Produziert nicht gezeugt – Aus den Designerateliers der Genetiker

8 10 2010

Bild: Eugene Ermolovich (CRMI)

Aus den Designerateliers der Genetiker

von Inge M. Thürkauf

1997 kam ein Science-Fiction-Film in die Kinos, der das Bild einer Zwei-Klassen Gesellschaft zeichnete, die sich in die Tauglichen, welche die Oberschicht bildete und die Untauglichen als Unterschicht aufteilte. Die Tauglichen, offiziell „die Validen“ genannt, kamen aus den Designerateliers der Genetiker. Sie wurden nach den von ihren Eltern vorgegebenen Kriterien in vitro, also außerhalb des Mutterleibs im Reagenzglas reproduziert und genetisch optimiert auf den neuesten technischen Stand gebracht. Die Untauglichen oder „Invaliden“ waren Menschen, die von ihren Eltern noch auf „altmodische“, d.h. „traditionelle Weise“ gezeugt wurden, sie gehörten der Unterschicht an. Ihre Eigenschaften erhielten keine genetisch optimierte Aufwertung, sie wurden dem Zufall überlassen. In den offiziell geführten Akten bezeichnete man sie als „Invalide“, inoffiziell jedoch abschätzig als „Gotteskinder“.

Der Fortschritt auf dem Gebiet der Reproduktionsmedizin hat die Träume von Science-Fiction-Filmen schon weit hinter sich gelassen. Die Unterteilung von Oberschicht bzw. Valide und Unterschicht (Invalide) hat unsere Gesellschaft zwar noch nicht vollzogen, doch setzt sich die von Genetikern und Biologen angestrebte Tendenz, die natürliche, gottgegebene Art der Zeugung menschlichen Lebens aufzugeben und durch die künstliche Befruchtung zu ersetzen, immer mehr durch. Eine biologische Verwandtschaft herkömmlicher Art soll immer weniger die Regel sein. Der Grund dafür ist leicht zu erraten: die Reproduktion menschlichen Lebens ist ein unerhörtes Geschäft geworden – ein Milliardengeschäft. Weltweit sollen schon vier Millionen Kinder dieser „Medizin ohne Maß“ (Stefan Rehder) ihr Leben zu verdanken haben. Hier drängt sich jedoch eine Frage auf, die weder die Wissenschaftler noch die Ärzte und allzu oft auch nicht die Eltern zu interessieren scheint: wie wird die ständig wachsende Generation von in-vitro gezeugten Kindern mit ihrer Vergangenheit fertig?

Es hat sich gezeigt, daß nicht wenige der z. B. durch donogene Insemination, d.h. mit dem Samen anonymer Väter künstlich gezeugten Kinder im Erwachsenenalter auf die Suche nach ihren Wurzeln, also nach ihren Samenspender gehen. Sie können sich nicht damit abfinden, ohne Kenntnis ihrer genetischen Väter zu leben. Vor kurzem ist ein Buch eines jungen Franzosen herausgekommen, dessen deutsche Übersetzung den Titel trägt: „Ganz der Papa – Samenspender unbekannt“. Darin schildert der Autor, Arthur Kermalvezen, seine Suche nach seinem genetischen Vater. Als er drei Jahre alt war, erklärten ihm seine Eltern, daß der Mann seiner Mutter nicht sein leiblicher Vater sei, die Mutter aber diesen „Vater“ auch nicht kenne, denn in Frankreich verbietet das Gesetz die Preisgabe des fremden Samenspenders. (In Deutschland und in einigen anderen Ländern wurde die Anonymität für die Kinder aufgehoben, doch erst bei Erreichen der Volljährigkeit.)

Je älter Arthur wurde, desto intensiver beschäftigte er sich mit der Frage, wer er eigentlich ist und welche Rolle die genealogische Abstammung für das Selbstverständnis eines Menschen spielt. Er selbst sagt zu seiner Situation: „Ich bin das Ergebnis einer wissenschaftlichen Versuchsreihe. Man hat sich kaum Gedanken darüber gemacht, welche Auswirkungen sie auf uns Kinder hat. Wir waren Versuchskaninchen.“ Nicht zu wissen, wer die Person ist, dessen Gene er in sich trug, war für Arthur, wie er schreibt, unerträglich. Für ihn sind die Spender „falsche Erwachsene“, weil sie kaum Verantwortung übernehmen. Er nennt sie auch „feige Väter“. Seine beiden Schwestern entstanden – aus dem Samen jeweils anderer Männer – ebenfalls in vitro. Die ältere von ihnen konnte schwer damit leben. Als Jugendliche ging sie sogar auf die Leute los und fragte – ob sie es hören wollten oder nicht: „Ist hier vielleicht irgend jemand, der in dem und dem Jahr Samen gespendet hat?“

Den Manipulatoren der Reproduktionsmedizin geht es augenscheinlich nicht um das Wohl des Menschen und wie immer deutlicher zu sehen ist, schon gar nicht um das Wohl der Kinder, sondern um die wissenschaftlichen Erfolge, unabhängig davon, was ihre Experimente für Auswirkungen haben mögen.

Den größtmöglichen Erfolg, den ein Wissenschaftler für seine Forschungsarbeiten erringen kann, ist die Erlangung des höchsten Preises, den die Gesellschaft zu vergeben hat: der Nobelpreis. Er wurde soeben vom Nobel-Komitee des Karolinska-Instituts Stockholm an den Pionier der künstlichen Befruchtung, Robert Edwards, verliehen unter der Begründung, der heute 85jährige Forscher habe „die Behandlung der Unfruchtbarkeit möglich gemacht.“

Der Leiter der päpstlichen Akademie für das Leben, Ignacio Carracso de Paula, hat die Ehrung Robert Edwards scharf kritisiert. Die Verleihung des Nobelpreises für Medizin an den Briten sei „überhaupt nicht in Ordnung“. Ohne den britischen Wissenschaftler gäbe es „keinen Markt, auf dem Millionen von Eizellen verkauft werden.“ Darüber hinaus sei das Problem der Unfruchtbarkeit nicht gelöst und schon gar nicht beseitig, sondern übergangen worden. Auch würde „nicht eine Vielzahl von Kühlschränken, gefüllt mit Embryonen“, existieren. Edwards sei auch verantwortlich dafür, daß zahlreiche Embryonen zum Sterben verurteilt seien.

