Abtreibungs-Maschinerie: Perversion einer gesellschaftlichen Gleichgültigkeit

1 12 2011

Es braucht keine Meldungen wie diese, um sich der dramatischen Entwicklungen um die Gleichgültigkeit des ungeborenen Lebens bewusst zu werden: Nachdem in Australien bei einem Zwilling im Mutterleib schwere gesundheitliche Beeinträchtigungen festgestellt wurden und die Gefahr einer Fehlgeburt stieg, entschieden sich Ärzte und Eltern, das eine Kind abzutreiben, das zweite retten zu wollen. Wahrscheinlich im Trubel der unzähligen Schwangerschaftsabbrüche passierte den Medizinern ein Fehler, den man als „menschlich“ bezeichnen könnte – wenn er nicht eindrücklich belegen würde, was uns unsere Kinder heute noch wert sind.

„Aus Versehen“ trieben die Ärzte den falschen Zwilling, den gesunden, ab. Sie hatten offenbar die beiden Kinder lediglich vertauscht, sodass es zur Katastrophe kam. Man mag diesen Medizinern Fahrlässigkeit vorhalten und ihnen keine Absicht unterstellen wollen. Doch wie kann solch ein Vorfall passieren, wenn er nicht schon zur Routine geworden ist, bei dem aus Gedankenlosigkeit oder Stress heraus Unglücke geschehen? Eine Abtreibung in der 32. Schwangerschaftswoche stellt unabhängig von der zusätzlichen gesundheitlichen Gefährdung für Kind und Mutter ein besonderes Risiko dar, das es von medizinischer Seite durch besondere Aufmerksamkeit zu verringern gilt.

Gleichzeitig scheint es nicht verwunderlich, dass solche verheerenden Situationen eintreten. In den Ländern der modernen Welt boomt die „Industrie“ der Abtreibungen mit tausenden von Eingriffen jeden Tag. Man weiß nicht, ob man mit den Ärzten, die täglich Kindern das Leben verwehren, mitleidig sein soll – viel eher steigt die Vermutung, dass bei manchen der wahre Geschäftssinn dahinter steckt. Und so wird aus heranwachsenden Babys nur noch ein „Zellklumpen“, um den man sich wohl weniger Sorgen bei der Abtreibung macht, als würde man ihn als „Leben“ ansehen.

Der Vorfall mag ein „bedauerlicher Einzelfall“ sein, wie es in solchen Momenten stets heißt. Doch er steht exemplarisch für die Perversion einer gesellschaftlichen Gleichgültigkeit gegenüber dem Wert des Ungeborenen. Jeder mag mit der betroffenen Frau aus Australien mitfühlen können, die um ihre eigene Gesundheit und um die der beiden Zwillinge bangt. Zweifelsohne sind solche Situationen die schwierigsten, in denen man keine einfache Antwort auf die Frage nach einem Schwangerschaftsabbruch geben kann. Hier spielen begründete Argumente eine Rolle, die Not ist nachvollziehbar, das Ringen wir spürbar.

Doch das ist nicht der Alltag. Viel eher erleben wir heute immer wieder neu, wie täglich Abtreibungen vorgenommen werden, für die es keine Rechtfertigung geben kann. Soziale oder finanzielle Schwierigkeiten werden genannt, das Kind werde nicht in einer behüteten und umsorgten Umgebung aufwachsen können. Ängste von werdenden Müttern, oftmals selbst noch jung, spielen eine Rolle. Und gleichzeitig ist es die Überforderung oder die fehlende Weitsicht für die Verantwortung, an die bei einem raschen Seitensprung in der letzten Nacht gar nicht gedacht hat. Kinder zu bekommen, das ist Herausforderung und Glück, Aufgabe und Geschenk gleichzeitig. Und doch wollen viele Mütter nur das Eine: Den Abbruch der Schwangerschaft auf Grundlage kurz entschlossener Panik.

Niemand wird verneinen, dass es zahlreiche Mütter gibt, die sich ihre Entscheidung schwer machen. Sie suchen Beratung und Begleitung, Seelsorge und Aufklärung. Und wie oft konnte dadurch schon verhindert werden, dass ein ungeborenes Leben einer Maschinerie aus Mainstream, der die Eigenbestimmung der Frau unverantwortlich so interpretiert, dass werdende Mütter von all ihren Verpflichtungen freigesprochen werden, und einer Welt aus vielen Medizinern, die Abtreibungen zu ihrem „Business“ erklärt haben, zum Opfer fällt.

Doch es ist nicht die Meinung, der Antrieb der Einzelnen. Schwangerschaftsabbrüche sind ein in der Gesellschaft tabuisiertes Thema, das selbst bei schrecklichen Meldungen, wie der oben genannten, von den Medien und dem politischen Diskurs totgeschwiegen werden. Da rettet man sich mit Fristen und dem Zwang zur Beratung, um den Frauen ihren Schritt zur Abtreibung schwerer zu machen. Und doch wissen die meisten Verantwortlichen von den verheerenden Auswirkungen, die Schwangerschaftsabbrüche mit sich bringen können. Von Identitätskrisen bis zu Depressionen reicht die Palette an Folgen für die Frauen, die sich zu einer Abtreibung entschlossen haben.

Die Konfrontation mit der Realität ist hart – und doch könnte sicher manche werdende Mutter in ihrem Denken umgestimmt werden, wenn sie auch um die Konsequenzen für die eigene Psyche und ihren Körper wüsste. Und gleichzeitig könnten wir uns für die Frauen mehr Zeit nehmen, die wirklich um ihr Kind bangen und in echten Zwickmühlen stecken. Ihnen den Wert von behinderten Kindern zu verdeutlichen, die Alternativen zur Abtreibung wie Adoption oder die Unterstützung durch die vielen tätigen Organisationen zuzusichern oder letztlich einfach die Gelegenheit geben, mit den Gefühlen und Befürchtungen ernst genommen zu werden – solche Angebote sind wahrlich segensreich. Und Anlässe wie der im Eingang genannte sollten alle erneut ins Zweifeln kommen lassen, die Schwangerschaftsabbrüche als „Errungenschaft gelungener Partizipation“ verherrlichen.

Dennis Riehle





„Deutsche Bildungsstiftung“ zeichnet Einsatz um Homosexuelle aus

16 10 2011

„Ehrung ist Aufruf zu gesellschaftlicher Rückbesinnung“

Nicht unerwartet, aber dennoch mit ihrer Deutlichkeit wieder einmal so manches Vorurteil bestätigend, prasseln die Kritiken auf die Preisverleihung der „Deutschen Bildungsstiftung“ ein. In diesem Jahr soll die Ehrung an die seit langer Zeit in der Beratung von Homosexuellen tätigen Dr. Christl Vonholdt („Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft“) und Markus Hoffmann („Wüstenstrom“) gehen. Mit der Würdigung soll unterstrichen werden, dass sich beide trotz anhaltenden Gegenwindes derer angenommen haben, die sich in ihrer homosexuellen Lebensweise eine Veränderung wünschen.

Verständlicherweise wird der größte Protest von Homosexuellen-Organisationen laut, wenn es um die Verleihung des Förderpreises der der „Kirchen Sammlung um Bibel und Bekenntnis“ vertrauten Bildungsstiftung geht. So spricht der Lesben- und Schwulen-Verband von „fragwürdigen und teuren Therapien“, mit denen „Umpolung“ betrieben werde. Man empört sich darüber, dass das „unverantwortliche Handeln“ von Vonholdt und Hoffmann „belohnt wird“. Mit einem eigenen Netzwerk „Mission Aufklärung“ wolle man gegen die „Umpolungspropagandisten“ vorgehen und über deren „unseriösen Angebote“ informieren.

