Sind parlamentarische und direkte Demokratie nicht vereinbar?

27 05 2012

Kritik an österreichischem Bundespräsidenten

Direkte Demokratie ist gerade nicht nur in Deutschland Mode: Auch bei den österreichischen Nachbarn macht man sich Gedanken, wie man die Bürger stärker am politischen Prozess beteiligen kann. Und auch in der Alpenrepublik scheint man sich des richtigen Mittels sicher zu sein: Mehr Partizipation könne durch Volksabstimmungen erreicht werden. Und genau aus diesem Grund haben sich die Parteien übergreifend auch für eine rasche Umsetzung von Gesetzesvorlagen eingesetzt, die den Weg dorthin erleichtern sollen.

Es klingt alles so idealistisch, wäre da nicht der österreichische Bundespräsident: Er hat aktuell in einem Interview verlauten lassen, dass er vor übereilten Schritten in Sachen direkter Demokratie warne. Fischer begründet seine Haltung mit dem Argument, dass das Parlament in wichtigen Entscheidungen nicht übergangen werden dürfe – und nicht gleichzeitig auch den Wähler in Schutz: Den Bürgern dürfe nicht zugemutet werden, Aufgaben und Entscheidungen, die die Abgeordneten zu treffen hätten, zu übernehmen. Diese Abwälzung der Arbeit sehe er kritisch.

Von allen Seiten erntete der Bundespräsident dafür Kritik – abgehoben und mit kaiserlichen Allüren spreche er. Und dabei wirken Fischers Worte eher wie ernst gemeinte Sorgen um die Wähler, die er nicht überfordern möchte. Ein überzeugtes Bild von einem mündigen Bürger vermitteltes dies allerdings wirklich nicht. Von einem Staatsoberhaupt dürfte man mehr Vertrauen in sein eigenes Volk erwarten.

Aber passen parlamentarische und direkte Demokratie denn vielleicht wirklich nicht zusammen? Oder hat Fischer lediglich nicht verstanden, dass der Souverän auch in Österreich das Volk ist? Fakt ist: Wer parlamentarische Demokratie als Alleinherrschaft von Bundestag (Nationalrat) oder Landtagen sieht, sollte nochmals einige Stunden Politikunterricht nachholen. Das repräsentative Element einer Demokratie, in der die Wähler einen Auftrag an ihre Abgeordneten geben, braucht zwingend das Gegengewicht und die Unterstützung der Partizipation. Und diese auf den Wahlgang alle paar Jahre zu beschränken bedeutet, sich über eine ganze Wahlperiode nicht auf den Prüfstand stellen zu lassen.

Daher mag der Vorwurf der Arroganz an den österreichischen Bundespräsident zwar nicht falsch sein – doch Fischer ist nicht der einzige europäische Politiker, der sich offenkundig sicher scheint, dass der Wähler per Stimmabgabe einen Freifahrtsschein für vier oder fünf Jahre erteilt. Gerade in sachpolitischen Entscheidungen von großer Dimension und Bedeutung fühlen sich viele Abgeordnete mit der Materie allein gelassen – und können daher froh sein, sich klare Wegweisung von den Stimmberechtigten abzuholen. Direkte Demokratie heißt eben nicht nur, dass der Bürger das Recht bekommt, seinen gewählten Volksvertretern zu konkreten Fragen ein Meinungsbild zu vermitteln. Elementares, das ein Land in seiner Gesamtheit zu tragen hat, muss auch von einer breiten Bevölkerungsmehrheit unterstützt werden. Da, was bei Bundes, Landtags- oder Kommunalwahlen am Wahltag parteigebunden zur Abstimmung steht, ist ein Bündel an Positionen, das keine Erkenntnis über einzelne Haltungen bei ableiten lässt. Daher ist es auch für die Parlamentarier eine Entlastung, wenn er sich aktuell, losgelöst von Parteigrenzen die Stimmung des Wahlvolkes zu expliziten Sachentscheidungen abholen – und sich mit seinem Votum letztlich daran messen lassen kann.

Ein Bahnhof hat gezeigt, welch enorme soziale Spaltungskraft ein Sachthema haben kann: „Stuttgart 21“ ist lebendiges Beispiel dafür, dass die Entscheidung des Volkes gut war. Nicht nur, dass sich manche Diskussion vom Emotionalen zurück ins Argumentative bewegt hat. Auch können die Parlamentarier in ihren weiteren Entscheidungen nun mit eindeutigem Rückenwind der Bevölkerung – und damit erleichtert und sicher – debattieren.

Somit tut nicht nur der österreiche Bundespräsident im Sinne der Abgeordneten und des Volkes gleichermaßen gut daran, parlamentarische und direkte Demokratie nicht gegeneinander auszuspielen, sondern sie als notwendiges Miteinander in der Weiterentwicklung eines Partizipationsverständnisses der Zukunft zu betrachten.

