Freitag, der 13.

14 04 2012

Bild: dfb auf Flickr.com

Es stimmt ja doch, dass am Freitag, den 13. immer ein großes Unglück passiert:

Die Kronen Zeitung titelt am Freitag, den 13.4.2012:

EU nimmt uns die Käsekrainer weg!

PS: Nebenbei sei erwähnt, dass in Europa jährlich viele Millionen ungeborene Kinder getötet werden, die EU unser Volksvermögen und unsere Souveränität mit Zustimmung der Bundesregierung in Luft auflöst, die Islamisierung munter voranschreitet, die Armut selbst unter der arbeitenden Bevölkerung immer mehr zunimmt, Syrien das eigene Volk abschlachtet, die größte Christenverfolgung der Geschichte stattfindet, …..





Forderung nach Erziehungsgeld zeigt Verantwortung gegenüber der Zukunft

10 04 2012

Ruf nach Überwindung ideologischer Grabenkämpfe

Selten war der ideologische Graben so weit geöffnet, wie er es nun wieder in Sachen „Betreuungs“- und „Erziehungsgeld“ ist: Während Teile der Union sich an der im Koalitionsvertrag festgehaltenen Einführung orientieren, sind es vor allem Reihen der FDP, die in die „Main-Stream“-Polemik der „Grünen“ einstimmen und mit Argumenten daherkommen, die auf ziemlich wackeligen Beinen stehen. Der Gleichbehandlungsgrundsatz aus der Verfassung lasse es nicht zu, Eltern, die ihre Kinder zuhause betreuen und erziehen, mit einer gesonderten finanziellen Unterstützung zu bevorteilen. Außerdem würde das Heranwachsen der Kinder im häuslichen Umfeld damit im Wert der Alternative von Kindertagesstätten bevorzugt – Eltern, die ihre Kleinen bereits in frühen Jahren tagsüber unter Aufsicht geben, würden diskriminiert und „Rabenväter“ und „-mütter“ geschimpft.

Zunächst gilt es, mit falschen Darstellungen aufzuräumen: Eine Bevorzugung kann im „Betreuungs“- oder „Erziehungsgeld“ wahrlich nicht gesehen werden: Gerade die, die sonst auf Gerechtigkeit pochen, sollten erkennen, dass der finanzielle Beitrag, der Familien zugestanden wird, wenn sie sich für ein Aufwachsen der Kinder im eigenen Wohnumfeld entscheiden, lediglich eine angemessene Entlohnung dafür ist, dass sich gerade Mütter bewusst bereit erklären, auf Karriere und den großen monetären Erfolg zu verzichten, um für die eigenen Kinder da zu sein. Dass seit Jahrzehnten der Respekt vor dem Erziehungsauftrag und vor der Leistung, die Hausfrauen und Hausmänner erbringen, beschämend gering ist, muss eben auch auf die Tatsache zurückgeführt werden, dass es einigen politischen Kräften bisher nicht wert war, einen finanziellen Ersatz für diejenigen bereit zu stellen, die nicht Ertrag durch Arbeit erhalten, dafür aber in das gesunde Aufwachsen der nächsten Generation investieren. Das Erziehungsgeld behandelt niemanden nachteilig, der es nicht in Anspruch nimmt.

Immerhin sehen alle Gesetzesvorlagen, die von Relevanz sind, auch vor, dass vollkommene Entscheidungsfreiheit besteht. Mit dem Betreuungsgeld werden lediglich finanzielle Ausfälle, die durch das Zuhausebleiben der Erziehenden entstehen, ausgeglichen. Das entspricht einem völlig normalen Verständnis von gerechtem Ausgleich. Niemand wird gezwungen, die eigenen Kinder selbst zu betreuen oder davon abgehalten, sie in eine Kindertageseinrichtung zu geben. Und doch schafft das Erziehungsgeld einen Anreiz, die grundgesetzliche Verantwortung von Eltern, Kinder großzuziehen, nicht aus den Händen zu geben. Wer dem Betreuungsgeld mit dem Argument begegnet, es nehme das emanzipatorische Recht der Frauen auf Selbstbestimmung in Sachen beruflicher Karriere und Selbstentwicklung, sei darauf hingewiesen, dass mehrfach Studien auf den nachdrücklichen Vorteil des gesunden Heranwachsens hingewiesen haben, das im elterlichen Umkreis – und eben nicht von früh an in Betreuungseinrichtungen – stattfindet.

Wer Kindern das Gefühl von mütterlicher Liebe und Zuwendung ebenso wie das von Hinwendung und Sicherheit geben möchte und damit Risiken für spätere seelische Ungleichgewichte verhindern will, tut gut daran, die Möglichkeiten und Grenzen in der Erziehung direkt gegenüber dem Kind zu leben und sich mit ihm auseinander zu setzen. Die Warnung vor sozialer Isolation von Kindern, die in elterlicher Obhut aufwachsen, ist dann unbegründet, wenn Mütter und Väter Zeit finden, gesellschaftliche Netzwerke zu gründen und diese aufrecht zu erhalten – und somit das Hineinwachsen in aktives Umfeld der Kinder zu gewährleisten. Um Zeit dafür zu gewinnen, ist das Erziehungsgeld eine notwendige Entlastung von Druck, die finanziellen Rahmenbedingungen dann nicht halten zu können. Der Egoismus, den Lobbygruppen und diverse Parteien mit dem Begriff der Freiheit und Selbstbestimmtheit verbinden und Müttern und Vätern als unverrückbares Recht nahezu aufdrängen, spiegelt sich in vielfachen gesellschaftlichen Entwicklungen wieder, man nehme nur die unbedachte Hinführung zu Schwangerschaftsabbrüchen und dergleichen.