Die katholische deutsche Lebensrechts-Bewegung „Aktion Leben“ verurteilt ebenso mit allem Nachdruck die Verleihung des Nobelpreises für Medizin an Robert Edwards, in dem sie in einer Pressemitteilung vom 5. Oktober 2010 darauf hinweist, daß die künstliche Befruchtung (IVF) „die Grundlage aller nachfolgenden unmoralischen Handlungen wie Selektion im Reagenzglas (PID), selektive Abtreibung bei Mehrlings-Schwangerschaften nach IVF, Forschung an embryonalen Stammzellen bis hin zur Kreation von Designerbabys“ ist. Die Schlußfolgerung in der Kritik der deutschen Lebensrechts-Bewegung läßt keinen Zweifel offen: „Insofern kann man die künstliche Befruchtung als den ‚Sündenfall der Reproduktions-Medizin’ betrachten.“

Das Leiden unfruchtbarer Eltern soll nicht unterschätzt werden. Doch ist den meisten kaum bewußt, wie hoch der Preis dafür ist. Daher sollte mit der nötigen Sensibilität, jedoch mit unumgänglicher Eindringlichkeit verständlich gemacht werden, daß „jedes menschliche Wesen …um seiner selbst willen geachtet werden“ muß „und …nicht auf den bloßen und einfachen Wert eines Mittels zum Vorteil anderer herabgewürdigt werden“ darf (Vatikanische Instruktion „Donum vitae“).



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2 responses

11 10 2010
nora

der Geist Luzifers weht durch all diese Labors und Gehirne der sogen. „Wissenschaftler“, die dies tun und befürworten…

So sein wie Gott – das steckt dahinter!!!

Die alte Schlange in neuem Gewand!!!!

Kauft die Zeit aus – denn die Tage sind böse (und werden immer böser)!:

Eph 5:10 Prüfet also, was dem Herrn wohlgefällig sei!
Eph 5:11 Und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, decket sie vielmehr auf;
Eph 5:12 denn was heimlich von ihnen geschieht, ist schändlich auch nur zu sagen.
Eph 5:13 Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Lichte aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht.
Eph 5:14 Darum spricht er: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dir Christus leuchten!
Eph 5:15 Sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise;
Eph 5:16 und kaufet die Zeit aus, denn die Tage sind böse.

