welt (Mt 28,20).





Der Disput um die Sterbehilfe

26 06 2010

Aktiv, passiv oder überhaupt nicht?

von Dennis Riehle, Konstanz

Der deutsche Bundesgerichtshof hat mit einer „wegweisenden“ Entscheidung – wie es die Medien formulieren – neue Richtlinien für den Umgang mit der Sterbehilfe gesetzt. In einem Urteil, das als grundsätzliche Aussage über das „würdevolle Sterben“ des Menschen gewertet wird, wurde die passive Sterbehilfe als rechtskonform beschrieben – solange, wie sich der Patient gegen lebensverlängernde Maßnahmen ausgesprochen hat und unabhängig davon, wie die äußere Einschätzung (von Ärzten, Pflegekräften oder Angehörigen) ausfällt.

Der Wille eines Patienten und dessen Freiheit, sich für den Tod zu entscheiden, wenn keine Aussicht auf Heilung oder Besserung eines „menschenunwürdigen“ Zustandes besteht, wird nach Ansicht des Gerichts als Maßstab dafür angesetzt, wie sich die Umgebung des Betroffenen in der letzten Lebensphase zu verhalten hat. Der uneingeschränkte Zuspruch der Richter, den Wunsch des Kranken respektieren zu müssen und dafür Sorge zu tragen, dass dieser eingehalten und ihm nicht widersprochen wird, wird einerseits als Meilenstein für die individuelle Freiheit des Menschen gesehen. Andererseits tun sich nicht nur bei den Formulierungen Fragen und Zweifel auf.

Recht bald nach dem Urteil traten neben den erleichterten Stimmen der Kläger und einem Jubel derer, die in der Liberalisierung der Sterbehilfe einen Fortschritt für mehr Menschlichkeit sahen, auch die Einwände auf, die bei solch einer Diskussion unabdingbar sind: Ist Sterbehilfe überhaupt mit dem Grundgedanken eines geschenkten Lebens vereinbar? Wo setzen wir die Unterscheidungen zwischen einer „aktiven“ und „passiven“ Sterbehilfe? Wie kann ich sicher gehen, dass der Patient seinen Willen tatsächlich eindeutig und ohne äußere Beeinflussung geäußert hat?

Auf viele dieser Fragen soll die „Patientenverfügung“ eine Antwort geben: In ihr wird festgehalten, was sich ein Mensch für den Fall unveränderbaren Leidens an Schläuchen, mit künstlicher Ernährung und im Dauerkoma wünscht. Dabei hat das Gericht festgehalten, dass das Abstellen eines lebenserhaltenden Gerätes als passive Sterbehilfe rechtens ist. Ein vorsätzliches Herbeiführen des Todes durch die Gabe einer Übermenge an Arzneien dagegen wird als aktive Sterbehilfe untersagt.

Man kann mit gutem Gewissen fragen, an welchen Stellen hier eine Unterscheidung getroffen werden kann. „Aktiv“ wird man auch bei der „passiven“ Sterbehilfe. Mit einem Knopfdruck, mit einem Durchtrennen der Zufuhr von Nahrung oder anderem Abschalten von Geräten, die einen Menschen am Leben erhalten. Die Krux der modernen Medizin, die ein Leben am Leben erhalten kann, eröffnet an dieser Stelle überhaupt erst eine Diskussion, die aus ethischer und moralischer Sicht kaum zu einem zufrieden stellenden Ergebnis führen kann.

Die Richter hielten auch fest, dass bereits eine verbindliche mündliche Zusage eines Patienten als Verfügung angesehen werden kann. Der Nachweis, dass solch ein Gespräch geführt wurde, wird in den seltensten Fällen nachgewiesen werden können. Und auch die Gewissheit, ob sich ein Mensch bei seinen Äußerungen in einem Zustand befindet, der als rechtlich verbindlich betrachtet werden kann, ist nach Ermessen auslegbar.