Wer ein Betreuungs- und Erziehungsgehalt befürwortet, schafft neue Gerechtigkeit und trägt außerdem dazu bei, ein intaktes Bild von Familie und damit ein zukunftsfähiges Zusammenleben und eine Verantwortung gegenüber den demografischen Herausforderungen und der Entwicklung unseres Landes in praktischer Weise zu garantieren. Es ist ein Zeichen zum Überwinden von haarspalterischen Versuchen, das Wohl von Kindern und Eltern zugunsten einer Verteidigung von Ideologien auf deren Rücken auszutragen.

Dennis Riehle





Kommentar zu den unreflektierten Forderungen des Lesben- und Schwulenverbandes im „Bürger-Dialog“ der Kanzlerin

7 04 2012

Pauschalisierend, polemisierend, falsch!

Die Bundeskanzlerin tritt derzeit mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog, um zu erfahren, wie unser Land künftig gestaltet werden kann. Die Menschen können im Netz ihre Ideen, Vorschläge und Sorgen vorbringen – die Forderungen, die am stärksten unterstützt und kommentiert werden, dürfen schlussendlich mit der Regierungschefin persönlich diskutiert werden. Auf Vorschläge von christlichen Beratern hin, die ein Zugangsrecht zu Psychotherapie für Homosexuelle fordern, hat der Lesben- und Schwulenverband Deutschland eine Gegenforderung aufgestellt (siehe: https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/20-Vorschlaege/10-Wie-Leben/Einzelansicht/vorschlaege_einzelansicht_node.html?cms_idIdea=16329). In einer Presseaussendung des 4. April 2012 teilt das Netzwerk „Mission Aufklärung“ mit, dass es mit einem eigenen Vorschlag auf die Petition einer „lautstarken Minderheit von selbsternannten christlichen Therapeuten und Beratern“ reagiert habe. In seinen Ausführungen ruft der Verband auf, allen Organisationen, die Therapien für Homosexuelle unterstützen, die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Die „Homophobie“ in Deutschland müsse stärker bekämpft werden, Vergleiche zu Diskriminierungen und Verfolgung von Schwulen und Lesben in Russland und Afrika werden gezogen.

Mit einer wirren Argumentation aus Populismus und Angriffen auf die, die den Schlusssatz der LSVD-Mitteilung, wonach Homosexuelle nicht unter ihrer Neigung, sondern unter „Vorurteilen und Hassgewalt“ litten, nicht teilen, bringt sich das Netzwerk selbst ins Abseits. Nicht nur, dass aus einer unzusammenhängenden Reihung an unbelegten Behauptungen ein monströses Feindbild gegenüber christlichen Seelsorgern, Beratern und Psychotherapeuten aufgebaut und damit Meinungs- und Berufsfreiheit, die grundgesetzlich verankert sind, in Frage gestellt werden – dem eigenen Klientel gibt der Verband den größten Korb. Denn der LSVD kann sich wahrlich nicht als Interessenverband von allen Schwulen und Lesben in unserem Land sehen, wenn er die tatsächlichen Nöte von vielen Homosexuellen mit einer „Main-Stream“- und „Gender“-Theorie ihrer Ernsthaftigkeit beraubt. Von „gefährlichen Therapieversuchen“ wird ebenso gesprochen wie von dem Ziel, zur „Heterosexualität ‚missionieren‘“ zu wollen. Die „Umpolungsangebote“, die das Netzwerk benennt, stehen auf ebenso viel Grundlage wie der Vorwurf, christliche Berater wollten „Homosexualität heilen“ – nämlich auf der Basis völliger Realitätsferne.

In der täglichen Arbeit ist es denn genau dieser Druck, der Homosexuelle tatsächlich in Bedrängnis bringt: Das Einreden, von Ausgrenzung und Unliebsamkeit der Gesellschaft (vor allem der „gläubigen“ Christen) würden die Schwulen und Lesben tatsächlich krank, ist die bewusste Beeinflussung von Menschen, die sich in ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur unwohl fühlen. Weder die christlichen Therapeuten noch Seelsorger haben dieses „Symptom“ erfunden – die Weltgesundheitsorganisation führt bis heute zurecht die „Ich-Dystonie“ als psychisches Problem, das keinerlei Zusammenhang mit Diskriminierung oder Demütigung von außen sieht. Christliche Psychotherapeuten nehmen sich aber genau dieser Schwierigkeit an – weder stilisieren sie Homosexualität zu etwas „Erlerntem“ hoch, noch wollen sie Schwule und Lesben zu heterosexuellem Empfinden zurückführen. Vielmehr ist es ein nicht zu leugnender Umstand, dass Homosexualität ohne das Zutun des Umfeldes – also auch ohne jegliche diskriminierenden Verhaltensweisen – zu wirklichen innerlichen und seelischen Konflikten führen kann, weil die Sehnsucht nach der eigenen Identität die Fähigkeit nach Annahme des Schwul- oder Lesbischseins übersteigt. Hierfür das „Homophobe“ in der Bevölkerung und unter Evangelikalen im Besonderen verantwortlich zu machen, ist ein leicht durchschaubares Ablenkungsmanöver.