11 10 2010
nora

Zur Vertiefung Epheser 5 (komplett)
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Eph 5:1 Werdet nun Gottes Nachahmer als geliebte Kinder
Eph 5:2 und wandelt in der Liebe, gleichwie Christus uns geliebt und sich selbst für uns gegeben hat als Gabe und Opfer für Gott, zu einem angenehmen Geruch.
Eph 5:3 Unzucht aber und alle Unreinigkeit oder Habsucht werde nicht einmal bei euch genannt, wie es Heiligen geziemt;
Eph 5:4 auch nicht Schändlichkeit und albernes Geschwätz, noch zweideutige Redensarten, was sich nicht geziemt, sondern vielmehr Danksagung.
Eph 5:5 Denn das sollt ihr wissen, daß kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger (der ein Götzendiener ist), Erbteil hat im Reiche Christi und Gottes.
Eph 5:6 Niemand verführe euch mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Unglaubens.
Eph 5:7 So werdet nun nicht ihre Mitgenossen!
Eph 5:8 Denn ihr waret einst Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts!
Eph 5:9 Die Frucht des Lichtes besteht nämlich in aller Gütigkeit und Gerechtigkeit und Wahrheit.
Eph 5:10 Prüfet also, was dem Herrn wohlgefällig sei!
Eph 5:11 Und habt keine Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis, decket sie vielmehr auf;
Eph 5:12 denn was heimlich von ihnen geschieht, ist schändlich auch nur zu sagen.
Eph 5:13 Das alles aber wird offenbar, wenn es vom Lichte aufgedeckt wird; denn alles, was offenbar wird, das ist Licht.
Eph 5:14 Darum spricht er: Wache auf, der du schläfst, und stehe auf von den Toten, so wird dir Christus leuchten!
Eph 5:15 Sehet nun zu, wie ihr vorsichtig wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise;
Eph 5:16 und kaufet die Zeit aus, denn die Tage sind böse.
Eph 5:17 Darum seid nicht unverständig, sondern suchet zu verstehen, was des Herrn Wille sei!
Eph 5:18 Und berauschet euch nicht mit Wein, was eine Liederlichkeit ist, sondern werdet voll Geistes,
Eph 5:19 und redet miteinander in Psalmen und Lobgesängen und geistlichen Liedern und singet und spielet dem Herrn in eurem Herzen
Eph 5:20 und saget allezeit Gott, dem Vater, Dank für alles, in dem Namen unsres Herrn Jesus Christus,
Eph 5:21 und seid dabei einander untertan in der Furcht Christi.
Eph 5:22 Die Frauen seien ihren eigenen Männern untertan, als dem Herrn;
Eph 5:23 denn der Mann ist des Weibes Haupt, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist; er ist des Leibes Retter.
Eph 5:24 Wie nun die Gemeinde Christus untertan ist, so seien es auch die Frauen ihren eigenen Männern in allem.
Eph 5:25 Ihr Männer, liebet eure Frauen, gleichwie auch Christus die Gemeinde geliebt und sich selbst für sie hingegeben hat,
Eph 5:26 auf daß er sie heilige, nachdem er sie gereinigt durch das Wasserbad im Wort;
Eph 5:27 damit er sich selbst die Gemeinde herrlich darstelle, so daß sie weder Flecken noch Runzel noch etwas ähnliches habe, sondern heilig sei und tadellos.
Eph 5:28 Ebenso sind die Männer schuldig, ihre eigenen Frauen zu lieben wie ihre eigenen Leiber; wer seine Frau liebt, der liebt sich selbst.
Eph 5:29 Denn niemand hat je sein eigenes Fleisch gehaßt, sondern er nährt und pflegt es, gleichwie der Herr die Gemeinde.
Eph 5:30 Denn wir sind Glieder seines Leibes, von seinem Fleisch und von seinem Gebein.
Eph 5:31 «Um deswillen wird ein Mensch Vater und Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen, und werden die zwei ein Fleisch sein.»
Eph 5:32 Dieses Geheimnis ist groß, ich aber deute es auf Christus und auf die Gemeinde.
Eph 5:33 Doch auch ihr, einer wie der andere, liebe seine Frau wie sich selbst; die Frau aber fürchte den Mann!
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Und hier die „Erklärung“ zu Epheser 5 für wiedergeborene Christen und solche die es werden wollen (denen erweist auch Gott die Gnade: „Wer mich sucht, wird mich finden!“ ist eine felsenfeste Verheissung im Wort Gottes):
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Es beginnt mit der Darstellung der objektiven Seite der uns beschäftigenden Wahrheit: da wir nach Gott geschaffen sind und Gott in uns wohnt, so ist Gott das Muster unseres Wandels, und zwar in Bezug auf die beiden Worte, die allein das Wesen Gottes bezeichnen: Liebe und Licht. Wir sollen „in Liebe wandeln, gleichwie auch Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch“ (V. 2). Er hat Sich „für uns“ hingegeben, das war göttliche Liebe; Er hat Sich „Gott“ hingegeben, das drückt die Vollkommenheit des Gegenstandes und des Beweggrundes aus. Das Gesetz nimmt die Liebe zu sich selbst zum Maßstab der Liebe zu anderen. Christus gibt Sich Selbst gänzlich auf, und das für uns; aber Er gibt Sich Gott hin. Unsere Unwürdigkeit vergrößert die Liebe; aber andererseits erhalten Liebe und Beweggrund ihren Wert immer von ihrem Gegenstand (und bei Christo war dies Gott Selbst), indem das Ich gänzlich aufgegeben ist. Unsere Liebe kann sozusagen nach oben und nach unten hin gerichtet sein. Wenn wir in unseren Zuneigungen aufwärts blicken, so ist die Liebe um so edler, je edler ihr Gegenstand ist; blicken wir abwärts, so ist die Liebe, je unwürdiger ihr Gegenstand ist, um so reiner und unvermischter. Christus war in beiden vollkommen, und nur vollkommen. Er gab Sich Selbst für uns, und Er gab Sich Gott hin. Ferner sind wir „Licht in dem Herrn“. Wir können nicht sagen, dass wir Liebe sind, denn Liebe ist unumschränkte Güte in Gott; wir wandeln darin, gleichwie Christus. Aber wir sind Licht in dem Herrn. Hier ist Christus wiederum das Muster. „Der Christus wird leuchten.“ So sind wir berufen, Gott nachzuahmen als Seine geliebten Kinder.
