Kirchentagspräsidentin nutzt große Bühne

12 06 2011

Politische Einzelmeinungen im Schlusswort des Protestantentreffens

Feierlich und wie immer in pompöser Stimmungen endete der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag in der Elbmetropole Dresden.

Der Abschlussgottesdienst stellte auch bei diesem Treffen von etwa 120 000 Christinnen und Christen einen der vielen Höhepunkte dar.

Gleichzeitig endete der Kirchentag aber auch mit einem Eklat: Die „Grünen“-Politikerin Göring-Eckardt, der bereits in der Vergangenheit aufgrund ihres Amtes als Präsidentin der EKD-Synode vorgeworfen wurde, ihre parteipolitischen Ansichten mit ihren Aufgaben in der Synode zu vermischen, missbrauchte ihre Funktion als Präsidentin des Kirchentags auch in ihrem Schlusswort am Ende der Veranstaltung.

Es ist gut, dass es nun, jetzt, in diesem Moment zu einer Energiewende in Deutschland komme, sagte Göring Eckardt. Gleichzeitig stimmte sich auch nochmals in die von der ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Käßmann, anklingenden Worte nach Frieden ein – wohl den Frieden, den Käßmann durch „das gemeinsame Gebet mit den Taliban“ beschrieb. Die Wahrung der Schöpfung geht uns alle an – doch Göring-Eckardt verkaufte stilistisch gut verpackt und nicht für jeden erkennbar eindeutig „grüne“ Haltungen in ihrer Zusammenfassung des Dresdner Kirchentages.

Auf dem Treffen der Protestanten und vieler anderer Christen war mehrfach die Frage aufgekommen und diskutiert worden, in wie weit sich Christen politisch einbringen dürften. Göring-Eckardt beantwortete diese Frage wortreich: Die Bürger müssten Teil der Entscheidungen werden, ob es um Bahnhöfe oder Flughäfen, Atomendlager oder Friedenseinsätze ginge. Hätte man während den Schlussworten der Präsidentin nicht ab und zu die Posaunen der Chöre gehört, hätte man die Ansprache als eine an das Elbufer verlagerte Bundestagsrede einschätzen können.

Nein, für solche Zwecke ist ein Kirchentag nicht gedacht. Es kann und darf nicht sein, dass eine Politikerin, die es offenbar nicht schafft, ihre Einzelmeinung als Parteimitglied und Funktionärin bei den „Grünen“ von ihrem Amt als Präsidentin des Kirchentages zu trennen, auf einem Treffen von Zehntausenden Christen als Wahlkampfveranstaltung missbraucht.

Wer von Christen fordert, sich auch in die Politik einzubringen, der muss dies mit einer Ermutigung tun, Meinungsvielfalt zu leben. In einem Abschlussgottesdienst des Kirchentages will ich geistlichen Impuls und keine Huldigung auf die Verdienste der Anti-Atomkraft-Bewegung.

Das Ereignis um Göring-Eckardt ist daher auch symptomatisch für einen Zustand insbesondere in der evangelischen Kirche. Die Protestanten war immer schon streitlustig und haben den Konflikt nicht gescheut. Eigentlich ging die Reformation aber von dem Grundanliegen aus, sich kritisch mit kirchlichen Schiefständen auseinander zu setzen – und nicht der Politik das Denken abzunehmen. Wenn Protestanten heute einer politischen Debatte den Vorzug lassen, statt sich der Seelsorge, der Verkündigung des Evangeliums, dem Gebet und dem wahren Bekenntnis zuzuwenden, ist weder die Zersplitterung in weitere Strömungen, noch die Abwendung von der Kirche verwunderlich.

Dennis Riehle

 





Von der Selbstverwirklichung zur Selbsthingabe

15 05 2011

Kürzlich war in einer Diskussion um den Lebensschutz die Frage im Raum, was denn das „Selbst“ wäre? Nun- einer der Gründerväter der modernen Psychologie Psychiatrie, Prof. C.G. Jung, Zürich, beschrieb das „Selbst“ als das Paradoxon an sich: Es verlöre sich, indem es versucht, sich zu gewinnen und es gewänne sich, indem es sich verliert. Und: Jesus Christus wäre dieses Urbild, also der vollkommene Archetypus des „Selbst“.

Im unseligen Zug der Zeit trachten viele, vor allem auch Frauen nach Selbstverwirklichung. Sie wollen sich oft auch mitten aus ihrer Familie, aus ihrem Muttersein heraus plötzlich selbst verwirklichen und verlassen diese Aufgabe, ihre Kinder und ihren Mann. Sie ahnen nicht, dass es eigentlich nur durch die liebevolle Hingabe an eine große Aufgabe möglich ist, sich selbst zu finden, selbst zu erkennen.

Ohne den Dienst am Leben in einer liebevollen Fürsorge vor allem für die ganz Schwachen am Beginn und am Ende des Lebens in welcher direkten oder indirekten Form auch immer (siehe auch Prof. Viktor Frankl – Logotherapie) kann der Mensch nicht aus seinem ausschließlichen egoistischen Eigenbezug herauskommen. Er wird letztlich häufig früher oder später in einer inneren Isolation mehr oder weniger „sinnkrank“. Er will nicht lieben und trotzig auch nicht geliebt werden. Solches scheint ihm seine persönlichen Freiheitsrechte einzuschränken. In einer beruflichen Karriere sei man auch auf niemand, schon gar nicht auf einen dauerhaften Ehepartner angewiesen und ohne Kinder könne man ganz ungehindert tun, was man wolle. Überdies wäre eine „zufällig“ auftretende Elternschaft hier sehr hinderlich und müsse demnach beseitigt und als ein „Problem“ raschest gelöst werden!

Es ist letztlich immer der Mangel an Liebe in allen Phasen und in allen sozialen Bereichen und Ebenen des eigenen Lebens, welcher die Zweifel am Selbstwert aufkommen und der das Vertrauen in Gott und die Mitmenschen schwinden lässt. So kann auch keine höhere Selbstfindung mehr entstehen und die das „Selbst“ bildende Hingabe an eine (Selbst-) Aufgabe oft nicht einmal mehr angedacht werden. Es geht somit unaufhaltsam zurück in den demotivierten Egoismus, das sinnleere „Ich“ und über diese Schiene letztlich in den gesellschaftlichen Zerfall aus einem „Jeder gegen Jeden“.