Viele Klienten kommen zu uns, weil sie die Nötigung der Lobbyverbände von Schwulen und Lesben nicht ertragen, sich in die Szene und Protestbewegungen à la CSD und andere einordnen zu müssen. Mit vielen seiner Stellungnahmen hat auch der LSVD deutlich bewiesen, dass er Homosexuellen selbst gar keinen Freiraum gibt, die persönlichen Gründe für eventuelle psychische Notsituationen zu benennen. Viel eher wird selbstredend, unreflektiert und falsch vorgegeben und gedrängt, Homosexuellen würde automatisch durch diffamierende soziale Strukturen ihre seelische Zufriedenheit genommen. Dass aber im geschützten Rahmen viele Schwule und Lesben davon sprechen, dass sie dem Anpassungswahnsinn an homosexuelle Lebensstrukturen, wie sie von Interessenvertretungen vorgegeben werden, nicht gewachsen sind, verschweigen Organisationen wie der LSVD selbstverständlich.

Wenn das Netzwerk nun eine Aberkennung von Gemeinnützigkeit für diejenigen Vereine fordert, die Homosexuelle nicht dazu zwingen, psychische Probleme als Folge der denunzierenden Gesellschaft anzugeben, nimmt den Schwulen und Lesben, die offen den Wunsch nach Findung einer eindeutigen Identität und sexuellen Orientierung äußern, die letzte Möglichkeit, sich behutsame Hilfe zu holen. Der Vorschlag des LSVD kann daher mit Verweis auf dessen Verantwortungslosigkeit nur zurückgewiesen werden.

 

Dennis Riehle, Psych. Berater/Coach, Seelsorge, Prädikant

 





„Der ‚Main-Stream‘ will unsere christlichen Werte zu Grabe tragen“

6 04 2012

Gedanken zu Ostern 2012

„Jesus ist tot!“ – mit diesen harten und klaren Worten werden Christen in aller Welt am Karfreitag in den Gottesdiensten empfangen. Konfrontiert mit der Wirklichkeit von Anfang an, gedenken die Menschen zu Beginn des Osterfestes der größten Vergänglichkeit, der Verletzlichkeit des menschlichen Lebens. Ein Feiertag, der zum intensiven Nachdenken und Reflektieren der eigenen Schmerzen, von Leid und Pein auffordert, taugt nicht zum Tanzen – auch wenn in unserer Zeit viele daran rütteln wollen, sich wenige Momente des Innehaltens im Jahr zu gönnen.

Dornen prägen das Kreuz, Glocken bleiben still – uns allen wird mit drastischen Maßnahmen verkündet, welch Ungerechtigkeit schon vor 2000 Jahren möglich war. Ein geradliniger und wahrhaftiger „Jesus rief am Kreuze laut: Ach, ich bin verlassen! Hab dir doch, mein Gott, vertraut, wollst mich nicht verstoßen. Gnad dem, der mir Hohn beweist, jetzt in meinem Elende. Ich befehl nun meinen Geist dir in deine Hände“ (aus dem Tschechischen, 1501, in: EG 78. 8).

Zerrissen von der spürbaren Demütigung, hat Christus sein Kreuz nach Golgata getragen. Gezeichnet und geschlagen, zweifelte in tiefer Krise an all dem, was er bis dahin selbst gepredigt hatte. Und doch merkt man in seinen Worten immer wieder neu, welch Gelassenheit und Zuversicht ihn begleiten. Auch von Anderen, die in Todesstunden mit Gott gerungen haben, ist uns diese innerliche Standfestigkeit bei allem Unverständnis über das, was uns zugemutet wird, bekannt.

Wie gut kennen wir diese Situationen des Alltags, in denen wir an den Herausforderungen, Aufgaben und Lasten, die uns vorgelegt werden, nahezu zerbrechen. Während wir uns in unseren Breiten vor allem mit Krankheit, Trauer über Angehörige, Arbeitslosigkeit, Streit in der Familie oder unseren Sünden aus Überdruss, Fülle und Überheblickeit auseinander zu setzen haben, spüren Christen an vielen Orten der Erde die tatsächliche Schmähung, der auch Jesus vor der tobenden Menschenmenge und den Hohenpriestern ausgesetzt war. Für ihren Glauben werden bezeugende und praktizierende Protestanten und Katholiken, Orthodoxe und Konfessionelle aus allen Richtungen des Christentums weiterhin flächendeckend verfolgt und sehen sich Strafen und Folter ausgesetzt. Aktuell denken wir an Priester, die für ihre Standhaftigkeit in ihrer Überzeugung büßen sollen – aber auch die, die die frohe Botschaft der Christen in die Länder des Unwissens tragen möchten, sind der stetigen Gefahr nahe.

Kein anderes Fest bringt uns die Realität des Lebens so eindrücklich vor Augen wie das Osterfest. Zum Menschsein gehört der scheinbar unlösbare Spagat, immer neue Tiefschläge, Ungerechtigkeit und Ausgrenzung auszuhalten – und dennoch den Mut nicht zu verlieren, die Freude in dem zu sehen, dass wir überhaupt hier sind. Die Parabel von Karfreitag und der Auferstehung sehen aber heute viele nicht mehr als die Botschaft, die unsere Denken und Handeln kennzeichnet. Nicht nur die Gläubigen, die sich klar zum Christsein äußern, werden schikaniert. Nein, es sind die Grundpfeiler unseres christlichen Glaubens, die in Bedrängnis geraten. Ausgepeitscht und das schwere Kreuz tragend, sind es unsere Werte, unsere christlichen Traditionen und Vorstellungen eines gesellschaftlichen Zusammenlebens, die der „Main-Stream“ zu Grabe tragen will.