Dieses Leben, an dem wir teilhaben und von dem wir als Teilhaber der göttlichen Natur leben, ist uns in all seiner Vollkommenheit und Fülle in Christo dargestellt worden – in dem Menschen, und zwar in dem jetzt zur Vollkommenheit im Himmel gelangten Menschen, gemäß den Ratschlüssen Gottes in Bezug auf Ihn. Dieses ewige Leben ist Christus, der bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist – Er, der erst herabgestiegen und nun in den Himmel hinaufgestiegen ist, um die Menschheit dorthin zu bringen und sie in der Herrlichkeit, in der Herrlichkeit Gottes, nach Seinen ewigen Ratschlüssen zu entfalten. Wir haben dieses Leben hier in seiner irdischen Entwicklung gesehen: Gott, geoffenbart im Fleische – ein Mensch, vollkommen, himmlisch, in allem Seinem Vater gehorsam und in Seinem Verhalten gegen andere durch Beweggründe geleitet, die Gott Selbst in Gnade kennzeichnen. Später wird Er im Gericht geoffenbart werden. Hienieden hat Er bereits alle Erfahrungen eines Menschen durchgemacht, und so versteht Er, wie die Gnade sich unseren Bedürfnissen anpasst, und offenbart dieselbe jetzt dieser Kenntnis gemäß, so wie Er später das Gericht ausüben wird mit seiner Menschenkenntnis, die nicht nur göttlich ist, sondern die, da Er in Heiligkeit durch diese Welt gegangen ist, den Herzen der Menschen jede Entschuldigung und jedes Entrinnen unmöglich machen wird.
Doch wir reden jetzt von dem Bilde Gottes in Christo. In Ihm wird uns die Natur, der wir nachahmen sollen, dargestellt, und zwar im Menschen, so wie sie sich in uns hienieden entfalten soll in den Umständen, durch die wir zu gehen haben. Wir sehen in Ihm die Offenbarung Gottes, und das im Gegensatz zu dem alten Menschen. Wir sehen da „die Wahrheit, wie sie in dem Jesus ist“, nur dass sie in uns das Ablegen des alten Menschen und das Anziehen des neuen, entsprechend dem Tode und der Auferstehung Christi, mit einschließt (vergleiche, besonders betreffs Seines Todes, 1.Pet 3,18; 4,1) So hat Gott, um unsere Herzen anzuziehen und zu leiten, um uns das Muster zu geben, nach dem sie sich bilden, und das Ziel, wonach sie streben sollen, uns einen Gegenstand gegeben, in dem Er Sich Selbst offenbart, und der der Gegenstand Seiner ganzen Wonne ist.
Das Wiederhervorbringen Gottes in dem Menschen ist das Ziel, das Gott Sich in dem neuen Menschen vorgesetzt hat, und das der neue Mensch sich selbst vorsetzt, da er selbst das Wiederhervorbringen der Natur und des Charakters Gottes ist. Es gibt zwei Grundsätze für den Wandel des Christen, entsprechend dem Licht, in dem er sich selbst sieht. Indem er als Mensch seinen Lauf vollbringt, dem Ziel seiner himmlischen Berufung entgegen, worin er dem hinaufgestiegenen Christus nachfolgt, geht sein Lauf himmelwärts; die Vortrefflichkeit Christi dort zu gewinnen ist sein Beweggrund. Doch das ist nicht der Gesichtspunkt des Briefes an die Epheser. In diesem Briefe sehen wir den Gläubigen in Christo in den himmlischen Örtern sitzen, und er soll sich hienieden so zeigen, als käme er aus dem Himmel, wie Christus es in Wirklichkeit getan hat, und soll den Charakter Gottes auf der Erde offenbaren, dessen Muster, wie wir gesehen haben, Christus ist. Wir sind berufen, in der Stellung als geliebte Kinder die Wege unseres Vaters zu offenbaren.
Wir sind nicht neu geschaffen nach dem, was der erste Adam war, sondern nach dem, was Gott ist. Christus ist die Offenbarung hiervon. Und Er ist der zweite Mensch, der letzte Adam [1].
Wenn der Apostel auf die Einzelheiten eingeht, findet man folgende Charakterzüge des neuen Menschen: Wahrhaftigkeit und das Fehlen alles Zornes, der die Natur des Hasses hat (Lüge und Hass sind die beiden Charakterzüge des Feindes); dann praktische Gerechtigkeit, verbunden mit einer Tätigkeit nach dem Willen Gottes (die wahre Stellung des Menschen), und das Nichtvorhandensein aller Verderbtheit. Es ist der Mensch, welcher der Ordnung, die Gott seit dem Sündenfalle errichtet hat, unterworfen und von der Wirkung der betrügerischen Lüste befreit ist. Doch mehr noch: ein göttlicher Grundsatz bringt den Wunsch hervor, anderen Gutes zu tun nach Leib und Seele. Ich brauche nicht zu sagen, wie völlig wir hier das Bild des Lebens Christi finden, gleichwie in den vorhergehenden Bemerkungen es sich um das Ablegen des Geistes des Feindes und des alten Menschen handelte. Der Geist des Friedens und der Liebe (und das trotz des Bösen in anderen und des Unrechts, das sie uns zufügen mögen) vervollständigt das Gemälde, indem der Apostel hinzufügt, was nach dem Gesagten leicht zu verstehen ist, dass wir, „einander vergebend“, Nachahmer Gottes sein und in Liebe wandeln sollen, wie Christus uns geliebt und Sich Selbst für uns hingegeben hat. Ein schönes Gemälde! Ein köstliches Vorrecht! Gott gebe uns, so auf Jesum zu sehen, dass Sein Bild uns aufgedrückt werde und wir einigermaßen wandeln mögen wie Er.
Ferner lasst uns hier bemerken (und das ist ein wichtiger Zug in diesem Gemälde der Früchte der Gnade und des neuen Menschen), dass, wenn die Gnade und Liebe, die von Gott hernieder gekommen, in dem Menschen wirken, sie immer wieder, Herzen weihend, zu Gott emporsteigen. „Wandelt“, sagt der Apostel, „in Liebe, gleichwie auch der Christus uns geliebt und sich selbst für uns hingegeben hat als Darbringung und Schlachtopfer, Gott zu einem duftenden Wohlgeruch.“ Wir sehen das in Christo. Er ist diese Liebe, die in Gnade hernieder kommt; aber die Gnade, die in dem Menschen Christus wirkt, macht, dass Er Sich Gott widmet, obwohl zugunsten anderer. So ist es auch in uns; und das ist der Prüfstein für die Tätigkeit des christlichen Herzens.
Indem der Apostel dann klar und deutlich über die Sünde spricht, damit keiner sich selbst betrüge, warnt er davor, sich mit tiefen Wahrheiten zu beschäftigen, indem man sie mit dem Verstand zu dem Zweck gebraucht, um die gewöhnlichen Sittlichkeitsgesetze zu vernachlässigen: eines der Kennzeichen der Ketzerei in eigentlichem Sinne. Der Apostel bringt in seiner Unterweisung die tiefsten Lehren mit dem täglichen Leben in Verbindung. Ist Christus als Haupt der Versammlung verherrlicht, so ist Er das Muster des neuen Menschen, des zweiten Adam; und die Versammlung ist droben mit Ihm eins und bildet auf der Erde durch den Geist, mit dem jeder Christ versiegelt ist, die Behausung Gottes. Daraus folgt, dass jeder Christ, wenn er wirklich die Wahrheit, wie sie in dem Jesus ist, gelernt hat, auch erkannt hat, dass sie darin besteht, den alten Menschen ausgezogen und den neuen angezogen zu haben, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und Heiligkeit (wovon Christus das Muster ist nach den Ratschlüssen Gottes in Herrlichkeit). Der Christ soll hin wachsen zu dem Maße des vollen Wuchses des Christus, der das Haupt ist, und soll den Heiligen Geist, mit dem er versiegelt ist, nicht betrüben. Die vollste Offenbarung der Gnade schwächt nicht die unveränderliche Wahrheit, dass Gott einen Charakter hat, der Ihm eigentümlich ist; sie stellt uns diesen Charakter vor Augen mittelst der köstlichsten Offenbarungen des Evangeliums und der innigsten Beziehungen zu Gott, die durch diese Offenbarungen gebildet worden sind; aber dieser Charakter könnte sich nicht verändern, auch könnte das Reich Gottes niemand zulassen, dessen Charakter der heiligen Natur Gottes zu wider wäre. Der Zorn Gottes wider das Böse und wider diejenigen, die es verüben, wird deshalb klar vorgestellt.