In der Politik wird derzeit im Zuge der Installierung der globalen „New world order“ dieser geistig- evolutive Rückschritt von den wahrhaft mächtigen der Welt massiv protegiert. Die politischen Parteien sind gezwungen im Sinne des Machterhalts hier mitzuspielen, weil sie sonst um ihre Plätze an den Töpfen bangen müssten. Es geht im politischen Wettstreit der Ideologien vordergründig und oberflächlich nur noch um die Mittel, also um die Macht und das Geld als Machtmittel und überhaupt nicht mehr um die eigentlichen Inhalte und Aufgaben, also um die Suche nach der Wahrheit und dem gesellschaftlichen Dienst an ihr.

Lediglich die Christliche Partei Österreichs, die CPÖ als die einzige Partei hierzulande, die sich vorbehaltlos zum Lebensschutz auf allen Linien und allen Ebenen bekennt, lässt noch gesellschaftliches Verantwortungsbewusstsein erkennen. Sie setzt als einzige das der geoffenbarten christlichen Wahrheit dienen „Sollen“ vor das unbedingte, relativistisch- weltliche Macht haben „Wollen“. Sie sieht nämlich ihre politische Aufgabe als einen Dienst und versucht, den Menschen die gesellschaftlichen Wege für ein freies, selbst beherrschtes, sozial sinnvoll gestaltetes Leben zu zeigen und somit auch zu ermöglichen. Sie schwimmt hier also als Einzige gegen den politischen „Mainstream“.





Stellen Sie sich vor, dass Sie keine Hände und Beine hätten…

12 05 2011




Kirchenkrise am Ostersonntag

7 05 2011

ZDF-Magazin „sonntags“ wählt Eigentümliches zu Jesu Auferstehung

Dass so manch ein Mitglied der ZDF-Programmdirektion ein merkwürdiges Verständnis davon hat, den Menschen den Glauben näher zu bringen, hat nicht zuletzt der Fall um die neue „Comedy“-Serie, die der Sender für junge Zuschauer produzieren will, gezeigt. „Wir sind Gott“ soll zwei wenig allmächtige Frauen darstellen, die auf eine blasphemische Art nicht nur den christlichen Glauben in die Ecke der Lächerlichkeit preis gibt. Die Zuschauerredaktion sieht das anders und argumentierte, alle Altersgruppen der ZDF-Zuseher auf „vielfältige“ Weise mit dem Glauben vertraut machen zu wollen und Interesse für das Christentum wecken zu wollen. Verdrehter geht es kaum.

Am Ostersonntag 2011 leistete sich das ZDF nun die zweite Entgleisung in diesem Sinn. Am christlichen Hochfest, an dem die Freude über den auferstandenen Herrn im Mittelpunkt steht, setzte das wöchentliche Magazin „sonntags“ seinen Schwerpunkt auf die Krise der katholischen Kirche. Um nicht gleich mit allzu großer Direktheit zu starten, umhüllte man die nachfolgenden Beiträge mit einem Filmchen zu europaweiten Osterbräuchen, um zumindest dem Tag ein Stück weit gerecht zu werden.

Denn das, was danach kam, hatte mit Auferstehung weitestgehend nichts mehr zu tun. Der mittlerweile gut bekannte Theologe Dr. David Berger erläuterte erneut den „Schein“ der Kirche anhand seines Buches und seines Wandels von Tradionalisten zum heute „modernen Konservativen“, wie der O-Ton es bezeichnete. Mit seinem Freund wurde er im Alltag gezeigt, nebenbei seine Stellungnahmen zum Antisemitismus kirchlicher Würdenträger, der Kritik der katholischen Kirche an der Freimaurerei und zu Äußerungen der Bischöfe, die nicht nur praktizierte, sondern Homosexualität an sich als Sünde bezeichneten, eingeblendet. 

Weiter ging es mit einer Reportage über einen Religionssoziologen, der die Austrittswelle aus der katholischen Kirche bescheinigte und formulierte, dass heute auch tief gläubige Christen die Kirche verließen – jedoch nicht mehr zwingend ins Leere, sondern in andere Glaubensgemeinschaften auswanderten. Ferner sah der Experte eine zunehmende Tendenz in Richtung einer Verkleinerung der katholischen Kirche, die schlussendlich, bei fortlaufender Entwicklung, in einer unbedeutsamen Sekte enden würde – und die so dringend gebrauchte Kirche, die in der Welt etwas zu sagen habe, im Nichts verschwinde.

Passend zur Sendung hatte die eigene Forschungsgruppe Umfragen gestartet, die mit großer Deutlichkeit präsentiert wurden. Gleichzeitig hatte die Zahlen auch schon der ZDF-Teletext übernommen, um die Krise der katholischen Kirche passend zum Ostersonntag faktisch untermauern zu können. Über 80% der Befragten wünschten sich Reformen der katholischen Kirche. Auch die Anteile derer, die die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in der Kirche als mangelhaft ansehen, wurde mit etwa gleichem Wert wie vor einem Jahr, über 90%, beziffert. Gleichermaßen unterteilte man neben der Gesamtbevölkerung auch Katholiken und katholische Kirchgänger, wobei letztere immer deutlich vom insgesamten Trend abwichen – und dementsprechend rasch in der Moderation abgehandelt wurden. Die Befragten wünschten sich laut Umfrage am ehesten die Abschaffung der Ehelosigkeit von Priestern, an dritter Stelle dann die Ermöglichung des Priestertums der Frauen.

Und um all den harten Prozenten eine praktische Abrundung zu geben, wurden die protestierenden Katholiken im Bistum Köln befragt, die mit der Personalpolitik und der unzureichenden Einbeziehung der Basis unzufrieden sind – und deshalb auf die Straße gingen. Die Moderatorin merkte zusätzlich noch verstärkend an, dass es bei diesen Protesten mittlerweile um weit mehr gehe, als lediglich um die Frage nach dem Gehör auf die Gläubigen vor Ort.

Wir feiern Ostersonntag, die Auferstehung Jesu, damit das ZDF den Untergang der katholischen Kirche predigt.

Am Beginn der Sendung monierte die Anmoderation, dass heute kaum noch jemand wisse, weshalb eigentlich die christlichen Hochfeste stattfinden. Anstatt sich informativ und aufklärend über den Sinn von Kreuzigung und neuem Leben auszulassen, wählte man eher populistische Themen, um die vielen Ausgetretenen wenigstens noch den religiösen Magazinen des „Zweiten Deutschen Fernsehen“ etwas für ihre Treue bieten zu können.

Abgedroschen und immer wieder gleiche Statements, Realitäten, die wohl so manchen ZDF-Redakteur mehr fürchten lassen als die katholische Kirche selbst, und eine Panik, die angesichts des Leids in der Welt und dem Verlangen nach neuem Halt im Glauben eher surreal scheint.

Mit dem Tod ist nicht alles vorbei, lehrt uns der Ostersonntag. Vielleicht sollte man dennoch eine Ausnahme machen: Das nahende Ende der Seriosität des ZDF wird wohl auf der auferstandene Jesus nicht mehr ändern können…

von Dennis Riehle





„Wir sind Gott“: Protest gegen „Comedy“-Serie

3 05 2011

Beschwerde an das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) bezüglich Dreharbeiten zu neuer „Comedy“-Serie „Wir sind Gott“:

 “Mit großer Sorge habe ich die Ankündigung erhalten, wonach das „Zweite Deutsche Fernsehen“ eine Sendung plant, die an Blasphemie kaum zu überbieten scheint.

Unter dem Titel „Wir sind Gott“ sollen zwei Hauptdarsteller als schusselige Frauen über den Bildschirm flimmern.

Mit dem eigentlichen allmächtigen Herrn hat die Veralberung nichts mehr zu tun. Viel eher scheint das ZDF dringend auf der Suche nach Themen zu sein, um das Publikum zu halten und zu begeistern.

Da spielt es offenkundig auch keine Rolle, wenn religiöse Gefühle massiv verletzt und der Glaube von Milliarden von Christen „auf den Arm genommen“ wird.

Das ZDF ist sich offenkundig nicht zu schade, um in einer sechsteiligen Komödie Gotteslästerung zu betreiben. Allein die Anmaßung des Titels – wenngleich es sich um eine „lustige“ Fernsehsendung handeln soll – ist ein Schlag ins Gesicht derer, die voll Zuversicht auf einen wirklichen Gott trauen.

Die Presse- und Meinungsfreiheit rechtfertigt vielleicht auch so manchen Fehltritt, aber dem ZDF stünde es als öffentlich-rechtlichem Fernsehsender gut, nicht stets die Grenzen des Machbaren auszuschöpfen, sondern aus Rücksichtnahme und Würdigung von Empfindungen und Glauben der Christen in Deutschland seine Ausstrahlungen mit Bedacht zu wählen.

Das ZDF, der Fernsehkanal, der wöchentlich Gottesdienste ausstrahlt und in religiösen Magazinen dem Sinn des Lebens nachgeht, lässt sich auf die Stufe niveauloser Kunst herab, um Quoten zu fangen.

Scheinbar haben die Programmdirektoren derartige Konkurrenz-Angst, dass man sich nun auch solcher Herabwürdigung des Gottesbildes bedienen muss.

Ich protestiere gegen diese Sendung aufs Schärfste und ermahne die Verantwortlichen zur Besinnung. Das ZDF trägt in besonderer Weise eine Vorbildfunktion in der deutschen Fernsehlandschaft, die es zu bewahren gilt!“

Dennis Riehle





Der Antichrist

26 04 2011
Antichrist (Bild: justin wilson, Flickr-creativ commons)
von Inge M. Thürkauf

 Gedanken über das Wesen und Wirken des Antichrist in der Kleinschrift von Reinhard Raffalt, Linsverlag, A-Feldkirch, 1966.

Zahlreich sind die Prophezeiungen, Deutungen und Legenden, die sich des ewigen Widersachers Gottes bemächtigen, und im Verlauf der Geschichte wurden immer wieder Menschen, die sich über alles erhoben was Gott und Gottesverehrung heißt (2 Thess 2,3), mit dessen Schmähtitel bezichtigt: des Antichrist. Sowohl von Paulus als auch von Johannes wird bezeugt, daß dieser eine Person sei, der vor der Erfüllung der Zeit, d.h. vor der Wiederkunft Jesu Christi, in Erscheinung treten müsse. In der heutigen Diskussion über die Zukunft der Welt ist die Möglichkeit der Wiederkunft des Herrn in eine somnambule Ferne gerückt. Wir leben so, als ob dieses Ereignis in unserem Leben keine ernstzunehmende Bedeutung mehr hätte. Die christliche Gesellschaft, sofern sie sich überhaupt noch als solche bezeichnen kann, ist im Begriff, sich für immer auf Erden einzurichten. Das Weltbild der Wissenschaft, die Machbarkeit aller Dinge, hat sich an die Stelle der christlichen Kultur gesetzt, und es drängt sich die Frage auf, ob im Glauben an die Wissenschaft, die immer eigenmächtiger sich alle Bereiche des Geisteslebens erobert und damit den Glauben an Gott verdrängt, nicht jener Geist des Antichrist verborgen liegt, von dem Johannes warnt: „Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, ist aus Gott, und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichrist, von dem ihr gehört habt, daß er kommt; und nun ist er schon in der Welt“ (1. Jo 4,3).

Die bekannteste Betrachtung über das Ende der menschlichen Geschichte und die Gestalt des Bösen schlechthin ist die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ des russischen Philosophen und christlichen Denkers Wladimir Solowjew. Seine gewaltige apokalyptische Schau, in viele Sprachen übersetzt, wurde oft mißverstanden und falsch ausgelegt, nicht zuletzt deshalb, weil er seine Zukunftsvision mit Schilderungen anschaulich zu machen versuchte, die sowohl auf historischen Erwägungen beruhten als auch seiner Phantasie entsprangen. Trotzdem behält Solowjews Werk in seinem Ringen um ein tieferes Verstehen der endzeitlichen Geschichte gerade auch für den heutigen Leser seine bleibende Gültigkeit.