Das Justizministerium sieht keinen Handlungsbedarf, diese Grauzonen nochmals deutlicher zu definieren. Und macht damit den Weg frei für Deutung, Interpretation und Abwägung über das Leben eines Menschen. Unbestritten scheint auch, dass über das Thema Sterbehilfe diskutiert werden muss. Natürlich sind solche Debatten notwendig, wenn wir uns in einem Zeitalter befinden, in welchem uns die Technik ermöglicht, selbst „Herr“ über Anfang und Ende des menschlichen irdischen Daseins zu spielen – so meinen es die Befürworter. Gleichzeitig müsste man auch fragen: Offenkundig ist das Vertrauen der wissenschaftlich Vernarrten in ihre Erfolge doch nicht so groß, dass sie in Erwägung ziehen, sich auch über folgenden Gedankengang bewusst zu werden: Ein Patient, der aus medizinischer Sicht heute als nicht heilbar gilt, kann – bei zunehmenden Möglichkeiten und Entwicklungen – vielleicht nächstes Jahr als rehabilitierbar angesehen werden. Doch dann könnte es zu spät sein: Der Griff zum Schalter der Atemmaschine war vielleicht bereits getätigt worden – so, wie es der Patient „verfügt“ hat.

Klar scheint eines: Alle Entscheidungen in die Richtung von stärkerer Freiheit für den Menschen entfernen sich von dem Vertrauen in einen Tod, der nicht durch uns selbst bestimmt wird. Leid, das heute schnell als unerträglich und als nicht zumutbar betrachtet wird, verführt zu voreiligen Entschlüssen, einem Schöpferwillen zuvor zu kommen. Wie kann es ein liebender Gott zulassen, dass ein Mensch in seinem hilflosen Zustand länger durchhalten muss? Die Anschuldigungen an denjenigen, der das Leben gegeben hat, werden groß, wenn er dieses Leben nicht zu einem Zeitpunkt beendet, an dem es uns für sinnvoll erscheint.

Dass der Mensch den Absichten Gottes aber nicht so einfach in die Karten schauen kann, wie er es bei seinem medizinischen Vorankommen in Wissenschaft und Forschung erhofft, wird dabei außer Acht gelassen. Nein, wir können in so vielen für uns nicht nachvollziehbaren Momenten kaum begreifen, welche Absicht Gott damit verfolgt. Wer Sterbehilfe zulässt, muss sich nicht nur bewusst werden, dass sein Handeln auf den irdisch und für unser Denken rationell eingeengten Horizont und dessen engen Spielraum an Möglichkeiten beruht. Er muss sich auch verdeutlichen, dass sein Tun dem eigenen Streben nach der Vollkommenheit des menschlichen Einflusses widerspricht. Und nicht zuletzt bleibt anzumerken: Sterbehilfe mag vielleicht dem von Entmutigung und Hoffnungslosigkeit geprägten menschlichen Willen entsprechen, durchkreuzt möglicherweise aber vorzeitig den Willen Gottes – und damit einen in sich, und für uns manches Mal Kopfschütteln auslösenden, Plan, der nicht nur Wendungen und Überraschungen, sondern stets auch ein Geheimnis in sich birgt, welches wir durch unser Großmachen unserer Freiheit dann nicht mehr erleben dürfen. Mit Sterbehilfe stirbt nicht nur ein Leben, sondern auch die Hoffnung auf das Unerwartete.





Ein buddhistischer Christ tritt ab

25 05 2010

Zum Rückzug von Ministerpräsident Roland Koch

von Dennis Riehle

Manch einer, der heute Mittag die Pressekonferenz des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zu dessen Rücktrittserklärung von all seinen politischen Ämtern mit verfolgt hat, wird möglicherweise etwas von der buddhistischen Gelassenheit mitbekommen haben, die der Christdemokrat in seinen Ausführungen ausstrahlte.

Nicht nur, dass Roland Koch die Verbundenheit Hessens zum tibetischen Volk als einen seiner größten Verdienste hervorgehoben hat – nein, der Genuss, mit welchem er seinen Abschied verkündete und die Perspektive auf ein „normales Leben“, wie Koch die Zeit nach seinem Rückzug am 31. August diesen Jahres selbst bezeichnet, hatten durchaus etwas von beweihräucherter

Viel erfuhr man über die Gründe seines für die Öffentlichkeit doch überraschend kommenden Weggangs aus seinen Verantwortungen nicht. Dafür konnten die Journalisten aber eine kleine Einführung in die Philosophie des Sinns und Unsinns eines Politikerdaseins erleben, die zwar keine Antworten darauf gab, ob nicht doch die ewige Zwistigkeit zwischen Koch und Merkel der letztendliche Ansporn war, die Entscheidung zum Verlassen der politischen Bühne heute verkünden, die aber Einblick in das offenbar so weich gewordene Herz des Liebe predigenden und trotzdem noch immer wieder auf den so manch sozial Schwachen und Ausgegrenzten im Land herum reitenden Ministerpräsidenten ermöglichte.

