1979_Familie unersetzbar -> 2010_Kinder ab in die Krippe!

22 12 2010
So ändern sich die Zeiten für Kinder!Aus sozial-liberalen Zeiten: Familie durch Staat nicht ersetzbar

Familie hat in unserer Gesellschaft die wichtige Aufgabe, die menschliche
Existenz der jungen Generation zu sichern […]. Die Bereitschaft der Eltern
zur selbstlosen Hingabe kann ein Gegengewicht zu den im Alltagsleben
vorherrschenden zweiseitigen Beziehungen bilden, die auf einen möglichst
großen Vorteil für die eigene Person abgestellt sind. Dadurch kann
einer einseitigen Ausrichtung des Lebens auf das Erlangen ausschließlich
materieller Vorteile vorgebeugt werden. […] Rückzugsmöglichkeiten,
die in Notzeiten ein Gefühl der Geborgenheit verschaffen, kann der Staat
nicht in gleichem Maße gewährleisten; denn Menschlichkeit lässt sich
nicht mit Geld allein verwirklichen. Dazu gehört für die Familie
allerdings auch die Bereitschaft, im Dienst an ihren hilfsbedürftigen
Mitgliedern Opfer zu erbringen. Der Staat hat durch materielle und
immaterielle Hilfen die Familien bei der Erfüllung dieser Aufgabe zu
unterstützen und sollte nicht versuchen, möglichst viele Aufgaben
der Familie an sich zu ziehen.

Bundesministerium für Jugend, Familie und Gesundheit (Hrsg.):

Die Lage der Familien in der Bundesrepublik Deutschland
(Dritter Familienbericht), Bundestagsdrucksache 8/3120, Bonn
1979, S. 16-17.

Moderner Aberglaube: Institutionenkindheit ist besser als
Familienerziehung

„Das höchste Maß an Gerechtigkeit erreichen wir nicht durch höhere
Transfers, sondern durch den Ausbau der sozialen Infrastruktur.“ So
begründet der Sprecher des „konservativen Flügels“ der SPD seinen
Vorschlag, das Kindergeld um 30 Euro zu kürzen, um stattdessen in
Kinderbetreuung und Ganztagsschulen zu investieren. Die SPD-Spitze
wollte zwar nicht von Kürzungen sprechen stimmte ihm aber grundsätzlich
zu: Für Kindergelderhöhungen gebe es keine „Spielräume“, weil
„Investitionen in die Infrastruktur Vorrang haben müssten“

(1). Familien sollen also Kaufkraftverluste hinnehmen, damit der Staat
ihre Kinder – versprochen wird besser und professioneller – erziehen und
bilden kann. Dabei hat die Kinderbetreuungsinfrastruktur für die Bundes-
regierung ohnehin seit Jahren Priorität: Zwar erhöhte sie 2008/2009
widerwillig noch einmal das Kindergeld; zugleich trieb sie jedoch mit
der „Krippenoffensive“ den um 2002 begonnenen Paradigmenwechsel
zur sogenannten „nachhaltigen“ Familienpolitik voran (2).
Dieser zielt darauf ab, dass Kinder von klein auf „einen wesentlichen Teil
des Tages in öffentlich organisierten und verantworteten Bildungs-,
Betreuungs- und Erziehungseinrichtungen“ verbringen. Der Direktor des Deutschen
Jugendinstituts benennt die Konsequenzen dieser Politik für den Alltag von Kindern mit dem
Begriff der „Institutionenkindheit“ (3).

Für die „alten Bundesländer“ in Westdeutschland ist dies eine „stille Revolution“:
Bisher prägte die Familie die Kindheit; öffentliche Kinderbetreuung war
lange „allenfalls eine mehr oder minder punktuelle Ergänzung der
privaten Erziehung“ (4). Das Gros der Erziehungsarbeit leisteten dabei die
Mütter. Im Zuge ihrer steigenden Erwerbsneigung führte dies zum vielfach
kritisierten Problem der „Doppelbelastung“. Schon seit den 1970er Jahren
forderten deshalb Familien- und Frauenpolitiker(innen) neben mehr
Familienengagement von Vätern und familienfreundlicheren Arbeits-
zeiten auch bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
Öffentliche Institutionen sollten die familiäre Erziehung jedoch keinesfalls
verdrängen: Als ihre Aufgabe galt es, die Eltern subsidiär darin zu
unterstützen, ihre Kinder selber zu erziehen (5).
Dieser Vorrang der familiären Erziehung prägte bis in die jüngste Zeit
das Bewusstsein der Westdeutschen: Dem „Generations and Gender Survey“
zufolge sahen sie noch 2005 mehrheitlich in den Eltern die besten Erzieher
ihrer (kleinen) Kinder (6).

Dem Paradigmenwechsel hin zu einer entfamilisierten Kindheit steht dieser
vermeintlich antiquierte Familiensinn im Wege (7): Regierungs-
sachverständige definierten 2002 als Ziel der „gesamten Gesellschafts-
politik“, im Blick auf die außerhäusliche Kinderbetreuung ein neues
„gesellschaftliches Bild von Normalität“ durchzusetzen (8).
Dieser Aufgabe widmet sich nun seit Jahren eine breite
„advocacy coalition“ in Politik und Bewusstseinsindustrie.
Woche für Woche wiederholen regierungsamtliche
Mitteilungen, Stellungnahmen von Parteien, Gewerkschaften und
Arbeitgeberverbänden sowie vor allem Presse- und Rundfunkbeiträge
dieselbe Botschaft: Institutionelle Ganztagsbetreuung- und Beschulung
von Kindern ist der Schlüssel zu mehr Chancengerechtigkeit, einem
besseren Bildungsniveau und damit zu mehr Wohlstand in der globalisierten
Wissensgesellschaft. Wer dieser Verheißung nicht glaubt, soll durch
finanziellen Druck gezwungen werden ihr zu folgen; manche scheuen sich
nicht einmal, einen gesetzlichen Kita- und Ganztagsschulzwang zu fordern.
Ihre Anhänger begründen die institutionelle Ganztagsbetreuung mit
Mängeln familiärer Erziehung, die eine stärkere „öffentliche
Verantwortung“ für das Aufwachsen von Kindern“ erforderten (9).

Doch wer erzieht die Kinder in Betreuungseinrichtungen,
Kantinen und Pausenhöfen? Im öffentlichen Raum prallen in einer
immer heterogeneren Gesellschaft sich häufig widersprechende
Interessen, Bedürfnissen und Werte aufeinander. Im Falle der
unvermeidlichen Konflikte halten sich Lehrer und Erzieher
häufig eher zurück: Die Kinder bleiben sich selbst überlassen,
den Alltag bestimmen dann die „peer groups“. Dort setzen
sich die Stärkeren und oft die Rücksichtsloseren durch,
während schwächere und sensiblere Kinder leiden.
Ist das gerecht? Wer schützt diese Kinder, wenn ihre Eltern es
nicht (mehr) können? Die Advokaten der „Institutionen-Kindheit“
in Politik und Medien können keine Antworten bieten – schon
weil sie sich solche Fragen erst gar nicht stellen.

(1) Siehe: Rheinische Post Online vom 7.12.2010: „Mit mir keine Streichung!“

Original beim Institut für Demokratie, Allgemeinwohl und Familie …

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Hinweise:

Institut für Demographie, Allgemeinwohl und Familie e.V.

Verstaatlichung der Kinder

Kleinkind bei Mama & Papa – Tagesmutter o. Krabbelstube

Verstaatlichung der Erziehung – Ein Gewinn für die Wirtschaft?

Die ungeliebte, unverzichtbare Familie


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