Dennis Riehle

 





Das “Betreuungsgeld“ ist an allem schuld

27 05 2012

Ungelernte sollen’s richten – und den Fachkräften wird’s mangeln…

In Sachen Betreuungsgeld werden die Argumentationsformen immer grotesker: Während die Landesgruppenvorsitzende der CSU im Bundestag, Hasselfeldt, nochmals den Anspruch unterstrichen hat, „Hartz IV“-Empfängern die Leistung nicht ausbezahlen zu wollen, müssen sich Eltern, die ihre Kleinsten künftig in die „Kita“ geben wollen, wohl bald ernsthafte Gedanken um die qualitative Versorgung ihrer Kinder machen:

Um der Arbeitslosigkeit entgegenzuwirken und somit die kommunalen Ausgaben für soziale Hilfen zu verringern, fordern Städte und Gemeinden in der derzeitigen Debatte nun, Ungelernte in Kindertagesstätten einzusetzen. Offiziell wird der Mangel an Erziehern als Grund genannt – schlussendlich läuft alles aber auf ein ähnliches Ergebnis hinaus: Parteien und Verbände gaukeln Erziehungsberechtigten in Deutschland nicht nur durch einen Gesetzesanspruch auf einen Betreuungsplatz für ihre Kinder vor, dass das Aufwachsen unter fremder Obhut die sozialen Interaktionen von ihren Jungen und Mädchen fördere und entwicklungspsychologisch keinerlei Nachteile gegenüber einem geregelten und von einer festen, leiblichen Bezugsperson selbst wahrgenommenen Betreuen bietet. Nein, nun wird Eltern, die möglicherweise immer noch fester an Aufstieg im Beruf als an Karriere in Familie glauben, auch noch der Anschein untergejubelt, die Kindern seien in „Kitas“ bestens aufgehoben – wenn die Personaldecke möglicherweise mit „1 Euro-Jobs“ aufgefüllt wird.

Niemand will Arbeitslosen ohne Ausbildung und Qualifikation mangelnde Feinfühligkeit oder unzureichend erlernbare Kompetenz unterstellen – doch es ist gerade die Kinderbetreuung in den ersten Lebensjahren, die nicht nur Erfahrung, sondern auch Fachwissen braucht. Von Bindungsgefühlen wie beim echten Vater und tatsächlicher Mutter ganz abgesehen – soziales Fingerspitzengefühl, Verantwortungsbewusstsein und Leidenschaft können nicht erzwungen werden. Und gerade eine zwanghafte Verpflichtung zur Arbeit in „Kitas“ wäre der größte Schaden, der letztlich zu Lasten vom Wohl der Kinder geht. Erzieher braucht das Land zweifelsohne – denn auch ein Betreuungsgeld wird nicht alle überzeugen. Statt zu klagen, muss es den kommunalen Schrei nach Berlin geben – immerhin kommen zu wenige Erzieher nicht von irgendwoher. Die Bedingungen für deren Arbeit machen im Ansatz deutlich, wie stiefmütterlich und -väterlich unser Land in der Vergangenheit denen gegenüberstand, die die Kinder ohne jegliche finanzielle Anerkennung zuhause großgezogen haben.

Dabei geht es längst auch um die Frage der Gefühle, die Mütter oder Väter nach Jahren im Beruf plagen: In Fernsehsendungen berichten die, die den Job hingeschmissen haben, weil das Schuldbewusstsein gegenüber einem in der Krippe „abgegebenen“ Kind unerträglich wurde. Das Betreuungsgeld ist keine Leistung, mit der sich „Hart IV“-Empfänger ein schönes Leben machen wollen. Wenn die CSU-Abgeordnete in die Westerwell’sche „spätrömische Dekadenz“ einstimmen will, hat sie vom eigentlichen Sinn des Betreuungsgeldes überhaupt nichts verstanden. Denn jeder, der sein Kind betreut – ob arbeitslos oder im Beruf – muss Anspruch darauf haben, dass erbrachte Leistung für das Gemeinwohl honoriert wird. Die Befürchtung, mit der Auszahlung von Betreuungsgeld an Arbeitslose die Motivation zu neuer Beschäftigungsaufnahme zu schmälern, bleibt solange Unsinn, wie das Vertrauen der Politik in Eltern schmalspurig ist.

In den Kanon der Meinungen stimmt immer häufiger nun auch die Arbeitnehmerseite ein, die sich ausnahmsweise dem Gegenüber der Arbeitgeber anschließt und erhebliche Benachteiligungen insbesondere für erziehende Frauen sieht. Das Betreuungsgeld alleine ist ein Baustein von vielen Elementen, die zu mehr Gerechtigkeit und Aufwertung des Familienbildes in Deutschland beitragen. Ein weiterer Komplex ist unter anderem die politische Aufgabe, Müttern nach der Erziehung den Einstieg zurück ins Erwerbsleben wieder zu erleichtern. Statt sich stur gegen die Anerkennung von Erziehungsleistung zu stellen, sind es Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die die hohe Fachkompetenz, die Erziehende in der Zeit zuhause erworben haben, als Maß der Dinge für Vorteile bei der Bewerbung sehen sollten, wenn es um die Wiedereingliederung von Vater oder Mutter geht.

Die Arbeitgeber befürchten durch das Betreuungsgeld einen Fachkräftemangel, weil gerade weibliche Qualifizierte damit an die Erziehung gebunden würden. Dass der Mangel an Fachpersonal wesentlich an exogenen Faktoren wie nicht mehr erschwinglichen Lebenshaltungskosten in unseren Städten festzumachen ist, bleibt bei aller Polemik natürlich unberücksichtigt.

Ob Väter oder Mütter – wer dem eigenen Kind öfter begegnet als um 19.55 Uhr, kurz nach dem Abendessen oder dem Feierabendbier und vor dem Beginn der „Tagesschau“, wird letztlich vor allem mit reinerem Gewissen und größerer Erfüllung leben können. Es darf nicht allein das Betreuungsgeld – oder besser ein vollkommenes Erziehungsgehalt mit entsprechendem Rentenanspruch – sein, dass zum Entschluss führt, Kinder von einem Familienmitglied aufziehen zu lassen. Doch das Nachdenken und Reflektieren wird heute eher angeregt, wenn Bares im Hintergrund steht – leider. Abhängig davon: Nur ein Staat, der Familienleistungen auch finanziell würdigt, darf sich als solidarisch, sozial, nachhaltig, verantwortungsvoll und dem demografischen Wandel gegenüber gewappnet sehen.