Nun, wir waren das, was dem Charakter Gottes entgegengesetzt ist, wir waren Finsternis, nicht nur in der Finsternis, sondern Finsternis in unserer Natur, das Entgegengesetzte von Gott, der Licht ist. Nicht ein Strahl dessen, was Er ist, wurde in unserem Willen, unseren Wünschen und unserem Verständnis gefunden. Wir waren innerlich völlig davon entblößt. Wir hatten die Verderbtheit des ersten Adam, aber keinen Anteil an irgendeinem Zug des göttlichen Charakters. Wir sind jetzt Teilhaber der göttlichen Natur: wir haben dieselben Wünsche, wir wissen, was Er liebt, und wir lieben was Er liebt; wir erfreuen uns an dem, woran Er Sich erfreut; wir sind im Licht (zwar arm und schwach, aber doch so nach unserer neuen Natur) in dem Herrn, betrachtet als in Christo. Es sind die Früchte des Lichts, die sich in dem Christen entfalten; er soll aller Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis entsagen.
Wenn aber der Apostel von Beweggründen spricht, die den Christen leiten sollen, so kehrt er zu den großen Gegenständen zurück, von denen sein Herz eingenommen ist; und zwar tut er dies nicht nur zu dem Zweck, dass wir den Charakter anziehen sollen, der durch das, wovon er spricht, vor Augen gestellt wird, sondern damit wir die ganze Ausdehnung desselben verwirklichen, die ganze Kraft desselben erfahren möchten. Er hat vorher gesagt, dass die Wahrheit in Christo die ist, den neuen Menschen (im Gegensatz zu dem alten) angezogen zu haben, und ferner, dass man den Heiligen Geist nicht betrüben solle. Jetzt ermahnt er die Schlafenden, dass sie aufwachen möchten, und Christus werde ihr Licht sein. Das Licht macht alles offenbar; aber der, welcher schläft, hat, obwohl er nicht tot ist, keinen Nutzen davon. Er befindet sich, was Hören, Sehen und alles geistige Empfangen und Mitteilen betrifft, in dem Zustand eines Toten. Ach, wie leicht überfällt uns solcher Schlaf! Doch der Apostel versichert den Gläubigen, dass sie beim Aufwachen das Licht nicht trübe sehen würden, sondern Christus Selbst würde das Licht ihrer Seele sein. Sie würden die ganze, völlige Offenbarung dessen haben, was Gott wohlgefällig ist, was Er liebt; sie würden göttliche Weisheit in Christo besitzen und fähig sein, die Gelegenheiten zu benutzen, ja, in diesem Lichte sie zu finden inmitten der Schwierigkeiten einer vom Feinde beherrschten Welt, und sie sollten in jedem vorkommenden Falle handeln nach geistlichem Verständnis. Er ermahnt sie ferner, ihre Nüchternheit nicht zu verlieren durch Mittel der Berauschung, wie die Welt sie gebraucht, sondern mit dem Geist erfüllt zu sein; mit anderen Worten, der Geist soll in solcher Weise Besitz nehmen von unseren Gefühlen, unseren Gedanken, unserem Verstande, dass Er nach Seiner eigenen und mächtigen Kraft deren einzige Quelle wird, mit Ausschluss von allem anderen. So werden wir dann, voll von Freude, loben, singen und danksagen für alles, was da kommen mag, weil ein Gott der Liebe die wahre Quelle von allem ist. Wir werden voller Freude sein in der geistlichen Verwirklichung der Gegenstände des Glaubens; und das Herz wird mehr und mehr mit dem Geiste erfüllt und durch diese Gnade gekräftigt werden. Auch wird die Erfahrung der Hand Gottes in allem hienieden nur Danksagung bewirken, da uns ja alles von Dem zukommt, dem wir vertrauen und dessen Liebe wir kennen. Das Danksagen für alles ist zugleich ein Prüfstein für den Zustand der Seele; denn um für alles danksagen zu können, müssen das Bewusstsein, dass alles aus der Hand Gottes kommt, völliges Vertrauen auf Seine Liebe sowie ein Gestorbensein hinsichtlich alles Eigenwillens bei uns vorhanden sein. Wir müssen ein einfältiges Auge haben, das an Seinem Willen Wohlgefallen findet.
Wenn der Apostel nunmehr auf die Einzelheiten der verschiedenen Beziehungen und besonderen Pflichten der Christen eingeht, kann er den ihm so teuren Gegenstand nicht aufgeben. Das Gebot, das er an die Weiber richtet, dass sie ihren Männern unterworfen sein sollen, erweckt in ihm sogleich den Gedanken an die Beziehung zwischen Christo und der Versammlung, jedoch hier nicht als eine Erkenntnissache, sondern um die Liebe und zarte Sorge Christi zu entfalten. Nachdem der Apostel die großen Grundsätze aufgestellt hat, die in der Offenbarung unserer Beziehung zu Gott (unserer „Berufung“) ans Licht treten, zieht er daraus, wie wir gesehen haben, die praktischen Folgerungen hinsichtlich des Lebens und des Betragens der Christen: sie sollen wandeln als solche, die den neuen Menschen angezogen haben; sie sollen Christum als ihr Licht haben, den Geist nicht betrüben, sondern mit Ihm erfüllt sein. Alle diese Dinge waren die Frucht der Gnade, aber es handelte sich dabei auch entweder um Erkenntnis oder um praktische Verantwortlichkeit.
Doch der Gegenstand wird hier von einem anderen Gesichtspunkt aus betrachtet. Es ist die Gnade, die in Christo Selbst tätig ist, Seine Liebe, Seine Fürsorge, Seine Widmung für die Versammlung. Nichts könnte köstlicher, zärtlicher und inniger sein. Die Quelle von allem ist: Er hat die Versammlung geliebt. Und in dem Werke dieser Liebe gibt es drei Stufen: Er hat Sich Selbst für die Versammlung hingegeben, Er wäscht sie, Er stellt sie Sich verherrlicht dar. Hier ist es nicht eigentlich die unumschränkte Erwählung des einzelnen von Seiten Gottes, sondern die Liebe, die sich in dem Verhältnis, das Christus mit der Versammlung aufrecht hält, entfaltet [2]. Beachten wir auch die Größe der Gabe und welch eine wunderbare Grundlage für unser Vertrauen uns darin gegeben ist. Christus gibt Sich Selbst; nicht nur Sein Leben, so wahr das ist, sondern Sich Selbst [3] Alles, was Christus war, ist gegeben worden, und zwar von Ihm Selbst; es ist die gänzliche Widmung und Hingabe Seiner Selbst. Und jetzt ist alles, was in Ihm ist: Seine Gnade, Seine Gerechtigkeit, Seine Annahme bei dem Vater, Seine Weisheit, die vorzügliche Herrlichkeit Seiner Person, die Kraft der göttlichen Liebe, die sich selbst geben kann – alles ist dem Wohle der Versammlung gewidmet. Es gibt keine Eigenschaft, keine Vortrefflichkeit in Christo, die in ihrer Ausübung nicht unser wäre infolge der Gabe Seiner Selbst. Er hat sie alle bereits gegeben und sie der Segnung der Versammlung geweiht, um deren Besitz Er Sich Selbst hingegeben hat. Nicht nur ist alles, was in Ihm ist, gegeben worden, sondern Er hat es gegeben; Seine Liebe hat es getan.
Wir wissen zwar, dass die Hingabe Seiner Selbst auf dem Kreuze geschehen ist. Dort war Seine Aufopferung zum Wohl der Versammlung vollständig. Allein hier betrachtet der Geist Gottes dieses herrliche Werk nicht gerade von dem Gesichtspunkt Seiner versöhnenden und schuldtilgenden Wirkung aus, sondern von dem der Hingebung und Liebe zu der Versammlung, die Christus darin offenbarte, dass Er Sich auf dem Kreuze dahingab. Jetzt können wir stets auf die Liebe rechnen, die sich in jenem Werke vollkommen entfaltet hat. Sie ist unverändert dieselbe geblieben. Jesus – gelobt und gepriesen sei Sein Name dafür! – ist für mich, nach der Kraft Seiner Liebe, in allem, was Er ist; Er ist für mich in allen Umständen und zu allen Zeiten, und zwar in der Tätigkeit jener Liebe, gemäß welcher Er Sich Selbst für mich hingegeben hat. Er hat die Versammlung geliebt und Sich für sie hingegeben. Das ist die Quelle aller unserer Segnungen als Glieder der Versammlung.
Aber diese Liebe ist unerschöpflich und unveränderlich. Sie bewirkt die Segnung ihres geliebten Gegenstandes, in dem sie denselben für ein Glück zubereitet, von dem Sein Herz Maß und Quelle zugleich ist [4], für das Glück einer vollkommenen Reinheit, deren Köstlichkeit Er im Himmel kennt; einer Reinheit, die der Gegenwart Gottes sowie der Braut des Lammes, die in dieser Gegenwart auf ewig wohnen wird, angemessen ist, und sie fähig macht, eine vollkommene Liebe und Herrlichkeit zu genießen. Und diese Liebe dient dazu, die Seele zu reinigen, indem sie sich derselben bekannt macht, sie anzieht, sie von sich selbst entkleidet und sie mit Gott als dem Mittelpunkt alles Segens und aller Freude erfüllt.
Es ist wichtig zu beachten, dass Christus hier die Versammlung nicht heiligt, um sie zu Seinem Eigentum zu machen, sondern dass Er sie zu Seinem Eigentum macht, um sie zu heiligen. Sie ist zuerst Sein; dann macht Er sie für Sich Selbst passend. Christus, der die Versammlung als Sein Eigentum liebt und sie bereits dadurch zu Seinem Eigentum gemacht hat, dass Er Sich für sie hingab und sie so haben will, wie Sein Herz es wünscht, ist, nachdem Er sie erworben hat, mit ihr beschäftigt, um sie so darzustellen. Er hat Sich Selbst für sie hingegeben, auf dass Er sie heiligte, sie reinigend durch die Waschung mit Wasser durch das Wort. Hier finden wir die durch die Fürsorge Christi in den Seinigen hervorgebrachte Wirkung, den Zweck, den Er Sich in Seinem in der Zeit vollbrachten Werke vorsetzte, und das Mittel, das Er gebraucht, um jenen Zweck zu erreichen. Er sondert die Versammlung innerlich für Sich ab, setzt sie in geistlichem Sinne für Sich beiseite, nachdem Er sie zu Seinem Eigentum gemacht hat; denn Er kann nur etwas begehren, was heilig ist (heilig nach der Erkenntnis, die Er von Heiligkeit und Reinheit hat) kraft Seines ewigen und naturgemäßen Wohnens im Himmel. Auf diese Weise bringt Er die Versammlung in Verbindung mit dem Himmel, von woher Er ist und wohin Er sie führen will. Er hat Sich Selbst hingegeben, auf das Er sie heiligte. Zu diesem Zweck gebraucht Er das Wort, das der göttliche Ausdruck der Gedanken Gottes, der himmlischen Ordnung und Heiligkeit, der Wahrheit selbst ist (d. h. der wahren Beziehungen aller Dinge zu Gott, und zwar gemäß Seiner Liebe in Christo), und das folglich alles verurteilt, was im Blick auf Reinheit und Liebe von ihm abweicht.
Er bildet die Versammlung zu Seiner Braut, zu Seiner Gefährtin, bei der alles der Herrlichkeit und der Liebe Gottes entspricht; und Er tut das durch die Offenbarung jener Dinge, wie sie im Himmel sind, vermittelst des Wortes, das von dort kommt. Christus Selbst ist der völlige Ausdruck dieser Dinge, das Bild des unsichtbaren Gottes. Indem Er sie nun der Versammlung mitteilt, bereitet Er sie für Sich Selbst zu. Wenn Er daher in diesem Sinne von Seinem eigenen Zeugnis redet, sagt Er: „Wir reden, was wir wissen, und zeugen, was wir gesehen haben.“
Das ist das Wort, wie wir es von Jesu empfangen haben, und ganz besonders, weil dieses Wort, unter dem Charakter des neuen Gebotes, vom Himmel her redet, indem die Finsternis vergeht und das wahrhaftige Licht schon leuchtet, und folglich die Dinge wahr sind, nicht nur in Ihm, sondern auch in uns. (Damit ist der Dienst im 1. Kapitel beschäftigt: er bildet die Herzen der Heiligen auf der Erde in Verbindung mit dem Haupte, von dem die Gnade und das Licht hernieder gekommen sind.) Auf diese Weise heiligt also Christus die Versammlung, für die Er Sich Selbst hingegeben hat. Er hat sie gebildet für himmlische Dinge durch die Mitteilung himmlischer Dinge, deren Fülle und Herrlichkeit Er Selbst ist. Aber dieses Wort, das die Versammlung durch die Offenbarung des Himmlischen heiligt, findet sie vermengt mit Dingen, die dieser himmlischen Reinheit und Liebe entgegengesetzt sind. Ach, ihre Gefühle, wenigstens dem alten Menschen nach, sind vermischt mit jenen irdischen Dingen, die dem Willen Gottes und Seiner Natur entgegenstehen. Wenn Christus demnach die Versammlung heiligt, so muss Er sie notwendigerweise reinigen; und das ist das Werk der Liebe Christi in der gegenwärtigen Zeit, aber zum ewigen und wirklichen Glück der Versammlung. Er heiligt sie, aber Er tut das durch das Wort, indem Er himmlische Dinge mitteilt: alles, was zu der Natur, der Majestät und der Herrlichkeit Gottes gehört. Er tut es in Liebe, aber indem Er jene himmlischen Dinge zugleich dazu benutzt, um alles zu richten, was in den gegenwärtigen Gefühlen der Versammlung dem, was Er mitteilt, widerstreitet. Kostbares Werk der Liebe, die nicht nur uns liebt, sondern auch bemüht ist, uns zu befähigen, diese Liebe zu genießen, ja, mit Christo Selbst in dem Hause des Vaters zu wohnen!
