Sexueller Mißbrauch! – Wen wundert es?

3 03 2010

Foto: Maly Krtek

von Inge Thürkauf

Kindesmißbrauch hinterläßt oft unheilbar seelische Leiden. Die Aufdeckung dieser Vergehen an unmündigen Kindern hat höchste Priorität. Die Bemühungen der Vertreter der Kirche, Leitlinien im Umgang mit Mißbrauch zu erstellen, sind anzuerkennen, ebenso ihr uneingeschränktes Schuldbekenntnis in Bezug auf die Vernachlässigung bekanntgewordener Fälle. Doch wird ein Hinweis auf wesentliche Ursachen dieser Vergehen vermißt, der genannte Verweis auf die 68-er Revolution umschreibt eher einen Gemeinplatz. Seit Jahrzehnten beherrscht ein aus dieser Revolution hervorgegangenes Zerstörungsprogramm die gesellschaftliche und kirchliche Szene, von dem jedoch niemand spricht.

In seinem 1997 erschienen Buch „Psychotechniken – die neuen Verführer, Gruppendynamik – die programmierte Zerstörung von Kirche und Kultur“ hat Michael Weber sich mit den entscheidenden Hintergründen einer schleichenden Unterwanderung unserer Gesellschaft auseinandergesetzt. In gruppendynamischen Kursen, die bis in die Priesterseminaren hineinreichen, werden Priester psychotechnisch umerzogen. Der Vorgang ist der einer Gehirnwäsche ähnlich. Das Ziel ist die Veränderung der Wertvorstellungen und des zwischenmenschlichen Verhaltens der Teilnehmer. Durch diese Techniken wird der Mensch aus all seinen Bindungen geworfen. Zurück bleibt ein isoliertes, angeblich befreites, seiner Persönlichkeit beraubtes Wesen. Wie mir Priester aus den verschiedenen Diözesen mehrfach bestätigt haben, gibt es faktisch keine Priesterausbildung mehr, die nicht gruppendynamisch geprägt ist. Dabei sind manche dieser Kurse in einer Art aufgebaut, die mit ruhigem Gewissen als schwachsinnig und in mancher Beziehung sogar als schamlos bezeichnet werden können. Bei verpflichtenden Kursen für Priesteramtskandidaten wird gezielt auf eine Sexualisierung der jungen Männer hingearbeitet, und der unvermeidbare Gruppendruck lähmt den Willen der Teilnehmer, sich gegen diese Praktiken aufzulehnen. Bekannt ist ein gruppendynamisches Programm aus dem Theologenkonvikt in Freiburg i.Br. von 1992. Dort wurden die Priesteramtskandidaten angewiesen, einen Fragebogen auszufüllen, in dem sie ihre sexuellen und erotischen Erlebnisse, Ausdrucksmöglichkeiten und Befindlichkeiten detailliert zu schildern hatten. Es wurde, so sahen es einige Teilnehmer, von ihnen eine „exhibitionistische Schilderung“ verlangt, die eine „Stimmung des Schockiertseins“ hervorrief. Ein Ausstieg aus dieser Übung war nicht möglich.

Die Aussagen des Regens des Bamberger Priesterseminars Martin Emge (DT vom 25. Februar 2010) weisen genau auf die oben geschilderte Richtung hin. Sein Ausbildungsprogramm zielt auf „eine seminarinterne pastoralpsychologische Ausbildung“, wo „in sozialen und pastoralen Praktiken Beziehungs- und Liebesfähigkeit trainiert“ werden soll, „um menschliche Nähe aushalten und in angemessener Weise geben zu können.“ Ob ein Training zur Liebesfähigkeit für den priesterlichen Dienst tauglich macht, ist eine ernstlich zu stellende Frage. Kritiker dieser nun schon seit vierzig Jahren durchgeführten Methoden resümieren, daß diese Praktiken zu einem herben Verlust der Berufungen, zur Förderung der Homosexualität und zur Desorientierung der priesterlichen Bestimmung geführt haben. (Der Priestermangel hat nicht zuletzt auch hier seine Ursachen.)

