Erkenntnisse aus der Weltwirtschaftskrise

30 11 2010

Am 25. und 26.11.2010 fand in der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz eine hochrangig besetzte Tagung zur Weltwirtschaftskrise statt.

Einer der bekanntesten Ökonomen Österreichs, Prof. Dr. Streissler untersuchte die letzten 8 Weltwirtschaftskrisen und vermerkte, dass sich diesmal die Banken komplett von der Realwirtschaft entfernt haben und virtuellen Finanzprodukten zugewandt haben um den vorhandenen Geldüberschuss zu veranlagen. Das hat nichts mehr mit wirklicher Wirtschaft zu tun, wenn nur mehr ca. 3% des Wachstums aus der Realwirtschaft entsteht. Die einzigen Gewinner sind die Reichen und die Banken, sowie die Manager und Finanzmakler. Diese gewinnen immer, egal ob der Kunde gewinnt oder verliert. Die Verflechtung der Banken untereinander und die wechselseitigen Abhängigkeiten haben die Staaten dazu veranlasst die Banken nicht bankrott gehen zu lassen, da sonst auch die eigenen Banken betroffen wären.  Der Hauptunterschied dieser Krise zu den vorhergehenden ist, dass diesmal die Armen ärmer und die Reichen reicher geworden sind, früher wurden die Unterschiede immer eingeebnet. Auch hat man bei früheren Krisen die Bankmanager und Verantwortlichen enteignet, doch diesmal haben sie einen Bonus bekommen, weil sie es schafften Staatshilfe zu erhalten. Das Keynsianische investieren des Staates zur Verbesserung der Wirtschaftsleistung wird immer unwirksamer. Österreich wählt für sich den erprobten Weg des „Durchwurschtelns“

Prof. Hülsmann, ein Vertreter der international sehr renommierten österreichischen Schule der Ökonomie verwies darauf, dass Nationalbanken per se nicht in Konkurs gehen können. Die Banken können aber in Konkurs gehen und das sollten sie auch machen, da die Liquidität zu gering ist. Es herrscht ein Marktversagen aufgrund von Unfähigkeit und geringer Moral. Durch die geringen Zinsen und die unbegrenzte Fähigkeiten der Nationalbanken zur Geldproduktion entsteht eine Ungleichheit. Die Menschen verhalten sich, als ob sie reich wären, sind es aber nicht. Dadurch entsteht Instabilität. Eine Lösung bestaht darin das Geldsystem auf ein Warengeldsystem auf der Basis von Gold, Silber oder anderen Rohstoffen umzustellen.

Direktor Bergauer von der Bank Schelhammer & Schattera erklärte die Sicht eines Bankmanagers. Haupteigentümer der Bank ist die Katholische Kirche. In seiner Bank wird nach den Prinzipien der christlichen Soziallehre gearbeitet. Dadurch hat man einen anderen Bezug und spürt eine andere Verantwortung dem Kunden und der Gesellschaft gegenüber. Außerordentlich hoch ist die Eigenkapitalquote von 30%. Gelder und deren Verwendung müssen müssen ethischen und nachhaltigen Herausforderungen stand halten können.

Dr. Michael Landau, Direktor der Caritas zeigte den Anstieg der Armut in Österreich auf. Durch die Krise wurde diese enorm verstärkt. Letztes Jahr gab es um 10% mehr $ Millionäre und gleichzeitig hatte die Caritas 10% mehr Mahlzeiten an die Ärmsten ausgegeben. Die Inanspruchnahme von Hilfe durch die Caritas ist in den letzten Jahren stark im Anstieg. Doch die große soziale Krise steht noch bevor. Allen Verantwortlichen ist es klar, dass es in den nächsten Jahren zu einer Krise im Pflegebereich für Alte kommen wird. Die Alleinerzieher, Familien und die Armen haben keine Lobby, am wenigsten die armen Familien. Dadurch sind sie auch die Hauptverlierer des Sparpaketes. Besonders überraschte Vizekanzler Pröll, da er bereits vor 6 Monaten in einem Wirtschaftsgespräch mitteilte, dass die Leistungen an die Familien reduziert gehören. Für eine deklarierte Familienpartei ist das eine traurige Haltung. Ermutigend ist es, dass es aus der Bevölkerung und in den Pfarren viel Initiative zur Hilfeleistung gibt.

Prof. Dr. Schallenberg erarbeitete Lösungsansätze auf Basis der christlichen Gesellschaftslehre. Die Guten gebrauchen die Welt um Gott zu genießen. Die Bösen gebrauchen Gott um die Welt zu genießen, sofern sie ihn überhaupt anerkennen. Es fehlt die Ausbildung des Gewissens. Die Welt ist krank, weil ihr die guten Gedanken fehlen. Die Grundethik liegt in den Regeln der Institutionen, aber ethisch handeln können nur die Personen. Selbst der beste Sozialstaat der Welt könnte eine gute Gesellschaft nicht herstellen. Menschen sind mehr als nur Konsumobjekte und Gesundheit ist ohne Hygene der Seele nicht herstellbar. Das Ideale ist nicht herstellbar, es gibt nur verschiedene Arten des Scheiterns.

Weiters sprachen Prof. Dr. Mazal, der seine Erfahrungen aus der Sozialpartnerschaft einbrachte und der Abt des Klosters Gregor Henkel Donnersmarck, der auf die Arbeitsethik aus dem Gebet heraus hinwies „ora et labora“. Die Wirtschaftsethik läuft in Gefahr ein theoretischer Ansatz zu bleiben.

Dass die Krise nur vorübergehend entschärft wurde, und dass ein größerer Zusammenbruch des Finanzsystem bevorsteht bejahte jeder Redner direkt oder indirekt.

Was ist also die Erkenntnis aller Lehre?

Die kompletteste Zusammenfassung liefert wohl der König Salomo gegen Ende seines Lebens im Buch Prediger 12, 13:

Lasst uns die Hauptsumme aller Lehre hören:
Fürchte Gott und halte seine Gebote

Umgelegt auf unseren Auftrag als Christen und der Kirche kann man sagen, dass unsere wichtigste Aufgabe die ist, den Menschen das Evangelium zu verkünden, Licht und Salz in der Welt zu sein, und das Christentum wieder einen lebendigen Teil der Gesellschaft werden zu lassen. Das ist die einzige Maßnahme die Menschen vom Herzen her verändert und somit als Folge auch die Gesellschaft und die Wirtschaft.


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