Ob Lebensschutz vor der Geburt oder vor dem Sterben, ob das klare Eintreten für die Wichtigkeit der Familie, ob das Ablehnen der Beschneidung von Gottesfurcht in unserer Verfassung – mit immer neuen Angriffen und Aushöhlungen wird versucht, das „Altmodische“ und „Konservative“ zu verbannen. Das, was unliebsam ist, wird verspottet und verhöhnt. Welch Parallelen zeigen sich doch immer wieder zwischen Jahrtausende alten Überlieferungen und unseren Zuständen heute!

„Im Gestein verloren Gottes Samenkorn, unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn […]“ – und doch wissen wir als Christen für unser Leben einerseits, aber auch für die Hoffnung auf Rückbesinnung in unserem Land und in der Welt andererseits, dass der Karfreitag nicht das Ende ist: „ […] hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien: Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün“ (beide nach EG 98.3). Wir dürfen darauf vertrauen, dass das Dunkel und die Finsternis nicht das ist, was unser Leben leiten wird. Unsere Angst und Empörung über die, die uns schmähen, ist der Beginn von Friede, den Christus in unsere Welt bringt. Versöhnung mit denen, die uns missachten – und den Sinn in dem erkennen, was uns als Bürde auferlegt scheint: „Erstanden ist der heilig‘ Christ, der aller Welt ein Tröster ist“ (Markus 16 und EG 105.1, 1544).

 

Dennis Riehle





Kurzkommentar zum “Bürger-Dialog”

26 03 2012

Zum „Dialog über Deutschland“ und den Vorschlag, die Diskussion um den Islam „offen“ zu führen (https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/20-Vorschlaege/10-Wie-Leben/Einzelansicht/vorschlaege_einzelansicht_node.html?cms_idIdea=309) meine folgende Reaktion:

In aller Debatte ist besonders die Differenzierung in den Mittelpunkt zu stellen: Der Islam hat in vielen Teilen (besonders bei den oberen Anführern) bis heute die notwendige kritische Exegese seiner Schriften verpasst. Die Säkularisierung, die das Christentum durchlaufen hat und die es in weiten Bereichen zu einer Distanzierung von menschlich unhaltbaren Aussagen der Bibel aufruft, wäre eine notwendige Bedingung, damit zwischen einer Religion, deren Anhänger durchaus auch friedliebende Vorstellungen haben (man beachte die Muslime in Deutschland, die zur Integration bereit sind), und einer Staatsform, die der Islam vielen Regionen der Welt im Sinne eines Gottesstaates im gleichen Atemzug wie sein religiöses Verständnis untrennbar propagiert, unterschieden werden kann.

Hinreichende Bedingung ist für einen Islam (und gerade für dessen gemäßigten Anhänger), der sich multikulturell in der westlichen Welt einbinden will, dass unter Beibehaltung der religiösen Tradition, aber einem Ablegen eines diktatorischen Staatsverständnisses ein Bekenntnis der Muslime zur gemeinsamen Grundlage aller Religionen in Deutschland, dem weltlichen Grundgesetz, erfolgt.

Dass aber auch hierzulande weiterhin auszugsweise fehlende Bereitschaft von manchen muslimischen Gruppen zu diesen zwei Schritten zu erkennen ist, macht die Diskussion über diese Vertreter des Islam (nicht: des gesamten Islam) und Anstrengungen zur Einhaltung unserer Verfassung unabdingbar – und das in offenem Dialog!

Dennis Riehle





Fördern statt Bestrafen!

24 03 2012

Mit großer Sorge blicke ich auf den Vorschlag einer Initiative von Unions-Bundestagsabgeordneten, die sich dafür einsetzt, Bürger ohne und Eltern mit „nur“ einem Kind eine finanzielle Abgabe von 1 bzw. ½ Prozent aufzwängen zu wollen.

Man argumentiert hierbei damit, dass durch den demografischen Wandel und die stetig niedrige Geburtenrate in Deutschland die Funktionalität der Sozialversicherungssysteme nicht gewährleistet ist – und dafür diejenigen, die keine Kinder haben wollen/können einen gewissen Ausgleich schaffen müssten.

Wenngleich zu begrüßen ist, dass mit der Debatte auf die eklatant kleine Rate an Neugeborenen in Deutschland und die Folgen der demografischen Entwicklung hingewiesen wird, ist der Vorschlag als Eingriff in die Persönlichkeitsrechte energisch zurückzuweisen. Gegebenenfalls müsste man bei solch einem Vorhaben gar davon ausgehen, dass mögliche Grundrechte der Verfassung beschnitten würden.

Ein Kind zu bekommen ist eine überaus persönliche Entscheidung, in die der Staat nicht durch Druck und nahezu „planwirtschaftliche“ Maßnahmen eingreifen darf. Der Gedankengang der Initiative geht zu kurz, will er statt Ursachen zu beheben doch die Konsequenzen sanktionieren.

Viel eher ist eine grundlegende Veränderung in der Familienpolitik notwendig: Hier ist es angebracht, sich anstelle von Gedanken nach „Bestrafung“ Kinderloser damit auseinanderzusetzen, wie Anreize geschaffen werden können, um Paaren den Gedanken an das Geschenk von Kindern wieder deutlich vor Augen zu führen.

