Die Wahl ist geschlagen, was nun?

27 04 2010

Die Kandidaten im Gespräch mit dem ORF

Die Bundespräsidentenwahl ist geschlagen. Dr. Fischer bleibt mit großer Mehrheit wie erwartet Bundespräsident.
Was hat die Wahl gebracht?

1, Die Wahlbeteiligung

Über dieses Thema wurde schon sehr viel gesprochen und geschrieben. Nur noch soviel: Für viele Personen (ca. 50%) stand es anscheinend schon fest, dass Dr. Fischer Bundespräsident wird, das weitere Angebot hat sie nicht angesprochen und daher hat sie die Wahl nicht interessiert. Dazu muss man wissen, dass man die Kosten für die Bundespräsidentenwahl, im Gegensatz zu anderen Wahlen, NICHT zurückerstattet bekommt. Die ÖVP wollte sich das Geld für den Wahlkampf ersparen, den sie nicht gewonnen hätte und nominierte daher keinen eigenen Kandidaten.  Daher waren sicher viele ÖVP Sympathisanten gar nicht wählen.

2, Die Habsburger

Nachdem ein Mitglied der Familie der Habsburger nicht zur Bundespräsidentenwahl antreten durfte, wurde die Diskussion um das passive Wahlrecht für Habsburger laut. Dieser Abschnitt in der gültigen Wahlordnung ist absolut lächerlich und würde schon lange abgeschafft gehören. Ich bin nur neugierig darauf ob sich jetzt nach der Wahl eine Partei der Sache annimmt.
Am Beispiel des Antretens von Ulrich Habsburg-Lothringen kann man aber erkennen wie schwierig es ist die notwendigen 6000 Unterstützungserklärungen zu erhalten. An dieser Hürde sind einige selbsternannte Kandidaten gescheitert. In diesem Licht muß man die 8000 Unterstützungserklärungen für Dr. Gehring sehr hoch anerkennen und würdigen.

3, Wahlempfehlungen

Die Bedeutung der Wahlempfehlung wird überschätzt, auch die Empfehlung des Weiß-Wählens. Wer läßt sich schon von einem Politiker oder einer Partei eine Wahl vorgeben? Die Wahlempfehlung von Dr. Adam für die Kandidatin Rosenkranz war ein Armutszeugnis der besonderen Art. Der lebenslange Lebensschützer Adam empfiehlt eine Kandidatin, die in der bestehenden Situation der Handhabung der Abtreibung keinen Handlungsbedarf sieht und alles in Ordnung befindet. Wer kann diesen Mann noch ernst nehmen? Was mag wohl die Motivation dahinter gewesen sein? Den bekennenden Abtreibungsgegner Gehring empfiehlt er nicht, weil er sich zwar nicht inhaltlich, aber von der Diktion mancher Aussagen Dr. Adams aus der Vergangenheit distanziert hat. Dr. Adam offenbart damit seinen Charakter und bestätigt damit die richtige Entscheidung all jener, die ihm als Bundesparteiobmann der Christen abgewählt haben. Ähnlich merkwürdig war auch die Empfehlung vom HLI Chef und selbsternannten Oberlebensschützer Dietmar Fischer für Rosenkranz. Zwei beleidigte, ausgegrenzte Herren die in der Ecke schmollend ihre Alterssturheit ausleben.

4, Berichterstattung des ORF und anderer Medien

Anfangs hat der ORF eine Hetzkampagne gegen Rosenkranz inszeniert und Gehring komplett totgeschwiegen. Als die Unterstützungserklärungen für Gehring einlangten hat man sich mit etwas Verachtung, aber doch, des „schrulligen“ Kandidaten angenommen. Die Befragungen waren oft sehr tendenziös, ebenso wie bei Rosenkranz, aber Gehring konnte teilweise seine Themen, wie das Mutter- (Erzieher-) Gehalt zur Diskussion bringen. Obwohl man Dr. Gehring keine Chance einräumte und seine Kandidatur vielleicht als nette Abwechslung gesehen hat, wurde er gegen Ende des Wahlkampfes noch als Bereicherung des Wahlkampfes gesehen und sein Antreten demokratiepolitisch durchaus respektiert.