Da trotz aller Warnungen die „pastoralpsychologischen“ Methoden nach wie vor angewandt werden, müssen wir uns über die moralische Kraftlosigkeit der Priester nicht wundern. Dazu kommt, daß in den letzten Jahrzehnten in manchen Priesterseminaren die für die priesterliche Ausbildung notwendige Spiritualität in nicht zu verantwortendem Maße vernachlässigt wurde. In nicht wenigen Fällen wurde das Ersuchen der Seminaristen nach eucharistischer Anbetung und nach dem gemeinschaftlichen Gebet des Rosenkranzes mit der Drohung abgeblockt, die Betreffenden einer psychiatrischen Untersuchung unterziehen zu lassen.

Als Jesus an Petrus das Hirtenamt übertrug, fragte er ihn nur dies eine: Liebst du mich? Er fragte ihn nicht, in welchem Fach er promoviert oder wieviele Publikationen er schon veröffentlicht habe, sondern nur: Liebst du mich? Dreimal fragte er ihn, und nach dessen Versicherung, daß er ihn liebe, folgte die dreimalige Forderung des Herrn an ihn: Weide meine Lämmer, weide meine Schafe. Wenn der Priester Jesus auf petrinische Weise liebt, wird er an der Liebe Jesu zu den Menschen das Maß für den Hirtendienst nehmen und sein Dienst wird zum Segen für die ihm Anvertrauten werden. Zu dieser Liebe die angehenden Priester hinzuführen, sollte das Ziel eines jeden Regens sein.


Aktionen

Information

3 responses

6 03 2010
Armin

Der Heilige Vater, Papst Paul VI sagte am 7 Dezember 1968

„Wir haben das Gefühl, daß durch irgendeinen Spalt der Rauch des Satans in den Tempel Gottes eingedrungen ist… Es ist zum Eingriff einer feindlichen Macht gekommen, ihr Name ist ,Teufel‘ (diavolo)… Wir glauben, daß etwas Außernatürliches in die Welt gekommen ist, nur um zu stören, die Früchte des Konzils zu ersticken.“ Und dieser Rauch hat sich zu einen wahren Flächenbrand entwickelt, siehe die Sexuelle Revolution mit den Folgen des moralischen und Sittlichen Verfalls der Gesellschaft und abkehr der Werte zum Bösen, Einführung des ungestraften Massenmordes an ungeborenen Kindern Ö 1975. Und ja Satan hat es geschafft in dieser Zeit seine Diener in die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche zu schleusen (nach Vorbild des Judas Iskariots), um diese von innen heruas zu unterhöllen. Siehe die Früchte dieses Rauches, die GEsellschaft in der wir leben, kann man am besten mit den Worten, „Neuheidnische Spass und Wegwerfgesellschaft“, beschrieben in der alles Heilige bekämpft und alles Unheilige verherrlcht wird.

17 03 2010
harrytisch2009

da konterrevolutionäre selbstabgrenzung und exklusivitätsdenken die wiege kapitalistisch-reaktionären denkens sind, muss die sozialistische aufklärungsarbeit bewusst darauf setzen, den widerstand der regressiven elemente durch die kraft des kollektivs zu brechen.

immerhin wissen wir mittlerweile, dass um sexuellen missbrauch zu begehen gar kein körperlicher kontakt nötig ist: http://bluthilde.wordpress.com/2010/03/17/auch-kein-sex-ist-missbrauch/

// satire off: Gibt`s das Buch über die „Psychotechniken“ noch oder ist das schon vergriffen?

19 03 2010
Urlaub

Das kann doch einfach nicht wahr sein! Ich frage mich schon seid Jahren, warum es immer noch das Zölibat in der katholischen Kirche gibt. Denn ich bin mir sicher, dass es damit zusammenhängt! Wer möchte denn in der heutigen Zeit auf Familie und Sexualität verzichten? Das zieht doch einfach Menschen mit krankhaften Neigungen an und begünstigt ihren perversen Dran noch zusätzlich. Jeder Mensch hat sexuelle Wünsche und braucht Befriedigung auch ein Priester! Es ist einfach erschreckend, was oder passiert ist und das die Kirche bescheid wusste, aber nichts unternommen hat ist für mich ein Grund aus der Kirche auszutreten!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: