Weihnachten wird in Bethlehem entschieden

22 12 2011

Das Rennen um die letzten Geschenke hat begonnen, die Vorweihnachtszeit hat ihren Höhepunkt erreicht: Fleißig sorgen die Menschen in Deutschland dafür, dass die Geschäfte gut laufen und bis zum Heiligabend die Kassen klingeln. Und dann beginnt der Wettstreit: Wer hat das schönste, billigste und effektivste Präsent gekauft?

Um diese Frage schon heute leichter zu beantworten, prangern seit Wochen in Weihnachts- und „Media Markt“-Rot überdimensionale Plakate an Säulen, Wänden und Bushaltestellen.

Nachdem die „Ich bin doch nicht blöd“-Werbung bis heute vielen in den Köpfen geblieben ist, setzte man nun auf erneute Provokation. So rasch und flächendeckend, wie man die Menschen mit dem markanten und wiederzuerkennenden Design an allen Ecken und Straßenzügen überdeckt hat, so deutlich wird, wie schwer es dem „Media Markt“ und vielen in unserer kurzlebigen Zeit mit dem „Warten“, dem Erwarten der Ankunft Jesu im Advent, fällt. Die multimediale Kaufhauskette für Elektro- und Digitalgeräte aller Art hat die Winterzeit zum Kräftemessen mit seinen Konkurrenten genutzt – und das auf dem Rücken von christlichen Werten, Gefühlen und Traditionen:

„Weihnachten wird unterm Baum entschieden“, so steht es in großen Lettern, auch im Fernsehen präsentiert man sich mit diesem Spot. In seiner Selbstüberheblichkeit beansprucht „Media Markt“, alle anderen Geschenke ausstechen zu können – und damit im Wettbewerb Sieger über die Verkäufer zu sein, die aus seiner Sicht nicht den ersten Platz verdient haben. Dass der einzige Sieger des Weihnachtsfestes allerdings im Stall von Bethlehem geboren wurde, bleibt den auf Kommerz orientierten Verantwortlichen des Unternehmens ebenso verschlossen wie der Umstand, dass Weihnachten nicht der Moment des Kampfes um das Beste, Schönste und Preiswerteste ist. Weihnachten bedeutet Armut und Abweisung, Not und Angst in einem Stall. Das Licht in diesen dunklen Tagen bringt nicht das funkelnde Handy oder der leuchtende Flachbildschirm – Jesus Christus erhellt unsere Welt als Hoffnungsträger für Frieden und Gerechtigkeit.

T. Faix fragt in einem Buch, ob Jesus bei „IKEA“ einkaufen würde. Und nein, Jesus würde sicher auch nicht beim „Media Markt“ einkaufen. Seine Geburt ist die Entscheidung über die Erlösung, ist der so scheinbar zarte Neubeginn, der auf Gnade hinausläuft. Hierzu braucht niemand die Geschenke unterm Baum, sondern den Glauben daran, dass wir durch sein Erscheinen nicht verloren sind und hingeführt werden zu einem ewigen Leben, das alles Geschenkpapier und Schleifen, jeden Staubsauger und DVD-Player überdauern wird.

Manche Kommentatoren kritisierten auch die Nutzung des Futurs im Werbeslogan. Doch das Christfest ist nicht ein Ereignis, was man auf die Zeit von vor über 2000 Jahren zurückschieben und dort abstellen kann. Nein, entschieden wird auch heute noch – das mag der einzig richtige Satzteil der „Media Markt“-Promoter gewesen sein. Immer wieder neu bringt Weihnachten uns die Zuversicht auf den Augenblick, dass Jesus zurück in unser Leben kommt. Hineingeboren in unsere Probleme und Schwierigkeiten des Alltäglichen, kann er Halt geben und Mut machen, dass aus Krippe und Stroh die Erlösung erwächst. Mit dem Winzigen und Unerwartbaren findet Gott in unsere Mitte und macht uns deutlich, wie zerbrechlich wir sein können. Gott ist zu uns gekommen, um uns seine Liebe nahe zu bringen – indem er seinen Sohn schickt, einen wie uns. Er macht das Christfest damit zu einem Öffnen der Herzen, zum Empfangen seines Geistes, der uns anrührt und uns spürbar werden lässt, was Befreiung von Sünden wirklich bedeuten kann.

Dass es für den „Media Markt“ nicht zu mehr reicht als zur überhöhten Sehnsucht nach Aufmerksamkeit und Wettbewerbsgewinn, das mag zu Weihnachten besonders aufstoßen. Und doch ist es ein Spiegelbild einer Gesellschaft, die es nicht leicht hat, zum Christfest ruhig zu werden. Leistung, Druck und Erfolg plagen bis zuletzt – vielleicht bei vielen wirklich mit der einzigen Freude, schließlich doch das Passendste unter den Baum gelegt zu haben. Und so will man dieser Tage nicht nur den Machern im „Media Markt“ die Frage von Hermann Claudius von 1939 stellen: „Wißt ihr noch, wie es geschehen?“ (Evangelisches Gesangbuch Nr. 52). Und gleichzeitig empfehlen: Statt dem gierigen Wunsch nach astronomischen Höhen des Gewinns reicht schon ein bescheidener Blick in Richtung des Himmels, zum Stern von Bethlehem…

 von Dennis Riehle





Abtreibungs-Maschinerie: Perversion einer gesellschaftlichen Gleichgültigkeit

1 12 2011

Es braucht keine Meldungen wie diese, um sich der dramatischen Entwicklungen um die Gleichgültigkeit des ungeborenen Lebens bewusst zu werden: Nachdem in Australien bei einem Zwilling im Mutterleib schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen festgestellt wurden und die Gefahr einer Fehlgeburt stieg, entschieden sich Ärzte und Eltern, das eine Kind abzutreiben, das zweite retten zu wollen. Wahrscheinlich im Trubel der unzähligen Schwangerschaftsabbrüche passierte den Medizinern ein Fehler, den man als „menschlich“ bezeichnen könnte – wenn er nicht eindrücklich belegen würde, was uns unsere Kinder heute noch wert sind.

„Aus Versehen“ trieben die Ärzte den falschen Zwilling, den gesunden, ab. Sie hatten offenbar die beiden Kinder lediglich vertauscht, sodass es zur Katastrophe kam. Man mag diesen Medizinern Fahrlässigkeit vorhalten und ihnen keine Absicht unterstellen wollen. Doch wie kann solch ein Vorfall passieren, wenn er nicht schon zur Routine geworden ist, bei dem aus Gedankenlosigkeit oder Stress heraus Unglücke geschehen? Eine Abtreibung in der 32. Schwangerschaftswoche stellt unabhängig von der zusätzlichen gesundheitlichen Gefährdung für Kind und Mutter ein besonderes Risiko dar, das es von medizinischer Seite durch besondere Aufmerksamkeit zu verringern gilt.

Gleichzeitig scheint es nicht verwunderlich, dass solche verheerenden Situationen eintreten. In den Ländern der modernen Welt boomt die „Industrie“ der Abtreibungen mit tausenden von Eingriffen jeden Tag. Man weiß nicht, ob man mit den Ärzten, die täglich Kindern das Leben verwehren, mitleidig sein soll – viel eher steigt die Vermutung, dass bei manchen der wahre Geschäftssinn dahinter steckt. Und so wird aus heranwachsenden Babys nur noch ein „Zellklumpen“, um den man sich wohl weniger Sorgen bei der Abtreibung macht, als würde man ihn als „Leben“ ansehen.

Der Vorfall mag ein „bedauerlicher Einzelfall“ sein, wie es in solchen Momenten stets heißt. Doch er steht exemplarisch für die Perversion einer gesellschaftlichen Gleichgültigkeit gegenüber dem Wert des Ungeborenen. Jeder mag mit der betroffenen Frau aus Australien mitfühlen können, die um ihre eigene Gesundheit und um die der beiden Zwillinge bangt. Zweifelsohne sind solche Situationen die schwierigsten, in denen man keine einfache Antwort auf die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch geben kann. Hier spielen begründete Argumente eine Rolle, die Not ist nachvollziehbar, das Ringen wir spürbar.

Doch das ist nicht der Alltag. Viel eher erleben wir heute immer wieder neu, wie täglich Abtreibungen vorgenommen werden, für die es keine Rechtfertigung geben kann. Soziale oder finanzielle Schwierigkeiten werden genannt, das Kind werde nicht in einer behüteten und umsorgten Umgebung aufwachsen können. Ängste von werdenden Müttern, oftmals selbst noch jung, spielen eine Rolle. Und gleichzeitig ist es die Überforderung oder die fehlende Weitsicht für die Verantwortung, an die bei einem raschen Seitensprung in der letzten Nacht gar nicht gedacht hat. Kinder zu bekommen, das ist Herausforderung und Glück, Aufgabe und Geschenk gleichzeitig. Und doch wollen viele Mütter nur das Eine: Den Abbruch der Schwangerschaft auf Grundlage kurz entschlossener Panik.

Niemand wird verneinen, dass es zahlreiche Mütter gibt, die sich ihre Entscheidung schwer machen. Sie suchen Beratung und Begleitung, Seelsorge und Aufklärung. Und wie oft konnte dadurch schon verhindert werden, dass ein ungeborenes Leben einer Maschinerie aus Mainstream, der die Eigenbestimmung der Frau unverantwortlich so interpretiert, dass werdende Mütter von all ihren Verpflichtungen freigesprochen werden, und einer Welt aus vielen Medizinern, die Abtreibungen zu ihrem „Business“ erklärt haben, zum Opfer fällt.

Doch es ist nicht die Meinung, der Antrieb der Einzelnen. Schwangerschaftsabbrüche sind ein in der Gesellschaft tabuisiertes Thema, das selbst bei schrecklichen Meldungen, wie der oben genannten, von den Medien und dem politischen Diskurs totgeschwiegen werden. Da rettet man sich mit Fristen und dem Zwang zur Beratung, um den Frauen ihren Schritt zur Abtreibung schwerer zu machen. Und doch wissen die meisten Verantwortlichen von den verheerenden Auswirkungen, die Schwangerschaftsabbrüche mit sich bringen können. Von Identitätskrisen bis zu Depressionen reicht die Palette an Folgen für die Frauen, die sich zu einer Abtreibung entschlossen haben.

Die Konfrontation mit der Realität ist hart – und doch könnte sicher manche werdende Mutter in ihrem Denken umgestimmt werden, wenn sie auch um die Konsequenzen für die eigene Psyche und ihren Körper wüsste. Und gleichzeitig könnten wir uns für die Frauen mehr Zeit nehmen, die wirklich um ihr Kind bangen und in echten Zwickmühlen stecken. Ihnen den Wert von behinderten Kindern zu verdeutlichen, die Alternativen zur Abtreibung wie Adoption oder die Unterstützung durch die vielen tätigen Organisationen zuzusichern oder letztlich einfach die Gelegenheit geben, mit den Gefühlen und Befürchtungen ernst genommen zu werden – solche Angebote sind wahrlich segensreich. Und Anlässe wie der im Eingang genannte sollten alle erneut ins Zweifeln kommen lassen, die Schwangerschaftsabbrüche als „Errungenschaft gelungener Partizipation“ verherrlichen.

Dennis Riehle





Ausschluss von sexualethischen Fachverbänden? – Diakonie-Präsident soll entscheiden

27 11 2011

Nicht zum ersten Mal macht der menschenrechtspolitische Sprecher der Bundestagfraktion von „Bündnis 90/Die Grünen“, Volker Beck MdB, als selbsternannter Vertreter der Schwulen- und Lesbenbewegung auf sich aufmerksam: Schon in der Vergangenheit hatte er seine Funktion als Abgeordneter ausgenutzt, um sich hochoffiziell gegen „evangelikale“ Christen zu wenden. So hatte er unter anderem Finanzmittel an das „Christival“ kritisiert und entsprechende Anfragen an die Bundesregierung gestellt.