Dennis Riehle





Die traditionelle Familie als grundsätzliche Lebensform

27 05 2012

Wir leben heute in einer Zeit, in welcher der Stellenwert der traditionellen Familie in unserer liberalisierten Gesellschaft schwindet. Und obwohl die Familienthematik einen wesentlichen Bestandteil in allen Grundsatzprogrammen der etablierten politischen Parteien bildet, findet sich in den meisten keine klare Definition für den Begriff der Familie. Stattdessen kommen veränderte oder alternative Lebensformen auf den Plan und subsumieren sich allesamt unter dem Titel „Familie“.

Ich beginne zunächst mit dem Versuch eine auf das Wort Gottes basierende Definition zu finden, um den Begriff der Familie, wie er hier verwendet wird, klar von modernen liberalen Strömungen abzugrenzen.

Definition Familie:

Unter der Familie im biblischen Sinn verstehe ich die Summe aller Kinder, die aus dem Samen eines Mannes entstehen. Dieser Mann wird Vater seiner Familie genannt. Die Söhne dieses Mannes tragen den Samen des Vaters weiter und in der Folge sind auch deren gezeugte Kinder Mitglieder derselben Familie.

Das Besondere der Söhne ist, dass sie in der Erbfolge wiederum ein neuer Vater aller ihrer in weiterer Folge gezeugten Kinder sind. Der ursprüngliche Vater dieser neuen Väter wird nun traditionell Großvater genannt.

Diese Definition kommt, so scheint es zunächst, ohne den Begriff der Frau aus und wird wahrscheinlich einen Aufschrei in der modernen Welt nach sich ziehen. Auch die Ehe wird hier noch nicht erwähnt, was säkulare Menschen weniger stören wird.

Das Besondere der Frauen ist, dass ohne sie kein einziges Kind gezeugt werden kann, denn sie muss dieses erst austragen und durch Geburt zur Welt bringen. Jede Frau, die ein Kind zur Welt bringt, ist die Mutter dieses Kindes und ihre Aufgabe als Mutter ist neben der des Vaters in der Familie unentbehrlich. Ich erachte die beiden Rollen als völlig gleichwertig, was aber von gleichberechtigt zu unterscheiden ist.

Die besonders für den Zweck der Familie geschaffene Lebensform zwischen Mann und Frau ist die Ehe. Eine formale biblische Definition der Ehe gibt es hier auch nicht, aber sie ist klar eine auf dauerhafte Lebensgemeinschaft aufgebaute Beziehung zwischen Mann und Frau und gilt grundsätzlich als unauflöslich.

Lebensformen:

Wenn ich hier von Lebensformen spreche, dann verstehe ich darunter klarerweise nur solche, die einen legalen Charakter haben. Unter legal verstehe ich zum Beispiel, dass  Kinder abweichend von ihren Eltern vorübergehend woanders untergebracht werden, sei es aus erzieherischen Gründen oder um eine spezielle Berufsausbildung zu absolvieren. Die dauerhafte Unterbringung woanders, wie Adoption oder Pflege sehe ich als problematisch an. Eltern dürfen sich meiner Meinung nach grundsätzlich nicht der Verantwortung ihrer Kinder entziehen.

Legal kann auch sein, wenn Erwachsene verschiedener Familien aus beruflichen oder gesellschaftlichen Interessen eine abweichend von ihren familiären Zugehörigkeiten vorübergehende Wohngemeinschaft bilden. Dauerhafte Wohngemeinschaften sehe ich wiederum problematisch, da hier dem Stellenwert der Familie nicht genügend Rechnung getragen wird.

Keinesfalls meine ich damit Lebensformen, mit denen sexuell abartige Praktiken verbunden sind. Solche Lebensformen sind weder legitim geschweige denn haben sie mit dem Wesen von Ehe und Familie etwas gemeinsam.

Wir müssen zwischen gelebten legitimen Lebensformen und der Familienzugehörigkeit unterscheiden. Lebensformen können oder müssen angepasst werden, zu welcher Familie man gehört oder welche Verantwortung gegenüber seiner Familie jeder einzelne hat liegt jedoch nicht im Bereich der freien Entscheidung.

Weiteres ist nicht legitim, dass man den Begriff der Familie auf praktizierte Lebensformen abändert wie zum Beispiel das „Patchwork“ System. Es dient nur persönlichen Interessen und macht Übersicht über Familienzugehörigkeit und damit verbundene Verantwortung über mehrere Generationen hinweg schlicht unmöglich.

Die Familie Gottes:

Dieb Bibel definiert die Familie Gottes eindrucksvoll im ersten Kapitel des Johannesevangeliums. Dort heißt es sinngemäß (vgl. Joh. 1.12-13):

Alle Menschen, die Jesus Christus als Sohn Gottes aufnehmen, erhalten das Anrecht, Kinder Gottes zu werden, alle die an den Namen Gottes glauben. Sie sind nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, noch aus dem Willen des Mannes, sondern aus Gott geboren.

Wir sehen hier also, dass die irdische Abstammung wie zuvor beschrieben keine Rolle spielt. Nun könnte man fälschlicherweise annehmen, dass es für den Gläubigen Menschen irrelevant sei, aus welchen Verhältnissen er stammt oder in denen er sich gerade befindet.

Doch Vorsicht! Es ist zwar richtig, hinsichtlich der Zugehörigkeit zur Familie Gottes ist nur der Glaube maßgeblich, aber hinsichtlich der Erfüllung des Willens Gottes ist die praktizierte Lebensform hier auf Erden keineswegs irrelevant.