Koch ist ein schwer durchschaubarer Mann. Konservativ und rigoros einerseits, ein Taktiker und Unternehmenskenner andererseits – und schlussendlich ein Christdemokrat, der bereits vor Jahren seine Liebe zum obersten Hirten und Vorbild der Tibeter und des buddhistischen Glaubens offenbarte. Sein Bekenntnis mit Schal und sanftmütigen Worten für die, die China ein Dorn im Auge sind, brachten ihn wirtschaftspolitisch unter Druck. Und auch so manch ein Parteikollege fragte sich, wie das Christsein denn mit Meditation, Reinkarnation und Seelenwanderung vereinbar wäre.

Und dabei ist Koch nur ein Stellvertreter für so manch Glaubens- und Sinneswandel in der heutigen Gesellschaft. Christ zu sein, das scheint heute immer öfter mit einem Denken und Bestreben nach Freiheit, Erleuchtung und Vollendung im Verständnis der asiatischen Religionen konform zu gehen. Ein Bekenntnis zu Jesus dann, wenn die christlichen Werte gerade passend sind, um mehr Tradition, harte Hand und innenpolitischen Klartext zu rechtfertigen. Wiedergeburt und ein friedliches Lächeln für die Welt, wenn man um die Harmonie im Land besorgt ist.

Einen Glauben zu leben, der den Alltagsumständen angepasst werden kann und im Zweifel auch immer wieder einmal zu wechseln oder zumindest miteinander kombinierbar zu sein scheint – das ist Trend und ein Anzeichen von Stricken, Häkeln und Knüpfen: Jeder bastelt sich sein Wohl nach dem jeweiligen Bedürfnis und schert sich nicht um Gebote, die den Spaß am Hier und Jetzt ohnehin nur stören. Natürlich mag man sich auch fragen, weshalb Buddhismus und andere Religionen, die weniger von Bekenntnis, aber dafür umso mehr von persönlicher Entfaltung der eigenen Charakterstärke ihrer Anhänger leben, diesen Boom erleben.

Die Antwort dürfte in einer Welt aus zunehmendem Egoismus und Selbstverliebtheit nicht schwer zu finden sein.

Das Vertrauen, sein Schicksal in die Hände eines Gottes zu geben, der als Heiliger Geist und in Form eines Mensch gewordenen Sohnes auf die Erde kommt, fällt viel schwerer als die Gewissheit zu haben, sich nicht auf eine Lehre festzulegen zu müssen, sondern das eigene Vorankommen eigenbestimmt zu gestalten. Dieser Umstand zeigt auch: Hingabe hat an entlastendem und zur Ruhe verhelfendem Mittel für besorgte Seelen ausgedient. Das Raffen nach Seelenheil in Form von Versprechungen für ein Leben in höheren Sphären dagegen verspricht Mystik, Spannung und Zukunft – das, was die sinnleere Gesellschaft zu brauchen scheint.

Viele trauern um den Rückzug von Roland Koch. Gab er doch nicht nur seinem Kabinett, sondern auch vielen Bürger eine starke Führung vor, die nun zunächst einmal wegzubrechen droht. Doch viel eher fragt man sich: Mit Koch geht zwar ein Ministerpräsident, der die Kanzlerin immer wieder zum Besinnen auf die konservative Klientel der Partei ermahnt hat. Doch schlussendlich hat Koch mit seinen immer stärkeren Annäherungen an ein selbsterfüllendes Weltbild des Buddhismus auch den Weg frei gemacht für einen neuen Politiker, der nun nicht nur Kante, sondern auch wieder christliche Politik von Grund auf vermitteln kann.

Wo dieser Nachfolger aber zu finden ist, bleibt unklar. Alle möglichen Erben von Koch stehen getreu in seiner Linie. Von der CDU in Hessen klare christlich bekennende Aussagen in der Politik zu erwarten, das ist derzeit utopisch.

Gerade die Landesverbände Hessen der christlichen Kleinparteien sind nun aufgerufen, diese Lücke zu nutzen, um sich als letztes Überbleibsel einer unverfälscht bekennenden Politik zu profilieren.





Erst ein Embryon, jetzt ein Bakterium

24 05 2010

Das künstliche Erschaffen von Erbinformationen

von Dennis Riehle

Es wurde gefeiert wie eine Weltsensation: Im April verkündeten Forscher zunächst, aus den Erbinformationen von drei Erwachsenen das Erbgut für einen Embryonen zusammengestellt zu haben, welcher ein Durchbruch auf dem Weg hin zum Ausschluss von genetischen Erkrankungen bereits im Vorhinein der Entstehung des Lebens darstellen würde. Hier ging es explizit um die Gewissheit, Schwächen der Mitochondrien, dem Motor des menschlichen Energiestoffwechsels, von Beginn an keine Chance zu geben.

Welch eine Wundervorstellung! Denkt man an diesem Beispiel weiter, kommt zukünftig jeder Mensch gesund auf die Welt – und bleibt es wahrscheinlich auch! Ein Traum für ein Leben ohne Leid, ohne Schmerz und ohne Krankheit. Und nicht nur das: Mittlerweile benötigen die Wissenschaftler nicht einmal mehr die Vorlage der Erwachsenen. Rund einen Monat nach der ersten Sensation folgte nun die noch viel größere:

Erstmals ist es gelungen, Erbinformationen, die denen eines natürlichen Lebewesens, ja, gar denen eines Menschen ähnlich, wenn nicht sogar identisch sind, künstlich zu erzeugen. In einem Bakterium wurde das Erbgut gezüchtet – und damit die Steilvorlage für die Kreation von Zellen, DNA und einem irgendwann kompletten Körper gelegt.

Was soll ich sagen, der ich heute mit einer Erkrankung der Mitochondrien konfrontiert bin? Muskeln, die wegen einer zu langsamen Verstoffwechselung und Bereitstellung von Energie täglich schmerzen, taub und lahm werden und mir manchen Tag zu einem dunklen und finsteren Moment verkommen lassen? Ja, zunächst war es doch ein wenig Freude, ich gebe es zu. Eine menschliche Freude, die sicher vollkommen natürlich ist. Ist mit ihr doch die Hoffnung verbunden, dass – zwar, wenn auch nicht mehr mir, weil meine Genetik vorbestimmt ist, dafür aber denen, die nach mir auf diese Welt kommen werden – in Zukunft junge Menschen nicht mehr alle Untersuchungen, alle Therapien und all die Herausforderungen auf sich nehmen müssen, wie es neben mir Millionen andere derzeit tun.

Und doch kam plötzlich die Angst: Eine Welt, auf der nicht mehr Menschen aus natürlicher Zeugung, sondern aus dem Gutdünken und der Tagesstimmung eines Forschers leben und so geschaffen wurden, wie Eltern es sich wünschen. Ja, dann bekommt der Begriff des „Wunschkindes“ ganz neue Bedeutung. Und man stelle sich vor: Kinder wurden dann geschaffen. Im Labor, am Schreibtisch, in Pipetten. Bisher übernahm das Gott, er hatte einen Plan, eine Vision, wie er uns machen möchte und was er mit uns vorhat. Und alsbald soll diese Allmacht in die Hände einiger Wissenschaftler fallen?

Nicht nur die Vorstellung, dass über die wahllose Zusammenstellung der Erbinformationen schlussendlich nicht nur der Ausschluss von Krankheiten möglich sein wird, sondern auch die Schaffung des Menschen mit all seinen Einzelheiten, Persönlichkeit, Körpermerkmale – ein Gedanke, der zum Schaudern anregt. Wie schnell würde das Geschenk des Geheimnisses vergehen? Die Geburt würde nicht mehr zum Augenblick des Staunens, sondern zum Moment des ohnehin erwarteten und vorprogrammierten auf die Welt Kommens eines Kindes, das maßgeschneidert wurde.