Nun tischt Beck einen neuen „Skandal“ auf: Getrieben von seiner Sehnsucht nach immer neuen Rechten von Homosexuellen, verurteilt er schon lange die Arbeit christlicher Beratungsorganisationen, die Hilfe suchenden Schwulen und Lesben Therapie zur Veränderung ihrer sexuellen Orientierung anbieten. Dass Beck mit seinem Verständnis von Toleranz vielen Homosexuellen die Freiheit abspricht, selbst und aus eigener Entscheidung heraus Seelsorge oder therapeutische Begleitung in Anspruch zu nehmen, wenn innere Konflikte plagen, scheint der Menschenrechtler nicht zu bemerken.

Aktuell hat er sich an den Präsidenten des Diakonischen Werkes der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewandt – und diesen aufgefordert, den Ausschluss der Kommunität „Offensive junger Christen“ (OJC), die das „Institut für Jugend und Gesellschaft“ (DIJG) betreibt und sich mit möglichen Formen von Therapie und Umgang mit Homosexuellen, die Schwierigkeiten mit ihrer sexuellen Ausrichtung haben, auseinandersetzt, aus dem Dachverband zu prüfen. Gleichzeitig fordert er dies auch bezüglich des „Weißen Kreuzes e.V.“, des sexualethischen Fachvereins, der sich insbesondere mit Fragen von Selbstbefriedigung, Sex vor der Ehe oder Pornografiesucht beschäftigt.

Doch nicht alle fühlen sich vom „Verteidiger“ der Lesben- und Schwulenrechte vernünftig vertreten. Insbesondere ist zu beklagen, dass Herr Beck immer wieder neue Berechtigungen einfordert, die über die allen Bürgerinnen und Bürgern zustehenden Rechte hinausgehen – und damit zu einer Bevorteilung von Homosexuellen führen würden. Deutschland hat in seiner Vergangenheit mit Nachdruck an der Abschaffung von Ungleichheiten gegenüber Schwulen und Lesben gearbeitet. Dass durch föderalistische Hürden noch nicht alles so optimal ist, wie man es sich wünschen würde, ist zweifelsohne zuzugestehen. Gleichwohl liegt in der Diskriminierung und Ausgrenzung mancher Homosexueller bis heute aber auch ein gesellschaftliches Problem vor. Und gleichzeitig muss man Schwule und Lesben, die in aggressiver Weise stets weitere Rechte einfordern und Vorurteile durch „Demonstrationen“ gegen sich selbst bestärken, die mittlerweile eher freizügigen Partys zur Schaustellung gleichen, hierfür mitverantwortlich machen.

Insgesamt zeigen sich viele Schwulen und Lesben zufrieden damit, die gleichen Rechte zu genießen wie jeder andere Mensch. Dieser Umstand ist durch unsere Verfassung ohnehin gewährleistet – ein häufiger Aufschrei über mangelnde Berechtigungen von Homosexuellen geht deshalb häufig über das Ziel hinaus.

Und gleichzeitig muss anhand des derzeitigen Beispiels ausdrücklich festgehalten werden: Herr Beck sieht psychische Probleme von Homosexuellen allein im Zusammenhang mit Ausgrenzung, Stigmatisierung und Diskriminierung durch die Gesellschaft. Er reduziert damit seelische Schwierigkeiten von Homosexuellen auf exogene, also von außen einfließende Ursachen.

Viel häufiger sind endogene, von innen kommende Zerrüttungen Ausschlag gebend für das Bedürfnis nach Unterstützung. Die eigene Abneigung gegenüber homosexuellen Sexualpraktiken, der Wunsch nach heterosexueller Liebe sind ganz oft Auslöser für Zerrissenheit und die Sehnsucht nach Veränderung. Noch offensichtlicher stellen sich die Probleme bei der „Ich-dystonen Persönlichkeitsentwicklung“ dar, bei der eine völlige innere Distanzierung von der eigenen Identität vorliegt – leider wirft Herr Beck den Organisationen immer wieder vor, alle homosexuellen Hilfesuchenden als unter dieser Störung leidende Patienten abzustempeln.

Die von Herrn Beck in diesem Zusammenhang genannten „reparativen Therapien“, in denen nach seiner Ansicht Homosexuelle zum Ablegen ihrer Homosexualität genötigt werden, stellen sich in Wirklichkeit als eine tief in die Psyche einblickende Form der Therapie dar, die mögliche – und mittlerweile auch nachgewiesene – Zusammenhänge zwischen homosexueller Orientierung und frühkindlichen Entwicklungen, elterlichen Bindungen oder Rolleneinnahmen analysieren. Im Gegensatz zu Herrn Beck empfinde ich die Aufdeckung solcher Kausalitäten nicht als verwerflich, sondern als überaus hilfreich, um die eigenen Empfindungen zu verstehen und sich selbst auf die Stufe der Entscheidungsfähigkeit nach Veränderung zu bringen.

Ganz besonders zu kritisieren ist die Vorhaltung des Herrn Beck, wonach den Betroffenen solche Therapien nahezu „aufgedrängt“ würden. Während viele Schwule und Lesben Menschen aus ihrer eigenen „Lobbybewegung“ nicht selten belächelt werden, wenn sie mit ihrer eigenen Sexualität ringen, und immer wieder die Anschuldigung „sexueller Verklemmtheit“ zu hören bekommen, gibt es glücklicherweise eben Organisationen, die solche Sorgen ernst nehmen – und die es unterstützen, wenn man sich nicht dem Mainstream nach „sexueller Lockerheit“ und einer Gender-Bewegung anschließt.

Die Freiheit, sich in Form seelsorgerischer Angebote Unterstützung zu suchen, obliegt jedem Einzelnen selbst. Damit wird deutlich, dass die von Herrn Beck kritisierte Arbeitsweise der Organisationen schon in der grundlegenden Argumentation allen Realitäten zuwider läuft. Als Berater geht man nicht „auf die Suche“ nach Homosexuellen, um sie zu „verändern“; viel eher ist die Zahl derer, die aus ihren freien Stücken zu uns kommen und den Wunsch nach Hilfe suchen, stetig wachsend. Somit würdigen wir die freie Entscheidung weitaus mehr, als Herr Beck es vermutet. Viel eher sehe ich sein Herunterspielen von Problemen Homosexueller und den Aufruf, Hilfe zu meiden, als fahrlässig und verachtend – ja, sogar als verantwortungslos.