5, Der Erfolg von Dr. Gehring

Obwohl das Wunschziel mit einem Einzug in eine Stichwahl bei weitem nicht erreicht wurde, konnte Dr. Gehring inhaltlich und mit seinem Auftreten positiv überraschen. Jedes Prozent das über dem der Nationalratswahl von ca. 0,6% lag, war in Wahrheit ein Gewinn. Mit ca. 5,5% wurde ein respektables Ergebnis erzielt mit dem Gehring und die CPÖ sehr zufrieden sein können. Gehring wird damit zwar nicht Bundespräsident, aber er hat die CPÖ und sich selbst positioniert und der breiten Öffentlichkeit bekannt gemacht. Er hat unpopuläre Standpunkte logisch fundiert und gut vertreten. Selbst in den ORF Nachrichten, nach geschlagener Wahl gibt sich Dr. Gehring kämpferisch. Somit sind einige Kritiker welche die CPÖ als lächerlich angesehen haben zumindest überrascht, und erkennen die Positionen an, auch wenn sie diese nicht vertreten. Dieser Wahlerfolg ist eine wichtige Basis für weitere Wahlen, wie z.B. die steirische Landtagswahl, die für die CPÖ einen Achtungserfolg bringen könnte.
Bei der Wien Wahl würde ich der CPÖ eine Teilnahme abraten. Die Wiener Landesorganisation war immer sehr schwach, und ist nach der Abtrennung von Adam, Pekarek und der Christenallianz noch weiter geschwächt worden. Der Kampf um Wien wird ein Infight zwischen der SPÖ und HC Strache, in der die ÖVP die Erfrischungstücher reichen darf und die CPÖ höchstens einen unbeabsichtigten, unkontrollierten Schlag abbekommen würde. Ich befürchte, dass nicht einmal die Unterstützungserklärungen in ganz Wien erreichbar sind. In Wien wurde auch bei der Bundespräsidentenwahl das schlechteste Ergebnis für Gehring erzielt. Die Hoffnung, dass die vielen Moslems einen Christen wählen würden ist ein Wunschdenken. Ein Moslem, der den Koran kennt und ernst nimmt würde das nie tun.

6, Abgrenzung CPÖ – FPÖ

Daran wird die CPÖ noch arbeiten müssen. Wie man im Wahlkampf gesehen hat sind einige Forderungen und Positionen der FPÖ denen der CPÖ sehr ähnlich. Zum Beispiel die Position beim Thema EU, Vertrag von Lissabon, Gender Mainstreaming, Homo Ehe usw. Die Motivation und die Antworten sind aber sehr unterschiedlich. Diese Differenzierung wird in der Öffentlichkeit sehr wichtig sein um eine klare Abgrenzung zu schaffen. Keine einfache Aufgabe für die CPÖ Parteiführung, die Ideologen und die Marketingfachleute diese Botschaft zu definieren und klar zu kommunizieren. Die FPÖ wird vor allem in Wien versuchen die christlichen Wähler ins Boot zu holen, denn bei der ÖVP haben sie keinen Platz mehr.

7, Der Spiegel der SPÖ – Laura Rudas

Laura Rudas kann sich freuen. Sie kann jetzt endlich wieder einmal eine positive Nachricht verkünden. Das SPÖ Urgestein Fischer hat die Wahlen klar gewonnen. Frau Rudas kann ihr charmant-naives Lächeln einsetzen und .. , ja und was noch?
Laura Rudas verkörpert für mich die moderne SPÖ. Inhaltsleer und farblos, lieb lächelnd, ideologisch stramm auf sozialistischer Linie, EU hörig, wenig an ehrlichen Grundsatzdebatten und Wahrheitsfindung interessiert, gemütlich – immer einen Gspritzten in Reichweite, volksnah und lustig – nicht wie die „mieselsüchtigen Koffer von der ÖVP“ (Zitat Häupl), um pragmatische Lösungen bemüht – „des werd ma schon machen, Burschen“ und in Wahrheit streut sie dem Volk Sand in die Augen. Das einzige an dem Frau Rudas noch arbeiten müsste ist ihr Auftreten als Kampf-Emanze.  Aber dafür hat sie ja jede Menge Genossinnen die das gut beherrschen, denn das läßt sich mit Lauras lieben Lächeln so schwer unter einen Hut bringen…

8, Die wahren Gewinner

Die wahren Gewinner dieser Wahl – die ÖVP. Sie hatten überhaupt keine Wahlkampfkosten und trotzdem wurde ihr Wunschkandidat gewählt. Manche ÖVPler haben Fischer empfohlen und haben gewonnen, weil er ja wieder Bundespräsident wurde. Manche haben weiß oder Nicht-Wählen empfohlen. Die haben auch gewonnen, da die absolute Mehrheit nicht wählen war. Damit hat man auch die Distanz zur SPÖ gewahrt und darf sich aber trotzdem über Fischer freuen, der ja bekanntlich eh keine Fehler gemacht hat.

So also schauen die wahren Gewinner aus.


Aktionen

Information

6 responses

27 04 2010
Tom93

Die Art, wie Sie über die Frau Rudas schreiben, finde ich äusserst primitiv.
Sie verraten dabei viel über ihren eigenen Charakter.

28 04 2010
schreibfreiheit

Primitiv finde ich das Auftreten von Fr. Rudas.
Ich habe aus ihrem Mund noch kein sinnvolles Statement gehört.
Wenn Journalisten die auswendig gelernten oder vorgelesenen Sätze nicht einfach akzeptieren und etwas nachfragen, dann kommt sie fast immer ins Schleudern.
Aber sie lächelt immer lieb, ist freundlich und politisch korrekt.
Persönlich ist sie auch sympathisch und nett, für die SPÖ eine richtige Sympathieträgerin für die Wählerschicht der Oberflächlichen, aber in ihrer sehr verantwortungsvollen Position als Bundesgeschäftsführerin einer staatstragenden Partei ist sie peinlich.