Ist bei dieser Perspektive, irgendwann aus Models zu bestehen, aus kantenlosen Geschöpfen, die sich vor lauter Perfektion ihrer eigenen Schwäche nicht mehr sicher wären, einer Menschheit aus Arroganz, einem Wettbewerb um die besseren, schöneren und glanzvolleren Eigenschaften, einem Miteinander, das aus Neid, Egoismus und dem Drang, seine Nachkommen nach eigenem Willen vorherbestimmt und nicht mehr dem Schicksal eines neutralen, eines unparteiischen Machers des Lebens überlassend, besteht, nicht die Vorstellung eine bessere, auch bei noch so schwerem Eingestehen so manches Leid doch zu ertragen?

Stelle ich mir die Waage der Entscheidung vor – auf der einen Seite das Laster von Schmerz und Lied, auf der anderen die Vision der vom Menschen designten Welt – so muss ich mich in meiner Verantwortung für das, was ich in meiner Lebenszeit mitbestimmen kann, dafür aussprechen, lieber Erkrankung zu erdulden, statt mit der Schuld irgendwann von der Erde zu gehen, die Zeit nach mir durch einige wenige Mitgeschöpfe bestimmen und damit eventuell in eine Kälte aus Unmenschlichkeit und in einen Kampf um die ideale Gestaltung der Lebewesen verkommen zu lassen.

Ohnehin: Woran soll der zukünftig vom Lied befreite Mensch reifen, wenn er nicht die Tiefen und Täler des Lebens durchschreiten kann? Auch wenn die Ungerechtigkeit der Verteilung von Schicksal und Last in dieser Welt immer wieder zum Himmel schreit, wäre sie ohne das persönliche Erleben von Dunkelheit leer von Weisheit und Einfühlsamkeit. Leid, der Anstoß zum Überdenken der eigenen Situation, der Impuls zur Dankbarkeit und der Beginn möglicher Umkehr, ist notwendig, um dem Menschen Gefühle und Reflexion zu geben.

Ja, Forscher haben sich nicht nur gewagt, das Territorium Gottes zu betreten und damit in eine Ordnung der Welt einzugreifen, die unser Miteinander im Ausgleich hält, sondern sind offenkundig auch bereit, die Menschheit einer Eigenschaft zu berauben, die schmerzlich zu dulden, aber unumgänglich zum Lernen ist: Leid und Schmerz sind nicht etwas, was weg zu forschen ist. Sie sind Bestandteil eines natürlichen Auf und Ab, das Persönlichkeit und Charakter prägt – dafür braucht es nicht die Phantasie der Wissenschaft.





Ignoranz

29 04 2010

Österreich hat seinen neuen Bundespräsidenten gewählt. 

Dazu stellen sich mehrere Fragen:  Was ist „Österreich“ nach dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages noch?

Welche Bedeutung hat ein Bundespräsident überhaupt? Welche hat er nach Lissabon? Hätte er als Hüter der Verfassung diesen nicht beeinspruchen müssen? Welche persönliche und moralische Qualifikation weist Heinz Fischer überhaupt auf?

Egal.

Österreich (oder „Österreich“) hat sich jedenfalls als Land der Ignoranz erwiesen. Über 50% gehen nicht zur Wahl. Dazu werden sie von der Irrelevanz des Bundespräsidentenamtes, einer Empfehlung der ÖVP und der vollkommenen politischen Ignoranz der kirchlichen Obrigkeit geradezu aufgefordert. Letztere, in diesem Fall die katholische, vermittelte ja das Bild, daß eigentlich nur Heinz Fischer wählbar wäre. Ist das Ignoranz – oder Kollaboration?

Ignoranz ist nicht harmlos. Jede/r hat die Verpflichtung, sich nach bestem Wissen und Gewissen zu informieren (also nicht bei „heute“, „ÖSTERREICH“, ORF u. dgl.). Ansonsten möge er/sie sich mit Kommentaren und Verurteilungen besser zurückhalten.

Aus Ignoranz wurde – mindestens das – vom Wahlvolk nicht wahrgenommen, (1) daß gegen Barbara Rosenkranz eine unfaßbare Menschenjagd mit persönlichen Unterstellungen, Gewaltandrohungen, Lügen und Beleidigungen entfesselt wurde, daß (2) Rudolf Gehring ein seriöser Mann mit vernünftigen Ansichten ist, aber von dummen Journalisten angepöbelt und in den Zeitungen verrissen wurde, daß (3) somit die Demokratie gefährdet ist, weil die Information zur Desinformation ausgeartetet ist. Die Verstrickungen von Bundespräsident Fischer wurden schon vor Jahren von Hans Pretterebner in seinem Buch „Lucona“ und vor kurzem von Andreas Unterberger auf dessen Blog veröffentlicht.  Aber wer nimmt das schon zur Kenntnis? Das Gedächtnis ist kurz, der Opportunismus stark.