Zusammenfassung:

Ich erachte die traditionelle Familie als grundsätzliche Lebensform, von der nur dann abgewichen werden soll, wenn besondere Lebensumstände vorliegen.





Proteste gegen Sarrazin: Willkommen DDR!

21 05 2012

Sie beschreiben sich selbst häufig als die Verteidiger unseres demokratischen Rechtssystems – und haben offenbar noch nie etwas von Meinungsfreiheit gehört. Zu Dutzenden protestierten in Berlin am 20. Mai 2012 Anhänger der Jugendorganisationen von SPD, „Grünen“ und anderen Gruppierungen vor dem Aufzeichnungsort der Talk-Sendung „Günther Jauch“. Er hatte in seiner Sonntagabendrunde ausnahmsweise nur zwei Gäste eingeladen: Den früheren Finanzminister Steinbrück (SPD) und den ehemaligen Berliner Finanzsenator und Bundesbanker Sarrazin (SPD).

Letzterer stand kurz vor der Veröffentlichung seines neuen Buches, in welchem er zum Schluss kommt, dass Europa den Euro nicht braucht. Sarrazin hatte in der Vergangenheit Wirbel mit einem weiteren Werk ausgelöst, in welchem er kritische Thesen zur Integration in Deutschland aufgestellt hatte. Unter anderem deshalb musste er seine Posten räumen und wurde zu einem Ausgegrenzten in seiner eigenen Partei. Unter anderem warf man ihm vor, auf der Ebene von Rassentrennung zu argumentieren und mit reinen Vorurteilen Populismus zu betreiben.

Bereits in der Woche vor der Sendung gab es Aufschreie: Politiker der linken und Mitte-links-Parteien nannten es skandalös, dass Jauch Sarrazin eine Bühne gebe. Auch Steinbrück wurde attackiert, unter anderem von seinem Nachfolger Schäuble, der im Auftritt des potenziellen SPD-Kanzlerkandidaten reine Wahltaktik sah. Es hagelte Empörung von allen Seiten – und wieder einmal belegten vor allem die Demonstranten: Das, was sie Sarrazin vorwerfen, betreiben sie selbst am laufenden Band.

Auf ihren Transparenten vor dem Fernsehstudio war kaum Stichhaltiges zu lesen, viel eher „Halt’s Maul“, „Rassist“ und „Antisemit“. Die angeblichen Hüter unseres demokratischen Grundverständnisses sind es, die wie von einer Wespe gestochen aufheulen, wenn sie selbst nicht zu Wort kommen. Und sie wollen in einem Land, in dem die freie Meinungsäußerung eines der höchsten rechtsstaatlichen Güter ist, Andersdenkenden den Mund verbieten? Das wahre Gesicht zeigt sich, wenn es „Demokraten“ nicht aushalten, auf andere Positionen zu treffen. Meinungsfreiheit heißt auch, sich Dinge anhören zu müssen, die für die eigene Wertevorstellung schwer erträglich sind und möglicherweise kein Fundament haben. Schwer erträglich ist auch die platte Polemik der Grundrechteverteidiger: Wer nur noch das an Meinung zulässt, was ihm wohlgefällig ist, der diktiert und schafft totalitäre Strukturen.

Nicht die Empfindungen von linken Ideologen wurden verletzt, sondern das Grundgesetz, wenn das Austauschen von Argumenten unterbunden werden soll und die Hetze auf jemanden Züge einer Unterdrückung annimmt, der Finger in offene Wunden legt. Steinbrück hat sich – das musste nicht erst Schäuble feststellen – mit seiner Bereitschaft, Sarrazin die sachliche Kante zu zeigen, zum eindeutigen Spitzenkandidaten der SPD für die nächste Bundestagswahl gemacht. Denn er schafft es, mit allen zu reden – zu überzeugen und niemanden vorzeitig in Schubladen zu stecken. Ein wirklicher Demokrat, der „kann Kanzler“!

Als Resümee eines Abends, der schlussendlich zwar von hartem, aber stets fairem Meinungsaustausch in Jauchs Runde geprägt war, kann nur eine Einsicht bleiben: Wer Andere haltlos verunglimpft und schweigsam machen will, der darf sich eigentlich nicht mehr das Prädikat „demokratisch“ zuschreiben. Der Weg von äußerst linken Kräften, die wohl gerade in den Jugendorganisationen beheimatet sind, wurde auf bildhafte Weise sichtbar: Entweder nach unserer Nase tanzen – oder Klappe halten. Willkommen DDR!

Dennis Riehle





Life Ball – Ball für das Leben oder den Tod ?

19 05 2012

Diese herausfordernde Frage nach der Wahl zwischen Leben und Tod stellte schon einst Mose an das Volk Israel, und er forderte es dazu auf das Leben zu wählen. So könnte man meinen, dass der Life Ball als sog. “charity event” ebenso einem solchen Motto unterworfen sei. Doch das ist weit gefehlt.

In der ernst zu nehmenden wissenschaftlichen Literatur gilt es als sehr erwiesen, dass eine der Hauptursachen für die Verbreitung von Aids der freizügige sexuelle Umgang verbunden mit häufigem Partnerwechsel ist.

Auch die Homosexualtiät spielt dabei eine nicht zu vernachlässigende Rolle. War sie früher die mit 50 % der an Aids Erkrankten überragende Alleinursache,  so ist ist dieser Prozentsatz mittlerweile gesunken. Grund dafür ist die sich in solchen Kreisen gesellschaftlich um sich greifendende zunehmende Promiskuität.