Nicht weniger brillant und von prophetischer Aussagekraft als die „Erzählung“ Solowjews ist die kurze Studie „Der Antichrist“ des leider früh verstorbenen deutschen Philosophen, Historikers und freien Schriftstellers Reinhard Raffalt. Er unternimmt nicht den Versuch, die Zeit des auftretenden Antichrist zu berechnen. Aber seine Analyse erhellt in erregender Weise die heutige Zeit im Hinblick auf sein Erscheinen. Eine seiner Perspektiven in bezug auf den Widersacher Christi ist der „richtig lebende Mensch“, der sich nach seinen Anlagen zu einem beinah technisch funktionierenden Wesen entwickelt, „dessen einzige Bestrebung sein muß, nichts falsch zu machen“. In seinem Erscheinen manifestiert sich die „extreme Entfaltung irdischer Macht“, die im Ziel gipfelt, den Weltfrieden zu verwirklichen und alle Religionen gleichzuschalten. Der Glaube an die Erlösungstat, an das Kreuz Jesu Christi, wird durch das Gebot der Nächstenliebe überwunden. Der Nächste wird zwar geliebt „wie sich selbst“, aber die Ursache der Liebe, Gott, wird ausgeklammert. „Von der Perspektive der sich höher entwickelnden Menschheit her gesehen, ist das Reich des Antichrist der Zustand äußerster irdischer Vollkommenheit“. Das einzige, das fehlen wird, ist das Wesen der menschlichen Freiheit: das Fragenkönnen und Fragendürfen und somit das geschichtliche Bewußtsein.

Hier nähern wir uns in gefährlicher Weise einer geistigen Bewegung, die seit ungefähr 40 Jahren immer tiefer in unsere gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen eingedrungen ist: New Age mit allen Facetten der Esoterik. Zur Zeit der Abfassung seiner Überlegungen noch weitgehend unbekannt, folgte Reinhard Raffalt mit seiner Analyse den Spuren eines Prozesses, der sich immer mehr dem Geiste des Christentums zu entziehen droht. Es sind beklemmende Visionen, die er vor uns entfaltet, die aber in unserer nur aufs irdische Dasein fixierten Gesellschaft schon erschreckende Wirklichkeit erfahren geworden sind. Die Heilige Schrift sagt vom Antichrist, daß er ein großer Lästerer sein werde, „und er werde die von ihm ins Werk gesetzte Verwüstung zum Gegenstand allgemeiner Verehrung machen“. Lästerung des Heiligen und Lust an der Verwüstung bis hin zum absichtsvollen Verzicht auf Schönheit sind Verirrungen der heutigen Kunst und auch der Medien, die unter dem Deckmantel der künstlerischen und publizistischen Freiheit sich jeder kritischen Überlegung enthalten, weil die Toleranz es verbietet.

Antichristliche Zeichen als Vorboten der beginnenden Endzeit sind zugleich Zeichen der Wiederkunft des Menschensohnes. Das letzte Wort wird nicht vom Antichrist gesprochen werden, auch wenn sich dieser „in das Haus Gottes setzt, und von sich erklärt, daß er Gott sei“ (2. Thess 2,4). Uns jedoch ist aufgetragen, eine Entscheidung zu fällen. Reinhard Raffalts einzigartige Studie weist in einer prophetischen Sprache auf jenes Ziel, das uns über den Antichrist hinaus gewiesen ist: auf jenen, der von sich sagte, daß er der Weg, die Wahrheit, und das Leben ist (Jo 14,6), und daß er mit uns sein wird bis ans Ende der Welt (Mt 28,20).





Ostern mahnt: Wir brauchen keine PID!

22 04 2011

Selten war die Botschaft des Osterfestes auf eine aktuelle Debatte so gut anwendbar, wie auf die derzeitige Diskussion um die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID).

Passionszeit, Kreuzigung und Auferstehung Jesu zeigen nicht nur den christlichen Gläubigen äußerst eindeutig: Leiden gehört zum Leben dazu – ja, aus dem Leiden entsteht neues Leben!

Wer sich in der Karwoche in den Straßen umsieht, entdeckt heute kaum noch etwas, was an die grausamen letzten Stunden Christi erinnert. Viel eher hasten die Menschen in den Urlaub, kaufen noch rasch die letzten Eier ein und überlegen, welche Sonnenschutzcreme für das frühlingshafte Wochenende am ehesten geeignet ist. Durchaus: Ostern heißt auch, das Leben genießen zu dürfen, Auszeit zu nehmen und die Seele baumeln zu lassen.

Doch dieses Geschenk erhalten wir nicht umsonst: Jesu ist durch die tiefsten Täler gegangen, um schlussendlich erfahren zu dürfen, dass er doch errettet wird. Heute scheint niemand mehr diese Rettung zu brauchen – im Mainstream mancher Sorglosigkeit geht verloren, dass zur Auferstehung der Verrat, die Auspeitschung, die Dornen, das Kreuz und der Tod zwingend dazu gehören. Die Last auf den Schultern zu tragen – kaum jemand kommt an dieser Erfahrung vorbei. Und doch ist der Wille auch in der Bevölkerung hoch, das Leid aus dem Alltag auszuklammern. Spaßgesellschaft und Oberflächlichkeit stehen im Vordergrund: Leben ist Party, keine Traurigkeit.

Da passt es gut, dass nicht nur Politiker, sondern auch weite Teile der Bürgerinnen und Bürger oft unbedacht ihre Meinung zur PID finden: Das, was die Wissenschaft in Aussicht stellt, klingt ja auch durchaus verlockend. Kein Kind soll mehr mit genetisch veranlagten Behinderungen zur Welt kommen, „heikle“ Embryonen werden noch vor der Einpflanzung in den Mutterleib aussortiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass nur noch gesunde, angepasste und „Wunschbabys“ geboren werden, wäre groß. Ein kleiner Schritt noch bis zu dem Punkt, an dem auch Haar- und Augenfarbe, Größe und Gewicht, Mundwinkel und Nasenkrümmung „vorprogrammiert“ werden könnten. Dann schafft nicht mehr Gott den Menschen nach seinem Bilde, sondern der Mensch selbst wird zum Designer und Fabrikant des eigenen Nachwuchses – „Unternehmen ‚Leben‘“ sozusagen.