Die meisten Leute, vor allem die jungen Leute,  sind an dieser ihrer Ignoranz nur teilweise schuld, zu groß ist schon die von oben künstlich erzeugte Ignoranz. Aber – wie gesagt – jede/r muß sich sachgerecht informieren. Davon ist niemand dispensiert.

Aber gegen die von oben erzeugte Ignoranz werden wir ankämpfen müssen.  Denn die Wahrheit wird uns frei machen.





Christus ist auferstanden – ER ist wahrhaftig auferstanden!

5 04 2010

Das leere Grab

von Inge M. Thürkauf

In der Liturgie der Osternacht feiern wir das Wunder aller Wunder: die Auferstehung unseres Herrn. Wenn der Priester mit der brennenden Osterkerze in die dunkle Kirche einzieht, symbolisiert diese Handlung das Licht Christi, das in die Finsternis dieser Welt gekommen ist. Mit dem dreimaligen Ruf „Lumen Christi“ wird dieses Ostergeheimnis verkündet.

Als Jesus von sich selbst sagte, daß er in die Welt gekommen sei, um für die Wahrheit Zeugnis abzulegen (Jo 18,37), dann waren seine Worte: „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ (Jo 11,25) eben diese Wahrheit, und wer in Liebe die Wahrheit sucht, erfährt die Freude der Auferstehung in ihrer ganzen Fülle. Nur der Unglaube kann sich mit absurden Hypothesen gegen das Wunder der Auferstehung stemmen. Erkenntnistheoretisch jedoch gibt es nur eines: entweder ist der Herr mir selber erschienen, oder ich glaube den Jüngern, die davon berichtet haben. Dasselbe gilt für die Wundertaten Christi: entweder war ich selber dabei als Jesus die Wunder wirkte, oder ich glaube jenen, die dabeigewesen sind.

Gerade seine Jünger, die zwar den Glauben an den mächtigen Wundertäter Jesu verloren hatten als sie erfahren mußten, wie ihr Meister unter dem Gelächter der Menge qualvoll am Kreuz verstarb, gründeten später die Kirche, wirkten die gleichen Wunderheilungen wie Jesus und waren stolz darauf, für ihn leiden und sterben zu dürfen. Und warum? Es war das Faktum der Auferstehung ihres Herrn und die Gewißheit, daß auch sie wie ER einst auferstehen werden. Diese Gewißheit hat sie geistig unbesiegbar machte. Grundlage für das Zeugnis der Auferstehung ist daher nicht der Glaube daran, sondern die Tatsache.

Sowohl die Evangelien als auch die Apostelgeschichte berichten von der Begegnung Jesu mit seinen Jüngern nach seinem Tod am Kreuz. Besonders eindrücklich schildert das Johannesevangelium am Beispiel des Apostels Thomas die Bekehrung zum Glauben an die Auferstehung des Herrn. Bei der Erscheinung Jesu im Jüngerkreis am Abend des Auferstehungstages fehlte er. Gegenüber den begeisterten Berichten über das Wiedersehen mit ihrem Meister verhielt er sich ablehnend. Er wolle zuerst an seinen Händen das Mal der Nägel sehen und die Hand in Jesu Seite legen, bevor er sich auf „das Wagnis des Glaubens einlassen“ könne. So gesehen, war Thomas der Naturwissenschaftler unter den Aposteln, der nur glaubte, was er be-greifen konnte. Doch Thomas, nachdem er den Herrn gesehen hatte, sank auf die Knie mit den Worten: „Mein Herr und mein Gott“ (Jo 20,28) und bekannte mit diesen beiden Anrufungen, daß Jesus Christus wahrer Mensch und wahrer Gott ist.

Der Kirchenvater Irenäus von Lyon (130-200), vom hl. Johannes zum Bischof von Smyrna bestellt, schreibt: „Denn nachdem unser Herr von den Toten auferstanden war und sie (die Apostel) durch das Kommen des Heiligen Geistes mit Kraft von oben ausgerüstet wurden, da wurden sie mit Gewißheit über alles erfüllt und erhielten vollkommene Erkenntnis“, vor allem über die Tatsache, daß Jesus Christus wahrhaft von den Toten auferstanden ist.