In jeder Beratung gelten die Würde und der Wille des Klienten am höchsten. Das Gebot der Nächstenliebe, zu dem sich jeder christlich arbeitende Therapeut oder Berater verpflichtet haben sollte, übersteigt jede Form der Einklassifizierung von Homosexuellen oder den Vorwurf, Veränderung um jeden Preis erzielen zu wollen. Nicht der Berater oder der Therapeut entscheidet, wie die Begleitung aussieht – sondern allein der Klient selbst. Daher arbeite ich generell mit der Ergebnisoffenheit jeder Sitzung. Durch Aufklärung – die beide Organisationen nach meinen Erfahrungen in transparenter Weise durchführen – wird der Klient in die Lage versetzt, über den Weg der Hilfestellung bestimmen zu können. Die Wertschätzung gegenüber dem Hilfesuchenden, aber auch der Wunsch, dass die Person wieder mit sich selbst und der eigenen Identität in Einklang zurückfindet, ist elementar und prägt jede Beratung schon aus dem Grundsatz des christlichen Menschenbildes heraus.

Letztendlich wendet sich Herr Beck zudem mit einer Forderung an das Diakonische Werk, die dieses schon aus den Statuten gar nicht erfüllen kann. Das Diakonische Werk ist nicht berechtigt, in die Arbeits- und Handlungsweisen der einzelnen Mitgliedsorganisationen einzugreifen oder deren Denkweise zu beeinflussen.

Wieder einmal ist eine panische Aktion des Herrn Beck zum Ausgangspunkt für Diskussionen geworden, die gar nicht nötig sind. Über seine Gründe für dieses Verhalten mag man spekulieren. Schließlich bleibt aber wohl nur das Mitleid, das man ihm entgegen bringen kann, wenn sich Herr Beck Probleme schaffen muss, um sie zu lösen. Ein Blick auf die Alltagspolitik würde zeigen, dass wirklich wichtige „heiße Eisen“ im Feuer liegen…

 

Dennis Riehle, Psychologischer Berater/Coach, Seelsorge





Ist die Scharia „gar nicht so schlimm“…?

6 11 2011

Nach dem Umsturz in Libyen ist das Land nun auf dem Weg in Richtung Neuanfang. Die Medien blicken mit großer Zuversicht auf das, was dort kommen möge. Gar von „demokratischen Zügen“ wird gesprochen – und das „nur“, weil zumindest „faire“ Wahlen angekündigt wurden. Erst kürzlich berichtete ein Korrespondent des ZDF aus dem Land. Man wollte aufgekommenen Vorurteilen nachgehen, wonach die Scharia, das islamische Gesetz, eingeführt werden soll. Dass dies so kommen wird, haben selbst die Übergangspolitiker der Regierung festgestellt. Doch was soll man nun davon halten: Ist die Scharia ein „Rechtssystem wie jedes andere“, wie es eine hochgebildete lybische Studentin im Interview äußert? Oder wird die Zeit nach dem Diktator für einige Bevölkerungsschichten noch viel schlimmer als je zuvor?

Libyen bietet durch die große Aufmerksamkeit, die dem Land derzeit zuteilwird, ein gute Basis dafür, sich selbst ein Bild davon zu machen, was Scharia heißt. Glaubt man dem ZDF-Korrespondenten, so sind die Horrorbilder unmenschlicher Strafen in den arabischen Ländern nicht mehr zeitgemäß. Kaum noch würden die brutalen Praktiken angewandt, viel eher sei ein Großteil der Bevölkerung kritisch und gehe in der Scharia von einem gerechten Konzept aus. Schwierig wird das zu glauben, wenn man sich bewusst wird, woher die Scharia rührt. Bereits im Koran wird zu teils grenzenloser Gewalt aufgerufen – und daran orientiert sich das islamische Recht.

Scharia ist nicht mit einem freiheitlichen Rechtssystem nach unserem Verständnis zu vergleichen – immerhin ist das unserige ein weltliches, die Scharia ein religiöses. Zweifelsohne ist auch unsere Verfassung von vielen christlichen Elementen gezeichnet. Und keiner kann leugnen, dass nicht auch die Bibel über viele Kapitel Horrorgeschichten enthält. Trotzdem ist das Christentum in seiner Entwicklung so weit, dass selbst bibeltreue Christen wohl kaum mehr die grausamen Strafen fordern, die ihre „Heilige Schrift“ für manches Verbrechen vorsieht. Während dem Islam eine Phase der Aufklärung bis heute fehlt, erkennt das Christentum den symbolischen Charakter seiner Bibel. Und das macht sich auch in unserem Recht deutlich.

Frauenrechtlerinnen gehen auf die Barrikaden, wenn davon gesprochen wird, dass die Scharia heute nur noch selten mit ihrer Härte zur Anwendung komme und doch eigentlich „gar nicht so schlimm“ sei, wie es manche Bürger auf Libyens Straßen meinen. Und wie präsent das Thema „Scharia“ ist, mag man spätestens bei Forderungen erahnen, wonach in Dänemark darüber nachgedacht wird, in überwiegend von Muslimen bewohnten Regionen die Scharia als gültiges Rechtsverständnis zuzulassen. Sicher mag niemand etwas von abgehackten Händen, Peitschenhieben und Verstümmelungen wissen – doch es bringt uns wenig, wenn wir die Augen vor der Wahrheit verschließen.

Seien es Länder in Afrika oder in der sonstigen arabischen Welt: Spätestens, wenn die Menschenrechtsorganisationen dieser Erde ihre Beispiele von der Anwendung des islamischen Rechts in jedem Jahr neu präsentieren, wird deutlich, dass es sich in der Scharia nicht um ein auslaufendes Modell oder gar um Einzelfälle handelt. Und man mag Muslimen, die noch nie etwas von säkularisiertem Denken gehört haben, auch nur schwer übel nehmen, wenn sie die Aufregung um ihr Rechtssystem gar nicht verstehen. Daher scheint es auch viel schlimmer, wenn gerade westliche Staaten, die immer wieder neu auf die Einhaltung von Menschenrechten setzen – oftmals aber leider selbst im Umgang mit Todesstrafen und ähnlichem noch wenig zimperlich sind – eine innere Gelassenheit ausstrahlen, wenn es um den Vormarsch der Scharia auch in ihren Ländern geht.

