Ostern mahnt: Wir brauchen keine PID!

22 04 2011

Selten war die Botschaft des Osterfestes auf eine aktuelle Debatte so gut anwendbar, wie auf die derzeitige Diskussion um die Zulassung der Präimplantationsdiagnostik (PID).

Passionszeit, Kreuzigung und Auferstehung Jesu zeigen nicht nur den christlichen Gläubigen äußerst eindeutig: Leiden gehört zum Leben dazu – ja, aus dem Leiden entsteht neues Leben!

Wer sich in der Karwoche in den Straßen umsieht, entdeckt heute kaum noch etwas, was an die grausamen letzten Stunden Christi erinnert. Viel eher hasten die Menschen in den Urlaub, kaufen noch rasch die letzten Eier ein und überlegen, welche Sonnenschutzcreme für das frühlingshafte Wochenende am ehesten geeignet ist. Durchaus: Ostern heißt auch, das Leben genießen zu dürfen, Auszeit zu nehmen und die Seele baumeln zu lassen.

Doch dieses Geschenk erhalten wir nicht umsonst: Jesu ist durch die tiefsten Täler gegangen, um schlussendlich erfahren zu dürfen, dass er doch errettet wird. Heute scheint niemand mehr diese Rettung zu brauchen – im Mainstream mancher Sorglosigkeit geht verloren, dass zur Auferstehung der Verrat, die Auspeitschung, die Dornen, das Kreuz und der Tod zwingend dazu gehören. Die Last auf den Schultern zu tragen – kaum jemand kommt an dieser Erfahrung vorbei. Und doch ist der Wille auch in der Bevölkerung hoch, das Leid aus dem Alltag auszuklammern. Spaßgesellschaft und Oberflächlichkeit stehen im Vordergrund: Leben ist Party, keine Traurigkeit.

Da passt es gut, dass nicht nur Politiker, sondern auch weite Teile der Bürgerinnen und Bürger oft unbedacht ihre Meinung zur PID finden: Das, was die Wissenschaft in Aussicht stellt, klingt ja auch durchaus verlockend. Kein Kind soll mehr mit genetisch veranlagten Behinderungen zur Welt kommen, „heikle“ Embryonen werden noch vor der Einpflanzung in den Mutterleib aussortiert. Die Wahrscheinlichkeit, dass nur noch gesunde, angepasste und „Wunschbabys“ geboren werden, wäre groß. Ein kleiner Schritt noch bis zu dem Punkt, an dem auch Haar- und Augenfarbe, Größe und Gewicht, Mundwinkel und Nasenkrümmung „vorprogrammiert“ werden könnten. Dann schafft nicht mehr Gott den Menschen nach seinem Bilde, sondern der Mensch selbst wird zum Designer und Fabrikant des eigenen Nachwuchses – „Unternehmen ‚Leben‘“ sozusagen.

Aber gerade jetzt ist die Zeit gekommen, um dieser verheerenden Entwicklung mit den Begebenheiten von vor 2000 Jahren mit Mahnung zum Nachdenken zu begegnen. Ostern lehrt: Wir brauchen keine PID! Wer PID begrüßt, verbannt Leid aus dieser Welt – und mag sich vorübergehend als Held fühlen. Die Erlösung vom Leiden schaffen aber nicht wir Menschen. Ostern macht deutlich: Nur Gott allein ist in der Lage, uns aus dem Bann der Tiefen zu befreien.

Auf all den Stationen, die Jesus bis zu seinem Tod am Kreuz durchschreiten musste, erfuhr er Erniedrigung, Hass und Abscheu. Als Lügner und Heuchler, als Lästerer und Verleumder wurde er gebrandmarkt. Der Menge ausgesetzt, der Lächerlichkeit preisgegeben. Schmerzen musste er erdulden, seinem (menschlichen) Urteil in die Augen blicken. Zeitweise stand auch Jesus am Abgrund seines Glaubens. Der Zweifel hatte ihn eingeholt, er fühlte sich verlassen. Er rief zu seinem Gott, doch er schien zunächst unerhört zu bleiben. So geht es auch uns in Krankheit und Not, in Verzweiflung und Ausweglosigkeit.

Manch einer fragt ohnehin, weshalb im Christentum Gottes Sohn derartige Qualen durchstehen musste, um dann doch auferstehen zu können. Ginge die Welt nicht auch ohne Last und Angst? Unser Glaube wäre einer zum Wohlfühlen und nicht realistisch, wenn wir neben der wundersamen und hoffnungsvollen Auferstehung nicht auch mit Jesus leiden würden. Durch seine Leiden fühlen auch wir uns verstanden. Gott ist Mensch geworden – und macht uns bewusst, dass nicht nur wir diesen Hürden ausgesetzt sind. Er selbst durchschreitet das Elend in seinem Sohn – und lässt ihn letztlich doch nicht fallen.

Hätten wir in unserem Leben keine Zeiten der Not und Bedrängnis, wäre unser Vertrauen ein haltloses. Ohne die Erfahrung des dunklen Lochs können wir die Freiheit und das Licht auf den höchsten Gipfeln nicht wertschätzen. Wäre Jesus nicht in den Tod gegangen, hätte er wohl nicht gespürt, wie verlässlich sein und unser Gott ist. Die Erniedrigung ließ ihn  verstummen – unser Bangen lässt uns immer wieder machtlos erscheinen. Er und wir stehen und standen vor dem Verzagen – und doch wissen wir: Am Ende steht nicht der Abschied. Jesus kommt wieder. Und auch für uns ist nach Trauer und Pein nicht Schluss. Viel eher geben sie uns Stärke und Kraft, Zuversicht und Ausdauer – aber auch Gelassenheit und Mut, Krisen zu durchstehen.

Schlimme Zeiten prägen uns und hilft uns lernen, dass nur der steile Anstieg uns wachsen lässt. Wer den „vom Herzen fallenden Stein“ kennt, der sich nach Schockstarre und Verlassenheit löst, der weiß, welches Gefühl Auferstehung bedeuten muss. Ein neue Leben beginnt, wenn wir frei werden von all den Sorgen und dem Bedrängen, das uns plagte. Wir fühlen nicht nur, dass wir durch das Durchstehen – das Durchleiden – unserer Tiefen neue Erkenntnisse, neue Reife und neue Erfahrungen gesammelt haben; sondern wir sind auch gewappnet für all das, was uns noch begegnet – und was auch eine PID nicht „aussortieren“ kann.

Gott hat uns das Leben bewusst nicht als Paradies geschenkt. Die Hoffnung darauf ermuntert uns jeden Tag aufs Neue. Leiden gehören zu unserem Leben dazu. Sie sind unumgänglich dafür, dass wir „klug“ werden. Wer PID zulässt und Menschen die Lasten des Alltags „ersparen“ will, tut ihnen nichts Gutes. Die PID und ihre Anwender müssen viel mehr mit der Verantwortung umgehen, kantenlose Wesen zu schaffen, die nie die Chance haben werden, das Gefühl der Errettung zu spüren. Wer das bedenkt, kann nicht nur zu Ostern unweigerlich zur Erkenntnis kommen: Wir brauchen keine PID!

von Dennis Riehle


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