Der Papst liegt richtig! – Protestantische Bejahung der „neuen“ Einsetzungsworte

12 05 2012

Wie von einem Bienenschwarm gestochen, empört sich die christlich liberale Welt über eine Anordnung von Papst Benedikt XVI.: Er hat die deutschen Bischöfe verpflichtet, nach deren langem Widerstand endlich die nach der Übersetzung richtigen Worte zur Einsetzung der Eucharistie zu verwenden. So heißt es nicht nur bei den Katholiken derzeit, dass „Leib“ beziehungsweise „Blut für euch (die feiernde Gemeinde, Anm. d. Autors) und alle hingegeben (beziehungsweise) vergossen wurde“. Doch hat man sich über Ewigkeiten hinweg mit einer kleinen Veränderung der theologischen Tatsache entzogen, die Wert und Wahrheit des Christentums ausmachen: Der Ursprungstext spricht davon, dass Leib und Blut Jesu Christi nicht für alle, sondern lediglich für „viele“ bestimmt waren.

Unter Protestanten und katholischen Reformbewegungen ging der Aufschrei durch die Reihen: Jesus soll nicht für uns alle gestorben sein? Nicht für die, die Ehe gebrochen haben? Nicht für die, die wiederverheiratet sind? Nicht für die, die in Homosexualität leben? Oder gar nicht für die, die abgetrieben haben? Eine für die vom Zeitgeist und der Gutmenschlichkeit durch und durch geprägte Christenheit ein Schlag ins Gesicht, wie es scheint. Schon bald kamen die ersten Rufe, wonach die katholische Kirche nun diskriminiere. Sie schließe Menschen vom Abendmahl aus, sie lasse den Sündentod Jesu nicht denen zuteil werden, die nicht den strengen Maßgaben der Lehre entsprächen. Welche Unmenschen in Rom! So mag sich der ein oder andere verklärte „Mainstream“-Beobachter der kirchlichen Erosion gedacht haben. Und doch scheut sich keiner darum, dass theologisch feststeht: Der Papst liegt richtig!

Nicht nur, dass die Übersetzung eindeutig ist und auch nicht durch wohlwollendes Gehabe umgedeutet werden kann. Wir können und dürfen nicht der Gleichgültigkeit zuliebe übersehen, was auch in der Bibel klar geschrieben steht: Schon allein aus dem Verständnis ein jeder Religion geht hervor, dass das Bekenntnis, dass der Glaube befähigt, Teil des Geheimnisses zu werden, das wir als Christen im Tod und in der Auferstehung unseres Herrn sehen. Wer nicht an Jesus glaubt (und es soll ja selbst unter den Christen selbst immer mehr geben, die nicht an seinem Wunder festhalten), der kann nicht verstehen, welche Offenbarung hinter dem Sühnetod Christi steht. Und so sagt er uns selbst: „Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nicht dürsten“ (Johannes 6,35).

Jesus beschränkt also aus eigenem Tun heraus die Gemeinschaft derer, die Anteil haben an seiner Verkündigung im Abendmahl. Das Vergießen des Blutes, das Hingeben seines Leibes ist nicht nur eine von ihm in größtem Wissen um seinen sicheren Fall in die gnadenreiche und ihn auffangende Hand seines Vaters, unseres Gottes, genommene Entscheidung, um die Gläubigen von ihren Sünden zu befreien. Sein Tod ist das Zeichen der Zuversicht darauf, dass damit nichts enden mag. Nur wer davon überzeugt ist, spürt die Kraft des Auferstehens: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben“ (Johannes 6,47). Und verdeutlichen wir uns zeitgleich noch: Wer darauf setzt, dass der Zugang zur Eucharistie als Freifahrtsschein für die Vergebung der Sünden gedacht sei, dem muss spätestens durch die neuen Einsetzungsworte bewusst werden, dass es nicht ausreicht, „nur“ Christ zu sein. Das Abendmahl lädt diejenigen ein, die ernsthaft in reuiger Buße sind ob ihrer Sünde.

Zweifelsohne: Jesus ist für alle gestorben, die an ihn glauben wollen. Doch er ist „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ und am „dritten Tage auferstanden von Toten“ (Vaterunser), um denen nahe zu sein, die nicht nur an ihn glauben, sondern auch bereit sind, wie er in demütiger Buße zu leben. Nein, Jesus will die Reue nicht als Gegenleistung für die Vergebung. Ohnehin kann er dafür nur bei seinem Vater eintreten. Reue macht den Sünder zum Gerechten und: „Also auch, sage ich euch, wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“ (Lukas 15,10). Das Angebot des Heils empfangen die, die bereit sind, Reue für den Verstoß gegen Gottes Gebote zu zeigen – denn auch nur sie werden die Kraft der Vergebung schätzen. Nicht umsonst fordert Jesus wiederum selbst uns auf, die Sünde gar von Beginn an zu umgehen: „So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe“ (Johannes 15,10).

So kann die Kirche am Tisch nur die empfangen, die sich ihrer Sündhaftigkeit bewusst und die in ihrer Bußfertigkeit in der Lage sind, die Weite des Todes Jesu Christi zu begreifen. „Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden“ (Lukas 8,48). Der Leib und das Blut sind gegeben und vergossen für die, die ihre Sünde ablegen wollen und sich bekennen: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an ihn glaubt, der ist gerecht“ (Römer 10,4).

Dennis Riehle, Ev. Prädikant / Laienprediger


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15 05 2012
nora

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