Die sich daraus resultierende veränderte Statistik erweckt den Anschein, Aids sei ein allgemeines gesellschaftliches Problem und der freizügige Lebensstil spiele dabei keine Rolle mehr. Also wirbt man emsig um Spenden, indem man diesen abartigen Lebensstil offenkundig zur Schau stellt.

Doch lassen sie sich durch diesen trügerischen Anschein nicht täuschen. Wer sexuelle Freizügigkeit wählt, wählt weiterhin das höhere Risiko auf Aids, oder drastischer ausgedrückt, er wählt den Tod.

Wer noch etwas klar bei Verstand ist, sollte daher erkennen, dass die Unterstützung des Life Balls, sei es durch Geld, Anwesenheit oder gar Teilnahme, dazu beiträgt, dass sich Aids weiterhin ausbreitet.

Lassen sie sich durch Mose nochmals vor die Wahl stellen: Wählt heute, das Leben damit ihr lebt, oder den Tod, damit ihr sterbt

Und mein dringender Rat an diejenigen, die sich fürs Leben entscheiden: Lassen Sie sich nicht durch Lug und Trug derart irreführen, indem sie sexuell Abartigen Glauben schenken, die das zum Leben erklären wollen, was Gott zum Tode erklärt hat.





Inszenierung statt Profilierung

8 05 2012

“Piraten” verpassen Chance

Eine in Bier schwelgende Vorstandschaft mit Spitzenkandidaten, ein „Enternder“, der im seriösen Abend-Talk das „Twittern“ nicht sein lassen kann, ein vor Anker gehendes Schiff an den Förden und ein Wahlprogramm, das weitestgehend von den Kollegen in Baden-Württemberg übernommen wurde:

Die „Piratenpartei“ hat vor und nach ihrem Einzug in den dritten deutschen Landtag mit viel Wellen auf sich aufmerksam gemacht und in beeindruckender Weise belegt, wie ernst sie es mit ihrer dünnen Zielsetzung meint. Voneinander abschreiben, den Zeitgeist leben und der Online-Welt keine persönliche Sekunde vorenthalten – man muss es ihnen lassen, Inszenierung können sie.

Und doch haben die „Piraten“ erneut bewiesen, dass es derzeit wohl nicht zu mehr als zu einer Protestpartei, die mehr Spaß und Lockerheit sucht, als sich tatsächlich politisch zu betätigen. Regierungsverantwortung können und wollen sie noch nicht übernehmen – vielleicht ist das auch gut so. Zunächst einmal sollte die Partei ihre Grenzen festlegen und bei aller Liebe zur Beteiligung der Mitglieder bestimmen, wer etwas zu sagen hat.

Ich habe mich lange mit deren Programm beschäftigt, vor allem auch, weil es unheimlich schwer zu lesen und zu verstehen ist.

Besonders schmunzeln musste ich bedauerlicherweise an einem Satz:

„Auch gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften müssen zusammen Kinder bekommen, adoptieren und aufziehen dürfen.“

Abgesehen davon, dass wohl nicht die Lebensgemeinschaft Kinder bekommt, sondern wohl eher die daran beteiligten (zwei oder mehr) Personen – ich stelle es mir „amüsant“ vor, wie eine männliche homosexuelle Lebensgemeinschaft „Kinder bekommt“. Aber wer weiß, auf was die „Piraten“ spekulieren, was künftig alles biologisch, technisch machbar sein könnte. Ein grauenvoller Gedanke…

Insgesamt lesen sich im Kapitel „Weltweite Anerkennung und Schutz selbstbestimmter geschlechtlicher oder sexueller Identität und Orientierung“ (die „Piraten“ in Deutschland haben hohe Ziele, wenn sie nun schon internationale Forderungen stellen – wie das wohl in Ländern ankommen mag, in denen Homosexualität verächtlicherweise derzeit noch unter Strafe steht…) viele Passagen märchenhaft. Wer bisher dachte, „Grüne“ würden den Gipfel des „Gender Mainstream“ erklommen haben, wird belehrt, dass die „Piraten“ sich nicht mit der Zugspitze zufrieden geben, sondern den Mount Everest erreichen wollen:

„Die eingetragene Partnerschaft ist für alle Formen der Partnerschaft zu öffnen; Konzepte der Erweiterung der eingetragenen Lebenspartnerschaft zu einer eingetragenen Lebensgemeinschaft auch von mehr als zwei Personen müssen erarbeitet und verwirklicht werden.“

Dabei geht es ja nicht alleine nur um die sexuelle Orientierung, sondern auch um die sexuelle Identität – irgendwann gibt es das intersexuelle „Es“, das in einer polygynandrischen „ehe-ähnlichen“ Lebensgemeinschaft die adoptierten Kinder nach dem (französischen) PACS-Modell (das die „Piraten“ auch bei uns einführen wollen“) in den ersten drei Monaten groß zieht und danach in die Kita abschiebt, in der sich alle hermaphroditisch lieb haben.

Das ist dann wohl der „Pluralismus“ des Zusammenlebens, den die „Piraten“ beschreiben.

Die Parteienlandschaft ist groß, um seine Wut gegenüber den Etablierten zum Ausdruck zu bringen. Mag da ein Kreuz bei denen, die sich vor Profilierung scheuen, nicht eine verlorene Stimme zu sein?