Erneut zeigt solch ein Streit, wie bei der Auseinandersetzung von Ideologien die eigentlich Hilfesuchenden auf der Strecke bleiben. Im Diskurs werden unterschiedliche Ansichten davon vertreten, wie mit homosexuell lebenden Menschen umgegangen werden soll, die mit ihrer sexuellen Orientierung Schwierigkeiten haben, sie nicht mit ihren innersten Gefühlen und Werten vereinbaren können oder durch äußerliche Anfeindungen den Wunsch äußern, von ihrer Homosexualität Abstand nehmen zu können.

Mit polemischen Schlagworten wie „Umpolung“ spotten Gegner der Arbeit des DIJG oder von „Wüstenstrom“ den Bemühungen, das Ansinnen nach persönlicher Veränderung von in Konflikt geratenen Homosexuellen ernst zu nehmen. Die Therapieangebote der beiden nun zu Ehrenden sind zweifelsohne ein elementarer Einschnitt in die Lebensgeschichte von Betroffenen – der Weg, sich von der Homosexualität zu entfernen, kann immer wieder auch mit Begleiterscheinungen einhergehen, die nicht gewollt sind. Gleichermaßen sind die wissenschaftlichen Darlegungen, mit denen gegen den Versuch angelaufen wird, Homosexuellen mit einer Betreuung, die auf Ursachen, Gründe und Persönlichkeitsstrukturen blickt, zu helfen, wenig aussagekräftig.

Gleichermaßen unterschätzen die, die die als „reparative Therapie“ verschrienen Behandlungswege diffamieren, die Eigenständigkeit des Klienten. Dieser entscheidet selbst und aus seinem Willen heraus, welchen Weg er gehen möchte. Aufklärung über ihre Arbeit geben sowohl das DIJG und „Wüstenstrom“ in transparenter Form. Ziel ist keine „Umpolung“, sondern die Entwicklung einer alternativen sexuellen Orientierung aus dem Verständnis der eigenen Individualität und innerer Emotionsbarrieren heraus. Vonholdt und Hoffmann haben sich eindrücklich mit dem Wesen der Homosexualität befasst – und umfangreiche Erklärungsmuster herausgearbeitet, die auch auf einen psychosozialen, kognitiven und edukativen Anteil des homosexuellen Empfinden hinweisen, die als veränderbar gelten dürften.

Vom Gedanken, wonach Homosexualität in der Sache als Krankheit und damit als behandlungsbedürftig eingestuft wird, sind auch die beiden Einrichtungen weit entfernt. Niemand zwängt Homosexuellen Hilfe auf, die ihre Lebensform mit sich in Einklang bringen können. Doch das Verschweigen von Nöten, die Homosexuelle nicht nur in Form der „Ich-Dystonie“ treffen, ist rücksichtslos. Für sie Anlaufstelle zu sein, nehmen alle in großer Verantwortung wahr, die orientiert am christlichen Glauben seelsorgerisch tätig sind. Das zeigt sich schon allein in der Annahme jedes Homosexuellen, auch im Respekt vor seinen Gefühlen. Dass im biblischen Christsein die praktizierte Homosexualität weiterhin als Sünde gilt, ist auch ein klares Zeichen für die Ablehnung gegenüber der Sexualisierung in unserer Gesellschaft. Selbst viele Homosexuelle finden in der schwul-lesbischen Welt immer häufiger Anstoß am Verfall von Sitten und Normen, der sich nicht nur an CSD-Veranstaltungen klar zeigt.

Wenn Liebe auf die reine Sucht nach Befriedigung reduziert wird, wenn die gegenseitige Empfindung lediglich noch durch Fetische gestärkt werden kann und wenn es um Sexualpraktiken geht, die Gesundheit gefährden und Lust zum Alltag verkommen lassen, bleibt das Suchen nach Umkehr verständlich – nicht nur für Homosexuelle. Damit werden Vonholdt und Hoffmann auch für ihr Eintreten um Rückbesinnung in sexualethischer Sicht geehrt. Wenngleich jeder Berater oder Therapeut in seinem christlichen Verständnis zu einer Arbeitsweise finden muss, die er vertreten kann – und die im Fundament stets das Gebot von Würde gegenüber dem Klienten beinhaltet –, und nicht mit dem konform geht, was die „Deutsche Bildungsstiftung“ auszeichnet, lernen wir alle von den beiden Preisträgern: Ein tieferer Blick in die Seele des Hilfesuchenden ist wertvoller als das Verniedlichen von Sorgen und innerlichen Auseinandersetzungen.

Dennis Riehle, 1. Vorsitzender Christliche Lebensberatung e.V.“, Konstanz (D)

 





Der Generalangriff unserer Politik zur Vernichtung der Kinder

9 10 2011

Kinder, welche nicht abgetrieben werden, werden zu ihrer geistig-emotionalen Vernichtung in die MASSENKINDERHALTUNG in Kinderkrippen und Kindergärten verbannt. Der Hedosozialismus, Egoismus, fehlende Opferbereitschaft, Lieblosigkeit, Antichristentum und Nihilismus führen dazu, dass sich Kinder nicht mehr normal entwickeln können.

Interessante, lesenswerte Artikel dazu:

http://diepresse.com/home/bildung/schule/hoehereschulen/699591/Psychiater_Die-moderne-Paedagogik-ist-ein-Luxus

http://unzensuriert.at/content/005584-Schweden-Krippen-fuer-Kleinkinder-brachten-seelische-Probleme





Baby und Kleinkind_optimale Entwicklung nur mit MAMA

13 05 2011

Christa Meves aktuell

Täglich treffen z.Z. hirnorganisch belegte Bestätigungen von bisher wissenschaftlich noch nicht gesicherten Bedingungen gesunder menschlicher Lebensentwicklungen ein. Diese Erkenntnisse könnten gesellschaftliche Veränderungen möglich und nötig machen. Besonders durch einen fundamental veränderten Umgang mit Kleinkindern könnte durch einen abgesicherten Forschungsstand
bei einem Großteil von Menschen
ein Optimum an Bildung und seelischer Gesundheit
erreicht werden, sodass ein weiteres Abdriften in den pathologischen Zustand verhindert würde; denn dieser schränkt nicht nur die Lebensqualität sondern vor allem die allgemeinen Bildungschancen hierzulande bereits in einem bedenklichen Ausmaß ein.
Das Erfahrungswissen dafür und die ebenfalls im Einzelnen bewährte praktische Anwendbarkeit liegen lange schon vor.

Zum Erkenntnisstatus psychoanalytischer Psychotherapeuten gehört bereits seit langem das Wissen, dass ein gravierender Anteil seelischen Störungen und Beeinträchtigungen im Erwachsenenalter ihre Wurzeln in der frühen Kindheit haben. Aufmerksame Zoologen, als erstes John Bowlby, erhärteten diesen Befund durch Affenforschung. Als praktizierende Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin baute ich im Kontakt mit Konrad Lorenz darauf eine biologische Trieblehre auf und erweiterte die Fachkenntnisse zu einer Systematik des gesunden bzw. des kranken Lebensaufbaus. Danach ist das Erreichen des genetischen Optimums eines Menschen eher möglich, wenn ihm in der ersten Lebenszeit im Kontakt mit seiner Umwelt bestimmte grundlegende Entfaltungsbedingungen erfüllt werden. Vor allem biologisch angemessener Umgang –
in der beständigen physischen Nähe zu einer sättigenden und liebevoll einfühlsamen Mutter -
sind danach grundlegende Voraussetzungen zu seelisch stabiler Ausgestaltung des Erwachsenenlebens. (Christa Meves, Geheimnis Gehirn)
Die Forschungsergebnisse aus der Friedrich–Schiller-Universität Jena in Zusammenarbeit mit dem Department of Earth Sciences in Cambridge wurden jüngst von den dort arbeitenden Zoologinnen des Jenaer Universitätsinstituts für spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie, Dr. Vera Weisbecker und Dr. Anjali Gosvami, in der Fachzeitschrift „Proceedings of the National Academy of Sciences“ referiert.

Je größer ein Gehirnvolumen, so ergab eine Vielzahl von vergleichenden Untersuchungen an Säugetieren, umso höher die Intelligenz bzw. die Lebensgeschicklichkeit. Besonders die Primaten – darunter auch der Mensch – hätten dadurch bevorzugte Entfaltungsmöglichkeiten ihres Gehirns. Dr. Vera Weisbecker resümiert als Ergebnis der Hirnuntersuchungen:
„Je länger der Nachwuchs im Mutterleib
heranreifen kann oder von seiner Mutter
gesäugt wird, desto größer und leistungsfähiger
kann sein Gehirn werden.“

Die Herstellung solcher biologischen Zusammenhänge sind nötig, um psychotherapeutisches Erfahrungswissen zu erhärten. Sie sind allerdings keineswegs ein Beweis dafür, dass der Mensch doch lediglich ein „nackter Affe“ sei. Sein Gehirn ist ganz offensichtlich erheblich komplexer als ein optimal entfaltetes Schimpansengehirn. Aber auch der Mensch hat eine biologische Grundstruktur. Die Ausgestaltung seines Stammhirns während der ersten Lebensjahre macht deshalb auch Vergleiche mit Jungsäugetierhirnen möglich. Sie aber bleiben alle hinter der vielfältigen Ausgestaltung weiterer Hirnregionen des heranwachsenden Menschen während seiner langen Kindheit zurück. Der Homo sapiens ist zwar wie die Tiere „aus Erde gemacht“, aber er ist darüber hinaus mit „dem Hauch Gottes“, einer Form von opferbereiter Liebe und Reflexionsmöglichkeit ausgezeichnet, die die Theologie laut Bibel mit Recht vom Menschen als einer Neuschöpfung sprechen lässt.
Die im Menschen angelegte Erkenntnismöglichkeit, aus seinen Erfahrungen allgemeingültige Schlüsse für ein verändertes Verhalten zu ziehen, unterstützen mithilfe der neuen Techniken in der Hirnforschung die Chance, einen besseren Ansatz zu Bildungsmöglichkeiten zu entwickeln, indem sie vorab Grundlegendes tun, und erst danach Bildungspakete und Schulpläne hinzufügen.

Die neue Forschung bestätigt immer nachhaltiger:
Urmütterliches, säugetierhaft biologisches Verhalten – jederzeit und ganz direkt, von jeder Katzenmutter ablauschbar – ist die Voraussetzung zur vollen Ausgestaltung des Menschen: „Die absolut beste Umgebung für ein Kleinkind ist der Körper der Mutter“, resümiert Dr. Nils Bergmann aus Südafrika. Aufgrund seiner Kängurumütterforschung kann er belegen:
„ Die Haut der Mutter ist die natürliche
Umgebung des Kleinkindes
und sowohl
physisch als auch emotional der gesündeste Platz.

Wenn das Baby Haut zu Haut auf die
Brust der Mutter gesetzt
und angelegt wird,
erhält es Wärme, Schutz und Nahrung,

sodass sein Gehirn sich optimal entwickeln kann.“

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Hinweise

Dr. Nils Bergman, Kängurumethode

Kinder vorbereiten auf das Leben, Elternschulung – das Elternkolleg von Christa Meves

Kleinkind bei Mama & Papa – Tagesmutter o. Krabbelstube

Was brauchen die Kinder – was tut ihnen gut?

Frühkindliche Fremdbetreuung ist schädlich!

Starke Mütter/starke Familien/starke Kinder

Eltern wissen, was für ihre Kinder am besten ist

Stressresistenz und Entmutterung

Steven Biddulph: Day care is bad for babies!





Ostern mahnt: Wir brauchen keine PID!

22 04 2011

Selten war die Botschaft des Osterfestes auf eine aktuelle Debatte so gut anwendbar, wie auf die derzeitige Diskussion um die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID).

Passionszeit, Kreuzigung und Auferstehung Jesu zeigen nicht nur den christlichen Gläubigen äußerst eindeutig: Leiden gehört zum Leben dazu – ja, aus dem Leiden entsteht neues Leben!

Wer sich in der Karwoche in den Straßen umsieht, entdeckt heute kaum noch etwas, was an die grausamen letzten Stunden Christi erinnert. Viel eher hasten die Menschen in den Urlaub, kaufen noch rasch die letzten Eier ein und überlegen, welche Sonnenschutzcreme für das frühlingshafte Wochenende am ehesten geeignet ist. Durchaus: Ostern heißt auch, das Leben genießen zu dürfen, Auszeit zu nehmen und die Seele baumeln zu lassen.

Doch dieses Geschenk erhalten wir nicht umsonst: Jesu ist durch die tiefsten Täler gegangen, um schlussendlich erfahren zu dürfen, dass er doch errettet wird. Heute scheint niemand mehr diese Rettung zu brauchen – im Mainstream mancher Sorglosigkeit geht verloren, dass zur Auferstehung der Verrat, die Auspeitschung, die Dornen, das Kreuz und der Tod zwingend dazu gehören. Die Last auf den Schultern zu tragen – kaum jemand kommt an dieser Erfahrung vorbei. Und doch ist der Wille auch in der Bevölkerung hoch, das Leid aus dem Alltag auszuklammern. Spaßgesellschaft und Oberflächlichkeit stehen im Vordergrund: Leben ist Party, keine Traurigkeit.

Da passt es gut, dass nicht nur Politiker, sondern auch weite Teile der Bürgerinnen und Bürger oft unbedacht ihre Meinung zur PID finden: Das, was die Wissenschaft in Aussicht stellt, klingt ja auch durchaus verlockend. Kein Kind soll mehr mit genetisch veranlagten Behinderungen zur Welt kommen, „heikle“ Embryonen werden noch vor der Einpflanzung in den Mutterleib aussortiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass nur noch gesunde, angepasste und „Wunschbabys“ geboren werden, wäre groß. Ein kleiner Schritt noch bis zu dem Punkt, an dem auch Haar- und Augenfarbe, Größe und Gewicht, Mundwinkel und Nasenkrümmung „vorprogrammiert“ werden könnten. Dann schafft nicht mehr Gott den Menschen nach seinem Bilde, sondern der Mensch selbst wird zum Designer und Fabrikant des eigenen Nachwuchses – „Unternehmen ‚Leben‘“ sozusagen.

Aber gerade jetzt ist die Zeit gekommen, um dieser verheerenden Entwicklung mit den Begebenheiten von vor 2000 Jahren mit Mahnung zum Nachdenken zu begegnen. Ostern lehrt: Wir brauchen keine PID! Wer PID begrüßt, verbannt Leid aus dieser Welt – und mag sich vorübergehend als Held fühlen. Die Erlösung vom Leiden schaffen aber nicht wir Menschen. Ostern macht deutlich: Nur Gott allein ist in der Lage, uns aus dem Bann der Tiefen zu befreien.

Auf all den Stationen, die Jesus bis zu seinem Tod am Kreuz durchschreiten musste, erfuhr er Erniedrigung, Hass und Abscheu. Als Lügner und Heuchler, als Lästerer und Verleumder wurde er gebrandmarkt. Der Menge ausgesetzt, der Lächerlichkeit preisgegeben. Schmerzen musste er erdulden, seinem (menschlichen) Urteil in die Augen blicken. Zeitweise stand auch Jesus am Abgrund seines Glaubens. Der Zweifel hatte ihn eingeholt, er fühlte sich verlassen. Er rief zu seinem Gott, doch er schien zunächst unerhört zu bleiben. So geht es auch uns in Krankheit und Not, in Verzweiflung und Ausweglosigkeit.

Manch einer fragt ohnehin, weshalb im Christentum Gottes Sohn derartige Qualen durchstehen musste, um dann doch auferstehen zu können. Ginge die Welt nicht auch ohne Last und Angst? Unser Glaube wäre einer zum Wohlfühlen und nicht realistisch, wenn wir neben der wundersamen und hoffnungsvollen Auferstehung nicht auch mit Jesus leiden würden. Durch seine Leiden fühlen auch wir uns verstanden. Gott ist Mensch geworden – und macht uns bewusst, dass nicht nur wir diesen Hürden ausgesetzt sind. Er selbst durchschreitet das Elend in seinem Sohn – und lässt ihn letztlich doch nicht fallen.

Hätten wir in unserem Leben keine Zeiten der Not und Bedrängnis, wäre unser Vertrauen ein haltloses. Ohne die Erfahrung des dunklen Lochs können wir die Freiheit und das Licht auf den höchsten Gipfeln nicht wertschätzen. Wäre Jesus nicht in den Tod gegangen, hätte er wohl nicht gespürt, wie verlässlich sein und unser Gott ist. Die Erniedrigung ließ ihn  verstummen – unser Bangen lässt uns immer wieder machtlos erscheinen. Er und wir stehen und standen vor dem Verzagen – und doch wissen wir: Am Ende steht nicht der Abschied. Jesus kommt wieder. Und auch für uns ist nach Trauer und Pein nicht Schluss. Viel eher geben sie uns Stärke und Kraft, Zuversicht und Ausdauer – aber auch Gelassenheit und Mut, Krisen zu durchstehen.

Schlimme Zeiten prägen uns und hilft uns lernen, dass nur der steile Anstieg uns wachsen lässt. Wer den „vom Herzen fallenden Stein“ kennt, der sich nach Schockstarre und Verlassenheit löst, der weiß, welches Gefühl Auferstehung bedeuten muss. Ein neue Leben beginnt, wenn wir frei werden von all den Sorgen und dem Bedrängen, das uns plagte. Wir fühlen nicht nur, dass wir durch das Durchstehen – das Durchleiden – unserer Tiefen neue Erkenntnisse, neue Reife und neue Erfahrungen gesammelt haben; sondern wir sind auch gewappnet für all das, was uns noch begegnet – und was auch eine PID nicht „aussortieren“ kann.

Gott hat uns das Leben bewusst nicht als Paradies geschenkt. Die Hoffnung darauf ermuntert uns jeden Tag aufs Neue. Leiden gehören zu unserem Leben dazu. Sie sind unumgänglich dafür, dass wir „klug“ werden. Wer PID zulässt und Menschen die Lasten des Alltags „ersparen“ will, tut ihnen nichts Gutes. Die PID und ihre Anwender müssen viel mehr mit der Verantwortung umgehen, kantenlose Wesen zu schaffen, die nie die Chance haben werden, das Gefühl der Errettung zu spüren. Wer das bedenkt, kann nicht nur zu Ostern unweigerlich zur Erkenntnis kommen: Wir brauchen keine PID!

von Dennis Riehle





Programmbeschwerde: „Comeback der Abtreibungsgegner“

17 04 2011

Am Donnerstag, 14.04.2011 sendete „Das Erste“ einen Fernsehbeitrag zur sogenannten „Gehsteigberatung“.

Es erging meinerseits danach folgende Programmbeschwerde:

Sehr geehrte Damen und Herren,

am Donnerstagabend zeigte „Das Erste“ die rbb-Sendung „Kontraste“.

Der erste Beitrag befasste sich unter dem Titel „Comeback der Abtreibungsgegner – Wie Frauen in Not drangsaliert werden“ mit der sogenannten „Gehsteigberatung“.

In einer durchgehend einseitigen Berichterstattung wurden christlich engagierte Personen dargestellt, die sich bemühen, Frauen vor Abtreibungen nochmals zum Nachdenken zu bewegen.

Eingeleitet wurde mit der Klarstellung, wir lebten im Jahr 2011 – und dass man sich heute kaum noch vorstellen könne, was den Reportern auf den Straßen begegnet sei. Ein klarer Bezug darauf, dass die gezeigten Teilnehmer eines „Marsches für das Leben“ von der Redaktion als „ewig Gestrige“, ultra-konservativ oder gar realitätsfern angesehen werden.

Die Vermutung liegt nahe, dass „Kontraste“ den Einsatz christlicher Lebensschützer (die Begrifflichkeit wurde im Beitrag durch den Zusatz „sogenannte“ verniedlicht und ins Lächerliche gezogen) aus einer Perspektive des modernistischen Mainstreams gesehen hat. Aussagen von Lebensschützern, die faktisch belegbar sind, wurden derart kommentiert, dass ein Außenstehender diese als „abnormal“ auffassen könnte. Dabei kommt man um die Tatsachen nicht herum: Abtreibungen führen dazu, dass Tausende Kinder nicht das Licht der Welt erblicken. Der demografische Wandel wäre abzumildern, wenn Abtreibungen nicht zu einem Geschäft geworden wären. Sie sind heute derart „beliebt“, wenn es darum geht, sich von der Last einer Mutterrolle/Vaterrolle „befreien“ zu können, dass man durchaus davon sprechen muss, mit welcher Selbstverständlichkeit und immer wieder ohne tiefes Bewusstsein sich Frauen dafür entscheiden, neues Leben nicht ermöglichen zu wollen.  

Statt tatsächlich auf die Nöte der Frauen einzugehen, die diese zu Konfliktberatungen mitbringen und bei denen sie sich über die Abtreibung und Alternativen informieren, hat es die Redaktion auf eine Verunglimpfung der Lebensrechtler abgesehen. Hierzu wurde gar die Verwaltung herangezogen – und auf Bewegen von „Kontraste“ dazu gebracht, Verbote zu debattieren und auszusprechen. Es ist schon eine merkwürdige Entwicklung, wenn neuerdings Fernsehsendungen darüber bestimmen, was in deutschen Städtischen erlaubt wird und was nicht. Solch ein Eingreifen in unsere judikativen, legislativen und exekutiven Strukturen ist als äußerst bedenklich anzusehen!

„Kontraste“ maßt sich aus einzelnen Aussagen von Frauen, die von Lebensschützern angesprochen wurden, eine „Belästigung“ Schwangerer durch christliche Lebensrechtler abzuleiten. Gleichzeitig respektiert das Magazin dabei offenkundig die Meinungsfreiheit der Lebensschützer nicht. Dem Thema „Abtreibung“ kritisch gegenüber zu stehen und bürgerschaftlich engagiert aktiv zu werden, um zumindest zu erreichen, dass Abtreibungen nicht zum Alltag werden, sondern Frauen ihre Lage, Auswege und insbesondere die Folgen eines Abbruchs der Schwangerschaft in Ruhe und mit neuen Perspektiven, die die Lebensrechtler geben, dazulegen, ist in unserer demokratischen Rechtsordnung nach nicht nur meiner Auffassung legitim.

