Kirchenkrise am Ostersonntag

7 05 2011

ZDF-Magazin „sonntags“ wählt Eigentümliches zu Jesu Auferstehung

Dass so manch ein Mitglied der ZDF-Programmdirektion ein merkwürdiges Verständnis davon hat, den Menschen den Glauben näher zu bringen, hat nicht zuletzt der Fall um die neue „Comedy“-Serie, die der Sender für junge Zuschauer produzieren will, gezeigt. „Wir sind Gott“ soll zwei wenig allmächtige Frauen darstellen, die auf eine blasphemische Art nicht nur den christlichen Glauben in die Ecke der Lächerlichkeit preis gibt. Die Zuschauerredaktion sieht das anders und argumentierte, alle Altersgruppen der ZDF-Zuseher auf „vielfältige“ Weise mit dem Glauben vertraut machen zu wollen und Interesse für das Christentum wecken zu wollen. Verdrehter geht es kaum.

Am Ostersonntag 2011 leistete sich das ZDF nun die zweite Entgleisung in diesem Sinn. Am christlichen Hochfest, an dem die Freude über den auferstandenen Herrn im Mittelpunkt steht, setzte das wöchentliche Magazin „sonntags“ seinen Schwerpunkt auf die Krise der katholischen Kirche. Um nicht gleich mit allzu großer Direktheit zu starten, umhüllte man die nachfolgenden Beiträge mit einem Filmchen zu europaweiten Osterbräuchen, um zumindest dem Tag ein Stück weit gerecht zu werden.

Denn das, was danach kam, hatte mit Auferstehung weitestgehend nichts mehr zu tun. Der mittlerweile gut bekannte Theologe Dr. David Berger erläuterte erneut den „Schein“ der Kirche anhand seines Buches und seines Wandels von Tradionalisten zum heute „modernen Konservativen“, wie der O-Ton es bezeichnete. Mit seinem Freund wurde er im Alltag gezeigt, nebenbei seine Stellungnahmen zum Antisemitismus kirchlicher Würdenträger, der Kritik der katholischen Kirche an der Freimaurerei und zu Äußerungen der Bischöfe, die nicht nur praktizierte, sondern Homosexualität an sich als Sünde bezeichneten, eingeblendet. 

Weiter ging es mit einer Reportage über einen Religionssoziologen, der die Austrittswelle aus der katholischen Kirche bescheinigte und formulierte, dass heute auch tief gläubige Christen die Kirche verließen – jedoch nicht mehr zwingend ins Leere, sondern in andere Glaubensgemeinschaften auswanderten. Ferner sah der Experte eine zunehmende Tendenz in Richtung einer Verkleinerung der katholischen Kirche, die schlussendlich, bei fortlaufender Entwicklung, in einer unbedeutsamen Sekte enden würde – und die so dringend gebrauchte Kirche, die in der Welt etwas zu sagen habe, im Nichts verschwinde.

Passend zur Sendung hatte die eigene Forschungsgruppe Umfragen gestartet, die mit großer Deutlichkeit präsentiert wurden. Gleichzeitig hatte die Zahlen auch schon der ZDF-Teletext übernommen, um die Krise der katholischen Kirche passend zum Ostersonntag faktisch untermauern zu können. Über 80% der Befragten wünschten sich Reformen der katholischen Kirche. Auch die Anteile derer, die die Aufarbeitung der Missbrauchsskandale in der Kirche als mangelhaft ansehen, wurde mit etwa gleichem Wert wie vor einem Jahr, über 90%, beziffert. Gleichermaßen unterteilte man neben der Gesamtbevölkerung auch Katholiken und katholische Kirchgänger, wobei letztere immer deutlich vom insgesamten Trend abwichen – und dementsprechend rasch in der Moderation abgehandelt wurden. Die Befragten wünschten sich laut Umfrage am ehesten die Abschaffung der Ehelosigkeit von Priestern, an dritter Stelle dann die Ermöglichung des Priestertums der Frauen.

Und um all den harten Prozenten eine praktische Abrundung zu geben, wurden die protestierenden Katholiken im Bistum Köln befragt, die mit der Personalpolitik und der unzureichenden Einbeziehung der Basis unzufrieden sind – und deshalb auf die Straße gingen. Die Moderatorin merkte zusätzlich noch verstärkend an, dass es bei diesen Protesten mittlerweile um weit mehr gehe, als lediglich um die Frage nach dem Gehör auf die Gläubigen vor Ort.

Wir feiern Ostersonntag, die Auferstehung Jesu, damit das ZDF den Untergang der katholischen Kirche predigt.

Am Beginn der Sendung monierte die Anmoderation, dass heute kaum noch jemand wisse, weshalb eigentlich die christlichen Hochfeste stattfinden. Anstatt sich informativ und aufklärend über den Sinn von Kreuzigung und neuem Leben auszulassen, wählte man eher populistische Themen, um die vielen Ausgetretenen wenigstens noch den religiösen Magazinen des „Zweiten Deutschen Fernsehen“ etwas für ihre Treue bieten zu können.

Abgedroschen und immer wieder gleiche Statements, Realitäten, die wohl so manchen ZDF-Redakteur mehr fürchten lassen als die katholische Kirche selbst, und eine Panik, die angesichts des Leids in der Welt und dem Verlangen nach neuem Halt im Glauben eher surreal scheint.

Mit dem Tod ist nicht alles vorbei, lehrt uns der Ostersonntag. Vielleicht sollte man dennoch eine Ausnahme machen: Das nahende Ende der Seriosität des ZDF wird wohl auf der auferstandene Jesus nicht mehr ändern können…

von Dennis Riehle


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