Dennis Riehle





“Alles in einem Atemzug” – Kritik am „Wort zum Sonntag“ vom 14. April 2012

15 04 2012

Sie ist eine der ältesten Sendungen im deutschen Fernsehen und hat damit schon nahezu „Kult“-Status erreicht: Woche für Woche lauscht eine beständige Zuschauergemeinde dem „Wort zum Sonntag“ im „Ersten“. Immer wieder gab es Kritik, Skandale und Eklats über das, was so manche Geistliche oder Ordensschwestern verbreitet haben.

Auch am gestrigen 14. April 2012 war wieder ein Moment, indem man standhaft dem, was Pfarrer Wolfgang Beck an die Menschen gerichtet hat, entgegentreten muss, wenn man für eine reflektierte und journalistische Arbeit einsteht, die man auch von dieser dreieinhalb minütigen Ausstrahlung erwarten sollte. Dass in der Vergangenheit viele Redaktionen Probleme damit hatten, einzelne religiöse Strömungen ausreichend auseinander zu halten, ist nichts Neues. Viel Empörung gab es da, doch diese muss noch größer sein, wenn ein katholischer Theologe jegliche Differenziertheit im Denken vermissen lässt, die man ihm zugestehen würde.

Beck scheint aber gerade Anderes bewiesen zu haben: In seinem Wort, das in der schlussendlichen Botschaft von der Notwendigkeit, Kompromisse einzugehen, endet, tauchen bemerkenswerte Gleichstellungen auf, die nur entrüsten können. Zeigt sich der Pfarrer in seinen ersten Absätzen beeindruckt von denen, die in ihrem Glauben konsequent sind, warnt er an späterer Stelle genau vor diesen: Fundamentalisten seien es, die nicht hinterfragen würden und keine Kritik zuließen.

Und erinnert man sich an seine ersten Zeilen, so hat Beck klare Beispiele für diese Konsequenten genannt: In einem Atemzug erwähnt er die „Piusbrüder, evangelikale Gruppierungen und muslimische Salafisten“. Evangelikale und konservative Katholiken fühlen sich geehrt, wenn man ihnen nachsagt, sie hätten (im Gegensatzu zu vielen anderen Christen) noch ein Fundament, auf das sie sich beziehen können. Werden aus diesem Fundament allerdings offenbar mit muslimischen Gottesanbetern gleichgesetzte Christen, die von derselben Konsequenz besessen sind, wird aus Lob rasch Verleumdung.

Denn anhand der Beispiele kann man davon ausgehen, dass Beck den Begriff der „Fundamentalisten“ nicht in positivem Sinne meint, sondern den Gedanken an die Salafisten verfolgt, die derzeit in deutschen Städten Korane verteilen, welche in ihrer Auslegung Menschenunwürdiges und –verachtendes propagieren. Vom Verfassungsschutz beobachtet, sind diese Muslime nicht konservativ, sondern in ihren Ansichten radikalisierend, schrecken offenbar nicht vor Gewaltbotschaften zurück und nutzen die Meinungsfreiheit eines demokratischen Landes, welches sie gleichzeitig zu einem Gottesstaat verwandeln wollen.

Wer Evangelikale und überzeugte Katholiken in einen Satz mit denen bringt, die sich unserer Grundordnung zuwider stellen, die totalitär Religion durchsetzen und mit Konsequenz nur gemein haben, in ihrer Zielsetzung unabweichlich einer Schrift zu folgen, die Andersgläubige mit dem Tod bestrafen will, zeigt populistische statt argumentative Weisheit. Evangelikale nehmen die Bibel ernst – und sie fordern auf, sich Gottes Wort in seiner Ganzheit zu öffnen. Sie verbreiten aber eine Botschaft der Liebe, die Jesus ihnen mit auf den Weg gegeben hat. Sie verfolgen eine Mission, von der Gnade zu berichten, die uns Menschen durch die Auferstehung des Herrn zuteil wurde.

Wer hier Parallelen sieht und Fundamentalisten mit denen verwechselt, die von ihrem Fundament Christus nicht abrücken, ist der Aufgabe eines „Wortes zum Sonntag“ nicht gewachsen.

Das gestrige Wort zum Sonntag ist nachzulesen unter:

http://www.daserste.de/information/wissen-kultur/wort-zum-sonntag/sendung/2012/beck-14042012-100.html

Dennis Riehle





Freitag, der 13.

14 04 2012

Bild: dfb auf Flickr.com

Es stimmt ja doch, dass am Freitag, den 13. immer ein großes Unglück passiert:

Die Kronen Zeitung titelt am Freitag, den 13.4.2012:

EU nimmt uns die Käsekrainer weg!

PS: Nebenbei sei erwähnt, dass in Europa jährlich viele Millionen ungeborene Kinder getötet werden, die EU unser Volksvermögen und unsere Souveränität mit Zustimmung der Bundesregierung in Luft auflöst, die Islamisierung munter voranschreitet, die Armut selbst unter der arbeitenden Bevölkerung immer mehr zunimmt, Syrien das eigene Volk abschlachtet, die größte Christenverfolgung der Geschichte stattfindet, …..





Forderung nach Erziehungsgeld zeigt Verantwortung gegenüber der Zukunft

10 04 2012

Ruf nach Überwindung ideologischer Grabenkämpfe

Selten war der ideologische Graben so weit geöffnet, wie er es nun wieder in Sachen „Betreuungs“- und „Erziehungsgeld“ ist: Während Teile der Union sich an der im Koalitionsvertrag festgehaltenen Einführung orientieren, sind es vor allem Reihen der FDP, die in die „Main-Stream“-Polemik der „Grünen“ einstimmen und mit Argumenten daherkommen, die auf ziemlich wackeligen Beinen stehen. Der Gleichbehandlungsgrundsatz aus der Verfassung lasse es nicht zu, Eltern, die ihre Kinder zuhause betreuen und erziehen, mit einer gesonderten finanziellen Unterstützung zu bevorteilen. Außerdem würde das Heranwachsen der Kinder im häuslichen Umfeld damit im Wert der Alternative von Kindertagesstätten bevorzugt – Eltern, die ihre Kleinen bereits in frühen Jahren tagsüber unter Aufsicht geben, würden diskriminiert und „Rabenväter“ und „-mütter“ geschimpft.

Zunächst gilt es, mit falschen Darstellungen aufzuräumen: Eine Bevorzugung kann im „Betreuungs“- oder „Erziehungsgeld“ wahrlich nicht gesehen werden: Gerade die, die sonst auf Gerechtigkeit pochen, sollten erkennen, dass der finanzielle Beitrag, der Familien zugestanden wird, wenn sie sich für ein Aufwachsen der Kinder im eigenen Wohnumfeld entscheiden, lediglich eine angemessene Entlohnung dafür ist, dass sich gerade Mütter bewusst bereit erklären, auf Karriere und den großen monetären Erfolg zu verzichten, um für die eigenen Kinder da zu sein. Dass seit Jahrzehnten der Respekt vor dem Erziehungsauftrag und vor der Leistung, die Hausfrauen und Hausmänner erbringen, beschämend gering ist, muss eben auch auf die Tatsache zurückgeführt werden, dass es einigen politischen Kräften bisher nicht wert war, einen finanziellen Ersatz für diejenigen bereit zu stellen, die nicht Ertrag durch Arbeit erhalten, dafür aber in das gesunde Aufwachsen der nächsten Generation investieren. Das Erziehungsgeld behandelt niemanden nachteilig, der es nicht in Anspruch nimmt.

Immerhin sehen alle Gesetzesvorlagen, die von Relevanz sind, auch vor, dass vollkommene Entscheidungsfreiheit besteht. Mit dem Betreuungsgeld werden lediglich finanzielle Ausfälle, die durch das Zuhausebleiben der Erziehenden entstehen, ausgeglichen. Das entspricht einem völlig normalen Verständnis von gerechtem Ausgleich. Niemand wird gezwungen, die eigenen Kinder selbst zu betreuen oder davon abgehalten, sie in eine Kindertageseinrichtung zu geben. Und doch schafft das Erziehungsgeld einen Anreiz, die grundgesetzliche Verantwortung von Eltern, Kinder großzuziehen, nicht aus den Händen zu geben. Wer dem Betreuungsgeld mit dem Argument begegnet, es nehme das emanzipatorische Recht der Frauen auf Selbstbestimmung in Sachen beruflicher Karriere und Selbstentwicklung, sei darauf hingewiesen, dass mehrfach Studien auf den nachdrücklichen Vorteil des gesunden Heranwachsens hingewiesen haben, das im elterlichen Umkreis – und eben nicht von früh an in Betreuungseinrichtungen – stattfindet.

Wer Kindern das Gefühl von mütterlicher Liebe und Zuwendung ebenso wie das von Hinwendung und Sicherheit geben möchte und damit Risiken für spätere seelische Ungleichgewichte verhindern will, tut gut daran, die Möglichkeiten und Grenzen in der Erziehung direkt gegenüber dem Kind zu leben und sich mit ihm auseinander zu setzen. Die Warnung vor sozialer Isolation von Kindern, die in elterlicher Obhut aufwachsen, ist dann unbegründet, wenn Mütter und Väter Zeit finden, gesellschaftliche Netzwerke zu gründen und diese aufrecht zu erhalten – und somit das Hineinwachsen in aktives Umfeld der Kinder zu gewährleisten. Um Zeit dafür zu gewinnen, ist das Erziehungsgeld eine notwendige Entlastung von Druck, die finanziellen Rahmenbedingungen dann nicht halten zu können. Der Egoismus, den Lobbygruppen und diverse Parteien mit dem Begriff der Freiheit und Selbstbestimmtheit verbinden und Müttern und Vätern als unverrückbares Recht nahezu aufdrängen, spiegelt sich in vielfachen gesellschaftlichen Entwicklungen wieder, man nehme nur die unbedachte Hinführung zu Schwangerschaftsabbrüchen und dergleichen.

Wer ein Betreuungs- und Erziehungsgehalt befürwortet, schafft neue Gerechtigkeit und trägt außerdem dazu bei, ein intaktes Bild von Familie und damit ein zukunftsfähiges Zusammenleben und eine Verantwortung gegenüber den demografischen Herausforderungen und der Entwicklung unseres Landes in praktischer Weise zu garantieren. Es ist ein Zeichen zum Überwinden von haarspalterischen Versuchen, das Wohl von Kindern und Eltern zugunsten einer Verteidigung von Ideologien auf deren Rücken auszutragen.

Dennis Riehle





Kommentar zu den unreflektierten Forderungen des Lesben- und Schwulenverbandes im „Bürger-Dialog“ der Kanzlerin

7 04 2012

Pauschalisierend, polemisierend, falsch!