Welch ein Interesse nimmt Er doch an uns! Er hat nicht nur das herrliche Werk unserer Erlösung vollbracht, indem Er Sich Selbst für uns dahingab, sondern Er ist auch fortwährend mit vollkommener Liebe und Geduld beschäftigt, uns so zu machen, wie Er uns in Seiner Gegenwart haben will, passend für die himmlischen Örter und für die himmlischen Dinge.
Welch ein Charakter wird hier auch dem Worte beigelegt, und welch eine Gnade gibt sich in der Anwendung desselben von Seiten des Herrn kund! Es ist die Mitteilung göttlicher Dinge nach ihrer eigenen Vollkommenheit, und so wie Gott Selbst im Lichte ist. Es ist die Offenbarung Gottes, wie wir Ihn kennen in einem verherrlichten Christus, in vollkommener Liebe, zu dem Zweck, um auch uns dieser Vollkommenheit gemäß zu bilden, damit wir Ihn genießen können. Und doch ist es an uns hienieden gerichtet, ja, gerade in seiner Natur uns angepasst (vgl. Joh 1,4), um uns dieser Dinge teilhaftig zu machen, indem Er das Licht in die Finsternis einführt, und also notwendigerweise alles richtet, was in der Finsternis ist; aber der Zweck ist, uns in Liebe zu reinigen.
Beachten wir auch die Ordnung in der dieses Werk Christi uns vorgestellt wird. Es beginnt mit der Liebe. Er hat die Versammlung geliebt. Das ist, wie wir bereits sagten, die Quelle all ihrer Segnungen. Alles Folgende ist die Wirkung jener Liebe und kann sie nicht verleugnen. Dann wird der vollkommene Beweis dieser Liebe geliefert Er hat Sich Selbst für die Versammlung hingegeben. Er konnte nicht mehr geben. Es war ohne Zweifel zur Verherrlichung des Vaters, aber es war für die Versammlung. Hätte Er etwas zurückbehalten, so wäre die Liebe in der Hingabe Seiner Selbst nicht vollkommen, nicht unumschränkt gewesen; es wäre nicht eine Hingabe gewesen, die dem aufgewachten Herzen nichts mehr zu wünschen übrig ließe. Es wäre nicht Christus gewesen, denn Er konnte nicht anders als vollkommen sein. Wir kennen die Liebe und die Vollkommenheit, wenn wir Ihn kennen. Aber Er hat das Herz der Versammlung gewonnen, indem Er Sich Selbst für sie hingab. Er hat sie selbst gewonnen, und so ist sie Sein, jener Liebe gemäß. Hier haben wir gelernt, was Liebe ist. „Hieran haben wir die Liebe erkannt, dass er für uns sein Leben dargelegt hat.“ Alles war zur Verherrlichung des Vaters. Ohne das wäre es nicht Vollkommenheit gewesen; und die Offenbarung der himmlischen Dinge würde nicht stattgefunden haben, denn sie war abhängig von der vollkommenen Verherrlichung des Vaters. Die zu offenbarenden Dinge wurden sozusagen trotz des Bösen kundgetan und bestätigt, als Christus Sich hingab; aber alles war ausschließlich für uns. Haben wir die Liebe kennen gelernt, so haben wir Jesum kennen gelernt, so wie Er für uns ist; und Er ist ganz und gar für uns.
So ist das ganze Werk der Reinigung und Heiligung das Ergebnis der vollkommenen Liebe. Diese Heiligung ist nicht das Mittel, die Liebe zu erwerben oder ein Gegenstand der Liebe zu werden. Allerdings ist sie das Mittel, das uns fähig macht, sie zu genießen; aber es ist die Liebe selbst, die in ihrer Ausübung diese Heiligung bewirkt. Zuerst erwirbt Christus die Versammlung. Dann macht Er sie, nach Seiner vollkommenen Liebe, so wie Er sie haben will – eine Wahrheit, die in jeder Hinsicht für uns köstlich ist: zunächst um die Seele von aller knechtischen Furcht zu befreien, und sodann um der Heiligung ihren wahren Charakter der Gnade und ihren wahren Umfang hienieden zu geben. Es ist die Freude des Herzens, zu wissen, dass Christus Selbst uns in allem so machen will, wie Er uns zu haben wünscht.
Wir haben zwei Wirkungen der Liebe Christi für die Versammlung betrachtet. Die erste war die Hingabe Seiner Selbst, die gewissermaßen alles umfasst: es ist die in sich selbst vollkommene Liebe. Er hat Sich Selbst gegeben. Die zweite ist die innere, geistliche Bildung des Gegenstandes Seiner Liebe, damit derselbe bei Ihm sein möge; und wir können hinzufügen, in Übereinstimmung mit den Vollkommenheiten Gottes Selbst, denn das Wort ist in Wirklichkeit Gott: der Ausdruck der Natur, der Wege und der Gedanken Gottes.
Es gibt noch eine dritte Wirkung der Liebe Christi, durch die das Werk dieser Liebe vollständig wird. Christus stellt Sich Selbst die Versammlung verherrlicht dar, ohne Flecken oder Runzel. Wenn Er Sich für die Versammlung hingab, so geschah es, um sie bei Sich zu haben; aber wenn Er sie bei Sich haben wollte, so musste Er sie passend machen, in Seiner herrlichen Gegenwart weilen zu können; und Er hat sie geheiligt, indem Er sie reinigte in Übereinstimmung mit der Offenbarung Gottes Selbst und der himmlischen Dinge, deren Mittelpunkt in Herrlichkeit Er Selbst ist. Der Heilige Geist hat die Dinge Christi genommen und sie der Versammlung geoffenbart; und alles, was der Vater hat, gehört Christo. Nachdem die Versammlung also vollkommen gemacht ist nach der Vollkommenheit des Himmels, stellt Er sie Sich Selbst verherrlicht dar. In geistlichem Sinne war das Werk bereits getan; die Elemente der himmlischen Herrlichkeit waren ihr, die in jener Herrlichkeit sein sollte, mitgeteilt worden; sie waren in ihr inneres Wesen eingedrungen und hatten sie auf diese Weise dazu gebildet, an der Herrlichkeit selbst teilzunehmen. Doch die Kraft des Herrn ist notwendig, um die Versammlung tatsächlich daran teilnehmen zu lassen, um sie herrlich darzustellen, um jede Spur ihres Aufenthaltes auf der Erde zu verwischen, ausgenommen die köstliche Frucht, die aus demselben hervorgeht. Christus stellt Sich Selbst verherrlicht dar; das ist das Ergebnis von allem. Er hat sie für Sich gewonnen; Er stellt sie Sich Selbst dar, als die Frucht und den Beweis Seiner vollkommenen Liebe; und für die Versammlung bedeutet es den vollkommenen Genuss dieser nämlichen Liebe.
