Neue Gräben aufgerissen… – doch der Bundespräsident hat recht!

8 06 2012

In Umfragen stimmte eine überragende Mehrheit der Deutschen der durch Bundespräsident Gauck relativierten Aussage seines Vorgängers zu, wonach eben nicht der „Islam“ als Religion zu Deutschland gehöre (vgl. beispielsweise TED auf www.welt.de). Nach Gaucks Worten könne er dieser Feststellung so nicht zustimmen, betonte aber, dass die hier in der Bundesrepublik lebenden Muslime durchaus zu uns gehörten. Doch schon scheint der neue Bundespräsident wieder Gräben aufgerissen zu haben: Obwohl die meisten Bürger den differenzierter gewählten Worten Gaucks große Zuneigung entgegen bringen, sind es bereits wieder die Islamverbände, die sich Alt-Bundespräsident Wulff zurück wünschen (http://www.focus.de/politik/deutschland/im-kreuzfeuer-der-kritik-muslime-enttaeuscht-ueber-gaucks-islam-aeusserung_aid_761724.html). Ihnen geht das Abrücken Gaucks von der viel umstrittenen Rede des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten viel zu weit. Dieser hatte eindrücklich betont: „Der Islam gehört auch zu Deutschland“.

Gauck wolle dieser Linie nicht folgen, da er wisse, dass dem Islam eine Reformation fehle. Er könne deshalb die verstehen, die Schwierigkeiten hätten, den Islam als kulturellen Bestandteil unseres Landes zu sehen. Kritiker von muslimischen Verbänden sehen das aber ganz anders und bezichtigten Gauck der „Geschichtsfälschung“. So sagt beispielsweise der Vorsitzende des muslimischen Zentralrats : „Das europäische Abendland steht ganz klar auch auf muslimisch-morgenländischen Beinen“ (http://www.focus.de/politik/deutschland/tid-25991/bundespraesident-loest-neue-islamdebatte-aus-muslime-werfen-gauck-geschichtsfaelschung-vor_aid_760834.html). Ja, die islamische Religion war über Zeiten Teil der europäischen Geschichte. Doch dass dieser Abschnitt die freiheitlich-demokratische und säkulare Grundordnung der Bundesrepublik mitbestimmt hätte, das kann nur der behaupten, der über die vielen tragischen und gewaltsamen Beispiele hinweg geht, in die der Islam im historischen Europa verstrickt war. Das, was uns unsere Verfassung heute schenkt, das verdanken wir einem Weltbild, welches elementar von christlichen Wurzen und einem entsprechenden Menschenbild beeinflusst ist.

Worauf Deutschland fußt, das ist die bittere Auseinandersetzung mit Glaubenskämpfen und Machteinflüssen. Das bedingungslose Eintreten für Freiheit und das Loslösen von Zwängen und Unterdrückung kennzeichnet unsere heutige Republik. Geschichtlich prägend waren dabei besonders die Momente, die Fortschritt gebracht sowie Eigenständigkeit und Identität geschaffen haben. Der Islam, der es bis heute nicht geschafft hat, die Trennung zwischen einem Staatsystem und einer Religion zu vollziehen, kann nicht als beispielhafter Baustein für diese Errungenschaften herangezogen werden. Es wäre geradezu als eine Farce zu betrachten, wenn wir als Land, das in beschämendster Weise Erfahrungen mit Unterdrückung durch mindestens zwei Diktaturen machen musste, gerade Ausprägungen einer Religion als kulturellen Bestandteil bezeichnen würden, die mit Scharia und Gottesstaat gegen jegliche erkämpften Rechte für eine freie Gesellschaft einsteht.

Niemand mag bezweifeln: Auch die Bibel ist wahrlich kein Buch der Friedsamkeit. Doch das Christentum hat es mehrheitlich geschafft, aus Buchstaben Grundsätze abzuleiten, die eben nicht mit einem Rechtsstaat und einer demokratischen Grundordnung in Konkurrenz stehen. Viel eher können verantwortungsvolle Aussagen der christlichen Schrift nur im Zusammenhang mit einem Verständnis gesehen werden, das von Humanität und Respekt geprägt ist. Sie zeigen Richtungen auf, können aber ohne das exegetische Zutun der Gläubigen nicht für bare Münze genommen werden. Deshalb ist es die Aufgabe einer Religion selbst, um Vernunft zu ringen. Dass Religion und Weltlichkeit in unserem Land eine Trennung erfahren, ist nicht vom Himmel gefallen. Gleichwohl ist unumstritten: Viele Muslime und Strömungen sind sich bewusst, dass auch der Islam nicht um eine Aufklärung herumkommt. Das zeigen auch Aussagen von gemäßigten Flügeln, die allerdings weltweit in der verschwindenden Minderheit untergehen. Die alevitische Gemeinde äußerte gar kürzlich erst: „Die islamische Paralleljustiz wird zunehmend eine Gefahr für den Rechtsstaat und die Demokratie“ und untermauert damit die Sorgen, die Gauck den Deutschen nachsieht. Das Bekenntnis zum deutschen Grundgesetz sehen jedoch zahlreiche Muslime hierzulande als verpflichtend und völlig selbstverständlich an. Deshalb ist die Aussage des neuen Bundespräsidenten richtig. Aber: In ihrer Klarheit geht sie noch immer nicht weit genug!

Diejenigen Muslime, die sich ihrer Verantwortung und Treue um unsere Verfassung und demokratische Freiheit, um unseren Rechtsstaat und unsere Wurzeln bewusst sind, haben natürlich Platz in unserem Land. Ihre Tradition und Kultur ist dann Vielfalt, wenn sie nicht ersetzen oder verdrängen will – und nicht die Menschenrechte beschneidet oder Alleinherrschaft erzwingen will. Ein solch toleranter Islam scheint unvorstellbar, wenn wir an die Diskriminierung der Frau, die abgehackten Hände oder die Todesstrafe beim Glaubensabfall denken – doch solch ein Islam gehört ins Mittelalter. Damals war er möglicherweise auch hierzulande noch von Einfluss – es ist traurig, dass er in dieser Form weiterhin viele Teile der Welt beherrscht. Zu unserem Denken passt er so nicht – und glücklicherweise gibt es in Deutschland reichlich Muslime, die auch deshalb genau anders leben; erwartungsgemäß und bedauerlicherweise aber mindestens ebenso viele, die unsere Demokratie testen wollen. Solange ein „grüner“ Bundesvorsitzender davon spricht, dass wir „in zwanzig Jahren eine Grüne Bundeskanzlerin [haben] und ich die türkische Regierung bei der Frage, wie sie ihre Probleme mit der deutschen Minderheit an der Mittelmeerküste in den Griff bekommt [, berate]“ (siehe: http://www.welt.de/print-welt/article630378/Koalition-veraergert-ueber-Tuerkei.html), oder davon, dass „[wir das,] was unsere Urväter vor den Toren Wiens nicht geschafft haben, mit unserem Verstand schaffen [werden]!“ (siehe: http://www.focus.de/politik/deutschland/deutschtuerken-abfuhr-fuer-die-koalition_aid_175053.html) ist jeder Zweifel angebracht. Gut, dass auch der Bundespräsident manch eine der Befürchtungen ernst nimmt!

Dennis Riehle


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8 06 2012
Carolus

Der Islam ist nicht reformierbar: Bassam Tibi hat auch den Hut draufgeschmissen:
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/politik/2742686/islamisten-sind-staerker-reformer.story

Und in der Form wird er, wenn die demographische Entwicklung so weitergeht, die Strafe Gottes für uns Europäer sein.

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