Die Bundeskanzlerin tritt derzeit mit den Bürgerinnen und Bürgern in den Dialog, um zu erfahren, wie unser Land künftig gestaltet werden kann. Die Menschen können im Netz ihre Ideen, Vorschläge und Sorgen vorbringen – die Forderungen, die am stärksten unterstützt und kommentiert werden, dürfen schlussendlich mit der Regierungschefin persönlich diskutiert werden. Auf Vorschläge von christlichen Beratern hin, die ein Zugangsrecht zu Psychotherapie für Homosexuelle fordern, hat der Lesben- und Schwulenverband Deutschland eine Gegenforderung aufgestellt (siehe: https://www.dialog-ueber-deutschland.de/DE/20-Vorschlaege/10-Wie-Leben/Einzelansicht/vorschlaege_einzelansicht_node.html?cms_idIdea=16329). In einer Presseaussendung des 4. April 2012 teilt das Netzwerk „Mission Aufklärung“ mit, dass es mit einem eigenen Vorschlag auf die Petition einer „lautstarken Minderheit von selbsternannten christlichen Therapeuten und Beratern“ reagiert habe. In seinen Ausführungen ruft der Verband auf, allen Organisationen, die Therapien für Homosexuelle unterstützen, die Gemeinnützigkeit zu entziehen. Die „Homophobie“ in Deutschland müsse stärker bekämpft werden, Vergleiche zu Diskriminierungen und Verfolgung von Schwulen und Lesben in Russland und Afrika werden gezogen.

Mit einer wirren Argumentation aus Populismus und Angriffen auf die, die den Schlusssatz der LSVD-Mitteilung, wonach Homosexuelle nicht unter ihrer Neigung, sondern unter „Vorurteilen und Hassgewalt“ litten, nicht teilen, bringt sich das Netzwerk selbst ins Abseits. Nicht nur, dass aus einer unzusammenhängenden Reihung an unbelegten Behauptungen ein monströses Feindbild gegenüber christlichen Seelsorgern, Beratern und Psychotherapeuten aufgebaut und damit Meinungs- und Berufsfreiheit, die grundgesetzlich verankert sind, in Frage gestellt werden – dem eigenen Klientel gibt der Verband den größten Korb. Denn der LSVD kann sich wahrlich nicht als Interessenverband von allen Schwulen und Lesben in unserem Land sehen, wenn er die tatsächlichen Nöte von vielen Homosexuellen mit einer „Main-Stream“- und „Gender“-Theorie ihrer Ernsthaftigkeit beraubt. Von „gefährlichen Therapieversuchen“ wird ebenso gesprochen wie von dem Ziel, zur „Heterosexualität ‚missionieren‘“ zu wollen. Die „Umpolungsangebote“, die das Netzwerk benennt, stehen auf ebenso viel Grundlage wie der Vorwurf, christliche Berater wollten „Homosexualität heilen“ – nämlich auf der Basis völliger Realitätsferne.

In der täglichen Arbeit ist es denn genau dieser Druck, der Homosexuelle tatsächlich in Bedrängnis bringt: Das Einreden, von Ausgrenzung und Unliebsamkeit der Gesellschaft (vor allem der „gläubigen“ Christen) würden die Schwulen und Lesben tatsächlich krank, ist die bewusste Beeinflussung von Menschen, die sich in ihrer eigenen Persönlichkeitsstruktur unwohl fühlen. Weder die christlichen Therapeuten noch Seelsorger haben dieses „Symptom“ erfunden – die Weltgesundheitsorganisation führt bis heute zurecht die „Ich-Dystonie“ als psychisches Problem, das keinerlei Zusammenhang mit Diskriminierung oder Demütigung von außen sieht. Christliche Psychotherapeuten nehmen sich aber genau dieser Schwierigkeit an – weder stilisieren sie Homosexualität zu etwas „Erlerntem“ hoch, noch wollen sie Schwule und Lesben zu heterosexuellem Empfinden zurückführen. Vielmehr ist es ein nicht zu leugnender Umstand, dass Homosexualität ohne das Zutun des Umfeldes – also auch ohne jegliche diskriminierenden Verhaltensweisen – zu wirklichen innerlichen und seelischen Konflikten führen kann, weil die Sehnsucht nach der eigenen Identität die Fähigkeit nach Annahme des Schwul- oder Lesbischseins übersteigt. Hierfür das „Homophobe“ in der Bevölkerung und unter Evangelikalen im Besonderen verantwortlich zu machen, ist ein leicht durchschaubares Ablenkungsmanöver.

Viele Klienten kommen zu uns, weil sie die Nötigung der Lobbyverbände von Schwulen und Lesben nicht ertragen, sich in die Szene und Protestbewegungen à la CSD und andere einordnen zu müssen. Mit vielen seiner Stellungnahmen hat auch der LSVD deutlich bewiesen, dass er Homosexuellen selbst gar keinen Freiraum gibt, die persönlichen Gründe für eventuelle psychische Notsituationen zu benennen. Viel eher wird selbstredend, unreflektiert und falsch vorgegeben und gedrängt, Homosexuellen würde automatisch durch diffamierende soziale Strukturen ihre seelische Zufriedenheit genommen. Dass aber im geschützten Rahmen viele Schwule und Lesben davon sprechen, dass sie dem Anpassungswahnsinn an homosexuelle Lebensstrukturen, wie sie von Interessenvertretungen vorgegeben werden, nicht gewachsen sind, verschweigen Organisationen wie der LSVD selbstverständlich.

Wenn das Netzwerk nun eine Aberkennung von Gemeinnützigkeit für diejenigen Vereine fordert, die Homosexuelle nicht dazu zwingen, psychische Probleme als Folge der denunzierenden Gesellschaft anzugeben, nimmt den Schwulen und Lesben, die offen den Wunsch nach Findung einer eindeutigen Identität und sexuellen Orientierung äußern, die letzte Möglichkeit, sich behutsame Hilfe zu holen. Der Vorschlag des LSVD kann daher mit Verweis auf dessen Verantwortungslosigkeit nur zurückgewiesen werden.

 

Dennis Riehle, Psych. Berater/Coach, Seelsorge, Prädikant

 








Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.