„Kontraste“ will offenkundig die Meinungsfreiheit der Lebensschützer beschneiden, gehört selbst aber zu den Magazinen, die „kontrastierend“ die Grenzen der Pressefreiheit oftmals bis zum Äußersten ausschöpfen. Diese Zweigleisigkeit wird einem Format im öffentlich-rechtlichen Fernsehen, welches einer besonderen Anforderung und Verantwortung in objektiver Berichterstattung verpflichtet ist, nicht gerecht.

Schlussendlich stellt sich die Frage, wer hier drangsaliert wurde – für mich steht abschließend fest: Es war der Ruf der Lebensschützer, der mit äußerster Oberflächlichkeit in den Schmutz gezogen wurde!

Daher ergeht entsprechend Programmbeschwerde gegen oben genannten Beitrag der Sendung „Kontraste“.

Dennis Riehle





Atome für den Frieden oder die Zukunft der Elektrizität

15 04 2011

 

Österreichs einziges AKW in Zwentendorf wurde nie in Betrieb genommen

von Inge M. Thürkauf

Zunächst zwei Episoden aus den Erinnerungen meines Mannes Max Thürkauf:

Es war im Sommer 1945, kurz nach dem Ende des II. Weltkriegs. An der Universität Basel hatte er sich als erstsemestriger Student immatrikuliert. In der damaligen Zeit interessierten sich nur wenige Studenten für Physik, die mehr oder weniger als brotlose Kunst betrachtet wurde. So entschied er sich für das Fach physikalische Chemie. Ihn fesselten beide Fächer, wobei die Chemie bei ihm eindeutig den Vorrang einnahm. Im physikalischen Institut hatte jeder Doktorand sein eigenes Laboratorium. Manche Räume standen jedoch leer und wurden lediglich als Abstellräume gebraucht. Im chemischen Institut hingegen drängten sich die Studierenden. Sie mußten sich ihre Arbeitstische teilen, da gab es keine leerstehenden Laboratorien. Mein Mann machte einen Direktor der heimischen chemischen Industrie, der auf der Suche nach möglichen Talenten eine Runde durch die Institute machte, auf dieses Mißverhältnis aufmerksam. Dieser meinte, na ja, für Physik findet man keine Sponsoren, was will man mit Physik schon anfangen, nur ein Schwachkopf verbeißt sich in dieses Fach. Als mein Mann redegewandt diese für ihn doch wichtige Hälfte seines Studiums verteidigen wollte, klopfte ihm der Direktor jovial auf die Schultern und sagte: „Junger Mann, sobald in der Weltwirtschaft so etwas auftaucht wie eine physikalische Industrie, wollen wir Ihre Begeisterung in Erwägung ziehen.“

Das war vor über 65 Jahren. In der Zwischenzeit ist mehr aufgetaucht als nur eine physikalische Industrie: ein naturwissenschaftlicher Moloch hat sich der Erde bemächtigt, dem die Menschen mit Eifer alles opfern, was ihnen an Leben, Schönheit und Geist von Gott geschenkt wurde. Angefangen hat es in eben diesem Sommer 1945 mit dem „Gerücht“ von einer Atombombenexplosion in Amerika. In den Zeitungen wurde zwar darüber berichtet, aber Genaues war nicht zu erfahren. Daher verlangten die Basler Journalisten von den Professoren der Universität die Einberufung einer Pressekonferenz, die ihnen ungern, aber immerhin gewährt wurde. Doch lassen wir meinen Mann nun selbst erzählen:

„Der kleine Hörsaal war bis auf den letzten Platz besetzt, offensichtlich hatte sich die Sache herumgesprochen und war auf ein unerwartetes Interesse gestoßen. Man mußte in den großen Hörsaal wechseln. Der Institutsdirektor, zwei außerordentliche Professoren des Instituts und der Ordinarius für theoretische Physik waren bereit, der Presse mit ihren Fachkenntnissen zur Verfügung zu stehen. Der Direktor schickte voraus, daß es seines Erachtens bei dem Gerücht von der geheimnisvollen Explosion einer amerikanischen Atombombe in der Wüste von Neu Mexiko um eine – und er habe gute Gründe dies anzunehmen – Ente im sommerlichen Blätterwald handeln würde. Die Journalisten lachten und stellten berufsgewohnt ihre Fragen. Zunächst wollten sie wissen, was ein Atom überhaupt sei, wie groß vor allem und wie es möglich war, daß ein blindes Mädchen aus hundert Kilometer Entfernung den Explosionsblitz habe sehen können? Ja, das sei eben gerade ein Beweis, daß die ganze Geschichte mit der Atombombe nichts anderes als der Sommergag eines schlauen Journalisten sei, denn blind ist blind, und basta, trumpfte der Direktor auf. Der theoretische Physiker griff ein und erklärte, daß nach der speziellen Relativitätstheorie seines Freundes Albert Einstein, und in Hinsicht auf die Entdeckung der Herren Otto Hahn und Fritz Straßmann über die Spaltung des Uranatomkerns es den Gesetzen der Physik nicht widerspreche, wenn ein faustgroßes Stück Uranmetall mit der Wucht von Tausenden von Tonnen Dynamit explodiere.

Der Professor gab sich große Mühe, den neugierigen Laien zu erklären, wie sich die Sache mit dem Uran verhält. Es gäbe, so dozierte er, zwei Sorten von Uran, Isotope genannt, mit den Atomgewichten 235 und 238. Das Uranisotop 235 ist mit weniger als einem Prozent in der Natur vorhanden, aber zum Bau einer Atombombe brauche es eben gerade dieses Isotop. Weil das Uran 235 und das Uran 238 sich chemisch nicht voneinander unterscheiden, ist eine Trennung mit ungeheuren Schwierigkeiten verbunden. Um auch nur ein tausendstel Gramm reines Uran 235 herzustellen, sei ein Aufwand erforderlich, der sich selbst mit der schwierigen Gewinnung von Radium nicht vergleichen lasse. Und für eine Atombombe müßte das Isotop kiloweise, also in millionenfach größerer Menge zur Verfügung stehen.

Unter den Zuhörern befand sich auch ein international anerkannter Professor auf dem Gebiet der Elektrodynamik, dieser meldete sich nun zu Wort: „Wissenschaftlich“, so meinte er, „wissenschaftlich ist diese Trennung der Uranisotope schon möglich, aber praktisch ausgeschlossen.“ Als die Journalisten wissen wollten, wie dies zu verstehen sei, antwortete er: „Es wäre viel zu teuer!“. Die eingetretene Stille unterbrach der Institutsdirektor mit der Bemerkung: „Meine Damen und Herren, Sie müssen verstehen, daß es sich hier nicht um die Fabrikation von Kanonen handelt, sondern um den Bau von außerordentlich komplizierten wissenschaftlichen Apparaten, die es heute noch gar nicht gibt, und die – Hunderte von Millionen, wenn nicht Milliarden kosten würden.“

Als mein Mann nach der Pressekonferenz in seinem Lehrbuch für anorganische Chemie, einem neuen umfangreichen Werk, das er sich eigens für sein Studium angeschafft hat, das Kapitel über Uran aufschlug, las er: „Uran hat keine technische Bedeutung“.