Ostern heißt: Wunden heilen

2 04 2010

Karfreitag, 02. April 2010

Dennis Riehle, Konstanz

„Jesus ist tot“ – „Jesus lebt“!

In den vergangenen Tagen bin ich desöfteren gefragt worden, wie ich das denn sehen würde, mit Ostern: „Glaubst du wirklich daran? Jesus – erst gestorben, dann wieder auferstanden?“.

Und eigentlich hatte man wahrscheinlich eine ganz andere Antwort von mir erwartet: „Mit dem Glauben an Tod und Auferstehung Jesu – damit habe ich keine Probleme…“, sagte ich. „… Viel eher fällt es mir schwer, jedes Jahr diesem Gefühlschaos zu folgen“.

Am Karfreitag begehen die protestantischen Christen ihren höchsten Feiertag im Kirchenjahr. Traurigkeit, Mitgefühl und tiefe Emotionen über das Leiden und die Pein Jesu am Kreuz, aber auch Dankbarkeit dafür, dass sich Jesus hingegeben hat, um uns unsere Sünden zu nehmen. Karfreitag – ein Tag von Buße, Reue und Sühne. Und damit auch ein Tag, an dem wir mit uns selbst ins Gericht gehen. Wir bedenken unserer Missetaten und bitten gerade heute besonders um die Gnade, die Christus uns als Gottes Sohn zuteil werden lässt. Für mich bedeutet dieser Tag große Nachdenklichkeit. In den Gottesdiensten wird oftmals von feierlicher Musik abgesehen, das Kreuz mit Dornen umschlungen, die triste Stimmung macht klar: Jesus verdeutlicht uns mit seinem Tod auch unsere Vergänglichkeit. Wir werden daran erinnert, dass auch unser Leben auf dieser Erde nicht ewig weitergehen wird. Am Karfreitag überwiegt zunächst die blanke Realität: Gewalt, Qual und Ungerechtigkeit – das ist in vielen Teilen der Erde Wahrheit und Wirklichkeit. Und auch, dass wir uns mit unseren eigenen Grenzen und Schranken beschäftigen müssen, fällt uns zwar schwer, doch erleben wir in unserem Alltag, dass die Leere schnell Einzug halten kann. 

In meiner engeren Bekanntschaft erlebte ich noch vor zwei Wochen, wie ein Mensch in relativ jungen Jahren durch schwere Krankheit sterben musste. Es schien gerade für die Angehörigen nichts zurück zu bleiben. Der Verlust war unbeschreiblich, der Gedanke an eine Zukunft weit entfernt. Aber es müssen nicht nur die extremen Beispiele sein: Mir berichtete vor einigen Tagen ein Mann in besten Jahren davon, wie er nach über zehn Jahren Betriebszugehörigkeit gekündigt wurde – er sei „rationalisiert“ worden. Ein Ende ganz anderer Art: Wie oft stehen wir mit unserer – nicht nur körperlichen – Existenz an einem Abgrund und verzweifeln an den Fragen dieser Zeit?

Jesus wurde verraten. Eigentlich müsste man davon ausgehen, dass er von Unmut, von Hass geprägt war. Man hatte ihn auflaufen lassen. Einer aus seinen Reihen war ihm in den Rücken gefallen. Da wurde aus einem Freund jemand, der nichts Anderes im Sinn hatte, als selbst besser dazustehen als Jesus, sein Herr. Neid, Missgunst und der Drang, sich durchzusetzen: Kennen wir das nicht auch aus unserer eigenen Geschichte? Sind wir nicht auch schon Opfer von Intrigen, Mobbing oder dem überhöhten Anspruch nach Leistung und Eerfolg geworden? Oder haben wir selbst einmal Unrecht gegenüber unseren Nächsten getan, Mitarbeitern, Kollegen, der Familie? Der Karfreitag tritt uns sehr nahe: Sehen wir uns als Jesus oder Judas? Als Opfer oder als Verräter? Wahrscheinlich als beides…

