Ein buddhistischer Christ tritt ab

25 05 2010

Zum Rückzug von Ministerpräsident Roland Koch

von Dennis Riehle

Manch einer, der heute Mittag die Pressekonferenz des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch zu dessen Rücktrittserklärung von all seinen politischen Ämtern mit verfolgt hat, wird möglicherweise etwas von der buddhistischen Gelassenheit mitbekommen haben, die der Christdemokrat in seinen Ausführungen ausstrahlte.

Nicht nur, dass Roland Koch die Verbundenheit Hessens zum tibetischen Volk als einen seiner größten Verdienste hervorgehoben hat – nein, der Genuss, mit welchem er seinen Abschied verkündete und die Perspektive auf ein „normales Leben“, wie Koch die Zeit nach seinem Rückzug am 31. August diesen Jahres selbst bezeichnet, hatten durchaus etwas von beweihräucherter

Viel erfuhr man über die Gründe seines für die Öffentlichkeit doch überraschend kommenden Weggangs aus seinen Verantwortungen nicht. Dafür konnten die Journalisten aber eine kleine Einführung in die Philosophie des Sinns und Unsinns eines Politikerdaseins erleben, die zwar keine Antworten darauf gab, ob nicht doch die ewige Zwistigkeit zwischen Koch und Merkel der letztendliche Ansporn war, die Entscheidung zum Verlassen der politischen Bühne heute verkünden, die aber Einblick in das offenbar so weich gewordene Herz des Liebe predigenden und trotzdem noch immer wieder auf den so manch sozial Schwachen und Ausgegrenzten im Land herum reitenden Ministerpräsidenten ermöglichte.

Koch ist ein schwer durchschaubarer Mann. Konservativ und rigoros einerseits, ein Taktiker und Unternehmenskenner andererseits – und schlussendlich ein Christdemokrat, der bereits vor Jahren seine Liebe zum obersten Hirten und Vorbild der Tibeter und des buddhistischen Glaubens offenbarte. Sein Bekenntnis mit Schal und sanftmütigen Worten für die, die China ein Dorn im Auge sind, brachten ihn wirtschaftspolitisch unter Druck. Und auch so manch ein Parteikollege fragte sich, wie das Christsein denn mit Meditation, Reinkarnation und Seelenwanderung vereinbar wäre.

Und dabei ist Koch nur ein Stellvertreter für so manch Glaubens- und Sinneswandel in der heutigen Gesellschaft. Christ zu sein, das scheint heute immer öfter mit einem Denken und Bestreben nach Freiheit, Erleuchtung und Vollendung im Verständnis der asiatischen Religionen konform zu gehen. Ein Bekenntnis zu Jesus dann, wenn die christlichen Werte gerade passend sind, um mehr Tradition, harte Hand und innenpolitischen Klartext zu rechtfertigen. Wiedergeburt und ein friedliches Lächeln für die Welt, wenn man um die Harmonie im Land besorgt ist.

Einen Glauben zu leben, der den Alltagsumständen angepasst werden kann und im Zweifel auch immer wieder einmal zu wechseln oder zumindest miteinander kombinierbar zu sein scheint – das ist Trend und ein Anzeichen von Stricken, Häkeln und Knüpfen: Jeder bastelt sich sein Wohl nach dem jeweiligen Bedürfnis und schert sich nicht um Gebote, die den Spaß am Hier und Jetzt ohnehin nur stören. Natürlich mag man sich auch fragen, weshalb Buddhismus und andere Religionen, die weniger von Bekenntnis, aber dafür umso mehr von persönlicher Entfaltung der eigenen Charakterstärke ihrer Anhänger leben, diesen Boom erleben.

Die Antwort dürfte in einer Welt aus zunehmendem Egoismus und Selbstverliebtheit nicht schwer zu finden sein.

Das Vertrauen, sein Schicksal in die Hände eines Gottes zu geben, der als Heiliger Geist und in Form eines Mensch gewordenen Sohnes auf die Erde kommt, fällt viel schwerer als die Gewissheit zu haben, sich nicht auf eine Lehre festzulegen zu müssen, sondern das eigene Vorankommen eigenbestimmt zu gestalten. Dieser Umstand zeigt auch: Hingabe hat an entlastendem und zur Ruhe verhelfendem Mittel für besorgte Seelen ausgedient. Das Raffen nach Seelenheil in Form von Versprechungen für ein Leben in höheren Sphären dagegen verspricht Mystik, Spannung und Zukunft – das, was die sinnleere Gesellschaft zu brauchen scheint.

Viele trauern um den Rückzug von Roland Koch. Gab er doch nicht nur seinem Kabinett, sondern auch vielen Bürger eine starke Führung vor, die nun zunächst einmal wegzubrechen droht. Doch viel eher fragt man sich: Mit Koch geht zwar ein Ministerpräsident, der die Kanzlerin immer wieder zum Besinnen auf die konservative Klientel der Partei ermahnt hat. Doch schlussendlich hat Koch mit seinen immer stärkeren Annäherungen an ein selbsterfüllendes Weltbild des Buddhismus auch den Weg frei gemacht für einen neuen Politiker, der nun nicht nur Kante, sondern auch wieder christliche Politik von Grund auf vermitteln kann.

Wo dieser Nachfolger aber zu finden ist, bleibt unklar. Alle möglichen Erben von Koch stehen getreu in seiner Linie. Von der CDU in Hessen klare christlich bekennende Aussagen in der Politik zu erwarten, das ist derzeit utopisch.

Gerade die Landesverbände Hessen der christlichen Kleinparteien sind nun aufgerufen, diese Lücke zu nutzen, um sich als letztes Überbleibsel einer unverfälscht bekennenden Politik zu profilieren.


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