Die Scharia ist mit dem christlichen und westlichen Verständnis von Recht und Gerechtigkeit nicht zu vereinbaren. Ihr totalitärer Anspruch, der sich wiederum aus den Suren des Koran ergibt, bricht alle Rechtssysteme, die ihr zuwider stehen. Solange der Islam und die muslimische Basis nicht den Weg durchschritten haben, den Christen durch die Aufklärung hinter sich haben, und ihre Religion und ihre Schriften reflektiert und exegetisch betrachten, kann auch die Scharia keine Akzeptanz in unseren Grundwerten finden. Diese Einsicht mag man auch denen wünschen, die aus Liebe zu endloser Toleranz in ihrem leichtfertigen Umgang mit dem islamischen Rechtssystem verblendet sind. Übrigens: Selbst wenn die Medien nur von wenigen Vorkommnissen berichten, ist das Blenden bis heute ein anerkanntes Standardverfahren der Selbstjustiz innerhalb der Scharia…

 von Dennis Riehle

 

 

 

 





Happy Birthday – ein Lied an das eigene abgetriebene Kind

21 10 2011

Text (in deutscher Übersetzung)

Bitte akzeptier meine Entschuldigung, ich frage mich was gewesen wäre.
Wärst du ein kleiner Engel geworden oder ein böser?
Tom-Boy rennt umher, hängt rum mit all den Jungs.
Oder ein kleiner Junge, hart im Nehmen, mit wunderschönen braunen Augen.
Ich habe für den Mord bezahlt bevor sie das Geschlecht feststellen konnten,
unser Leben vor deinem Leben zu wählen bedeutete deinen Tod.
Und du hast niemals die Chance bekommen auch nur deine Augen zu öffnen
Manchmal frage ich mich, ob du als Fötus um dein Leben gekämpft hast.
Wärst du ein kleines Genie geworden? In Mathe verliebt?
Hättest du in deinen Schulsachen gespielt und mich verrückt gemacht?
Wärst du ein kleiner Rapper geworden wie dein Papa the Piper?
Hättest du mich dazu gebracht mit dem Rauchen aufzuhören indem du eines meiner Feuerzeuge findest?
Ich frage mich wie deine Hautfarbe und die Form deiner Nase wäre,
und die Art wie du gelacht oder gesprochen hättest, schnell oder langsam.
Ich denke jedes Jahr darüber nach, also habe ich mir einen Stift genommen.
Happy Birthday, ich liebe dich, wer immer du auch gewesen wärst.

Happy Birthday,
Was ich dachte war ein Traum
Wünsch dir etwas
War so real wie es zu sein schien
Happy Birthday

Ich habe einen Fehler gemacht !

Ich habe millionen Entschuldigungen dafür, warum du gestorben bist.
Ich wette, die anderen Leute haben ihre eigenen Gründe für einen Mord.
Wer kann sagen das es funktioniert hätte und wer sagen, es hätte nicht geklappt?
Ich war jung und kämpfte, aber alt genug um dein Vater zu sein.
Die Angst, zu sein wie mein Vater, ist nie verschwunden,
Ich grüble immer darüber nach, wenn ich an meinem Bier nippe.
Meine Vorstellung von einer Familie war künstlich und eine Fälschung
Und als es Zeit wurde, sie aufzubauen, machte ich einen Fehler.
Jetzt hast du einen kleinen Bruder, vielleicht bist in Wirklichkeit du es.
Vielleicht hast du uns vergeben, wissend, das wir verwirrt waren.
Wenn er lächelt, bist du es vielleicht jedes Mal, bist stolz darauf, dass dein Vater jetzt das Richtige tut.
Ich werde niemals einer Frau sagen, was sie mit ihrem Körper machen soll,
aber wenn sie keine Kinder mag, wird es nichts.
Ich denke jedes Jahr darüber nach, also habe ich mir einen Stift genommen.
Happy Birthday, ich liebe dich, wer immer du auch gewesen wärst.

Vom Himmel zur Gebärmutter und wieder zum Himmel.
Vom Ende zum Ende, niemals angefangen.
Vielleicht können wir uns eines Tages von Angesicht zu Angesicht sehen,
an einem Ort ohne Raum und Zeit.
Happy birthday…

Was ich dachte war ein Traum
Wünsch dir etwas
War so real wie es zu sein schien
Happy Birthday
Was ich dachte war ein Traum
Wünsch dir etwas
War so real wie es zu sein schien
Ich hab einen Fehler gemacht!





„Deutsche Bildungsstiftung“ zeichnet Einsatz um Homosexuelle aus

16 10 2011

„Ehrung ist Aufruf zu gesellschaftlicher Rückbesinnung“

Nicht unerwartet, aber dennoch mit ihrer Deutlichkeit wieder einmal so manches Vorurteil bestätigend, prasseln die Kritiken auf die Preisverleihung der „Deutschen Bildungsstiftung“ ein. In diesem Jahr soll die Ehrung an die seit langer Zeit in der Beratung von Homosexuellen tätigen Dr. Christl Vonholdt („Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft“) und Markus Hoffmann („Wüstenstrom“) gehen. Mit der Würdigung soll unterstrichen werden, dass sich beide trotz anhaltenden Gegenwindes derer angenommen haben, die sich in ihrer homosexuellen Lebensweise eine Veränderung wünschen.

Verständlicherweise wird der größte Protest von Homosexuellen-Organisationen laut, wenn es um die Verleihung des Förderpreises der der „Kirchen Sammlung um Bibel und Bekenntnis“ vertrauten Bildungsstiftung geht. So spricht der Lesben- und Schwulen-Verband von „fragwürdigen und teuren Therapien“, mit denen „Umpolung“ betrieben werde. Man empört sich darüber, dass das „unverantwortliche Handeln“ von Vonholdt und Hoffmann „belohnt wird“. Mit einem eigenen Netzwerk „Mission Aufklärung“ wolle man gegen die „Umpolungspropagandisten“ vorgehen und über deren „unseriösen Angebote“ informieren.

Erneut zeigt solch ein Streit, wie bei der Auseinandersetzung von Ideologien die eigentlich Hilfesuchenden auf der Strecke bleiben. Im Diskurs werden unterschiedliche Ansichten davon vertreten, wie mit homosexuell lebenden Menschen umgegangen werden soll, die mit ihrer sexuellen Orientierung Schwierigkeiten haben, sie nicht mit ihren innersten Gefühlen und Werten vereinbaren können oder durch äußerliche Anfeindungen den Wunsch äußern, von ihrer Homosexualität Abstand nehmen zu können.

Mit polemischen Schlagworten wie „Umpolung“ spotten Gegner der Arbeit des DIJG oder von „Wüstenstrom“ den Bemühungen, das Ansinnen nach persönlicher Veränderung von in Konflikt geratenen Homosexuellen ernst zu nehmen. Die Therapieangebote der beiden nun zu Ehrenden sind zweifelsohne ein elementarer Einschnitt in die Lebensgeschichte von Betroffenen – der Weg, sich von der Homosexualität zu entfernen, kann immer wieder auch mit Begleiterscheinungen einhergehen, die nicht gewollt sind. Gleichermaßen sind die wissenschaftlichen Darlegungen, mit denen gegen den Versuch angelaufen wird, Homosexuellen mit einer Betreuung, die auf Ursachen, Gründe und Persönlichkeitsstrukturen blickt, zu helfen, wenig aussagekräftig.

Gleichermaßen unterschätzen die, die die als „reparative Therapie“ verschrienen Behandlungswege diffamieren, die Eigenständigkeit des Klienten. Dieser entscheidet selbst und aus seinem Willen heraus, welchen Weg er gehen möchte. Aufklärung über ihre Arbeit geben sowohl das DIJG und „Wüstenstrom“ in transparenter Form. Ziel ist keine „Umpolung“, sondern die Entwicklung einer alternativen sexuellen Orientierung aus dem Verständnis der eigenen Individualität und innerer Emotionsbarrieren heraus. Vonholdt und Hoffmann haben sich eindrücklich mit dem Wesen der Homosexualität befasst – und umfangreiche Erklärungsmuster herausgearbeitet, die auch auf einen psychosozialen, kognitiven und edukativen Anteil des homosexuellen Empfinden hinweisen, die als veränderbar gelten dürften.

Vom Gedanken, wonach Homosexualität in der Sache als Krankheit und damit als behandlungsbedürftig eingestuft wird, sind auch die beiden Einrichtungen weit entfernt. Niemand zwängt Homosexuellen Hilfe auf, die ihre Lebensform mit sich in Einklang bringen können. Doch das Verschweigen von Nöten, die Homosexuelle nicht nur in Form der „Ich-Dystonie“ treffen, ist rücksichtslos. Für sie Anlaufstelle zu sein, nehmen alle in großer Verantwortung wahr, die orientiert am christlichen Glauben seelsorgerisch tätig sind. Das zeigt sich schon allein in der Annahme jedes Homosexuellen, auch im Respekt vor seinen Gefühlen. Dass im biblischen Christsein die praktizierte Homosexualität weiterhin als Sünde gilt, ist auch ein klares Zeichen für die Ablehnung gegenüber der Sexualisierung in unserer Gesellschaft. Selbst viele Homosexuelle finden in der schwul-lesbischen Welt immer häufiger Anstoß am Verfall von Sitten und Normen, der sich nicht nur an CSD-Veranstaltungen klar zeigt.

Wenn Liebe auf die reine Sucht nach Befriedigung reduziert wird, wenn die gegenseitige Empfindung lediglich noch durch Fetische gestärkt werden kann und wenn es um Sexualpraktiken geht, die Gesundheit gefährden und Lust zum Alltag verkommen lassen, bleibt das Suchen nach Umkehr verständlich – nicht nur für Homosexuelle. Damit werden Vonholdt und Hoffmann auch für ihr Eintreten um Rückbesinnung in sexualethischer Sicht geehrt. Wenngleich jeder Berater oder Therapeut in seinem christlichen Verständnis zu einer Arbeitsweise finden muss, die er vertreten kann – und die im Fundament stets das Gebot von Würde gegenüber dem Klienten beinhaltet –, und nicht mit dem konform geht, was die „Deutsche Bildungsstiftung“ auszeichnet, lernen wir alle von den beiden Preisträgern: Ein tieferer Blick in die Seele des Hilfesuchenden ist wertvoller als das Verniedlichen von Sorgen und innerlichen Auseinandersetzungen.

Dennis Riehle, 1. Vorsitzender Christliche Lebensberatung e.V.“, Konstanz (D)

 





Werden wir bald von „Piraten“ regiert?

11 09 2011

Kleinpartei vor Einzug in den ersten Landtag

von Dennis Riehle

 

Eigentlich war es nur eine kleine Meldung am Rande, doch sie ließ den, der derzeit die Erosion im deutschen Parteienspektrum mitverfolgt, aufhorchen. Nach Umfragen des „ZDF-Politbarometers“, aber auch des „ARD-DeutschlandTrends“ haben die bis vor einigen Monaten noch als Kleinstpartei in der Bedeutungslosigkeit verharrenden „Piraten“ eine Sensation geschafft: Während die FDP nach derzeitigen Zahlen aus dem nächsten Landtag herausfliegen würde, hat die „Piratenpartei“ gute Chancen, in das neue Berliner Abgeordnetenhaus einzuziehen.

Die momentanen Werte gehen von einem Stimmenanteil zwischen 5,5 und 6,5 Prozent aus. Dabei haben die „Piraten“ gerade in den letzten Wochen nochmals deutlich in der Wählergunst zugelegt. Politologen zeigen sich übereinstimmend wenig verwundert über diesen möglichen Erfolg. Gerade die Wählergruppe der jungen Menschen, die sich bisher bei keiner Partei eindeutig vertreten gefühlt hat, bekommt bei der „Piratenpartei“ das Programm geliefert, was der modernen Zeit entspricht: Die „Piraten“ konzentrieren sich in ihrer Ausrichtung maßgeblich auf das, womit junge Erwachsene heute in ihrem Alltag konfrontiert sind. Liberalisierungen in der Informationstechnik, Vereinfachung bei Urheberrechten, barrierefreie Nutzung von Musik, Videos etc. aus dem WWW.

