Ein Brief an die Griechen und einer an uns selbst

13 05 2010

Foto: Adrian Clark

Walter Wüllenweber vom Stern schrieb einen vielbeachteten Brief an die Griechen, der die Sichtweise der Deutschen und auch der Österreicher in der Schicksalsgemeinschaft der EU gut darstellt.

Lesen Sie hier: Strenggenommen seid ihr pleite

Mitgehangen – Mitgefangen, so stellt sich die EU dar. Jetzt müssen wir helfen und setzen damit in hohem Maße unsere eigene Bonität und unsere Zukunft, die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder, die Ersparnisse unserer vorigen Generationen einer hohen Gefahr aus. Entweder wir werden genauso insolvent wie es der Europäischen Gemeinschaft in Kürze droht, durch die weiteren „Griechenlands“ die wir säugen, oder wir inflationieren uns den Wohlstand in den nächsten Jahren weg.

Zusätzlich zu der Griechenlandhilfe hat die EU auch noch einen Hilfsfond mit weitreichenden Haftungen aller Mitgliedsländer kreiert. Aus dem politischen Willen der gemeinsamen Union übernehmen wir praktisch eine unbeschränkte Bürgschaft für alle dahinsiechenden Länder die sich in der EU befinden.

Dazu meint die Bibel:

Spr 17,18 Ein Mensch ohne Verstand ist, wer Handschlag gibt, wer Bürgschaft leistet gegenüber seinem Nächsten.

Das Geben einer Bürgschaft sollte man nicht mit Nächstenliebe verwechseln, denn Nächstenliebe gibt ohne einen Dank oder etwas im Gegenzug zu erwarten, aufgrund des Vorbilds der Gnade und Liebe Gottes. Allerdings kann man nur geben was man hat. Wenn man gibt was man nicht hat und für die Schulden anderer bürgt, ohne selbst das nötige Vermögen zu haben um die verbürgte Verbindlichkeit abzudecken, dann handelt man grob fahrlässig. Im Besonderen wenn man Verantwortung für Andere hat, wie hier für die eigenen Staatsbürger und die zukünftigen Generationen.

Dieses Finanzpaket für das zahlungsunfähige Griechenland ist nicht die Wurzel des Problems. Es ist ein Symptom, das uns vor Augen führt, dass unser Geld-, Gesellschafts- und Wirtschaftssystem im Argen liegt. Vergleichbar mit einem Boot das leck ist, haben wir die Pumpen angeworfen um das eintretende Wasser auszupumpen, anstatt das Leck abzudichten. Da die Leistung der Pumpen nicht mehr ausreicht um das eintretende Wasser auszupumpen und der Untergang droht, reissen wir aus dem Bauch des Schiffes ein weiteres Teil heraus, weil wir es benötigen um eine Pumpe daraus zu machen.

Ein Finanzminister braucht kein Wirtschaftsgenie oder Nobelpreisträger zu sein, er braucht nur gesunden Menschenverstand und Mut. Beides vermisst man leider bei den Europäischen Verantwortungsträgern.

Machen wir uns nichts vor, es stehen uns wirtschaftlich und daraus resultierend auch politisch schwierige Zeiten bevor. Denn es wird der Regierung nichts anderes übrig bleiben, als massiv zu sparen, die versprochenen Pensionen nur zu einem Bruchteil auszuzahlen, die Mehrwertsteuer anzuheben, alle Abgaben zu erhöhen und wir werden eine neue Armut in Europa erleben. Damit werden die verwöhnten Europäer aber nicht so leicht umgehen können und daher wird die politische Lage instabil werden. Parallel dazu trägt die demografische Entwicklung zu einer Überalterung der Stammbevölkerung bei und reduziert unsere Produktivität. Unsere Produktionen und Know How in der Industrie haben wir schon vor einigen Jahren im Zuge der Auflösung aller Handelsschranken durch die GATT, an die Niedriglohnländer wie China und Indien abgegeben, zurück blieben nur mehr wenige Nischenprodukte oder lokale Produkte die wir noch fertigen. Wir sollten uns auf die qualifizierte Dienstleistung konzentrieren meinten darauf die Politiker. Jemand sagte einmal treffend dazu, dass wir uns schlußendlich alle nur mehr gegenseitig die Haare schneiden werden. Aber auch das wird nicht mehr funktionieren, da zumindest in Wien die multikulturellen Billigfriseure zu einem Großteil die Friseurgeschäfte übernommen haben.

Zugegeben, die wirtschaftlichen und politischen Aussichten sind triste und wir können nicht viel dagegen unternehmen. Wir sollten uns auch nicht der Illusion hingeben, dass es in Europa nie wieder einen Krieg oder Armut geben kann.

Doch die Hoffnung die wir als Christen haben, steht weit über diesen Sorgen. Denn unsere Hoffnung beruht nicht auf Wohlstand und Reichtum in dieser Welt, auch wenn das nichts Schlechtes ist, aber es ist kein Wert auf den wir unser Leben bauen sollen.

Jesus warnt uns vor dem falschen Sorgen in Lukas 12, 22-34:

Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen sollt. Denn das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung. Seht die Raben an: sie säen nicht, sie ernten auch nicht, sie haben auch keinen Keller und keine Scheune, und Gott ernährt sie doch. Wie viel besser seid ihr als die Vögel! Wer ist unter euch, der, wie sehr er sich auch darum sorgt, seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte? Wenn ihr nun auch das Geringste nicht vermögt, warum sorgt ihr euch um das andre? Seht die Lilien an, wie sie wachsen: sie spinnen nicht, sie weben nicht. Ich sage euch aber, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen. Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, so kleidet, wie viel mehr wird er euch kleiden, ihr Kleingläubigen! Darum auch ihr, fragt nicht danach, was ihr essen oder was ihr trinken sollt, und macht euch keine Unruhe. Nach dem allen trachten die Heiden in der Welt; aber euer Vater weiß, dass ihr dessen bedürft. Trachtet vielmehr nach seinem Reich, so wird euch das alles zufallen. Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben. Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen. Macht euch Geldbeutel, die nicht veralten, einen Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb hinkommt, und den keine Motten fressen. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer Herz sein.


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