Aber gerade jetzt ist die Zeit gekommen, um dieser verheerenden Entwicklung mit den Begebenheiten von vor 2000 Jahren mit Mahnung zum Nachdenken zu begegnen. Ostern lehrt: Wir brauchen keine PID! Wer PID begrüßt, verbannt Leid aus dieser Welt – und mag sich vorübergehend als Held fühlen. Die Erlösung vom Leiden schaffen aber nicht wir Menschen. Ostern macht deutlich: Nur Gott allein ist in der Lage, uns aus dem Bann der Tiefen zu befreien.

Auf all den Stationen, die Jesus bis zu seinem Tod am Kreuz durchschreiten musste, erfuhr er Erniedrigung, Hass und Abscheu. Als Lügner und Heuchler, als Lästerer und Verleumder wurde er gebrandmarkt. Der Menge ausgesetzt, der Lächerlichkeit preisgegeben. Schmerzen musste er erdulden, seinem (menschlichen) Urteil in die Augen blicken. Zeitweise stand auch Jesus am Abgrund seines Glaubens. Der Zweifel hatte ihn eingeholt, er fühlte sich verlassen. Er rief zu seinem Gott, doch er schien zunächst unerhört zu bleiben. So geht es auch uns in Krankheit und Not, in Verzweiflung und Ausweglosigkeit.

Manch einer fragt ohnehin, weshalb im Christentum Gottes Sohn derartige Qualen durchstehen musste, um dann doch auferstehen zu können. Ginge die Welt nicht auch ohne Last und Angst? Unser Glaube wäre einer zum Wohlfühlen und nicht realistisch, wenn wir neben der wundersamen und hoffnungsvollen Auferstehung nicht auch mit Jesus leiden würden. Durch seine Leiden fühlen auch wir uns verstanden. Gott ist Mensch geworden – und macht uns bewusst, dass nicht nur wir diesen Hürden ausgesetzt sind. Er selbst durchschreitet das Elend in seinem Sohn – und lässt ihn letztlich doch nicht fallen.

Hätten wir in unserem Leben keine Zeiten der Not und Bedrängnis, wäre unser Vertrauen ein haltloses. Ohne die Erfahrung des dunklen Lochs können wir die Freiheit und das Licht auf den höchsten Gipfeln nicht wertschätzen. Wäre Jesus nicht in den Tod gegangen, hätte er wohl nicht gespürt, wie verlässlich sein und unser Gott ist. Die Erniedrigung ließ ihn  verstummen – unser Bangen lässt uns immer wieder machtlos erscheinen. Er und wir stehen und standen vor dem Verzagen – und doch wissen wir: Am Ende steht nicht der Abschied. Jesus kommt wieder. Und auch für uns ist nach Trauer und Pein nicht Schluss. Viel eher geben sie uns Stärke und Kraft, Zuversicht und Ausdauer – aber auch Gelassenheit und Mut, Krisen zu durchstehen.

Schlimme Zeiten prägen uns und hilft uns lernen, dass nur der steile Anstieg uns wachsen lässt. Wer den „vom Herzen fallenden Stein“ kennt, der sich nach Schockstarre und Verlassenheit löst, der weiß, welches Gefühl Auferstehung bedeuten muss. Ein neue Leben beginnt, wenn wir frei werden von all den Sorgen und dem Bedrängen, das uns plagte. Wir fühlen nicht nur, dass wir durch das Durchstehen – das Durchleiden – unserer Tiefen neue Erkenntnisse, neue Reife und neue Erfahrungen gesammelt haben; sondern wir sind auch gewappnet für all das, was uns noch begegnet – und was auch eine PID nicht „aussortieren“ kann.

Gott hat uns das Leben bewusst nicht als Paradies geschenkt. Die Hoffnung darauf ermuntert uns jeden Tag aufs Neue. Leiden gehören zu unserem Leben dazu. Sie sind unumgänglich dafür, dass wir „klug“ werden. Wer PID zulässt und Menschen die Lasten des Alltags „ersparen“ will, tut ihnen nichts Gutes. Die PID und ihre Anwender müssen viel mehr mit der Verantwortung umgehen, kantenlose Wesen zu schaffen, die nie die Chance haben werden, das Gefühl der Errettung zu spüren. Wer das bedenkt, kann nicht nur zu Ostern unweigerlich zur Erkenntnis kommen: Wir brauchen keine PID!

von Dennis Riehle





Programmbeschwerde: „Comeback der Abtreibungsgegner“

17 04 2011

Am Donnerstag, 14.04.2011 sendete „Das Erste“ einen Fernsehbeitrag zur sogenannten „Gehsteigberatung“.

Es erging meinerseits danach folgende Programmbeschwerde:

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Donnerstagabend zeigte „Das Erste“ die rbb-Sendung „Kontraste“.

Der erste Beitrag befasste sich unter dem Titel „Comeback der Abtreibungsgegner – Wie Frauen in Not drangsaliert werden“ mit der sogenannten „Gehsteigberatung“.

In einer durchgehend einseitigen Berichterstattung wurden christlich engagierte Personen dargestellt, die sich bemühen, Frauen vor Abtreibungen nochmals zum Nachdenken zu bewegen.

Eingeleitet wurde mit der Klarstellung, wir lebten im Jahr 2011 – und dass man sich heute kaum noch vorstellen könne, was den Reportern auf den Straßen begegnet sei. Ein klarer Bezug darauf, dass die gezeigten Teilnehmer eines „Marsches für das Leben“ von der Redaktion als „ewig Gestrige“, ultra-konservativ oder gar realitätsfern angesehen werden.

Die Vermutung liegt nahe, dass „Kontraste“ den Einsatz christlicher Lebensschützer (die Begrifflichkeit wurde im Beitrag durch den Zusatz „sogenannte“ verniedlicht und ins Lächerliche gezogen) aus einer Perspektive des modernistischen Mainstreams gesehen hat. Aussagen von Lebensschützern, die faktisch belegbar sind, wurden derart kommentiert, dass ein Außenstehender diese als „abnormal“ auffassen könnte. Dabei kommt man um die Tatsachen nicht herum: Abtreibungen führen dazu, dass Tausende Kinder nicht das Licht der Welt erblicken. Der demografische Wandel wäre abzumildern, wenn Abtreibungen nicht zu einem Geschäft geworden wären. Sie sind heute derart „beliebt“, wenn es darum geht, sich von der Last einer Mutterrolle/Vaterrolle „befreien“ zu können, dass man durchaus davon sprechen muss, mit welcher Selbstverständlichkeit und immer wieder ohne tiefes Bewusstsein sich Frauen dafür entscheiden, neues Leben nicht ermöglichen zu wollen.  

Statt tatsächlich auf die Nöte der Frauen einzugehen, die diese zu Konfliktberatungen mitbringen und bei denen sie sich über die Abtreibung und Alternativen informieren, hat es die Redaktion auf eine Verunglimpfung der Lebensrechtler abgesehen. Hierzu wurde gar die Verwaltung herangezogen – und auf Bewegen von „Kontraste“ dazu gebracht, Verbote zu debattieren und auszusprechen. Es ist schon eine merkwürdige Entwicklung, wenn neuerdings Fernsehsendungen darüber bestimmen, was in deutschen Städtischen erlaubt wird und was nicht. Solch ein Eingreifen in unsere judikativen, legislativen und exekutiven Strukturen ist als äußerst bedenklich anzusehen!

„Kontraste“ maßt sich aus einzelnen Aussagen von Frauen, die von Lebensschützern angesprochen wurden, eine „Belästigung“ Schwangerer durch christliche Lebensrechtler abzuleiten. Gleichzeitig respektiert das Magazin dabei offenkundig die Meinungsfreiheit der Lebensschützer nicht. Dem Thema „Abtreibung“ kritisch gegenüber zu stehen und bürgerschaftlich engagiert aktiv zu werden, um zumindest zu erreichen, dass Abtreibungen nicht zum Alltag werden, sondern Frauen ihre Lage, Auswege und insbesondere die Folgen eines Abbruchs der Schwangerschaft in Ruhe und mit neuen Perspektiven, die die Lebensrechtler geben, dazulegen, ist in unserer demokratischen Rechtsordnung nach nicht nur meiner Auffassung legitim.

„Kontraste“ will offenkundig die Meinungsfreiheit der Lebensschützer beschneiden, gehört selbst aber zu den Magazinen, die „kontrastierend“ die Grenzen der Pressefreiheit oftmals bis zum Äußersten ausschöpfen. Diese Zweigleisigkeit wird einem Format im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, welches einer besonderen Anforderung und Verantwortung in objektiver Berichterstattung verpflichtet ist, nicht gerecht.

Schlussendlich stellt sich die Frage, wer hier drangsaliert wurde – für mich steht abschließend fest: Es war der Ruf der Lebensschützer, der mit äußerster Oberflächlichkeit in den Schmutz gezogen wurde!

Daher ergeht entsprechend Programmbeschwerde gegen oben genannten Beitrag der Sendung „Kontraste“.

Dennis Riehle





Forderung nach PID-Zulassung: Gewissenskonflikt zwischen Arzt und Betroffenem

3 04 2011

Kritik an Gegnern des EKD-Beschlusses für ein PID-Verbot

von Dennis Riehle

 

Wünscht man sich ein praktisches Beispiel dafür, was Fluch und Segen gleichzeitig bedeuten kann, eignet sich die aktuelle Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID) hervorragend. Die Fortschritte in Medizin und Forschung loben viele von uns auf der einen Seite, bringen sie doch schwer Kranken neue Lebensqualität und die Aussicht auf Heilung oder zumindest Hinauszögern unheilbarer Erkrankungen.

Andererseits durchdringen die wissenschaftlichen Erfolge Grenzen, die bislang unumstößlich erschienen.

So ist es auch um die PID bestellt: Das Verfahren, das bislang in Deutschland keine Zulassung fand, gilt unter vielen Ärzten als die pure Hoffnung darauf, zukünftig schweres Leid auf Erden vermeiden zu können. PID erlaubt nämlich, bereits vor Eintreten der Schwangerschaft Embryonen auf „genetische Defekte“ hin zu untersuchen. Dort, wo schwere Erbkrankheiten vermutet werden, kann dann der Mediziner eingreifen: Durch „Aussortieren“ derer, die er für unverantwortlich und zu einem unwürdigen, unmenschlichen Leben verdammt hält – und durch das Einsetzen derer in den Mutterleib, die genetisch bedenkenlos sind.

Einigen wird es wie eine Traumvorstellung vorkommen: Keine Mutter muss mehr befürchten, ein behindertes Kind, ein Kind mit „defekten“ Erbanlagen auf die Welt bringen zu müssen. Was für die eine Seite als wahrlicher Segen daher kommen mag und die Welt von Schmerz und Elend befreien könnte, ist für die andere der Beginn von Selbstanmaßung, von „Gott spielen“ und von der Tendenz, eine Gesellschaft schaffen zu wollen, die „perfekt“ ist – und wiederum „unperfektes“ Leben ablehnt.  