Dagegen fallen andere Programmschwerpunkte eher mager aus – eine klare Richtung in der politischen Denkweise ist bei den „Piraten“ schwer erkennbar. Mehr Freiheit auf der einen Seite, Transparenz, die wiederum Bürgerrechte einschränken kann, auf der anderen. Zwischen Populismus und dem, was sich Mediennutzer wünschen, schwankt die Partei aber auch zwischen Provozieren und Reflexion. Die „Piraten“ können auch deshalb als so erfolgreich angesehen werden, weil sie diejenigen Wachrütteln, die noch immer an der virtuellen Parallelwelt zweifeln. Eine Partei, die sich von den Problemen im Netz angesprochen fühlt, muss wiederum aber mit Schwierigkeiten bei der Realpolitik kämpfen.

Ähnliche Entwicklungen sah man allerdings auch bei den „Grünen“. Zu Zeiten ihrer Gründung wurden sie belächelt, nicht für ernst genommen und mit ihren Forderungen als wenig aktuell abgespeist. Heute sind sie diejenigen, die davon profitieren, dass ihre Prophezeiungen eingetreten sind – und die Themen Umweltschutz usw. maßgebliche Leitthemen sind, von denen sich die Wähler gerade dann beeindrucken lassen, wenn auf anderen Feldern nichts voranzugehen scheint.

Die „Piraten“ besetzen mit ihren Themen Lücken, die in der sonstigen politischen Diskussion zu kurz kommen. Sie identifizieren sich mit den Schwierigkeiten, die einen Bürger von heute im Zeitalter von Kommunikation und Vernetzung bewegen. Sie bieten mit anderen Programmpunkten aber auch verständlich-klare Formulierungen, die verstanden werden und die derzeitigen politischen Akteure auf eine gekonnte Weise „auf die Schippe“ nehmen – indem man ihnen durch eine andere Art von Forderungen, wie sie bisher keiner kannte und zu sagen wagte, das eigene Versagen charmant präsentiert.

Was können andere Kleinparteien aus dem Erfolg der „Piraten“ lernen? Die Beharrlichkeit und Standfestigkeit für eine unverwechselbare Markenpolitik hat sich in der Vergangenheit stets als Gewinneraspekt erwiesen. Glaubwürdigkeit dadurch zu erzielen, die eigenen Ansichten und Überzeugungen zu vertreten, auch dann, wenn sich sonstige Parteien nicht darum kümmern wollen. Erfolge können heute die Parteien haben, die sich mit ihrem Programm ins „Niemandsland“ begegnen und das fordern, was anderen egal ist. Provokation und Aufmerksamkeit sind dadurch gewiss.

Für christliche Parteien heißt das aber auch: Nicht nur mit „Mainstream“ kann man punkten. Wenngleich „Piraten“ in Außenwirkung und dem Gewinnen von neuen Mitgliedern auf Kommunikationswege und Modernität und dem Zeitgeist angepasstes „Outfit“ setzen, verspricht das noch keine politischen Siege. Attraktiv sind die, die zu ihren Positionen stehen und sich nicht von dem beeindrucken lassen, was von ihnen gefordert wird. Gerade als Christen haben wir hier die Chance, unsere Werte und Grundlagen zu verteidigen. Themen, die ansonsten von der politischen Welt vernachlässigt werden, kennen wir zu genüge: Lebensrecht, Familien, Sexualität etc. Wenn wir damit werben – und uns dazu vielleicht auch das zunutze machen, was nicht nur für die „Piraten“ hilfreich ist (Blogs, Foren und Netzwerke) und entsprechend auf alle Bevölkerungsschichten zugehen, kann auch für die christlichen Kleinparteien eine 5%-Hürde zu schaffen sein.

 

 





Annäherungskurs der Kleinparteien

28 08 2011

Christliche Einigkeit um jeden Preis?

von Dennis Riehle

Sie war mit der Überschrift „Aufbruch“ versehen: Die Bemühung, zum Jahr 2009 unter den christlichen Kleinparteien in Deutschland eine Kooperation zustande zu bringen, scheiterte und zersplitterte das ohnehin bereits aufgeteilte Spektrum christlich motivierter Kräfte in der außerparlamentarischen Politik der Bundesrepublik noch weiter.

Aus der „Partei Bibeltreuer Christen“ (PBC) sagten sich einige Anhänger ab, um in der Neugründung der AUF-Partei („Arbeit, Umwelt, Familie – Christen für Deutschland“) einen neuen Weg zu suchen, mit Engagement und Konzepten christliche Werte mit Fundament in die politischen Debatten des Landes zurückzubringen.

Gegenseitige Anfeindungen und Verletzungen, persönlicher und sachlicher Art, waren die Folge. Zu wenig auf praktische Politik konzentriert, eher einer Missionsbewegung entsprechend – das waren die Vorwürfe an die einen; die biblischen Grundlagen durchweichend die an die anderen.

Die PBC erlitt bei den letzten Landtagswahlen herbe Verluste und verschwand nahezu in der Bedeutungslosigkeit; AUF plagte sich immer wieder mit personellen Wechseln und konnte nur auf kommunaler Ebene vereinzelte Erfolge erzielen. Ein Stück weit machte sich Resignation breit – war doch aus dem Gedanken nach „Aufbruch“ der christlich-politischen Kräfte hin zu einer Bündelung ein Konkurrenzkampf um die ohnehin wenigen Stimmen geworden.

Nicht wenig überraschend daher das Zugehen von Führungspersonen beider Parteien aufeinander in der vergangenen Zeit. Bei einem aktuellen Treffen wurden viel Gemeinsamkeiten und Übereinstimmungen betont, wohl auch, weil das Personal zumindest auf der einen Seite nicht mehr dem entspricht, mit welchem man in die Trennung geraten war. Die biblischen Aussagen als Basis für das politische Handeln sehen swohl PBC als auch AUF als wesentliche Verbindung beider Parteien und als Verankerungsmöglichkeit für ein neues Miteinander.

Von einer neuerlichen Vereinigung will im Augenblick noch niemand sprechen, doch die Signale klingen positiv. Als Beobachter gewinnt man bei der nahezu übereilt erscheinenden und eher aus Not gedrungenen Begegnung allerdings den Eindruck, dass Einigkeit zwischen den christlichen Kleinparteien nahezu gelingen muss, koste es, was es wolle. Denn schließlich geht es doch für beide Kräfte mehr oder weniger ums Überleben.

Zwar wird man zweifelsohne bescheinigen können, dass sowohl PBC als auch AUF von ihrem Bekenntnis zu Jesus Christus und der Schrift in ihrem politischen Handeln angetrieben werden. Doch um Partei zu sein, reicht das allein noch nicht aus. Spätestens in der Programmatik – und damit in der Frage, was aus Bibel und christlichem Verständnis für politisches Tun abgeleitet wird – ergeben sich doch immense Unterschiede in den Schwerpunkten. Die Spaltung der Parteien erfolgte sicher nicht nur aus persönlichen Gründen, sondern offenbar auch aus dem Ansinnen, christliche Politik in unterschiedlichen Strömungen zu verkörpern.

AUF verfolgt einen unübersehbar wirtschaftsliberalen Kurs, die PBC sieht sich dagegen stärker sozialpolitischen Fragen in ihrem Programm verankert. Gleichermaßen scheint die Realpolitik für AUF ein wesentliches Element der täglichen Arbeit zu sein, bei der PBC fällt immer wieder der punktuell gesteuerte Lobbyismus gerade in gesellschaftspolitischen Anliegen ins Gewicht. Während die PBC ihre Politik hauptsächlich mit Schriftversen auf Plakaten an die Wähler bringen will, tritt AUF in modernem Gewand, mit neuen Medien und klaren politischen Forderungen auf.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Unterschiede, die nur schwer vorstellbar machen, wie die beiden Kleinparteien wieder zusammenfinden sollen. Zu fragen wäre auch, ob sie dies denn überhaupt müssen. Ist nicht auch unter christlichen Kräften in der Politik eine Vielfalt des Angebots für den Bürger von Vorteil? Braucht es Einheit um jeden Preis? PBC und AUF aus dem Zwang der Geschlossenheit nach außen bündeln zu wollen bedeutet auch, verschiedene Konzepte und Vorstellungen praktischer Politik aneinanderzupressen. Manchmal bedeutet der christliche Wertekonsens auch, sich politisch die Freiheit für unterschiedliche Ausformungen des Glaubensverständnisses zu lassen. Pluralität belebt auch hier den demokratischen Diskurs.





Church on Sunday

16 06 2011

Es gibt auch noch Jugendliche, die sich auf den Gottesdienstbesuch am Sonntag freuen und ein recht witziges Musikvideo produziert haben.





Kirchentagspräsidentin nutzt große Bühne

12 06 2011

Politische Einzelmeinungen im Schlusswort des Protestantentreffens

Feierlich und wie immer in pompöser Stimmungen endete der 33. Deutsche Evangelische Kirchentag in der Elbmetropole Dresden.

Der Abschlussgottesdienst stellte auch bei diesem Treffen von etwa 120 000 Christinnen und Christen einen der vielen Höhepunkte dar.

Gleichzeitig endete der Kirchentag aber auch mit einem Eklat: Die „Grünen“-Politikerin Göring-Eckardt, der bereits in der Vergangenheit aufgrund ihres Amtes als Präsidentin der EKD-Synode vorgeworfen wurde, ihre parteipolitischen Ansichten mit ihren Aufgaben in der Synode zu vermischen, missbrauchte ihre Funktion als Präsidentin des Kirchentags auch in ihrem Schlusswort am Ende der Veranstaltung.

Es ist gut, dass es nun, jetzt, in diesem Moment zu einer Energiewende in Deutschland komme, sagte Göring Eckardt. Gleichzeitig stimmte sich auch nochmals in die von der ehemaligen Ratsvorsitzenden der EKD, Käßmann, anklingenden Worte nach Frieden ein – wohl den Frieden, den Käßmann durch „das gemeinsame Gebet mit den Taliban“ beschrieb. Die Wahrung der Schöpfung geht uns alle an – doch Göring-Eckardt verkaufte stilistisch gut verpackt und nicht für jeden erkennbar eindeutig „grüne“ Haltungen in ihrer Zusammenfassung des Dresdner Kirchentages.

Auf dem Treffen der Protestanten und vieler anderer Christen war mehrfach die Frage aufgekommen und diskutiert worden, in wie weit sich Christen politisch einbringen dürften. Göring-Eckardt beantwortete diese Frage wortreich: Die Bürger müssten Teil der Entscheidungen werden, ob es um Bahnhöfe oder Flughäfen, Atomendlager oder Friedenseinsätze ginge. Hätte man während den Schlussworten der Präsidentin nicht ab und zu die Posaunen der Chöre gehört, hätte man die Ansprache als eine an das Elbufer verlagerte Bundestagsrede einschätzen können.

Nein, für solche Zwecke ist ein Kirchentag nicht gedacht. Es kann und darf nicht sein, dass eine Politikerin, die es offenbar nicht schafft, ihre Einzelmeinung als Parteimitglied und Funktionärin bei den „Grünen“ von ihrem Amt als Präsidentin des Kirchentages zu trennen, auf einem Treffen von Zehntausenden Christen als Wahlkampfveranstaltung missbraucht.

Wer von Christen fordert, sich auch in die Politik einzubringen, der muss dies mit einer Ermutigung tun, Meinungsvielfalt zu leben. In einem Abschlussgottesdienst des Kirchentages will ich geistlichen Impuls und keine Huldigung auf die Verdienste der Anti-Atomkraft-Bewegung.

Das Ereignis um Göring-Eckardt ist daher auch symptomatisch für einen Zustand insbesondere in der evangelischen Kirche. Die Protestanten war immer schon streitlustig und haben den Konflikt nicht gescheut. Eigentlich ging die Reformation aber von dem Grundanliegen aus, sich kritisch mit kirchlichen Schiefständen auseinander zu setzen – und nicht der Politik das Denken abzunehmen. Wenn Protestanten heute einer politischen Debatte den Vorzug lassen, statt sich der Seelsorge, der Verkündigung des Evangeliums, dem Gebet und dem wahren Bekenntnis zuzuwenden, ist weder die Zersplitterung in weitere Strömungen, noch die Abwendung von der Kirche verwunderlich.

Dennis Riehle

 








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