Aber das ist nicht alles. Die Worte des Apostels machen uns mit der ganzen Tragweite dieser bewunderungswürdigen Entfaltung der Gnade bekannt. Der Geist führt uns zurück zu der Geschichte Adams und Evas. Nachdem Eva gebildet war, stellte Gott sie Adam dar, ganz vollkommen, Seinen eigenen göttlichen Gedanken entsprechend, und zu gleicher Zeit geeignet, die Wonne Adams zu bilden, als eine Hilfe, die seiner Natur und seinen Verhältnissen angemessen war. Nun, Christus ist Gott, Er hat die Versammlung gebildet; aber mit diesem noch hinzutretenden Anrecht auf ihr Herz, dass Er Sich Selbst für sie hingegeben hat. Zugleich ist Er der letzte Adam in der Herrlichkeit; und so stellt Er sie Sich Selbst verherrlicht dar, so wie Er sie für Sich gebildet hatte. Welch ein weites Feld für die Entfaltung geistlicher Zuneigungen ist diese Offenbarung! Welch eine unendliche Gnade ist es, die der Ausübung solcher Zuneigungen Raum gemacht hat!
Wir können nicht umhin, auf die Verbindung zwischen der Reinigung und der Herrlichkeit hinzuweisen; d.h. einerseits ist die Reinigung der Herrlichkeit gemäß und durch sie bedingt, und andererseits ist die Herrlichkeit die Vollendung der Reinigung und entspricht ihr vollständig; denn die Reinigung geschieht durch das Wort, welches seinerseits die ganze Herrlichkeit und das ganze Wesen Gottes offenbart. Wenn die Versammlung in der Herrlichkeit dargestellt wird, so hat sie weder Flecken noch Runzel; sie ist heilig und tadellos. Das ist eine überaus wichtige Wahrheit, die auch anderswo erwähnt wird (vgl. 2.Kor 3,18 und Phil 3,11 bis zum Ende; ebenso 1.Thes 3,13). Was dort in der Herrlichkeit vollendet ist, wird jetzt in der Seele hervorgebracht durch den mittelst des Wortes wirkenden Heiligen Geist.
Das also ist der Vorsatz, die Absicht des Herrn hinsichtlich der Versammlung, und das ist die heiligende Wirksamkeit, durch die sie für Ihn und für den Himmel zu bereitet wird. Aber es sind noch nicht alle Wirkungen Seiner Liebe für die Versammlung. Er wacht mit Zärtlichkeit über sie während der ganzen Zeit ihres Weilens hienieden.
Indem der Apostel den Gedanken, der die für uns so lehrreiche Abschweifung veranlasst hat, nicht aus dem Auge verliert, sagt er, der Mann sei schuldig, sein Weib zu lieben wie seinen eigenen Leib, und das sei dasselbe, wie sich selbst lieben. Er war durch die Anspielung auf 1.Mo 2,23+24 ganz naturgemäß dazu geleitet worden; dann aber kehrt er sogleich wieder zu seinem Gegenstand zurück. Niemand, sagt er, hat jemals sein eigenes Fleisch gehasst, sondern er nährt und pflegt es, gleichwie auch der Christus die Versammlung (V. 29). Damit stellt der Apostel die für die gegenwärtige Zeit so köstliche Seite der Liebe Christi vor unsere Blicke. Nicht nur hat Christus eine himmlische Absicht, sondern Seine Liebe tut das Werk, das ihr gleichsam natürlich ist. Er sorgt mit Zärtlichkeit für die Versammlung hienieden; Er nährt und pflegt sie. Ihre Gebrechen, ihre Schwachheiten, ihre Schwierigkeiten, ihre Trübsale sind für Ihn nur Gelegenheiten zur Ausübung Seiner Liebe. Die Versammlung hat, gleich unserem Leibe, nötig, genährt zu werden; und Christus nährt sie. Sie ist der Gegenstand Seiner zärtlichen Liebe; Er pflegt sie. Wenn das Ende für die Versammlung der Himmel ist, so ist sie hienieden nicht verlassen. Sie lernt Seine Liebe da kennen, wo ihr Herz ihrer bedarf. Sie wird dieselbe völlig genießen, wenn Mängel und Bedürfnisse für immer verschwunden sind. Zudem ist es köstlich zu wissen, dass Christus für die Versammlung sorgt, geradeso wie jemand für sein eigenes Fleisch sorgt. Denn wir sind Glieder Seines Leibes. Wir sind „von seinem Fleisch und von seinen Gebeinen“ (V 30). Der Apostel macht hier eine Anspielung auf Eva. Wir bilden gleichsam einen Teil von Ihm Selbst, weil wir unser Dasein und unser Leben von Ihm haben, wie Eva und Adam. Der Herr konnte sagen: „Ich bin Jesus, den du verfolgst“ (Apg 9,5). Unserer Stellung nach sind wir einerseits Glieder Seines Leibes, andererseits haben wir unser Dasein als Christen von Ihm, „Deswegen wird ein Mensch seinen Vater und seine Mutter verlassen und seinem Weibe anhangen“ (V. 31). Gerade das ist es, was Christus als Mensch in einem gewissen Sinne göttlich getan hat. Es ist ein großes Geheimnis. Übrigens soll jeder in derselben Weise sein eigenes Weib lieben, und das Weib soll ihren Mann fürchten.
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Fußnoten:
[1] Es mag nützlich sein, hier nochmals auf den Unterschied zwischen diesem Brief und dem an die Römer (Röm 12,1+2) hinzuweisen. Der Brief an die Römer betrachtet, wie wir wissen, einen lebenden Menschen auf der Erde; daher soll derselbe seinen Leib als ein lebendiges Schlachtopfer darstellen; lebend in Christo soll er seine Glieder gänzlich Gott hingeben. Hier im Epheserbrief dagegen werden die Heiligen als schon in den himmlischen Örtern sitzend gesehen, und sie sollen von dort kommen als ein Zeugnis von Gottes Charakter vor den Menschen, indem sie wandeln, wie Christus es getan hat, in Liebe und Licht.
[2] Es ist gut, diesen Charakter der Liebe zu beachten; es ist Liebe in einem festgestellten Verhältnis. Das Wort Gottes ist in seinen Ausdrücken genauer, als man gewöhnlich denkt, weil der Ausdruck seinen Ursprung in der Sache selbst hat. Es wird nicht gesagt, dass Christus die Welt geliebt habe; Er steht mit der Welt, wie sie ist, in keinem Verhältnis. Aber es steht geschrieben, dass Gott also die Welt geliebt habe; das ist es, was Er ihr gegenüber in Seiner Güte ist. Wir lesen nicht, dass Gott die Versammlung geliebt habe. Die eigentliche Beziehung der Versammlung als solcher ist zu Christo, ihrem himmlischen Bräutigam. Der Vater liebt uns: wir sind Seine geliebten Kinder. In diesem Charakter liebt uns Gott. So liebt Jehova Israel. Andererseits sind die ganze zärtliche Liebe und Treue, die dem Verhältnis, in dem Christus steht, angehören, unser Teil in Ihm, wie auch alles das, was der Name Vater in diesem Verhältnis besagen will.
[3] Darin zeigt sich vor allem die Hingebung Seiner Liebe. Er gibt, und Er gibt Sich Selbst.
[4] Wenn ich (hier und oben) sage, dass die Liebe Christi die Quelle des Glücks der Versammlung sei, so ist das nicht so gemeint, als ob die Liebe des Vaters und die ewigen Ratschlüsse Gottes nicht ihren Platz darin hätten. Ich spreche von der Segnung, die an das in dieser Stelle dargestellte Verhältnis geknüpft und darin geoffenbart wird; und dieses Verhältnis besteht mit Christo. Übrigens ist die Liebe des Vaters und die Liebe Christi dieselbe göttliche Liebe.

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