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich schwer getan bei der Frage nach Zulassung oder Ablehnung der PID. Nachdem die Christlich-Demokratische Union (CDU) mit relativ knapper Mehrheit auf einem Parteitag bei der Haltung blieb, die PID weiterhin verboten zu lassen, hatten auch die EKD-Synodalen mit ebenfalls dünnem Überhang an Gegnern der PID einen Beschluss gefasst, der das Verfahren ebenfalls als nicht vertretbar ansieht. So formulierten sie: 

„Das christliche Menschenbild gründet darauf, dass der Mensch nicht sein eigener Schöpfer ist, sondern sich alles Leben Gott verdankt. […] Damit ist eine Auswahl zwischen lebenswertem und nichtlebenswertem Leben, die sich aus der Zulassung der PID bei bestimmten Krankheitsbildern zwingend ergibt, nicht vereinbar. […] Auch ein Leben mit Behinderung ist in der ganzen Bandbreite Gottesebenbildlichkeit eingeschlossen. […] Die Zulassung der PID relativiert dieses christliche Menschenbild, wenn sie dazu dienst auszuwählen und festzulegen, welches Leben ‚lebenswert‘ ist und welches nicht. […]“ (nach „Evangelischem Pressedienst“, epd, 15. Februar 2011)  

Die Antworten auf diesen Beschluss kamen prompt. Die Empörung unter vielen Ärzten war groß, beispielhaft brachte Dr. med. Klaus Koch (Saaldorf-Surheim) in einem Leser-Brief sein Entsetzen zum Ausdruck:

„Ob die Damen und Herren von der EKD wissen, was sie anrichten, wenn sie für ein PID-Verbot sind? […] Ich könnte es weder mit meinem Gewissen noch mit meinem Verstand verantworten, einer Frau möglicherweise krankes Erbgut oder ein Implantat einzusetzen, von dem vorher schwerwiegende Defekte zu diagnostizieren wären. […] Wenn ich die Möglichkeit habe, vor dem Beginn der Schwangerschaft im Mutterleib eine fehlerhafte Embryoanlage zu diagnostizieren, und dies nicht tue, sehe ich darin einen groben Kunstfehler. Es ist schon eine arge Entgleisung dieser Theologen, die PID unter Strafe stellen zu wollen.“ („ideaSpektrum“, Nr. 9, 03. März 2011, Seite 43)

Bei solchen Zeilen sah ich mich gezwungen, diesem Standpunkt eine Reaktion entgegen zu setzen und schrieb der Redaktion wie folgt:

„Ich respektiere die Sichtweise von Dr. med. Klaus Koch, der es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könnte, einer Frau erblich geschädigte Embryonen einzupflanzen. Gleichzeitig erwidere ich aber auf den Angriff gegen die EKD-Synodalen, die sich gegen eine PID-Zulassung ausgesprochen hatten: Für mich ist es als Betroffener einer genetischen Muskelerkrankung verletzend, wenn ich in indirekter Übertragung als „Kunstfehler“ gelte. Zur Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung und seinem Wirken in der Welt gehört auch, Erkrankungen und dem „Anderssein“ mit Würde entgegen zu treten.  Dies geschieht jedoch sicher nicht, indem man die Möglichkeiten heutiger Forschung und Diagnostik nutzt, um die Existenz von Personen wie mir bereits im Reagenzglas als nicht lebenswert einschätzt. Bei all den Diskussionen wird stets von außen betrachtet: Meist Gesunde sehen sich in der Lage zu beurteilen, wie es ist, täglich mit einem genetischen Defekt umgehen zu müssen. Solch ein Leben besteht eben nicht nur aus Leid und Schmerz, sondern auch aus den dankbaren Momenten, in denen ich durch Erfahrungen, Begegnungen und das Durchschreiten von Tiefen und Überwinden von Höhen Kraft und Zuversicht erlerne. Diese hilft mir, mit Situationen umzugehen, die für einen „nicht Kranken“ zu rasch als unbezwingbar gelten. Ich wünsche mir, dass auch nach mir viele weitere Menschen mit genetischem Defekt das Recht zum Leben erhalten. Denn es ist keineswegs ein verlorenes Leben.“

Für mich ist die Vorstellung eine grausame, wonach Ärzte sich aufspielen, zukünftig Herrscher und Entscheidende darüber sein zu wollen, welches Leben als lebenswert betrachtet wird. Eine solche Entwicklung braucht keinen Schöpfergott mehr, dieser wird überflüssig. Sie braucht auch kein Gottvertrauen mehr, dass wir durch seine Gnade in schweren Zeiten aus Leid, Krankheit und Schmerz in den tiefsten Tälern begleitet werden. Sie braucht auch nicht mehr die überlebensnotwendige Erfahrung, mit Herausforderungen umgehen zu lernen, sich Feingefühl, Mitmenschlichkeit und Sensibilität im Miteinander aus Behinderten und Nicht-Behinderten, aus Kranken und Gesunden, aus „Normalen“ und „Anderen“ anzueignen. Kurzum: Sie wird zu einer Entwicklung, die uns in eine Welt aus Korrektheit, Funktionalität und Kälte führt.

Wenn wir die Zuversicht verlieren, dass Gott uns mit Krankheit nicht strafen, sondern auf den Weg der Auseinandersetzung mit uns selbst und unserer Umwelt bringen will, entfernen wir uns von der Grundlage des christlichen Glaubens. Wenn PID Wirklichkeit wird, ist Jesu Leid und Tod am Kreuz wertlos geworden. Die Lasten eines Lebens sind keine einseitigen Bürden. Sie befähigen uns, Not zu teilen und das Wesentliche zu erkennen: Wer am untersten Boden gewesen ist, versteht die Aussicht auf Auferstehung  ganz neu. Wer selbst und mit anderen gelitten hat, der nimmt Freude, Liebe und Hoffnung völlig anders wahr. Wer einmal die erdrückende Schwere des Kreuzes auf den eigenen Schultern spüren musste, blickt mit vollendeter Sehnsucht auf den Tag der Rettung und Erlösung, die Gott uns nicht erst im ewigen Leben schenkt. Wer voller Schmerzen war, würdigt nämlich das, was in einer „perfekten“ Welt so selbstverständlich und ungeachtet wäre – die Kleinigkeiten des Alltags, das Lächeln im Gesicht meines Nächsten, der Gesang der Vögel am Morgen, das aufsteigende Licht am Horizont. Jeder Tag wird zu einem Geschenk, das für die schwer erfahrbar werden zu scheint, die durch PID von aller Schwachheit befreit sind.

Denken wir den Gedanken weiter, wonach zukünftig Ärzte die Macht erhalten könnten, darüber zu bestimmen, welche Menschen das Licht der Welt erblicken dürfen, kommen wir zwingend in Gefilde, die sich wohl auch keiner der Befürworter der PID so richtig ausmalen möchte: In einer Gesellschaft, in der Leistung und Erfolg das Maß aller Dinge sind, kann es für diejenigen zur Versuchung werden, die Produktivität und Gewinn im Auge haben: Man mag es kaum aussprechen – und doch wäre ein „Heranzüchten“ von Menschen ohne Makel für manchen Vertreter in der boomenden Wirtschaft eine Verlockung. 