Ob Unterstützungsangebote in Sachen Erziehung, finanzielle Förderungen für Familien mit Kindern, die Verbesserung von Vereinbarkeit von Beruf und Familie (wobei hier deutlich darauf hingewiesen werden muss: Die CDU tut gut daran, sich mit ihrer eigenen Bundesministerin für Familien in einen Dialog zu begeben, wie man aus einer unsäglichen Erweiterung immer neuer Krippenförderung herauskommt und dafür den Wert der Mutter auch in finanzieller Hinsicht stärkt beziehungsweise Löhne ermöglicht, von denen eine Familie auch allein mit dem Einkommen des Vaters gut leben kann – gleichermaßen gilt: die Karrierechancen für Frauen müssen erleichtert werden, und das gerade dann, wenn sie ihre Mütterrolle verantwortungsbewusst wahrgenommen haben und anschließend in die Berufswelt zurückkehren wollen!) – Ermutigung statt Strafe muss die Devise sein! Man vergleiche hierbei den aktuell bekannt gewordenen Ansatz der Betriebskrankenkasse für Industrie, Handel und Versicherungen, die Müttern für die Geburt eines Kindes 300 Euro Unterstützung ausbezahlt.

Studien zeigen immer wieder, welche Bedeutung die anwesende Mutter für das Kindeswohl hat. Und gleichermaßen brauchen Mütter und ihre Kinder Kontakt nach außen, um soziale Netze beibehalten und eine psychisch intaktes Heranwachsen des Kindes gewährleisten zu können. Dies benötigt Zeit – Zeit, die ebenso entlohnt werden muss wie jede andere Berufstätigkeit auch! Solche Anreize helfen uns weit mehr als pauschale Abgaben, von denen beispielsweise auch ungerechterweise wohl die Paare betroffen wären, die Kinder möchten, diese aber unter anderem aus medizinischen Gründen nicht bekommen können. Ein derartiger Zynismus darf sich innerhalb der CDU/CSU nicht durchsetzen – die Bundeskanzlerin hat hier glücklicherweise rasch klare Worte gesprochen.

Dennis Riehle





Das grüne Anbiedern nach links…

21 02 2012

Niemand wird daran zweifeln, dass man die „Grünen“ im gängigen parteipolitischen Spektrum eher deutlich auf die linke Seite verorten würde. Und bisher wurden von der Partei neben einzelnen taktischen Ausnahmen, die in Richtung CDU gingen, auch keine Anstalten unternommen, sich andernorts positionieren zu wollen.

Dass sich „Grün“ aber wohl immer mehr linker als links sieht, zeigen verschiedene Aussagen, die in der letzten Zeit besonders von deren Jugendorganisation verbreitet wurden. Liest man deren Pressemitteilungen, könnte man sie auch leicht mit denen der Linkspartei verwechseln – denn die jungen „Grünen“ scheinen dieser überhaupt nicht nachzustehen. Ganz im Gegenteil: Man setzt sich sogar ganz offen für die linken Freunde ein – und hat dafür sogar auch noch die Jugend der SPD (die sich bis heute nicht umsonst als „Jusos“, also Junge Sozialisten bezeichnen) „mit ins Boot“ geholt.

Am 15. Februar 2012 verhandelte das Oberverwaltungsgericht von Berlin und Brandenburg die Frage, ob die Jugendvereinigung der Linkspartei („solid“) aufgrund von Neigungen ins verfassungsfeindliche Milieu von öffentlicher, finanzieller Förderung ausgeschlossen werden soll. Die „Grüne Jugend“ veröffentlichte umgehend eine Solidaritätsbekundung, zusammen mit den „Jusos“ und schrieb darin: „[…] Das Grundgesetz wird in diesem Fall durch die gegebenen politischen Mehrheitsverhältnisse für politische Lagerkämpfe missbraucht, wie dies auch bei der Extremismusklausel von CDU/CSU und FDP und der Überwachung Abgeordneten der Linkspartei geschieht […]“ (Pressemitteilung „Grüne Jugend“ vom 14.02.2012):

Bereits am 25. Januar 2012 hatte sich die „Grüne Jugend“ einem Antrag der linken Bundestagsfraktion angeschlossen, wonach bestimmte Drogen legalisiert werden sollen und speziell lizenzierte Fachgeschäfte geschaffen werden müssten, die für Konsumenten zugänglich sind. In der Presseaussendung von der “Grünen Jugend“ an diesem Datum heißt es: „‘Der Vorschlag der Linksfraktion, Cannabis Social Clubs in Deutschland zu erlauben, geht klar in die richtige Richtung. Die Strafverfolgung ist für KonsumentInnen die schlimmste Nebenwirkung ihres Konsums. Die GRÜNE JUGEND kämpft für eine Legalisierung von Cannabis und einen verantwortungsbewussten und selbstbestimmten Konsum von Drogen […]‘“. Und weiter wird geschrieben: „[…]‘Suchtprävention durch die Förderung von Drogenmündigkeit kann erst nach einer Legalisierung glaubwürdig und offen und damit wirksam stattfinden. Wer für die Legalisierung eintritt, anstatt der totalitären Phantasie einer drogenfreien Gesellschaft anzuhängen, verharmlost Drogen in keiner Weise, sondern nimmt ihre Existenz als Realität an und fördert einen verantwortungsvollen Umgang‘”.

Dass die Linkspartei bereits seit langen immer wieder solche Forderungen aufstellt, war stets klar. Das offensichtliche Nacheilen der jungen „Grünen“ an diese Positionen macht aber deutlich: Offenkundig wird hier schon an möglichen Koalitionen geschmiedet, denn immerhin geht auch die Mutterpartei, die „Grünen“ selbst, den gleichen Weg und kritisiert kurz nach Veröffentlichung neuer Strategiekonzepte der Suchtbeauftragten der Bundesregierung: „[…] Auch bei Medikamentenabhängigkeit und im Bereich der illegalen Drogen findet sich nichts als Stagnation. Eine wissenschaftliche Überprüfung des Repressionsansatzes, insbesondere bei Cannabis, findet weiterhin nicht statt“ (Pressemitteilung der grünen Bundestagfraktion vom 15. Februar 2012, Nr. 0130).

Und dass die „Grüne Jugend“ hier umgehend nochmals nachlegen muss, war eigentlich zu erwarten: „Statt undifferenzierter Verbote und Bevormundung fordert die GRÜNE JUGEND einen legalen und regulierten Markt für alle Drogen“ (Pressemitteilung von „Grüne Jugend“ vom 16.02.2012).

Man mag sich fragen, ob den Personen, die hinter solchen Forderungen stecken, bewusst ist, welcher Schaden mit solchen Aussagen angerichtet wird. Natürlich kann jeder argumentieren, dass wir mit Alkohol und Zigaretten bereits Drogen freigegeben haben – wo liegt das Problem, dann die „psychoaktiven Substanzen“ ebenso zu erlauben? Zwar ist richtig, dass ein Staat seine Verbote so gering wie nötig halten sollte, um der Freiheit des Einzelnen so großen Raum wie möglich zu lassen. Doch wohin eine zu lockere Umgangsweise mit Suchtmitteln führt, sehen wir immer wieder daran, welche Mengen Tabak die Deutschen verrauchen – und welche sozialen, aber vor allem auch gesundheitlichen und damit finanzielle Folgen der Drogenkonsum hat.

Merkwürdig, dass sich beim Rauchen die „Grünen“ in der Vergangenheit immer wieder für mehr Restriktion stark gemacht haben – das zweierlei Maß dürfte dem Umweltschutz geschuldet sein: Zigarettenqualm schädigt die Natur – doch um die Gesundheit der Menschen scheinen sich die „Grünen“ nicht wirklich zu sorgen, wenn sie den Deutschen den Zugang zu „weichen“ Drogen ermöglichen wollen. Und sie liefern damit gleich eine Steilvorlage für das, was das neue linke Weltbild vorsieht: Nahe anarchistische Zustände, eine Welt, in der jeder tun und lassen kann, was er will. Nichts von gesellschaftlichem Denken, sondern das Durchsetzen von „Spaß“ für jedermann. Statt Ursachen zu bekämpfen, verfällt man dem Drang der Masse: „Zudröhnen“ ist kein Ausdruck von „Kick“, sondern der Versuch, der absoluten Gleichgültigkeit nahe zu kommen. Das, was in die Sucht führt, sind zumeist Schicksale oder der einfache Umstand, den Zustand des Nichts erleben zu wollen. Gerade von denen, die immer wieder ihr soziales Gewissen betonen, erwartet man, dass sie den Menschen Perspektiven geben – um dem Reiz, sich den Drogen auszuliefern, nicht einmal nahe zu kommen. Doch offenbar fällt der „Grünen Jugend“ keine Lösung ein, sich an die eigentlichen Gründe für die Drogenabhängigkeit heranzuwagen. Wahrscheinlich ist das bei allem das größte Armutszeugnis.

Wer ein Verbot von derartigen Suchtmitteln mit einer Stigmatisierung von Drogenabhängigen gleichzusetzen versucht, der verdreht bewusst die Tatsachen: Die Würde jedes Konsumenten und allen, die am „Dealen“ beteiligt sind, wird dann zerstört, wenn man sie durch die Legalisierung von solchen Suchtmitteln fallen lässt. Und: Wer den Boden von Moral und Richtlinien, von Geboten und der Pflicht, die Bürgerinnen und Bürger vor unabsehbaren Konsequenzen zu schützen, verlässt, sollte sich klar werden, dass nicht nur die finanzielle Förderung der jungen Kollegen von „solid“ auf dem Spiel steht – die Entfernung von der Verfassung und die Annäherung hin zu randnaher Linkspolitik der „Grünen Jugend“ ist ein Alarmzeichen für uns alle.

Dennis Riehle





Keine Angst vorm Sündersein…

18 02 2012

Schon wieder hat ein Bundespräsident aufgegeben und sich von seinem Amt verabschiedet. Doch anders als beim letzten, war es im Fall von Christian Wulff für viele Menschen ein erwarteter, ja, gar ein „überfälliger“ Rücktritt. Viel wurde auch in christlichen Medien in den vergangenen Wochen darüber diskutiert, ob nicht auch für den höchsten Mann im Staat die „Unschuldsvermutung“ gelten müsse. Tatsächlich gilt diese für ihn – auch weiterhin. Das hat vorgestern ja sogar die Justiz bestätigt – daher ist so manche Aufregung über eine Vorverurteilung vielleicht doch übertrieben.

Aber es war noch mehr gefragt worden: Darf ein Bundespräsident keine Fehler machen? Darf er keine Freunde mehr haben? Und darf man ihm nicht verzeihen, auch wenn er sich entschuldigt? Viel wird darüber geschrieben und debattiert: Wie ist das mit der Sünde? Und war das überhaupt sündhaft, was der Bundespräsident in den letzten zwei Monaten den Bürgerinnen und Bürgern „zugemutet“ hat, wie es Einige formulieren?

Wie oft begegnen uns in der Beratung Menschen, die an wahrlich schweren Sünden zu tragen haben. Das seelsorgerliche Gespräch lebt davon, dass wir nicht pauschal auf die Vergebung all unserer Fehltritte verweisen können. Jesus hat uns keinen Freifahrtsschein ausgestellt. Und doch haben wir als Christen eine Gewissheit, die es uns zumindest erleichtert, ehrlich und aufrichtig zu dem zu stehen, was wir falsch gemacht haben.

Ein Bundespräsident darf wie jeder andere Mensch Fehler machen! Und natürlich dürfen und müssen wir ihm sogar vergeben – doch was nutzt Vergebung, wenn der Sünder seine Sünden nicht erkennen will? Was bringt Vergebung, wenn ein Sünder gar nicht darum bittet? Was ist Vergebung wert, wenn Reue, Einsicht und Buße fehlen? Zumindest können die, die zur Vergebung in der Lage sind, ihr eigenes Herz erleichtern. Und wenn man sich heute die vielen Reaktionen der Bürger auf der Straße angesehen hat, so haben viele von ihnen dem ehemaligen Bundespräsidenten bereits vergeben. Es lebt sich gesünder ohne Groll – und doch wünschen wir uns, dass Fehler eingestanden werden.

Aber: Wären wir bei uns auch so streng? Wie ist es mit der „Moral“, deren Ansprüche bei einem Bundespräsidenten angeblich höher angelegt werden müssen? Erkennen wir unsere Fehler rechtzeitig und entschuldigen wir uns immer glaubwürdig für das, was uns misslungen ist?

Die lange hingezogene Affäre um den Bundespräsidenten hat etwas Gutes: Sie hat uns selbst wieder aufmerksam gemacht auf das, was wir in unserem eigenen Leben an Fehlern begehen – und worüber wir vielleicht unbedacht hinweg gehen, ohne Entschuldigung und ohne das würdige Bitten um Verzeihung. Wulff hatte noch vor einigen Wochen selbst die Bibel zitiert – und von denen gesprochen, „die ohne Sünde sind…“. Niemand von uns wird in der Lage, noch des Willens sein, den „ersten Stein zu werfen“. Jesus hat ein Gleichnis aufgestellt, das von keinem Menschen erfüllt werden kann – und in diesem Wissen hat er den Weg frei gemacht für die Sünder, die in dieser Not stecken: Wir dürfen als Belastete zu ihm kommen.

Dieses Erbarmen, das Christus uns mit dieser Zusage erteilt, darf uns aber eben auch mutig machen, uns zu Fehlern zu bekennen. Vor Gott haben wir nichts zu befürchten, wenn wir uns im Klaren sind: Er weiß ohnehin um uns und unsere Sünden. Da brauchen wir uns weder verstecken, noch in Unehrlichkeit verfallen. Diese Zuversicht und Eindeutigkeit lässt von uns Lasten abfallen – anders, als sie gestern von denen abgefallen sind, die seit Wochen auf die einen Schlussstrich ziehende Pressekonferenz des Bundespräsidenten gewartet haben. Manch einer hätte sich mehr Demütigkeit in den Worten von Wulff gewünscht – und doch ist seine Situation keine einfache gewesen.

Vielleicht hilft ihm, seiner Familie und uns allen als fehlbaren Menschen die Verheißung von Erdmann Neumeister (1718): „Jesus nimmt die Sünder an. Saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen. Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an“ (EG 353.1).

Dennis Riehle

 





Scharia-Richter: SPD-Minister auf Abwegen

17 02 2012

Von sozialdemokratischem Denken hatte die SPD schon lange nichts mehr zu bieten. Für ihr Klientel und Stammwählerschaft bot sie in den letzten Monaten eine wahrliche Kurvenfahrt an, bei der man befürchten musste, dass sie alsbald aus der Bahn fliegen würde. Das scheint nun geschehen: Egal, wie man beispielsweise zum Thema „Stuttgart 21“ oder „Vorratsdatenspeicherung“ stehen mag, das Anbiedern in diesen Fragen an die Union (und das damit wohl angedeutete Bestreben nach einer Großen Koalition) und der Versuch, in manchen Einstellungen noch rechts zu überholen, war schon kaum mehr zu übersehen – doch nun eben ein Vorstoß, der selbst so manch hart gesottenen Beobachter die Augen reiben ließ:

Der rheinland-pfälzische Justizminister der SPD, Hartloff, hat vorgeschlagen, in Deutschland über die Einführung von „Scharia“-Gerichten nachzudenken. Konkret forderte er, in außerstrafrechtlichen Fragen zu ermöglichen, einen Richter anzurufen, der auf Grundlage des islamischen Rechts urteilt. Der Minister stellt dabei allerdings die Bedingung, dass nur familiäre, nachbarschaftliche oder zivile Streitigkeiten vor solch einem Gericht ausgetragen werden dürften und die Anwendung der Scharia Strafen, die mit der deutschen Rechtsordnung nicht in Einklang zu bringen sind, ausschließt.

Man muss fragen: Hat Hartloff schon einmal einen Elefanten durch ein Nadelloch geschoben? Ähnlich verhält es sich mit seiner Forderung: Die Scharia, die nahezu grenzenlos Strafen der menschenunwürdigsten Artbejaht, soll in das freiheitlich-demokratische Rechtssystem der Bundesrepublik gedrückt werden? Islamisches Recht bedeutet in aller Regel auch: ganz oder gar nicht. Wie schwer es Reformer haben, die die Scharia – anlehnend an Koran und Prophetien – relativieren wollten, sieht man derzeit in den Umbruchstaaten in der Arabischen Welt.