Und all das wirkt in drei Tagen oftmals bereits so vergessen. Mit Freuden verkünden wir die Auferstehung Jesu. Am Ostersonntag kommen wir aus dem Staunen kaum mehr heraus: Ein Wunder, ein Zeichen, eine Botschaft. Christus ist unter uns! Tränen und Trauer, Angst und Scham, Leid und Pein weichen dem Geheimnis des christlichen Glaubens: Jesus ist nicht länger tot, er ist zurückgekehrt in diese Welt, um auch uns von unseren Sorgen und Nöten zu befreien. Wir sollen losgelöst und voller Hoffnung in die Zukunft gehen. Wer den Tod überwunden hat, der kann uns Zuversicht geben. Und welcher Ausblick kann uns den Schrecken vor dem Tod eher nehmen, als der der Auferstehung Jesu? Nein, er nimmt uns nicht nur die Sünden als Opfer für die Menschen. Er bringt uns auch das Licht zurück, das wir so oft in unseren grauen Tagen vermissen. „Eine freudige Nachricht breitet sich“ – so besagt es ein Kirchenlied (EG 649, Regionalteil, M. G. Schneider, 1975). Und sie erreicht unsere Herzen, Gefühle und Gedanken.

Ja, wir erleben in diesen österlichen Tagen eine Achterbahnfahrt unserer Emotionen. Manch einem mag das zu schnell gehen. „Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt“ – von Karfreitag zu Ostermontag gerade umgekehrt. In wenigen Tagen vom Angesicht des Todes Jesu und unserer eigenen Tiefen zur Unfassbarkeit, Freude und Dank an Gott, dass er uns seinen Sohn gesandt hat und an ihm demonstrativ seine Allmacht und Barmherzigkeit zeigt. Und warum mein Stehenbleiben, mein Atemstocken bei dieser rasanten Entwicklung? Ich frage mich: Kann das in unserem Leben auch so funktionieren? Umschalten von Tränen zum Lachen? Von Ausweglosigkeit zu Freiheit? Von Leiden zum Hoffen?

Nein, so kann es und so muss es nicht sein: Ostern macht uns deutlich, dass Verletzung nicht das Ende ist. Doch es gesteht uns zu, dass Wunden Zeit zum Heilen brauchen. Das geht nicht in drei Tagen. Gott ermutigt uns, dass wir durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes an unserem Leben dranbleiben. Erschütterungen reißen Gräben in unseren Alltag. Und wir brauchen kürzer oder länger, um die seelischen oder körperlichen Verwundungen zu verarbeiten. Gott hilft uns dabei. Er geht auch mit uns durch die Tiefen der Täler, hin zu den Gipfeln der Höhen. Er nimmt uns an der Hand, überwindet mit uns Sünde, Trauer und Leid. Durch die Menschen, die er uns an die Seite gestellt hat und die uns als Freunde, Eltern oder Bekannte begleiten, lernen wir das Wunder des Osterfestes kennen: Es geht nicht um einen Marathon in der Überwindung unserer Schicksale. Es geht um die Heilung von Wunden. Wir müssen nicht vergessen, wir können unsere Hilflosigkeit beklagen. Aber wir dürfen uns öffnen – und bereit sein für einen Blick nach vorne.





Belebter Glaube in entspannter Atmosphäre

7 03 2010

In regelmäßigen Abständen trifft sich in Wien, Salzburg und Graz eine illustre Gemeinschaft von Menschen, um innovativen Vorträgen zu aktuellen oder auch „Dauerbrenner“-Themen aus christicher Sicht zuzuhören und sich darüber auszutauschen. In Wien gibt es dazu Gelegenheit im Sparkys, in der Wiener Innenstadt. Die anderen Lokalitäten und Termine können der Homepage „Theolgie von Fass“ entnommen werden.

Kommen kann jeder, der Interesse hat – der Veranstaltungstitel läßt auch schon völlig richtig erkennen, dass gemütliche Gemeinschaft und Geselligkeit neben geistigem Input nicht zu kurz kommt. Eine willkommene Gelegenheit also für jeden, der das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden will.

Ankündigungen zu den Themen,  wie auch Videozusammenfassungen können auf der Homepage zeitnahe angesehen werden. Spaß ist in jedem Fall immer mit dabei :-) Ein toller Ausdruck von Christentum, wie es lacht und lebt – vor allem in der heutigen Zeit.