Ich daher trete entschieden dafür ein, die politischen Kräfte zu stärken, die sich ihrer Verantwortung vor Gott, vor denen, die heute unter Behinderung und Krankheit leiden, und vor der gesamten Gesellschaft bewusst sind – und aus dieser Überzeugung ihr „Nein“ zur Präimplantationsdiagnostik ableiten.





Katholischer Geistlicher hat die Zölibats-Diskussion „satt“

5 03 2011

Kommentar über das „Wort zum Sonntag“ vom 19. Februar 2011

von Dennis Riehle

Sie ist eine der ältesten Sendungen im deutschen Fernsehen und erfreut sich einer beständig konstanten Einschaltquote: Jeden Samstag stimmen evangelische und katholische Theologen die Zuhörer in ihrem fünfminütigen „Wort zum Sonntag“ in aktuelle Debatten ein, erläutern Bibelzitate oder rechtfertigen soziales Engagement.

Am 19.02.2011 war der katholische Geistliche Monsignore Wahl aus Trier an der Reihe. Bereits seine ersten Sätze ließen einen eindeutigen Standpunkt erahnen: Er habe die Zälibats-Diskussion „satt“. Der gespannte Zuseher kombinierte rasch. Entweder stand die aktuelle Ausgabe der Sendung unter dem Titel „Die Verteidigung des Zölibat“ – oder sie passte sich dem Druck der ein- bis zweihundert katholischen Professoren an, die dieser Tage Reformen (und damit unter anderem die Abschaffung des Zölibat) von der katholischen Kirche einforderten.

Zunächst wählte Wahl den „Schmusekurs“, um es sich mit niemandem zu verderben: Sich für Enthaltsamkeit zu entscheiden, sei eine persönliche Angelegenheit. Und doch müsse man die verstehen, die sich zum Pfarrdienst berufen fühlten und mit der zölibatären Pflicht dennoch nicht zurecht kommen würden. Verständnis für alles und jeden – man passt sich eben an, um einen klaren Standpunkt vermeiden können.

Doch aus dem Hin und Her, dem ein wenig Pro und auch ein Stück weit Contra folgte die Ansage, die man insgeheim schon vermutet hatte: Wahl betonte auf Grundlage der Argumentation, dass die Rechte der Persönlichkeit eben auch für Priester gelten, seine Ansicht für eine Freistellung vom Zölibat. Statt an dieser Stelle sogleich von der Abschaffung zu sprechen, ging Wahl den Weg des Diskurses und der Verwirrung: Jedem Anwärter auf ein geistliches Amt frei zu stellen, ob er seine Zukunft zölibatär gestalten wolle oder nicht, bedeutet übersetzt nichts Anderes als den Verzicht auf den Zölibat.

Um die „Konservativen“ nicht ganz zu erschüttern, den „Liberalen“ aber so weit wie möglich entgegen zu kommen, wählte Wahl offenkundig bewusst eine Formulierung, die beim ersten Hören auf nicht allzu viel Gegenwind stoßen sollte.

Er habe die Debatte „satt“, weil nicht jedem Priesterkandidaten zugestanden würde, sich in persönlichem Entscheid zum Zölibat frei und ohne Druck für eine respektvolle und zu würdigende Form der Alltagsgestaltung zu bekennen. Bekannt hat sich Wahl damit aber selbst: Eine Freistellung (Abschaffung) des Zölibats würde wohl nach seiner Einschätzung eine für ihn unsägliche und „nervende“ Diskussion zu einem Ende bringen – die Auseinandersetzung mit Für- und Gegensprechern wäre abgeschlossen, man wäre den Weg des geringsten Widerstandes gegangen: indem man eine Debatte im Keim erstickt, die herausfordern würde und bei der man schlussendlich nicht um eine eindeutige Positionierung herum käme. Das wäre mühsam – und damit unbeliebt.

Unbeliebt sei die Diskussion bei Wahl aber auch deswegen, weil sie wichtigere Themen verdränge: Atompolitik, Arbeitslosigkeit und Frieden – all das würde von der innerkirchlichen Debatte um Zölibat und Reformen überlagert. Das, was wirklich bewegt, trete in den Hintergrund, und ließe den internen Streitigkeiten der katholischen Kirche den Vorrang.

Wahl scheint dabei nicht begriffen zu haben, dass die Diskussion um Zölibat viel mehr Dimensionen umfasst, als er sich denken mag. Denn sie macht deutlich, was für jeden zukünftigen Diskurs, sei es um kirchliche oder eben weltliche Angelegenheiten, von absoluter Bedeutung ist: Wer sich weigert, sich einer Debatte zu stellen, die schwierig ist und nicht mit einem „Basta“ oder lauwarmen Kompromiss beendet werden kann, wird auch nicht in der Lage sein, sich in allen bedeutsamen Schlagabtauschen der Zukunft mit einer klaren, bekennenden und gefestigten Stimme auf Wurzeln, Fundament und Beständigkeit zu berufen. Wer jetzt in der Zölibats-Debatte einen übereilten Schluss zugunsten eines scheinbaren Mittelweges fordert, zeigt wenig Bereitschaft, mit Überzeugung Werte und Normen zu verteidigen. Aber genau das müssen auch die können, die in der nächsten Zeit um Armut, Kriege oder Energiepolitik sprechen werden.

Schlussendlich fragt man sich, ob die „Wort zum Sonntag“-Redaktion überhaupt einen Text geduldet hätte, der eindeutige Kante gezeigt hätte. Im Einklang mit einer Bewegung, die mit scheinbaren Reformen Traditionelles aus den Angeln heben will, war es wohl gewollt, dass am Ende eine Botschaft an die Zuhörer ging, die voll und ganz auf Linie derer ist, die meinen, sich als Basis zu verstehen und damit das Recht besitzen, Bewährtes im Alleingang außer Kraft setzen zu können.








Follow

Get every new post delivered to your Inbox.