Hartloff argumentiert, man schaffe keine Parallelgesellschaften durch die Einführung solcher Gerichte. Immerhin gäbe es auch in Deutschland Rechtssprechungen in eigenen Systemen – beispielsweise im Kirchenrecht oder bei vereinsinternen Schiedsgerichten. Der Justizminister vergleicht damit eine Rechtswesen, das allein auf nichtweltlichen und von kulturellem Separationsgedanken geprägten Religionsschriften beruht, mit innerdemokratischem Regelungswerk, das in seiner Harmlosigkeit schon zu vielfachem Streit geführt habt (man vergleiche diverse kirchenrechtliche Entscheidungen im Personalwesen).

Es kann kaum zynischer sein, dass ein Justizminister, der zur Verteidigung unserer freien Rechtsordnung verpflichtet ist, die Toren für die Scharia öffnen möchte, die abgehackte Hände ebenso wie die Steinigung und Blenden befürwortet. Auch wenn Hartloff all diese Elemente des islamischen Rechts ausklammern möchte und es zudem nur in zivilen Rechtsfragen angewendet sehen will, öffnet er damit im Wissen, dass die Scharia nicht an westliche Kulturkreise und Grundrechtsvorstellungen anpassbar und in ihrer Gesamtheit – wie es die islamischen Gelehrten immer wieder betonen – nicht veränderbar ist, dem Einzug von Unmenschlichkeit Tor und Tür.

Ob die Unterdrückung der Frau, das Bejahen von Gewalt oder die Feindschaft gegenüber Andersdenkenden – ein sozialdemokratischer Minister muss sich der Tragweite seiner Äußerungen nicht bewusst gewesen oder für sein Amt völlig ungeeignet sein, wenn er über Umwege Integration von muslimischen Mitbürgern mit der Toleranz eines aus europäischer Sicht gesehenen Unrechts-Rechtssystems verwechselt. Wenn man Hartloffs Gedanken weiterführt und interpretiert, würde Deutschland mit solch einem Schritt die Verteidigung der mühsam erarbeiteten Demokratie und Freiheit aufgeben und sich einer religiös motivierten Rechtsordnung unterwerfen, die keine Abtrünnigen duldet…

Dennis Riehle





Gedanken zum Neuen Jahr

3 01 2012

Blicken wir zurück auf die vergangenen zwölf Monate, so wurde die Welt erneut geplagt. Und während die spirituelle Szene für dieses Jahr große Umbrüche erwartet, klingen uns noch die Mahnungen und Botschaften der Bischöfe und Kirchenvertreter aus ihren Weihnachtspredigten nach. Auch 2012 werden wir wieder bitten müssen, um Frieden und Gerechtigkeit, um Bewahrung und Gnade. Da werden die kleinen Problemen und Aufregungen, die Ärgernisse des Alltages ganz klein.

Auch Paul Gerhardt (1653) denkt in seinem Lied zur Jahreswende an die stetigen Begleiter, die uns sorgen: „Wir gehn dahin und wandern von einem Jahr zum andern, wir leben und gedeihen, vom alten bis zum neuen durch so viel Angst und Plagen, durch Zittern und durch Zagen, durch Krieg und große Schrecken, die alle Welt bedecken.“ (EG 58, 2 u. 3)

Was wurde in diesem Jahr gerettet! Unzählige Male der Euro, Griechenland vor dem Schuldenabgrund, Opfer von Fluten und Erdbeben in Asien. Oftmals waren all die Mühen vergebens. So wohl auch in der traurigen Geschichte des verschütteten Mädchens unter den Kreidefelsen auf Rügen, die uns im Moment beschäftigt. Zwar können wir immer wieder zu Linderung von Not und Elend, von Krisen und Konflikten beitragen – das haben die europäischen Staatschefs nahezu wöchentlich bewiesen – aber oft stehen wir da mit gebundenen Händen.

Deshalb sind wir uns als Christen auch immer wieder bewusst: „Ach Hüter unsres Lebens, fürwahr, es ist vergebens, mit unserm Tun und Machen, wo nicht deine Augen wachen.“ (EG 58, 6)

In vielen Situationen bleibt uns nichts Anderes, als mit bloßem Vertrauen Gott anzurufen. Wenn wir mit dem Unerklärlichen ringen, mit der Spannung aus weihnachtlicher Freude über Jesu Geburt und dem Grauen am Karfreitag am Kreuz – in unserem täglichen Leben macht uns die Hilflosigkeit, die wir gegenüber dieser Passion verspüren, oftmals großen Kummer.

Die Hoffnung, die uns auch in das neue Jahr tragen soll und wird, das ist unser Wissen um das gute Ende, das die Tragik um Gottes Sohn nimmt: Neben all den Leiden und all dem Dunkel leuchtet nah und fern das österliche Licht der Auferstehung, das uns stets an Grundüberzeugungen unseres Glaubens erinnert und begleitet.

In dieser Gewissheit können wir zu unserem Herrn beten: „Schließ zu die Jammerpforten und laß an allen Orten auf so viel Blutvergießen die Freudenströme fließen.“ (EG 58, 10)

Und gerade auch in diesem Sinne können wir uns im Gottvertrauen gegenseitig ermutigen:

„Sprich deinen milden Segen zu allen unsern Wegen, laß Großen und auch Kleinen die Gnadensonne scheinen. Sei der Verlaßnen Vater, der Irrenden Berater, der Unversorgten Gabe, der Armen Gut und Habe. Hilf gnädig allen Kranken, gib fröhliche Gedanken den hochbetrübten Seelen, die sich mit Schmermut quälen. […] Das alles wollst du geben, o meines Lebens Leben, mir und der Christen Schare zum sel’gen neuen Jahre.“ (EG 58, 11 – 13, 15)

von Dennis Riehle

 








Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.