„Johnny Designed“ -Gedanken zu einem Jugendbuch von Veronika Grohsebner- von Inge M. Thürkauf

23 11 2014

„Zurzeit lebt sie als Family-Managerin mit ihrem Mann und ihren vier Kindern in Wien“, lautet die kurze Beschreibung der beruflichen Tätigkeit von Veronika Grohsebner auf der vierten Seite ihres Buches „Johnny Designed“. Wer mit gewissen Formulierungen vertraut ist, geht richtig in der Annahme, daß die Autorin das Humanvermögen Familie als Hausfrau und Mutter zusammen mit ihrem Mann Christoph, dem „unerschütterlichen Felsen dieses Unternehmens“, managet. Als „Nebenprodukt“ sind aus diesem Management bereits vier Jugendbücher hervorgegangen, eine Trilogie über eine abenteuerliche Berufungsgeschichte, und als neuestes Werk der Roman „Johnny Designed“.

Pro Jahr erscheinen im deutschen Sprachraum Tausende Kinder- und Jugendbücher. Es ist nicht zu vermuten, daß ein beachtenswerter Teil der Publikationen sich mit der geistig-sittlichen Ordnung resp. Unordnung unserer Zeit beschäftigt oder die Jugendlichen mit der Notwendigkeit vertraut macht, sich auf die religiösen und ethisch-moralischen Grundwerte des Lebens zu besinnen. Auf der Liste der preisgekrönten Jugendbücher sind diese Themen jedenfalls nicht zu finden. Mit „Johnny Designed“ hat Veronika Grohsebner genau diese Fragen aufgegriffen und damit ein Spektrum von Problemen angesprochen, mit denen sich Jugendliche in ihrem unmittelbaren Umfeld heute konfrontiert sehen: allzu frühe sexuelle Beziehungen, Verhütung, Abtreibung, künstliche Befruchtung, Hirntod, die ganze Skala der Reproduktionsmedizin.

Die zentrale Gestalt in diesem Roman ist der Gymnasiast Johnny, einziger Sohn einer alleinerziehenden Karrierefrau, begabt, gut aussehend, athletisch, mit einem altersgemäß lässig überlegenen Gehabe, kurz: der sogenannt „angesagte Typ“ der sechsten Klasse. Nach der Matura will er Jus studieren, danach in die Politik, um auf EU-Ebene nicht nur für das Recht auf Leben der Ungeborenen, Alten und Kranken zu kämpfen, sondern auch gegen die ethisch und politisch umstrittene Präimplantationsdiagnostik (PID), sowie gegen Euthanasie. Ein erstaunliches Zukunftsprogramm, das die Frage aufwirft: Wer oder was gab Anlaß zu dieser für einen Sechzehnjährigen doch bemerkenswerten Zielstrebigkeit? Ein Schlüsselerlebnis waren die Biologiestunden, in der außer den Risiken und Nebenwirkungen verschiedener Verhütungsmethoden auch Abtreibung und in Vitro Fertilisation kontrovers behandelt wurden. Klug und sachlich führte die Lehrerin die Klasse durch die Diskussion, legte die Fakten unaufdringlich, aber eindeutig fest und gab klare Antworten auf die teilweise provokant vorgetragenen Meinungen der Schüler. Wenn man weiß, daß ein Leben von vornherein nicht lebenswert ist, z. B. bei einem behinderten Kind, sollte man nicht unter allen Umständen gleich etwas dagegen unternehmen? Johnny und mit ihm das Gros der Klasse waren sich einig, daß in diesem Fall natürlich abgetrieben werden muß, um dem Kind, den Eltern und damit auch der Gesellschaft Leid und Kosten zu ersparen. Einzig Lisa widerlegt mit stichhaltigen Argumenten die Einwände ihrer Mitschüler. Welches sind die Kriterien für ein lebenswertes Leben? Die Leistungsfähigkeit? Oder die Intelligenz vielleicht? „Dann dürfte die halbe Menschheit nicht existieren…Jeder Mensch hat das Recht auf Leben“ (52). Kurz nach diesem Schlagabtausch wird Johnny Zeuge, wie eine Gruppe von Zwölfjährigen einen kleinen Jungen drangsaliert. Als er sich schützend vor ihn stellt, bringt ihn das Gesicht des Kleinen aus der Fassung: vor ihm steht ein Kind mit Down Syndrom.

Johnny, dessen Mutter in ihrem Leben nur Platz für ihre eigene Karriere hat, erlebt ein Wechselbad von Empfindungen, als er mit der fünfköpfigen Familie des Jungen und dessen älteren Schwester Lisa in näheren Kontakt kommt. Sie wurde ihm Anlaufstelle als er im Zusammenhang mit seinem Vater, von dem er seit seinem fünften Lebensjahr nichts mehr gehört hat, in ein Geheimnis seiner Mutter eindrang, das ihm den Boden unter den Füssen wegzog. Die weiteren Ereignisse stellten ihm die Dringlichkeit eines beruflichen Weges vor Augen, der es ihm ermöglichen würde, Einfluß zu nehmen auf den weltweit eklatant zunehmenden Kollaps von Moral und Ethik.

Einfühlsam und packend von der ersten bis zur letzten Zeile erzählt Veronika Grohsebner die Geschichte eines jungen Menschen in einer Welt, die Regeln, die seit Jahrtausenden gültig waren, heute nicht mehr für verbindlich hält. Mit ihrem Stil trifft sie die Sprache der Jugend, ohne in deren häufig mit Vulgarismus durchdrängten Idiomen zu verfallen.

Ich wünsche dem Buch eine große Verbreitung. Es ist längst überfällig und sollte zur Pflichtlektüre werden für alle, denen die Zukunft der Kinder und Jugendlichen ein Anliegen ist. In ihren Dankesanmerkungen gedachte die Autorin nicht nur den engsten Vertrauten und Wegbegleitern, sondern auch ihrem himmlischen Fürsprecher, dem hl. Josef von Copertino.

Veronika Grohsebner: Johnny Designed, Wien 2013, S. 315, EURO 12,–


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