Auf der Titelseite der größten Tageszeitung der Stadt stand am nächsten Tag: „Physikprofessoren: Atombombe unmöglich, da zu teuer“. Drei Wochen später riefen die Zeigungsverkäufer: „Atombombe auf Hiroshima! Hunderttausend Tote!“ Von diesem Augenblick an gehörte jene Physik, die eine Atombombe für unmöglich hielt, weil sie zu teuer sei, der Vergangenheit an, sie hatte aufgehört zu existieren. „Sie war eine Wissenschaft der Fastenzeit; hungern war damals für die Forscher als Existenzmöglichkeit ebenso anerkannt wie für die Künstler. Eine Wissenschaft der vollen Fleischtöpfe kann so etwas natürlich kaum für möglich halten.“

Aus dem eisengrauen Uran, von dem die Chemiestudenten vor dem August 1945 wissen mußten, daß es keine technische Bedeutung habe, ist ein Politikum erster Ordnung geworden. Noch im Jahre 1937 sagte der damals in aller Welt bekannte Atomforscher Ernest Rutherford, daß jemand, der an eine technische Verwendbarkeit von Kernreaktionen glaube, ein Phantast sei.“ Was würde er wohl heute zu unserer Epoche sagen, die als das „Atomzeitalter“ in die Geschichte eingegangen ist und das Antlitz der Erde völlig verändert hat.

Nachdem 1954 das erste zivile Atomkraftwerk der Welt im russischen Obninsk in Betrieb genommen wurde, konnte Amerika natürlich nicht länger zurückstehen. 1955 hielt der damalige Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, General Eisenhower, vor der UN-Vollversammlung eine Rede, in der er zur ausschließlich friedlichen Nutzung der Atomenergie aufrief. Die Absicht war, nach den Verbrechen von Hiroshima und Nagasaki dem Begriff „Atom“ wieder eine friedliche Bedeutung zu geben. Weltweit warb er für sein Programm, während der US-Konzern General Dynamics die dazugehörigen Werbeplakate mit dem Motto „Atome für den Frieden – Atoms for Peace – L’atome au service de la paix“ lieferte.

Die Friedensatome werden in Atomkraftwerken hergestellt, die auf der ganzen Erde in immer schnellerer Folge entstehen. 443 sollen es heute schon sein, über 150 sind noch geplant. Das „technisch unbedeutende“ Uran erbrütet dort ein Metall, das es auf der Erde gar nicht gibt, das Plutonium. Die Physiker haben es nach dem Gott der Unterwelt getauft. Ein paar Kilogramm davon genügen zum Bau einer Atombombe, dieselbe Menge reicht aus, um alle Menschen auf der Erde an Lungenkrebs sterben zu lassen. Außer bei Hiroshima und Nagasaki wurde diese Waffe bis heute nicht benützt. Die Atombombe ist zusammen mit der Genmanipulation der Gipfel aller bösen Taten, die die Menschen je hervorgebracht haben, und nichts hat so viele gute Seiten wie das Mittel dazu: die Elektrizität. Das elektrische Stromnetz ist bereits über die ganze Erde ausgeworfen. Es sind die guten Seiten des Bösen, mit denen wir in die Sklaverei des Materialismus geführt wurden. Die moderne Technik vermag mit der Elektrizität Dinge hervorzubringen, die viele Menschen zum Glauben gebracht haben, die Welt sei machbar.

Je mehr Maschinen die Menschen bauen, um so berechenbarer wird die Welt, die sie sich machen. So können die Techniker etwa berechnen, wie viel Elektrizität Neu Babylon im Jahr 2050 nach der Geburt des Herrn brauchen wird. Dabei vergessen sie, daß in ihrer Rechnung das Wichtigste fehlt, weil nicht berechnet werden kann, ob Neu Babylon im Jahr 2050 überhaupt noch Elektrizität braucht, weil es ihm ergehen könnte wie dem Mann, der die Jahre berechnet, die er von seinem Vorrat leben kann, und dem der Herr gesagt hat: „Du Tor, diese Nacht noch wird man dein Leben von dir fordern; wem aber wird gehören, was du aufgespeichert hast?“ Es wäre vermessen, zu meinen Neu Babylon könne von Gott nicht zurückgefordert werden, weil es so groß ist, daß es die ganze Welt umspannt. Vielleicht ist die Katastrophe von Fukushima der Anfang der Forderung des Schöpfers, der zusehen muß, wie seine Schöpfung des Profits und der vollen Fleischtöpfe willen vernichtet wird. Die Menschen haben nun nicht mehr vor dem Unbekannten, sondern vor dem Berechenbaren Angst. Nun beklagen sie, was voraussehbar war.

Die Technokraten vergessen, daß alle Kulturen der Weltgeschichte ohne Elektrizität aufgebaut worden sind, ja, daß eine entscheidende Voraussetzung dieser Kulturen das Fehlen der Elektrizität gewesen ist. Das beweist das Atomzeitalter, welches – ein Produkt der Elektrizität – als eine kulturlose Zivilisation von der Kultur des christlichen Abendlandes übriggeblieben ist. Deshalb werden die Menschen einmal wissen, daß der Verzicht auf Elektrizität eine, wenn auch nicht hinreichende, so doch notwendige Voraussetzung für die Existenz einer Kultur ist.

Die Zeit der Buße und der Umkehr ist gekommen. Auf den Ruinen des Materialismus, in der materiellen Beschränkung der geplünderten und gemarterten Erde, werden die geistigen Werte der kommenden Kultur wachsen. Diese Kultur, die eine Verwirklichung des Christentums sein wird, geht aus der Apokalypse des Materialismus hervor. Es geht nicht darum, etwas Großes zu leisten. Es geht darum, etwas Gutes zu denken und es auch zu tun. In der Nacht sind auch die kleinen Lichter wichtig. Alle guten Gedanken, die jetzt in die Tat umgesetzt werden, sind bedeutungsvolle Bausteine für die kommende Kultur. Das Gute wird groß werden, langsam – durch das Werk jener, die guten Willens sind.

 Aus Max Thürkauf: „Die Tränen des Herrn Galilei“ (vergriffen).





Forderung nach PID-Zulassung: Gewissenskonflikt zwischen Arzt und Betroffenem

3 04 2011

Kritik an Gegnern des EKD-Beschlusses für ein PID-Verbot

von Dennis Riehle

 

Wünscht man sich ein praktisches Beispiel dafür, was Fluch und Segen gleichzeitig bedeuten kann, eignet sich die aktuelle Debatte um die Präimplantationsdiagnostik (PID) hervorragend. Die Fortschritte in Medizin und Forschung loben viele von uns auf der einen Seite, bringen sie doch schwer Kranken neue Lebensqualität und die Aussicht auf Heilung oder zumindest Hinauszögern unheilbarer Erkrankungen.

Andererseits durchdringen die wissenschaftlichen Erfolge Grenzen, die bislang unumstößlich erschienen.

So ist es auch um die PID bestellt: Das Verfahren, das bislang in Deutschland keine Zulassung fand, gilt unter vielen Ärzten als die pure Hoffnung darauf, zukünftig schweres Leid auf Erden vermeiden zu können. PID erlaubt nämlich, bereits vor Eintreten der Schwangerschaft Embryonen auf „genetische Defekte“ hin zu untersuchen. Dort, wo schwere Erbkrankheiten vermutet werden, kann dann der Mediziner eingreifen: Durch „Aussortieren“ derer, die er für unverantwortlich und zu einem unwürdigen, unmenschlichen Leben verdammt hält – und durch das Einsetzen derer in den Mutterleib, die genetisch bedenkenlos sind.

Einigen wird es wie eine Traumvorstellung vorkommen: Keine Mutter muss mehr befürchten, ein behindertes Kind, ein Kind mit „defekten“ Erbanlagen auf die Welt bringen zu müssen. Was für die eine Seite als wahrlicher Segen daher kommen mag und die Welt von Schmerz und Elend befreien könnte, ist für die andere der Beginn von Selbstanmaßung, von „Gott spielen“ und von der Tendenz, eine Gesellschaft schaffen zu wollen, die „perfekt“ ist – und wiederum „unperfektes“ Leben ablehnt.  

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat sich schwer getan bei der Frage nach Zulassung oder Ablehnung der PID. Nachdem die Christlich-Demokratische Union (CDU) mit relativ knapper Mehrheit auf einem Parteitag bei der Haltung blieb, die PID weiterhin verboten zu lassen, hatten auch die EKD-Synodalen mit ebenfalls dünnem Überhang an Gegnern der PID einen Beschluss gefasst, der das Verfahren ebenfalls als nicht vertretbar ansieht. So formulierten sie: 

„Das christliche Menschenbild gründet darauf, dass der Mensch nicht sein eigener Schöpfer ist, sondern sich alles Leben Gott verdankt. […] Damit ist eine Auswahl zwischen lebenswertem und nichtlebenswertem Leben, die sich aus der Zulassung der PID bei bestimmten Krankheitsbildern zwingend ergibt, nicht vereinbar. […] Auch ein Leben mit Behinderung ist in der ganzen Bandbreite Gottesebenbildlichkeit eingeschlossen. […] Die Zulassung der PID relativiert dieses christliche Menschenbild, wenn sie dazu dienst auszuwählen und festzulegen, welches Leben ‚lebenswert‘ ist und welches nicht. […]“ (nach „Evangelischem Pressedienst“, epd, 15. Februar 2011)  

Die Antworten auf diesen Beschluss kamen prompt. Die Empörung unter vielen Ärzten war groß, beispielhaft brachte Dr. med. Klaus Koch (Saaldorf-Surheim) in einem Leser-Brief sein Entsetzen zum Ausdruck:

„Ob die Damen und Herren von der EKD wissen, was sie anrichten, wenn sie für ein PID-Verbot sind? […] Ich könnte es weder mit meinem Gewissen noch mit meinem Verstand verantworten, einer Frau möglicherweise krankes Erbgut oder ein Implantat einzusetzen, von dem vorher schwerwiegende Defekte zu diagnostizieren wären. […] Wenn ich die Möglichkeit habe, vor dem Beginn der Schwangerschaft im Mutterleib eine fehlerhafte Embryoanlage zu diagnostizieren, und dies nicht tue, sehe ich darin einen groben Kunstfehler. Es ist schon eine arge Entgleisung dieser Theologen, die PID unter Strafe stellen zu wollen.“ („ideaSpektrum“, Nr. 9, 03. März 2011, Seite 43)

Bei solchen Zeilen sah ich mich gezwungen, diesem Standpunkt eine Reaktion entgegen zu setzen und schrieb der Redaktion wie folgt:

„Ich respektiere die Sichtweise von Dr. med. Klaus Koch, der es mit seinem Gewissen nicht vereinbaren könnte, einer Frau erblich geschädigte Embryonen einzupflanzen. Gleichzeitig erwidere ich aber auf den Angriff gegen die EKD-Synodalen, die sich gegen eine PID-Zulassung ausgesprochen hatten: Für mich ist es als Betroffener einer genetischen Muskelerkrankung verletzend, wenn ich in indirekter Übertragung als „Kunstfehler“ gelte. Zur Ehrfurcht vor Gottes Schöpfung und seinem Wirken in der Welt gehört auch, Erkrankungen und dem „Anderssein“ mit Würde entgegen zu treten.  Dies geschieht jedoch sicher nicht, indem man die Möglichkeiten heutiger Forschung und Diagnostik nutzt, um die Existenz von Personen wie mir bereits im Reagenzglas als nicht lebenswert einschätzt. Bei all den Diskussionen wird stets von außen betrachtet: Meist Gesunde sehen sich in der Lage zu beurteilen, wie es ist, täglich mit einem genetischen Defekt umgehen zu müssen. Solch ein Leben besteht eben nicht nur aus Leid und Schmerz, sondern auch aus den dankbaren Momenten, in denen ich durch Erfahrungen, Begegnungen und das Durchschreiten von Tiefen und Überwinden von Höhen Kraft und Zuversicht erlerne. Diese hilft mir, mit Situationen umzugehen, die für einen „nicht Kranken“ zu rasch als unbezwingbar gelten. Ich wünsche mir, dass auch nach mir viele weitere Menschen mit genetischem Defekt das Recht zum Leben erhalten. Denn es ist keineswegs ein verlorenes Leben.“

Für mich ist die Vorstellung eine grausame, wonach Ärzte sich aufspielen, zukünftig Herrscher und Entscheidende darüber sein zu wollen, welches Leben als lebenswert betrachtet wird. Eine solche Entwicklung braucht keinen Schöpfergott mehr, dieser wird überflüssig. Sie braucht auch kein Gottvertrauen mehr, dass wir durch seine Gnade in schweren Zeiten aus Leid, Krankheit und Schmerz in den tiefsten Tälern begleitet werden. Sie braucht auch nicht mehr die überlebensnotwendige Erfahrung, mit Herausforderungen umgehen zu lernen, sich Feingefühl, Mitmenschlichkeit und Sensibilität im Miteinander aus Behinderten und Nicht-Behinderten, aus Kranken und Gesunden, aus „Normalen“ und „Anderen“ anzueignen. Kurzum: Sie wird zu einer Entwicklung, die uns in eine Welt aus Korrektheit, Funktionalität und Kälte führt.

Wenn wir die Zuversicht verlieren, dass Gott uns mit Krankheit nicht strafen, sondern auf den Weg der Auseinandersetzung mit uns selbst und unserer Umwelt bringen will, entfernen wir uns von der Grundlage des christlichen Glaubens. Wenn PID Wirklichkeit wird, ist Jesu Leid und Tod am Kreuz wertlos geworden. Die Lasten eines Lebens sind keine einseitigen Bürden. Sie befähigen uns, Not zu teilen und das Wesentliche zu erkennen: Wer am untersten Boden gewesen ist, versteht die Aussicht auf Auferstehung  ganz neu. Wer selbst und mit anderen gelitten hat, der nimmt Freude, Liebe und Hoffnung völlig anders wahr. Wer einmal die erdrückende Schwere des Kreuzes auf den eigenen Schultern spüren musste, blickt mit vollendeter Sehnsucht auf den Tag der Rettung und Erlösung, die Gott uns nicht erst im ewigen Leben schenkt. Wer voller Schmerzen war, würdigt nämlich das, was in einer „perfekten“ Welt so selbstverständlich und ungeachtet wäre – die Kleinigkeiten des Alltags, das Lächeln im Gesicht meines Nächsten, der Gesang der Vögel am Morgen, das aufsteigende Licht am Horizont. Jeder Tag wird zu einem Geschenk, das für die schwer erfahrbar werden zu scheint, die durch PID von aller Schwachheit befreit sind.

Denken wir den Gedanken weiter, wonach zukünftig Ärzte die Macht erhalten könnten, darüber zu bestimmen, welche Menschen das Licht der Welt erblicken dürfen, kommen wir zwingend in Gefilde, die sich wohl auch keiner der Befürworter der PID so richtig ausmalen möchte: In einer Gesellschaft, in der Leistung und Erfolg das Maß aller Dinge sind, kann es für diejenigen zur Versuchung werden, die Produktivität und Gewinn im Auge haben: Man mag es kaum aussprechen – und doch wäre ein „Heranzüchten“ von Menschen ohne Makel für manchen Vertreter in der boomenden Wirtschaft eine Verlockung. 

Ich daher trete entschieden dafür ein, die politischen Kräfte zu stärken, die sich ihrer Verantwortung vor Gott, vor denen, die heute unter Behinderung und Krankheit leiden, und vor der gesamten Gesellschaft bewusst sind – und aus dieser Überzeugung ihr „Nein“ zur Präimplantationsdiagnostik ableiten.





Endlich Fakten zur Gesamtschule

6 02 2011
 
 von Einem, der es wissen muss (hat er doch selbst 5 Jahre in Spanien eine solche Einrichtung besucht und erlebt). 
 
 
Nach Vorstellung des Bildungs-Volksbegehrens von Hannes Androsch ist die Enttäuschung (bei Einigen) groß – hinterläßt es nach genauerem Studium doch mehr den schalen Geschmack von bereits oft Gehörtem und vermeidet es konsequent, eine kritische Auseinandersetzung mit der Gesamtschule zu bieten und realistische Alternativen aufzuzeigen. Scheinbar fällt es Hr. Androsch schwer, authentisch und eigenständig gegen die Linie seiner (Ex?-)Partei zu argumentieren oder auch nur Stellung dazu zu beziehen. 
Offene Fragen

Bild von bettybraun @www.flickr.com

 Erfrischend und richtig befreiend hingegen erweist sich die Initiative einer Gruppe von Schülern und Studenten (beiden Geschlechts), die auf der Homepage  www.schuelerbegehren.at  ENDLICH einmal Fakten und Licht in den tatsächlichen Stand der wissenschaftlichen Untersuchungen und die praktischen Erfahrungen mit der Gesamtschule bringen.

Hat doch einer der Initiatoren selbst 5 Jahre in einer spanischen Ganztags-Gesamtschule verbracht. Überdies werden die ausführlichen Berichte mit einer Fülle von wissenschaftlichen Quellenangaben hinterlegt, die in der öffentlichen Debatte von Medien und Politik keinerlei Berücksichtigung, geschweige denn Erwähnung finden.

Es kann an dieser Stelle empfohlen werden, sich die angebotenen Informationen genau anzusehen und bei Zustimmung die Unterstützung auszusprechen. Eine willkommene Möglichkeit, als Bürger unseres schönen Landes den demokratischen Gestaltungsauftrag wahrzunehmen.





PID: Kränkung derer, die heute an Gendefekt leiden

20 11 2010

 

Die CDU-Spitze in Deutschland hat sich mit einer denkbar knappen Mehrheit dafür ausgesprochen, an einem Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) festzuhalten. Nach einer ausführlichen Diskussion und mahnenden Worten von Spitzenpolitikern wurde daran festgehalten, den bisherigen Weg fortzusetzen, der da heißt: Die Untersuchung von Embryonen auf mögliche Gendefekte bleibt ausgeschlossen – auch wenn die höchstricherliche Rechtssprechung erst kürzlich anders aussah. Und selbstverständlich gilt auch für die Abgeordneten: In einer Abstimmung bezüglich eines entsprechenden Gesetzes wären Sie lediglich ihrem Gewissen gegenüber verpflichtet. Und auch in der CDU gibt es genügend Stimmen, die gerade aus Gewissensgründen ein Verbot der PID ablehnen.

Leid könne verhindert werden, wenn Embryonen mit genetischen Defekten erkannt und aussortiert würden – heißt es in den Standpunkten der Befürworter der Präimplantationsdiagnostik.

Nicht nur für die Kinder, die gesund zur Welt kämen, sondern auch für die Eltern, die nicht im Wissen um ein Baby mit genetischen Schäden ausharren müssten, wäre die PID „ein Segen“.

Dabei sprechen sich viele der Befürworter für enge Grenzen der PID aus. Ethisch vertretbar müsse die PID bleiben – doch wann ist sie das? Und wo sollen diese Einschränkungen liegen, wer kontrolliert sie und wie konkret kann man sie formulieren? Die Befürworter stünden im Angesicht einer wahren Höchstleistung, wenn sie den Ausgleich zwischen „ethisch vertretbar“ und „ethisch unzumutbar“ ausbalancieren müssten.

Was in der Debatte bis heute zu wenig angesprochen wird: Wie denken Betroffenen von Gendefekten wie ich, die wir zu Hause an den Bildschirmen sitzen und die Diskussion darüber verfolgen, wie man mit Embryonen umgehen soll, bei welchen man einen „Fehler“ im Erbgut findet, über die vielen Argumente des Für und Wider? Wie so oft bei derartigen Auseinandersetzungen, bei denen Verantwortliche und „Experten“ über Dinge sprechen, deren Auswirkungen sie selbst gar nicht einschätzen können, ist es auch diesmal ein Diskurs über die Köpfe derer hinweg, die heute von sich aus fragen können: Hätte es PID damals zu der Zeit, als ich geboren wurde, bereits gegeben, wäre ich dann so, wie ich heute bin, überhaupt hier?

Ja, diejenigen, die die PID befürworten, müssen sich durchaus auch bewusst werden, dass sie mit ihren Aussagen nicht nur die kommenden Generationen, von denen man dann erwarten kann, sie seien zumindest bezüglich genetischer Defekte „gesund“, als die „zum Leben ausgewählten“ Menschen von den nicht „zum Leben würdig“ gewesenen Embryonen abgrenzen; nein, sie kränken in gewisser Weise auch die Menschen von heute, die mit einem Gendefekt umgehen müssen. Denn auch ihr Leben scheint in gewisser Weise weniger wertig zu sein, wenn man nun darüber entscheidet, solche Menschen wie mich künftig von Anfang an der Welt nicht „zumuten“ zu wollen.

Natürlich kann und will ich keinem der Befürworter solch einen Gedankengang als bewusst und gewollt unterstellen. Und doch würde ich mir in der Debatte wünschen, dass diejenigen, die heute bereits mit einem genetischen Defekt leben, gehört werden und nach ihrer Meinung befragt werden: Sehen sie sich wirklich als weniger lebenswert an als „die Gesunden“? Ist es tatsächlich eine Zumutung für die Eltern, ein Kind mit einem genetischen Defekt zu erziehen? Und würden sich Betroffene, wenn sie selbst entscheiden könnten, ein anderes Leben wünschen? Ich bin sicher: Die Antworten, die die Befürworter der PID erwarten, würde es nicht geben.

Die Debatte, die scheinbar über die Menschen hinweg verfolgt wird, von denen man urteilt, sie hätten ein schwieriges Leben und solch eines wolle man zukünftigen Generationen nicht zumuten, ist in gewisser Weise nicht nur der Anfang von Selektion, sondern auch eine Bestätigung darüber, wie Entscheidungen, die in die tiefste Ethik und Verantwortlichkeit der Gesellschaft hinein dringen, ohne die abläuft, die am ehesten beurteilen könnten, was „lebenswert“ ist und dass ein Gendefekt nicht nur Last, sondern auch Erfahrung, Weisheit und Sensibilität im Umgang mit den notwendigen Tiefen, Leid und Dunkelheiten des menschlichen Lebens mit sich bringt, aus denen wir lernen können.     

 Dennis Riehle








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