27 04 2010
Armin

Nach der Wahl ist vor der Wahl, in meinen Augen ist es besonders wichtig das die CPÖ auch bei den nun folgenden Landtagswahlen zumindest versucht anzutreten. Es geht alleine darum christliche Flagge zu zeigen, nichts ist in meinen Augen schlimmer als andere Menschen in Stich zu lassen, auch wenn diese die ihnen gebotene Hilfe ablehnen, man hat es zumindest versucht. Das wichtigste was aber der CPÖ abgeht sind Personen die aktiv Mitarbeiten, auf allen Ebenen. Leider getrauen sich in unseren Land vermutlich aus Angst vor Represallien der derzeit regierenden Parteine, viele nicht der CPÖ zu helfen, und dies betrifft leider auch die Kirche die lieber schweigt und tolleriert das christliche Werte in unserem Land mit Füßen getreten werden, als sich dem Zorn der Politiker zu holen.

28 04 2010
schreibfreiheit

Hallo Armin,
ich gebe dir grundsätzlich recht. Man sollte immer den Versuch machen anzutreten. Aber man soll auch die Kosten abschätzen. Damit meine ich nicht nur die finanziellen Kosten, sondern auch den notwendigen Aufwand an Personal und Zeit, den eine halbwegs sinnvolle Kandidatur mit sich bringt.
Ich befürchte, dass der enorme Aufwand um in der Wiener Wahl halbwegs sinnvoll mitstreiten zu können, mit den derzeit vorhandenen Ressourcen der Wiener CPÖ nicht machbar ist. Es würde mich freuen, wenn ich mich irre und möchte von Aussen auch keine schlauen Ratschläge geben.

Nur, wenn die CPÖ den Versuch unternimmt anzutreten, und nur in einigen Bezirken die nötigen Unterstützungserklärungen erhält und somit nur eingeschränkt kandidieren kann, weniger als 1% der Stimmen bekommt und einen enormen Aufwand dafür in Kauf nimmt, dann geht der Schuss nach hinten los. Das Risiko muss die Parteiführung abschätzen.

Luk 14, 28
Denn wer unter euch, der einen Turm bauen will, setzt sich nicht vorher hin und berechnet die Kosten, ob er das Nötige zur Ausführung habe?
Damit nicht etwa, wenn er den Grund gelegt hat und nicht vollenden kann, alle, die es sehen, anfangen, ihn zu verspotten, und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und konnte nicht vollenden.

28 04 2010
Armin

Hallo Schreibfreiheit:

Sie haben sicher Recht, aber nirgends im Leben gibt es eine 100 % Garantie gibt. Genau aus diesen Gründen habe ich ja geschrieben das es der CPÖ derzeit vor allem an aktiven Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mangelt. Aber wie soll ich Menschen dazu anregen bei einer Partei mitzuwirken, wenn diese nicht bei Wahen antritt. Das allergrößte Problem sehe ich derzeit aber wo anders und zwar in der immer mehr den Zeitgeist verfallenden und vom wahren Glauben an Gott dem Herrn abkehrenden katholischen Kirche. Die lieber einen Agnostiker an der Spitze sieht als einen wahren Christgläubigen, damit sie ihr frevlerisches Wirken weiter betreiben kann. Z.Bsp.: Ehrung einer Abtreibungsbeführworterin mit den kirchlichen St, Gregoriusorden, die frevlerische Hrdlicka Büste im Wiener Dom, ausufernten liturgischen Missbrauch, Stellungnahmen von katholischen Vereinen pro Abtreibung siehe Aktion Leben, KFB usw. Aber nun bin ich vermutlich zu weit abgeschweift: Und ja sie haben Recht das antreten zu den nächsten Wahlen wäre wichtig muss aber auch sehr genau finanzielle abgewogen werden.

Gott zum Gruß

29 04 2010
siwla

Ich war zuerst überrascht, daß Dr. Gehring sich das antut mit dem Antreten bei der BP-Wahl.
Es war wie David gegen Goliath, nur nicht ganz so erfolgreich, aber das wäre wirklich ein Wunder gewesen.

Wir dürfen uns wohl mitfreuen, weil unsere Themen nicht mehr ganz totgeschwiegen werden konnten.

Und Dr. Gehring hat sich wirklich gut gehalten und viele in meinem Freundeskreis überzeugt – auch junge Leute.

Ob bei der Wienwahl ein Antreten ratsam ist, wage auch ich zu bezweifeln.
Sehr wichtig finde ich die Bereinigung des Zwiespalts.
Und gerade in Wien scheint die Spaltung der christlichen Partei besonders stark zu sein.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s




%d Bloggern gefällt das: