Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit

29 10 2012

Eine scharfsinnige Analyse von Gabriele Kuby über

DIE GLOBALE SEXUELLE REVOLUTION

als Wegbereiter der Neuen Weltordnung

von Inge M. Thürkauf

„Die moderne Welt erniedrigt, sie erniedrigt die Stadt, den Mann, die Liebe, sie erniedrigt die Frau, das Kind…Sie erniedrigt die Familie“ (Charles Péguy). Die Soziologin und Publizistin Gabriele Kuby enthüllt in ihrem neuen Buch „Die globale sexuelle Revolution“ die Hintergründe der heute offenkundig gewordenen politisch inszenierten Erniedrigung der Gesellschaft durch die Zerschlagung der geistig-sittlichen Ordnung im Menschen. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis dieses sachkundig recherchierten Werkes (mit einem ausführlichen und übersichtlichen Quellenapparat) zeigt die Spannweite der von ihr kritisch vorgelegten Agenda seit der Französischen Revolution:

–          Die jeden Lebensbereich bestimmende „subversive Gender-Theorie“ unter Anwendung der Yogyakarta-Prinzipien in Bezug auf sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität,

–          die „Globalisierung der sexuellen Revolution durch die Vereinten Nationen“,

–          die staatlich verordnete Sex-Erziehung in Schule und Kindergarten mit verheerenden Folgen für Kinder und Jugendliche,

–          Politische Vergewaltigung der Sprache,

–          Pornografie ganz normal?

–          gesellschaftliche Akzeptanz von Homosexualität und Homo-Ehe,

–          der politische „Totalitarismus im neuen Gewand“,

–          „Intoleranz und Diskriminierung“.

–           

Dieser strategische Plan zur Umwandlung der Gesellschaft stellt im Namen einer Ideologie mit dem Begriff Gender Mainstreaming sämtliche Grundwerte von Ehe und Familie, von Kultur und Religion in Frage. Glaubensinhalte, Moral- oder Gesetzesnormen wie die Zehn Gebote oder die Direktiven des Strafgesetzbuches haben ausgedient. Der neue Mensch emanzipiert sich von allen Bindungen, er nennt gut, was böse ist und proklamiert das Böse als das vom Menschen geschaffene Gute. Wenn aber das Leben und die das Leben tragenden Werte als nicht mehr zu akzeptierende Lasten zur Disposition gestellt werden, wird auch die Zukunft keinem Härtetest mehr gewachsen sein. Es wird nichts mehr geben, woran sich die Menschen halten können, es wird nichts mehr geben, was wert ist, heilig gehalten zu werden.

Die Rede von einer Neuen Weltordnung ist kein Tabu mehr. Amerikanische Präsidenten lassen diesen Begriff seit dem Jahre 2000 immer wieder in ihre Reden einfließen. Zum 20. Jahrestag der Berliner Mauer hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine neue globale Ordnung ausgesprochen. Die Nationalstaaten müssten Kompetenzen an multilaterale Organisationen abgeben, „koste es, was es wolle“. Ein friedliches Zusammenleben in der Welt werde auf Dauer nur in einer globalen Ordnung möglich sein, so die Bundeskanzlerin bei der Wissenschaftskonferenz „Falling Walls“ am 9. November 2009. Als Beispiel für eine multilaterale Organisation nannte sie die EU, die durch ihre Mitgliederstaaten gestärkt worden sei.

Unabhängig von diversen Bekenntnissen der Politiker ist es offensichtlich geworden, dass wir uns bereits im Zentrum dieses globalen Monsters befinden: In der Neuen Weltordnung der Sexualität. Sie ist die universalistische Moral des Mitbegründers der Frankfurter Schule, Jürgen Habermas, die er global verbindlich eingeführt sehen wollte. Mit Hilfe der Gruppendynamik wurde sie weltweit eingeübt. Der Umgang mit Sexualität ist eine ethische Frage. Kinder, die eine das Lustprinzip betonende Sexualerziehung durchlaufen haben, werden nicht mehr aufnahmefähig sein für Tugenden oder für die Heiligkeit der biblischen Wahrheit.

Wenige nur haben den global-revolutionären Angriff auf die christliche Religion unter dem Diktat von UN und EU in der gebotenen Schärfe erkannt. Mit ihrem Aufklärungsbuch füllt Frau Kuby eine längst fällige Lücke im deutschen Sprachraum. Es braucht Mut, die ganze Bandbreite und den Kernbereich des weltweiten politisch und kulturell vorangetriebenen Zerstörungswerks aufzuzeigen – Mut für die Autorin, aber auch für den Verlag, der das Werk an zweitausend Politiker in Deutschland, Österreich, der Schweiz und der Europäischen Union versandt hat, außerdem an alle Bischöfe und Vertreter der Juden und Muslime in den deutschsprachigen Ländern. Wird sich jemand finden, der sich genügend geistige Unabhängigkeit bewahrt hat, der trotz Diffamierung, Ausgrenzung und Verfolgung die nötige Zivilcourage aufbringt, um dem Machtanspruch der political correctness zu widerstehen; der dem „Gewissen eine Stimme“ gibt und den dringend erforderlichen Diskurs zur Verteidigung von Familie, Religion und Kultur in die Wege leitet? Europaweit ist „eine wachsende Diskussionsverweigerung im Namen der „politischen Korrektheit“ zu beobachten“, schreibt Robert Spaemann in seinem Geleitwort, „dem vom Mainstream Abweichenden wird nicht mit Argumenten erklärt, inwiefern er irrt, sondern es wird ihm gesagt: ‚Das hättest du nicht sagen dürfen’.“

Der ehemalige Präsident Tschechiens, Vaclav Havel, warf nicht nur einen politischen Blick auf die aktuelle Lage der Gesellschaft. Er sprach als Staatsmann, als er es für die vordringlichste Aufgabe der Politik erachtete, „das Böse in seiner Frühphase zu erkennen und zu eliminieren“. Die Frühphase der Gewalt des Bösen scheinen in den westlichen Ländern sowohl die Gesellschaft als auch die Politik verpasst zu haben. Doch unser Glaube lehrt, dass es für Gott nie zu spät ist. Wir müssen, wie der spanische Philosoph Donoso Cortes schreibt, das religiöse Thermometer wieder anheben, dann sinkt von selbst das politische. Fällt jedoch das religiöse Thermometer, dann steigt sofort und gesetzmäßig auch das politische, und dieses kann so hoch steigen, bis schließlich das Maß der Tyrannei erreicht ist. Das, so bekräftigt Cortes, ist ein Gesetz der Geschichte.

Es ist aber auch ein Gesetz der Geschichte, welches Umkehr möglich werden läßt. Den Streit zwischen Licht und Finsternis bestimmen nicht Regierungen oder Ideologien. Jedem Menschen hat Gott die Freiheit geschenkt, zu entscheiden, auf welche Seite er sich im Ernstfall hier und jetzt stellen will. Gabriele Kubys opus magnum (Stefan Meetschen) ist Begegnung mit dem Ernstfall, ein Plädoyer für christlichen Glauben und Kultur, für Freiheit, Wahrheit und Vernunft.

Gabriele Kuby: „Die globale sexuelle Revolution – Zerstörung der Freiheit im Namen der Freiheit“, mit einem Geleitwort von Prof. Dr. Robert Spaemann, Kißlegg 2012.





Von Mohammed zu Jesus oder „Das Todesurteil“

1 07 2012

Der Weg eines irakischen Muslim zum Christentum

von Inge M. Thürkauf

Christen sind Ketzer, sind unreine Parias, sind weniger als nichts, und beten dazu noch drei Götter an. Der 23jährige Mohammed, durchdrungen vom Bewußtsein der Macht seiner schiitischen Adelsfamilie im Irak des Saddam Hussein, Augapfel seines Vaters und designierter Nachfolger als Stammesoberhaupt, krümmt sich vor Ekel bei dem Gedanken, sein Zimmer während des Wehrdienstes mit Massoud, einem Christen, teilen zu müssen – er ein Moussaoui, dessen Familie in direkter Linie vom Propheten abstammt und den die Bewohner Bagdads mit „Sayid Malouana – unser Herr“ begrüßen. Unerträglich die Vorstellung, mit einem Christen sprechen, das Essen gemeinsam mit ihm einnehmen zu müssen oder gar in die Lage zu geraten, von ihm berührt zu werden. Mohammed war noch nie einem leibhaften Christen begegnet und nun soll er auf Befehl des Quartiermeisters mit diesem ihm unbekannten Individuum zusammenwohnen? Bei diesen rebellischen Gedankensplittern tröstet ihn jedoch plötzlich die Idee, diesen Ungläubigen – koste es, was es wolle –zum Islam zu bekehren. Das war im Jahre 1987.

Ein Vierteljahrhundert später wird er mit Überzeugung gestehen: „Man muß den Islam zerstören, um die Muslime zu retten…Ich liebe die Muslime, aber diese Religion ist das Schlimmste, das die Welt hervorgebracht hat. Es ist die einzige Religion, die fordert, den Nächsten zu töten…Christus allein ist die Wahrheit, diese Wahrheit tötet niemand, sie liebt“.

Als er im Gespräch mit einem Journalisten diese Aussage wagte, lebte er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern im Exil in Frankreich – als illegale Einwanderer, entwurzelt, mittel- und staatenlos. Der Name seiner Familie in Bagdad hätte ihm die Türen zu Macht und Reichtum geöffnet. Doch aus dem Schiiten Mohammed al-Moussaoui ist der Christ Joseph Fadelle geworden.

Dieser Gesinnungswandel, der sein bisheriges Leben sprengte und dessen Folgen er lange Zeit nicht wahrhaben wollte, wurde ausgerechnet durch Massoud, den Stubenkameraden aus dem Militärdienst eingeleitet. Er entsprach nicht den Vorurteilen, die Mohammed ihm unterschob. Im Gegenteil! Der Christ wurde durch seine Bildung und seine freundliche Zurückhaltung für ihn das Tor zu einem neuen Blick auf den Islam, in dem er den ahnenstolzen Muslim bat, den Koran „eingehend und ehrlich zu studieren“, ihn nicht einfach nur zu lesen, sondern ihn mit dem Verstand zu begreifen. Mohammed lässt sich darauf ein und muß mit wachsender Erschütterung erkennen, dass ihm im Laufe der Lektüre des heiligen Buches der Muslime die Fundamente seines Glaubens immer mehr entschwinden, dass selbst das Leben des Propheten, dessen Namen er trug, ihm zu einer „Quelle der Scham“ wird.

Der Schmerz über den Verlust des bisher so stolz hochgehaltenen Glaubens, die für ihn demütigende Erkenntnis, einer falschen Religion angehangen zu haben, bringt ihn an den Rand der Verzweiflung. Ein Traum rettet ihn aus dem „seelischen Siechtum“, das ihn über Wochen niederdrückte: Er steht an einem Bach, ihm gegenüber am anderen Ufer ein Mann, gekleidet nach orientalischer Art, der in ruhigem Ton zu ihm spricht: „Um den Bach zu überqueren, musst du das Brot des Lebens essen.“ Einige Stunden später übergibt ihm Massoud, sein Zimmerkamerad, ein Neues Testament, auf das er mit Ungeduld schon seit Wochen gewartet hat, schlägt es wahllos auf und stößt auf den Satz: „Ich bin das Brot des Lebens, wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern.“ Ohne den Zusammenhang näher deuten zu können, überfällt ihn eine bisher unbekannte Fülle der Freude. Die „Quelle der Scham“ über so viele verstörende Aussagen im Koran wandelt sich in eine Quelle der Freiheit und der Liebe für diesen, im Neuen Testament beschriebenen Jesus, den er mit jeder Faser seiner Seele kennenlernen und dem er folgen will. Mit der Liebe zum „Brot des Lebens“ erhält er auch die Gnade, die für einen Muslim so komplizierten Glaubensinhalte wie das Mysterium des Heiligen Geistes und der Dreifaltigkeit zu begreifen. Ohne den geringsten weiteren Widerstand oder Zweifel nimmt er beide Lehrsätze an.

Sein sehnlichster Wunsch, sich der Kirche anzuschließen und an ihrem Gebetsleben teilzuhaben, um letztlich durch die Taufe gewürdigt zu werden, das Brot des Lebens zu empfangen, wird durch die tödlichen Gefahren, denen sich abtrünnige Muslime aussetzen, zu einer harten Prüfung. Seine jahrelang wiederholten Versuche, in den Kirchen Bagdads Priester zu finden, die bereit gewesen wären, ihn zumindest an den Gottesdiensten teilnehmen zu lassen, sind in allen Fällen zum Scheitern verurteilt und gipfeln letztlich in der Entscheidung des Patriarchen, dass man nicht die ganze Herde opfern könne, um ein einziges Schaf zu retten. Proselytismus bedeutet den Tod – sowohl für den Muslim als auch für den Priester, in nicht wenigen Fällen auch für die Mitglieder der Gemeinde.

Die Jahre vergehen. In der Zwischenzeit hat sein Vater für ihn eine Frau gefunden. Du musst sie einfach nur annehmen, wie ein Möbelstück für dein Zimmer, beruhigt der Vater, als er den Widerstand seines Sohnes gegen diese Entscheidung bemerkt.

Nach Jahren beharrlichen Suchens traf Mohammed endlich einen Priester, der bereit war, ihn in der Religion der Christen zu unterrichten und – welch unfassbare Freude – ihm erlaubte, an der Heiligen Messe teilzunehmen. Unter seiner Anleitung lernte er die gängigen Gebete der Christen. Welch ein Gegensatz zum islamischen Gebetsleben, wo die rituellen Waschungen im Zentrum stehen. Nun war er auch in der Lage, für seine streng muslimische Frau und den zweijährigen Sohn zu beten, um Rettung vor dem Islam und um die Bekehrung zu Christus. Was er selbst nicht für möglich gehalten hat, geschah: mit seiner Unterstützung ertastete seine Frau langsam den christlichen Glauben, wo sie ein völlig anderes, menschliches Frauenbild entdeckte, das im Koran zu suchen ihr nicht einmal in den Sinn gekommen wäre. Doch nun fragte sie sich: Ist es Liebe, wenn der Islam die Frau zum Eigentum des Mannes bestimmt? Als sie sich nach langer Selbstprüfung für Christus entschied, gab dies der vom Vater arrangierten Vernunftehe eine nie zuvor gekannte Nähe und Vertrautheit, gleichzeitig erhöhte sich aber die Gefahr des Entdecktwerdens durch ihr Familien, mit denen beide tief verbunden waren.

Von dem Augenblick an, da der Clan Mohammeds Glaubensabfall realisiert hatte, brach es wie ein Orkan über ihn. Die unfassbare Reaktion der Mutter im Blick auf ihren von seinen Brüdern gefesselten und gequälten Sohn war: Tötet ihn! Das Gesetz des Islam zwingt zu einer solchen Haltung. In der Meinung, die Gesinnung seines Sohnes ändern zu können, brachte ihn der Vater jedoch in das für seine Grausamkeiten und Massenhinrichtungen bekannte Gefängnis von Bagdad. Als Mohammed eines Tages ohne Begründung entlassen wird, liegen sechzehn Monate Marter hinter ihm. Seine Gebete unter der Folter konzentrierten sich auf die eine flehendliche Bitte an Jesus, die Torturen überleben zu können, um eines Tages die Taufe und damit das „Brot des Lebens“ empfangen zu dürfen.

Der Herr prüfte ihn nicht über seine Kräfte und schickte ihm P. Gabriel, einen Schweizer Ordensmann, der ihm jedoch begreiflich machen musste, dass ein Verbleiben in seiner irakischen Heimat nicht mehr möglich sein würde. Im Namen der Kirche befahl er ihm, das Land zu verlassen. Seine Begründung ist wert, festgehalten zu werden: „Du bist nicht getauft, aber du bist ein wahrer Christ…wenn man Christ ist, muss man Christus gehorchen. Und der Vertreter Christi hier auf Erden ist die Kirche. … Wenn du dich dem Befehl widersetzt, widersetzt du dich der Kirche.“ Mohammeds Kenntnisse über das Wesen der heiligen Kirche waren schon so gefestigt, dass der Gedanke, sich auch nur „einen Moment lang im Widerspruch zur Kirche befinden“ zu können, ihn „mit Entsetzen“ erfüllte. Der Preis, den er für seine Sehnsucht nach der Kirche und ihren Sakramenten in den letzten Jahren bezahlt hat, war zu hoch, als dass er sich „den Luxus leisten“ würde, „auch nur die kleinste ihrer Weisungen zu missachten“.

Die Fremde, die bereit war, die Flüchtlinge als vorläufiges Asyl aufzunehmen, war Jordanien. Dort endlich empfingen er und seine Frau, die mit ihm in freier Entscheidung tapfer diesen schweren Weg gegangen ist und seine beiden noch kleinen Kinder die heilige Taufe und die ersehnte Teilhabe am „Brot des Lebens“. Dreizehn Jahre lang musste er darauf warten. „Ein schweres Leiden“, bekennt er.

Die Furcht vor der Verfolgung durch den Clan trieb ihn weiter – Europa nahm ihn auf. Am 15. August 2001 kam er mit seiner kleinen Familie in Paris an, wo er heute lebt. Das Buch „Das Todesurteil – Als ich Christ wurde im Irak“ schrieb er, um die Gefahr des Islam aufzuzeigen, zum Dank für seinen Weg zu Jesus und als sein persönlicher Beitrag zur Mission an seinen ehemaligen Glaubensbrüdern. „Man muß mit den Muslimen sprechen, das ist unsere Aufgabe“, fordert er. „Ihr Christen…müßt aufwachen und euren Glauben beleben! Zu lange schon schlaft ihr vor euch hin….Da geht es nicht um Barmherzigkeit, sondern um unsere Verantwortung als Kinder Gottes.“

Das Leben Joseph Fadelles wird für immer durch die Fatwa, die gegen ihn ausgesprochen wurde, bedroht sein, denn jeder Muslim mit einer starken Bindung an die islamische Kultur und an den Koran, ist verpflichtet, ihn zu töten – aus dem einen Grund, weil er den Islam verlassen und Christ geworden ist.

 Joseph Fadelle: Das Todesurteil – Als ich Christ wurde im Irak, Augsburg 2011, 224 Seiten, Kart., EU 19,95. 





„Wer hat Angst vor Pfarrer Tropper?“

20 05 2012

von Inge M. Thürkauf

Ja, wer hat Angst vor Pfarrer Tropper? So könnte man in Anlehnung an das Theaterstück des amerikanischen Dramatikers Edward Albee„Wer hat Angst vor Virginia Wulf?“ fragen, nachdem man sich die verschiedenen Repliken und Kommentare zum kritischen Artikel des Pfarrers von St. Veit am Vogau mit dem Titel „Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Homosexualität“ hat Revue passieren lassen. Sogar Altersstarrsinn wird ihm bescheinigt und „kirchenrechtliche Konsequenzen“ sollen ihm drohen. Ein wenig viel Lärm um einen Priester, der sich erlaubt, in deutlichen Worten die altehrwürdige Lehre der Kirche zu diesem Thema seinen Gläubigen nahezubringen – entsprechend seinem Auftrag, den Glauben zu bewahren und getreu dem Wort des hl. Paulus folgend, das zu verkünden, was ihm überliefert wurde (1 Kor 15,3).

Der casus belli im aktuellen Fall besteht in Pfarrer Troppers Bekräftigung der biblischen Aussage, dass zum vollen Menschsein die zwei Geschlechter Mann und Frau gehören, die sich in ihrer Zweigeschlechtlichkeit gegenseitig ergänzen, wohingegen die Gleichsetzung von homosexueller Lebensweise mit der Ehe nicht dem schöpfungsgemäßen Bild des Menschen entspricht. Nachdem Homosexualität immer mehr zu einem politisch korrekten Tabu geworden ist, an dem nicht gerüttelt werden darf, ist dies mutige Wort zur Klärung der homosexuellen Identität –wenn auch nur im enggesteckten Rahmen eines Pfarrblatts – überfällig.

Seit 1973 die Amerikanische Psychiatrische Gesellschaft (APA) dem Drängen der Homobewegung nachgegeben und Homosexualität aus der Liste psychischer Störungen herausgenommen hat, verschärfte sich der Kampf gegen die „religiösen Homohasser“. Homosexualität wurde zum alternativen Lebensstil erhoben. Der Allgemeinheit konnte offensichtlich recht erfolgreich vermittelt werden, dass Homosexuelle für ihre Neigung genauso wenig verantwortlich sind, wie für ihre Körpergröße, Homosexualität folglich keine Abweichung sei, es würde sich lediglich um eine andere Art Menschen handeln, „die einen gutzuheißenden Lebensstil leben, der außerdem die perfekte Antwort auf die Bevölkerungsexplosion sei“ („Medizin und Ideologie“ 3/2009, S. 7). Unterstützt durch die Medien wird bis heute impliziert, daß Homosexualität angeboren sei und Gott den homosexuellen Menschen als solchen geschaffen habe. Folglich sei es unmöglich zu versuchen, durch Therapie eine Änderung herbeizuführen, denn damit verstoße man gegen die Natur, was gesundheitliche Probleme nach sich ziehen könne. Stellt niemand die Frage, wie es möglich sein kann, dass der Gott der Liebe einen Menschen mit einer homosexuellen Disposition erschafft, um ihn danach exakt dieser Veranlagung wegen zurückzuweisen und zu verurteilen? (Siehe Lev 18,22 und Lev 20, 13, sowie Röm 1, 24-28).

Offensichtlich geht es hier nicht um Wahrheit, sondern um Macht, denn Opposition gegen diesen Wandel der gesellschaftlichen Definition von Homosexualität wird immer aggressiver geahndet. Vor allem konservative Christen werden gezielt eingeschüchtert, diskreditiert und zum Schweigen gebracht. Ein beinahe klassisch zu nennender Fall ereignete sich 2004, als Rocco Buttiglione, Professor für politische Philosophie und Politikwissenschaften, von Italien als Vizepräsident der EU und Kommissar für Justiz, Freiheit und Sicherheit nominiert wurde. Bei einer Anhörung im EU-Parlament befragte ihn eine grüne Abgeordnete zu seiner Haltung zur Homosexualität. In seiner Antwort erläuterte er klar die Unterschiede zwischen Moral und dem geltenden Recht. Auch wenn er persönlich der Meinung sei, Homosexualität ist Sünde, würde er die Charta der Grundrechte der Europäischen Union voll unterstützen, die erklärt, dass niemand aufgrund seiner sexuellen Identität diskriminiert werden dürfe. Doch mit diesem Hinweis auf die Sündhaftigkeit der Homosexualität wurde er für das EU-Parlament nicht mehr tragbar. Sein Amt erhielt ein anderer. Es waren also nicht wissenschaftliche, sondern politische Gründe, die Buttiglione zum Rücktritt zwangen, letztlich jedoch war es sein Bekenntnis zur Lehre der Kirche wie sie im Katechismus der Katholischen Kirche festgehalten ist, wo unter Nr. 2357 zu lesen ist, dass „Homosexualität eine schlimme Abirrung“ ist und „dass die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“. Nicht wenige sprachen danach von einer sublimen Art der Christenverfolgung.

Nun hat das Schwert der Diskriminierung nicht einen Politiker, sondern einen Landpfarrer getroffen, der es gewagt hat, politisch inkorrekt sich gegen den Mainstream der Homolobby zu stellen. Eine Klarstellung von bischöflicher Seite aus biblischer Sicht bezüglich der propagierten „Normalität homosexueller Verhaltensweisen“ erwarten nun vor allem jene, die eine Veränderung ihrer homosexuellen Neigung anstreben und hoffen, mit Hilfe geeigneter Therapien heterosexuelle Entwicklungen in ihrem Leben zu entdecken und zu fördern. 





Kreuz und Halbmond – Der Zusammenprall zweier Kulturkreise –

29 02 2012

von Inge M. Thürkauf

Der Islam befindet sich in einem gravierenden Wandlungsprozeß. Für Jahrhunderte war die islamische Welt ein in sich geschlossener Kulturkreis. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat die westliche Zivilisation mit ihrer technischen Überlegenheit auch die politischen, öffentlichen und privaten Lebensbereiche der muslimischen Gesellschaft berührt.

Betrachten wir jedoch zunächst die weltgeschichtlichen Bedingungen unter denen der Islam entstehen konnte.

Irrlehren im Christentum: Seit dem Beginn des Christentums stand die Kirche im geistigen Kampf mit Abspaltungen, die in nachapostolischer Zeit die Lehre der Botschaft Christi zu erschüttern suchten. Einen Höhepunkt der Zersetzung kann man in den beiden Irrlehren des Nestorianismus und Monophysitismus erkennen. Die Lehre des Nestorius, der behauptete, Christus sei ein Mensch, der Gott in sich trägt, und nicht vielmehr Gott selber der Wahrheit nach, wurde auf dem Konzil von Ephesus 431 verurteilt. Aus dem Bestreben, den Nestorianismus völlig zu überwinden, entstand ein neuer Irrglaube: der Monophysitismus, der erklärte, in Christus sei die menschliche Natur so in die göttliche eingegangen, daß nur eine Natur, und zwar die göttliche, vorhanden sei. Christus sei wahrer Gott, aber nicht wahrer und wirklicher Mensch wie wir. Dieser falsche Glaube wurde auf dem Konzil von Chalzedon 451 verworfen. Beide Irrlehren schließen eine wirkliche Erlösung des Menschengeschlechts durch Jesus Christus im Sinne einer vollwertigen Sühneleistung aus.

Trotz Ablehnung durch die Konzilien von Ephesus und Chalzedon erstarkten nach dem 6. Jh. diese glaubenszersetzenden Lehren zu selbständigen von Rom wie auch von der östlichen Reichskirche getrennten Nationalkirchen. Die Einheit der Ostkirche wurde zerrissen. Die Ideen des Nestorius verbreiteten sich über die gesamte Kirche Persiens. Von dort aus entstanden nestorianische Gemeinden in Syrien, Palästina, Ägypten und Nordarabien, später drangen sie nach Indien vor, dann nach China und weiter nach Sibirien.

Eroberungen durch den Islam: Als Mohammed (570-632) im Jahre 610 in Mekka seine Offenbarungen erhielt – nach seinem Zeugnis von Allah durch den Engel Gabriel übermittelt – war ein großer Teil der östlichen Christenheit durch den Nestorianismus und den Monophysitismus entzweit. Bei der Eroberung Ägyptens im Jahre 642 durch muslimische Araber, standen den 300 000 rechtgläubigen Christen rund 6 Mio. monophysitische Ägypter gegenüber und Ende des 6. Jahrhunderts nahm auch die alte syrische Kirche, mit Antiochien als Mittelpunkt, die Irrlehre des Monophysitismus an. Eine uneinige Christenheit jedoch, die zentrale Bereiche des Glaubens in Frage stellt, schafft Angriffsflächen für eine Religion, die den Anspruch erhebt, die ganze Welt im Kampf gegen die „Ungläubigen“ bis zu deren Tod in ein Haus des Islam (Dar al-Islam) zu verwandeln. Nach der Überzeugung der Muslime wird dieser Kampf erst zu Ende sein, wenn die ganze Welt das „Haus des Islam“ angenommen hat, denn „die Grenze des Islam ist die Grenze der Welt“. Diese Aussage stützt sich u. a. auf Sure 33, Vers 27 im Koran, wo es heißt: „Allah hat euch zu Erben gesetzt über die Ungläubigen, über ihre Äcker und Häuser, über all ihre Güter und über alle Lande, in denen ihr Fuß fassen werdet.“ Dabei ist das Ziel des Islam nicht so sehr, alle Menschen im Islam zu vereinen, sondern seine Bestrebungen gehen dahin, die ganze Welt unter das islamische Gesetz, der Sharia, zu stellen, weil nur das göttliche und daher vollkommene Gesetz der Sharia den Menschen Frieden bringen kann. Also nicht nur der Koran, sondern im gleichen Maße auch die Scharia, das auf der Basis des Koran beruhende Gottesgesetz, bestimmt den Islam.

Schon unter Mohammed breitete sich seine Lehre über den größten Teil Arabiens aus. Bereits drei Jahre nach seinem Tode begannen die Eroberungszüge in den ehemals christlichen Ländern und Regionen. 635 wurde Damaskus unterworfen, in den folgenden Jahrzehnten Mesopotamien, Jerusalem, Persien, ganz Ägypten und Zypern, Karthago. Im Westen überschritten 711 die Muslime die Straße von Gibraltar und eroberten Spanien. Der Islam drang in Gallien ein.

Erst der Frankenkönig Karl Martell machte 732 durch die siegreiche Schlacht zwischen Tours und Poitiers dem weiteren Vordringen des Islam im Westen ein Ende. Im Osten hingegen gingen die muslimischen Eroberungszüge weiter. Ende des 13. Jh. unterwarfen die Araber die Mongolen, die im 14. Jahrhundert den Islam annahmen. 1453 fielen Konstantinopel und damit die Hauptkirche der östlichen Christenheit, die Hagia Sophia, erbaut zu Ehren der göttlichen Weisheit. Dieses Wunder christlicher Kunst und Schönheit wurde in eine Moschee verwandelt, die Kreuze gegen den Halbmond ausgetauscht.

Von keiner anderen religiösen Bewegung wurde die Welt so rasch unterworfen wie vom Islam, allerdings nicht durch Lehre und Überzeugung, sondern durch Dijhad, durch „Feuer und Schwert“. Es hat sich bestätigt, was Kaiser Konstantin d. Gr. als Warnung an die versammelten Bischöfe des Konzils von Nizäa (325) gerichtet hat, eine Warnung, die bis in unser 21. Jahrhundert ihre Gültigkeit behalten hat: „Denn für schlimmer als jeder Krieg und jeder furchtbare Kampf gilt mir der innere Zwist der Kirche Gottes, und schmerzlicher scheint mir dieses als Kämpfe nach außen.“ Die Geschichtsanalyse des spanischen Philosophen Donoso Cortes bestätigt in seiner Rede an das spanische Parlament 1849 über 1500 Jahre später die mahnenden Worte Kaiser Konstantins: „Ich habe…viele Individuen gesehen und kennengelernt, die aus dem Glauben austraten und zu ihm zurückgekehrt sind; unglücklicherweise aber… habe ich niemals ein Volk gesehen, das zum Glauben zurückgekommen ist, nachdem es ihn verloren hatte.“

Siege über das Osmanische Reich: Einen Höhepunkt des Expansionswillens der Türken war die erste Belagerung Wiens im Jahre 1529. Suleyman der Prächtige wollte mit einem gewaltigen Heer den „Goldenen Apfel der Deutschen“, wie die Osmanen die Stadt Wien nannten, erobern. Doch hier erfuhren sie eine Niederlage. Trotz militärischer Übermacht konnten sich die Belagerer nicht durchsetzen und mußten sich nach heftigen Kämpfen unter großen Verlusten zurückziehen.

Einen weiteren Sieg über das Osmanische Reich, der nicht zuletzt der Macht des Rosenkranzgebetes zugeschrieben wurde, errang die „Heilige Liga“ mit Spanien an der Spitze und Don Juan de Austria als Oberbefehlshaber am 7. Oktober 1571 in der Seeschlacht bei Lepanto. Noch heute erinnert alljährlich das Rosenkranzfest, das Papst Klemens XI. auf die ganze Kirche ausdehnte, an dieses Ereignis. Mit dieser Schlacht wurde der Mythos vom unbesiegbaren Heer der Osmanen gebrochen.

Die entscheidende Wende im Kampf gegen den Weltherrschaftsanspruch des Islam leitete 1683 die zweite türkische Belagerung der Donau-Metropole, dem Tor zum Abendland, ein. Dem noch vom 30jährigen Krieg zerrütteten „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“ stand wiederum eine zahlenmäßig überlegene Militärmacht gegenüber. Diesmal scheiterte die türkische Belagerung am zähen Willen der Bevölkerung und am rechzeitigen Eintreffen des Entsatzheeres aus Lothringen, Sachsen, Bayern und Baden, über das der polnische König Jan Sobjeski den Oberbefehl hatte. Es war ein geglückter Zusammenschluß der abendländischen Christenheit. Eine unrühmliche Rolle spielte Frankreich. Louis XIV., der „Sonnenkönig“, benützte die Türken als Bundesgenossen und hoffte dadurch auf eine Schwächung Österreichs. Am Morgen des 12. September 1683 erfolgte der Angriff. Vor der Schlacht riefen die Christen die Gottesmutter um Schutz und Hilfe an. Das Türkenheer wurde vernichtend geschlagen. Als Dank für die Befreiung Wiens hat Papst Innozenz XI., der den Ehrentitel „Verteidiger des christlichen Abendlandes“ erhielt, am 12. September das Fest Maria Namen eingeführt und zum Festtag für die ganze Kirche erhoben.

Die Abwehr der Türken und die damit verbundene Schwächung des osmanischen Reiches. waren für Europa von größter Bedeutung. Bei einem Sieg der Osmanen wären weite Teile Europas unter den Islam gefallen. – Das war vor über 300 Jahren!

Das Umfeld und die Kultur, in die der Islam sich bilden konnte, war das Arabien des siebten Jahrhunderts (heute formen Jemen, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Kuwait und Jordanien die arabische Halbinsel). Vom nordarabischen Nestorianismus hat Mohammed einen großen Teil dessen erhalten, was er an christlichen Ideen besaß.

Die bemerkenswerteste Eigenschaft der Araber zur Zeit Mohammeds war ihr Hang zum Exzeß, den sie sogar in ihrer Lyrik verherrlichten. In einer älteren Dichtung wird diese Tendenz des Extremismus stolz beschrieben: „Wir sind Leute, für die es keinen Mittelweg gibt, und Toleranz ist nicht unser Weg. Wir bekommen, was wir wollen, oder wir sterben noch am selben Tag bei dem Versuch“ Diese Mentalität hat sich der Islam zu eigen gemacht, ja er bekräftigte noch die arabische Neigung zu Gewalt als Zeichen männlicher Tapferkeit. „Es gibt eine ganze Sure, die ‚Die Kriegsbeute’ heißt. Es gibt keine Sure, dieFrieden’ heißt. Der Djihad und das Töten sind das Haupt des Islam. Wenn man sie herausnimmt, dann enthauptet man den Islam“, (Belehrungen eines Scheichs der al Azhar-Universität, Kairo, an seine Studenten). Mohammed war ein kriegerischer Prophet, und die islamischen Eroberungen von China bis Spanien folgten gleichsam diesem Prinzip. An dieser Vorbildfunktion Mohammeds hat sich für die mit dem Koran verbundenen Muslime nichts geändert. Daher haben Muslime, die stark vom Islam geprägt sind, eine andere Sichtweise auf Aggressionen, Wut und drohendes Verhalten.





Der heikle Aspekt im Islam – die Frau und die Islamophobie

19 12 2011

Foto: Kenneth Taylor Jr

Von Inge M. Thürkauf

Die Stellung der Frau im Islam gehört vermutlich zum heikelsten Aspekt in der Auseinandersetzung der beiden Kulturen von Kreuz und Halbmond. Traditionelle Muslime haben einen anderen Blick auf das Verhältnis zwischen den Geschlechtern als der westlich orientierte Mensch. Der Koran postuliert die Überlegenheit des Mannes, verlangt von den Frauen Gehorsam und legitimiert deren körperliche Züchtigung. In einem Hadith (Sammlung der Worte und Taten Mohammeds) lesen wir, daß der Prophet festgestellt habe, den Frauen fehle es an Vernunft und an Religion. Die Frauen fragten nach dem Grund. Er antwortete: „Ist die Zeugenaussage der Frau nicht halb so viel wert wie die des Mannes? Das kommt von ihrem Mangel an Vernunft. Muß sie nicht während der Menstruation aufhören zu fasten und zu beten? Das kommt von ihrem Mangel an Religion“ Ein weiterer Hadith sagt aus, daß die Mehrheit der Menschen in der Hölle aus Frauen besteht. Aus diesen Gründen müsse sie im Haus bleiben. „Die Frau ist eine Aurah (das Wort bedeutet Mangel, kann aber auch die Schamgegend betreffen), wenn sie ausgeht, dann kommt ihr der Teufel entgegen. Sie ist am nächsten zu Gott, wenn sie in ihrem Haus tief steckt.“ Vor der Welt verborgen, gerät sie nicht in die Lage, Schande über die Familie zu bringen und ihre Ehre zu beschmutzen. Nichts zählt mehr in der muslimischen Welt als die Ehre. Zwangsheirat und Familienrache im Namen der Ehre gehören unter Muslimen auch in den westlichen Ländern zum Alltag. In den letzten Jahren gab es über 50 Ehrenmorde allein in Deutschland, weltweit ca. 5000, die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, gar bis zu 100 000 Ehrenmordopfer pro Jahr nach einem Bericht der UN. Sichere Statistiken gibt es nicht, da manche Taten als Unfall getarnt sind, oder eine Frau wird als vermißt gemeldet, und niemand ist bereit, Auskunft zu geben. Bis auf wenige Ausnahmen sind die meisten Opfer Frauen.

Die Frau wird mit ihrer ganzen Person auf Sexualität reduziert. Daher die Forderung nach ihrer Verschleierung, damit sie dem Mann nicht zur Fitna, zur Unruhe werden kann. Dies wirft nicht unbedingt ein vertrauenerweckendes Licht auf die Männer. Offensichtlich reduzieren sie sich selbst zu einem triebhaften Wesen, das beim Anblick einer Frau die Kontrolle verliert. Daß der Mann seinen Sexualtrieb könnte beherrschen lernen, davon ist weder im Koran noch in den Hadithen etwas zu finden. So ergibt sich sowohl für die Frau als auch für den Mann ein erniedrigendes Bild der Geschlechter, und es ist daher nur allzu verständlich, daß vor allem junge Musliminnen, die in einem westlichen Land geboren und aufgewachsen sind, sich der unwürdigen Prägung, Besitztum der Männer zu sein, entledigen wollen. Tragischerweise orientiert sich ihr Anspruch auf Freiheit und Gleichberechtigung am westlichen Ideal. Sie stellen sich dadurch mit ihrem irregeleiteten Freiheitsideal außerhalb der Umma, der islamischen Gemeinde. Jedoch wird das Wertesystem des Westens von den meisten Muslimen, Frauen wie Männer, verachtet. „Was ist das für eine Welt“, ereiferte sich eine Kopftuch tragende Frau im Verlauf einer hitzigen Diskussion in Paderborn, „in der Frauen halb nackt ihren Körper zur Schau stellen? Was für eine Freiheit soll das sein?“

Kritik an einer Gesellschaft, die immer mehr einem sittlichen und moralischen Tiefpunkt entgegensteuert, wird durchaus von gläubigen Christen geteilt. Sie haben jedoch mit beruflichen Nachteilen oder gar richterlicher Verfolgung zu rechnen, wenn sie aus Glaubens- oder Gewissensgründen auf Zustände hinweisen, die der christlichen Moral und Ethik entgegenstehen, wie: Abtreibung, Homosexualität, schulische Sexualerziehung, schamlose Kleidung oder die neue Ideologie von Gender Mainstreaming mit der ganzen Skala ihrer hedonistischen Facetten. Muslime haben in dieser Beziehung nichts zu fürchten. Ihnen wird zugute gehalten, daß ihre Ansichten eben kulturbedingt sind. Diese Ungleichbehandlung spiegelt sich auch bei der Anwendung gesetzlicher Bestimmungen wider: Die 2008 in Wien neugegründete Agentur der EU für Grundrechte (FRA) verfolgt jede Form der Diskriminierung, des Rassismus und der Fremdenfeindlichkeit mit der damit einhergehenden Intoleranz, wobei laut Direktor Morten Kjaerum die zunehmende Islamophobie (das bedeutet: Angst vor dem Islam) in Europa als größte Herausforderung und deren Bekämpfung als wichtigste Aufgabe gesehen werden muß. Hingegen findet die weltweite Christenverfolgung in seiner Agenda keine Erwähnung, obwohl aufgrund von Diskriminierungen durch radikale Muslime immer mehr Angehörige christlicher Minderheiten den Nahen und Mittleren Osten verlassen. Der Anteil der Christen im Nahen Osten sinkt fast überall. Arabien droht zur christenfreien Zone zu werden. Der ägyptische Kopten-Bischof Stephanos klagt: „Christen in Ägypten erleben die schlimmste Zeit der letzten Jahrhunderte. Es werden auch systematisch Kirchen zerstört, ohne daß die Polizei eingreift oder jemand dafür bestraft wird.“ Christen werden vor den Augen der internationalen Medien umgebracht. Im Sudan, im Irak und Iran und nun auch in Ägypten wird der Welt vorgeführt, wie der Islam die Christen behandelt, wenn sie sich weigern, die „Religion des Friedens“, den Islam anzunehmen. Wer will es Menschen anlasten, die aufgrund solcher Ereignisse Angst vor dem Islam bekunden, d. h. sich islamophob verhalten? Doch Präsident Erdogan nennt in seiner Düsseldorfer Rede Islamophobie, genauso wie Antisemitismus und Rassismus, ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Am 13. Oktober 2011 wurde, ebenfalls in Wien, mit den Ländern Österreich, Spanien und Saudi-Arabien der Gründungsvertrag für das „King Abdullah International Center for Interreligious and Intercultural Dialogue“ (ein interreligiöses Dialog-Zentrums), feierlich unterzeichnet. Die neue Institution soll u. a. weltweit zur Förderung der Religionsfreiheit dienen. „Genau dafür ist das Zentrum gegründet worden“, bekräftigt der saudi-arabische Außenminister Faisal. Man kann diese Aussage nur irritiert zur Kenntnis nehmen: Saudiarabien, wo lediglich die wahhabitische Auslegung des sunnitischen Islam erlaubt ist und jeder Abfall vom Islam mit dem Tode bestraft wird, soll sich nun glaubhaft für Religionsfreiheit stark machen? Selbst der Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität warnte davor, den Saudis in dieser Weise eine Plattform zu bieten. Doch das Dialog-Zentrum wurde unter Beisein des österreichischen Außenministers eröffnet. 





Europa im Ansturm von Multikultur

6 10 2011

von Inge M. Thürkauf

Multikultur ist seit einigen Jahrzehnten eine gesellschaftliche Wirklichkeit in unseren europäischen Ländern. Die Gruppe der Migranten, die die multikulturelle Diskussion in der westlichen Welt nachhaltig angestoßen und zu einem zentralen Diskussionsthema ausgeweitet hat, sind die Muslime. Wir sind nicht allzu weit davon entfernt, nicht nur in den Stammländern des Islam, sondern auch im westlichen Europa von einem „real existierenden Islam“ zu sprechen. Diese neue Konstellation ist dabei, sich zu einem bedrohlichen „Kampf der Kulturen“ auszuweiten. Um dies zu verhindern, versuchen nicht wenige Politiker und auch Vertreter der Kirche, sich auf die islamische Religion, die den eigenen Glauben doch nur bereichern könne, „einzulassen“ und erträumen einen Islam, den es nicht gibt und den selbst die Muslime so nicht wollen. Aufrichtige Muslime wehren sich gegen die Behauptung, beide Glaubensrichtungen hätten ein und denselben Gott. Ihnen ist sowohl der trinitarische Gott als auch die plurale Gesellschaft ein Greuel. Es sind die Muslime selbst, die die Verniedlichungsversuche der grün-roten Linken sehr scharf widerlegen.

Auch weigern sich islamische Staaten, die im Westen geltende Menschenrechtserklärung anzuerkennen, was deutlich zeigt, daß wir es hier mit einer politischen Ideologie zu tun haben, die mit den Werten und Normen unserer westlichen Staatssysteme unvereinbar ist. Die Unkenntnis (oder besser gesagt: das Nicht-wahrhaben-wollen) der Politiker und nicht weniger Vertreter der Kirche gegenüber der Wirklichkeit dieser Kulturkreise, die sich diametral gegenüberstehen, ist verstörend. Da im Koran Anklänge aus dem Alten und Neuen Testament zu finden sind, die den Anschein geben, die beiden Glaubensrichtungen hätten Ähnlichkeiten aufzuweisen bzw. nur unwesentliche Unterschiede würden sie trennen, entsteht die irrige Meinung, wir alle würden an einen Gott glauben. Eine intensive Beschäftigung mit dem, was der Islam beinhaltet und vor allem wer die Menschen sind, die im Kulturkreis des Islam leben, ist daher erstrangig. Dabei haben wir als Christen die Pflicht, zu unterscheiden zwischen Muslimen, also den Menschen und dem Islam, d. h. dem religiös-politischen Machtsystem.

Ein wesentliches Kriterium der beiden Glaubensrichtungen ist das völlig verschiedene Gottesbild und das entsprechend unterschiedliche Menschenbild. Der Muslim sieht sein Verhältnis zu Allah ausschließlich in der Beziehung des Herrn zu seinem Knecht, zu seinem Sklaven. Der Sklave beugt sich vor seinem Herrn mit der Stirn auf den Boden. Anders die jüdisch-christliche Stellung des Geschöpfs zum Schöpfer. Sie basiert auf einer Veranschaulichung Gottes und spricht vom Angesicht Gottes: „Gott lasse sein Angesicht leuchten über Dir und sei Dir gnädig“ (Numeri 6, 25f) lautet der aronitische Segen, und der im unzugänglichen Licht wohnende Gott (1.Tim 6, 16) sandte seinen Sohn, damit das Licht der Herrlichkeit Gottes sich zeige im Angesicht Jesu Christi.

Dieses konkrete bildhafte Anschauen Gottes lehnt der Muslim strikt ab. Schon gar nicht kann er Jesus als Gott anerkennen. Für ihn ist Jesus lediglich ein Geschöpf, ein Diener Allahs. Das Verhältnis des Christen zu Gott ist eine Vater-Kind-Beziehung. Auf die Bitte der Jünger hin: „Lehre uns beten“, antwortet Jesus: „So sollt ihr beten: Vater unser, der Du bist im Himmel…“ Für den Muslim ist die Anrede Vater oder Abba, was übersetzt werden kann mit Papa, Väterchen eine Blasphemie. Im Islam darf sich niemand mit der Liebe eines Kindes an Allah wenden. Sure 19,94 spricht davon, daß keiner in den Himmeln und auf Erden sich dem Erbarmer anders nahen darf, denn als Sklave.

Ein äußerst tragischer Aspekt im Islam ist der Mangel an Heilsgewißheit, auch für fromme Muslime. Da Allah allmächtig ist, schließt das mit ein, daß er völlig frei entscheiden kann, wen er am Ende annimmt und wen er verdammt. Allah, so sagt der Koran wörtlich, ist ein sehr launischer Gott, er schafft den einen im Zorn für die Hölle, den andern in einer Laune der Barmherzigkeit für die Gärten der Wonnen, für das Paradies. Nur der Martyrer kommt mit Sicherheit in die Gärten der Wonnen. Daher die erschütternde Zahl junger Menschen, die sich in einem Selbstmordkommando für den Islam opfern.

Es ist nachvollziehbar, daß ein ungewisses Lebensziel mutlos oder aggressiv macht, und es ist sehr wohl denkbar, daß die Gewaltbereitschaft der Muslime auch auf dem Hintergrund dieser Vorstellung eines Gottes wächst, der den Menschen grundlos in die Hölle verstoßen kann.





Die Familie ist der wärmste Ort gegen die Kälte dieser Welt

27 08 2011

oder

Gender Mainstreaming und das Umerziehungsprogramm von Ehe und Familie

von Inge M. Thürkauf

 Siehe auch Inge M. Thürkauf: „Löscht sie aus – die Familie“ in CIVITAS, Nr. 4, 2008 und Inge M. Thürkauf: „Der Weg des ‚neuen Menschen’ – von der biologischen Revolution zur Diktatur des Genderismus“ in MEDIZIN und IDEOLOGIE, Nr. 2/2007.

Bild: ABUS Security Tech Germany /Flickr creativ commons

Im Gästetrakt eines Benediktinerklosters weist eine kleine Tafel auf die Haus-, Lebens- und Wirtschaftsgemeinschaft Familie hin, so wie sie seit jeher verstanden wurde, und wie sie von den meisten Menschen auch heute noch gewünscht wird. Die Haltung der Gesellschaft im Hinblick auf den „wärmsten Ort gegen die Kälte dieser Welt“, hat sich jedoch in den letzten Jahrzehnten grundlegend geändert. Die Doppelverdiener-Ehe, alleinerziehende Mütter oder Väter, nichteheliche und homosexuelle Lebensgemeinschaften, Patchwork- und Pflegefamilien sowie die frühkindliche Fremdbetreuung haben aus der Familie einen „dynamischen Prozeß“ gemacht, der bis zur Unkenntlichkeit weiterhin im Wandel begriffen ist.

Veränderungen in Gesellschaft und Familie, wie wir sie heute erleben, haben ihre Verkünder, nur werden sie selten gehört, wie z. B. Dr. Richard Day, Professor für Kindermedizin an der Mount Sinai Medical School in New York, der im März 1969 vor 80 Medizinern der „Vereinigung Amerikanischer Kinderärzte“ in Pittsburgh unverhohlen Teile des Programms der Neuen Weltordnung[i] ausgebreitet hat. Das folgende Zitat[ii] beschreibt knapp und unmißverständlich die vorgegebene weitere „Entfaltung“ der westlichen Zivilisation:

„Es wird alles gemacht, damit die Familie nicht mehr zusammenbleibt. Die Frauen sollen arbeiten und immer mehr Menschen bleiben alleinstehend. Kinder werden als Babys bereits von der elterlichen Erziehung entfernt und politisch korrekt indoktriniert. Den jungen Mädchen wird als Vorbild nicht mehr die Familie und die Erziehung der Kinder vorgegeben, sondern sie sollen Leistung erbringen und eine ‚Karriere’ verfolgen. Mädchen wird erzählt, sie müssen genauso sein wie Jungs, und umgekehrt. Man will den geschlechtslosen Menschen, das Neutrum erzeugen. Frauen sollen maskuline Mode tragen – wie Hosen – und Männer sich immer femininer geben. Männersportarten wie Rugby oder American Football sollen verschwinden.“

Umsetzungsprogramme dieses neuen Weltsystems sind schon seit Jahrzehnten im Gange. Zunächst führten uns die New-Age-Ideologen in ein „Neues Zeitalter“. Eine Wendezeit in Bezug auf eine sinnerfüllte, humane und ganzheitliche Zukunft der Menschheit wurde uns versprochen. Viele ließen sich von dieser Traumwelt betören, sind mehr oder weniger kritiklos dem Mainstream New Age gefolgt und haben sich durch das ganze esoterische Programm der New-Age-Bewegung „dummgeglotzt“ (Alexander Kissler), so daß es immer schwieriger geworden ist, nachfolgende Gefahren zu erkennen, geschweige denn begreiflich zu machen.

Der neue Mainstream in Folge, der detailliert, akribisch und erfolgreich die Mitteilungen von Dr. Day umsetzt, nennt sich „Gender“ oder „Gender Mainstreaming“. Es ist keine Weltanschauung, Meinung oder Ideologie unter anderen, sondern eine offizielle, politische Zielsetzung, die administrativ und auf dem Weg des Gesetzes in die Politik eingedrungen ist und nun in sämtliche gesellschaftliche Bereiche hineingepreßt werden soll.

Die offizielle Definition von Gender Mainstreaming will vortäuschen, es handle sich um die Gleichbehandlung und Gleichstellung der Geschlechter. Die folgenden Ausführungen werden zeigen, daß ganz andere Ziele verfolgt werden:

In der englischen Sprache gibt es zwei Begriffe für das Wort „Geschlecht“: gender und sex.

  • Gender ist der grammatikalische Begriff zur Unterscheidung des Geschlechts eines Wortes.
  • Der Ausdruck sex ist kein Hinweis auf den sexuellen Akt, sondern bezeichnet das biologische Geschlecht von männlich und weiblich.

Wendepunkt in der politischen Strategie zur Einführung von Gender Mainstreaming war die 4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking, wo das Wort „sex“ ersetzt wurde durch den bis heute von den meisten Menschen kaum noch erfaßten Begriff „gender“. Diese Definition bedeutet ein gewandeltes Verständnis von Geschlecht, mehr noch, eine neue Weltanschauung, die alle Unterschiede zwischen den Geschlechtern nicht als naturgegeben, sondern als gesellschaftsbedingt versteht. Das heißt: Jede sexuelle Orientierung – heterosexuell, homosexuell, lesbisch, bisexuell und transsexuell – soll gleichwertig sein und gesellschaftliche Akzeptanz beanspruchen. Das biologische Geschlecht, also die Tatsache, daß der Mensch von Gott als Mann und als Frau geschaffen wurde, ist – den Gender-Ideologen entsprechend – nicht mehr von Belang.

Gegen diese Zumutung setzte sich die Familienallianz besagter Konferenz zur Wehr. Die Beschlüsse von Peking seien „ein direkter Angriff auf die Werte, Kulturen, Traditionen und religiösen Überzeugungen der großen Mehrheit der Weltbevölkerung sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den Industrienationen“. Das Dokument zeige keinerlei Respekt für die Würde des Menschen, versuche die Familie zu zerstören, ignoriere die Ehe, werte die Bedeutung der Mutterschaft ab, fördere abweichende sexuelle Praktiken, sexuelle Promiskuität und Sex für Jugendliche.

Offensichtlich war der Protest der Verteidiger von Ehe und Familie gegen diesen „europäischen Unsinn“ wirkungslos, denn am 1. Mai 1999 wurde im Amsterdamer Vertrag auf EU-Ebene der Gender-Mainstreaming-Ansatz als durchgängiges „Leitprinzip und Querschnittsaufgabe“ rechtlich verbindlich festgeschrieben. Art. 2 und Art. 2 Abs.2 dieses EG-Vertrags verpflichtet die Mitgliedstaaten zu einer aktiven Gleichstellungspolitik im Sinne des Gender Mainstreaming.

Da Gender Mainstreaming ein weltweites Umerziehungsprogramm beinhaltet, muß es sich um ein politisches Konzept handeln, denn ohne die von der Politik verordneten Gesetze wird ein solches Programm nicht durchzudrücken sein. Der Grund, warum diese Begriffe und dieser Vertrag bis vor kurzem unbekannt waren, erfahren wir vom luxemburgischen Premierminister und Präsidenten der EU-Runde Jean-Claude Juncker, der 1999 unverblümt zugab: „Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, ob was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.“[iii] Diese Vorgehensweise findet vermutlich in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft ihre Anwendung.

Was von Anbeginn der Menschheit als „natürlich“ und „normal“ gegolten hat, die Zuordnung als Mann und Frau, soll nun unter der Führung von tonangebenden Sexualwissenschaftlern durch Umerziehung geändert werden, die so früh wie möglich beginnen soll. Inzwischen schreckt man nicht mehr davor zurück, die Geschlechterabschaffung bereits in Kindertagesstätten und Kindergärten umzusetzen, mit entsprechender Schulung des Lehrpersonals. Der Hintergedanke dabei ist, daß ein auf diese Art umerzogenes, d.h. ge-gendertes Kind beizeiten begreifen lernt, daß es nicht nur Mann und Frau gibt, sondern daß die Palette viel bunter und reichhaltiger ist. Im bekannten Wiener Modell-Kindergarten „Fun & Care“ werden die Geschlechter von Jungen und Mädchen zunehmend und systematisch aufgeweicht, um sie letztlich gänzlich abzuschaffen. Mädchen werden mit technischen Spielzeugen bekanntgemacht und aufgefordert, Fußball zu spielen und sich gegen die Buben zur Wehr zu setzen. Den Jungs hingegen wird beigebracht, mit einer Kosmetikbox umzugehen, Prinzessinnenkleider zu tragen, Fingernägel zu lackieren, sich schön zu machen, ganz allgemein eine positive Körperwahrnehmung zu erlernen, um weicher, weiblicher zu werden. Das Ganze drängt in die Richtung, die Wahrnehmung für die verschiedenen Geschlechter, wie Homosexualität, lesbische Lebensweise, Bisexualität und Transsexualität so früh wie möglich auszubilden. Daß hierbei sexuelle Übergriffe von Kindern an Kindern nicht ausbleiben können, ist vermutlich in den Plänen der Genderisten inbegriffen. Besorgten Eltern wird beruhigend erklärt, daß die Kinder das Recht hätten, sich sexuell zu betätigen, und daß solche „Kinderspiele“ zur Entwicklung der kindlichen Persönlichkeit gehören.

Die Bemühungen der Gender-Ideologen waren von Anfang an darauf gerichtet, die sexuelle Identität im Grundgesetz zu verankern, was notgedrungen dazu führt, daß das gesamte Ehe- und Familienrecht geändert werden muß, damit Homosexuellen, Lesben, Bisexuellen und Transsexuellen eine gleichberechtigte „Ehe und Familie“ ermöglicht werden kann. Bestrebungen in dieser Richtung sind zur Zeit in Vorbereitung. Vor zehn Jahren wurde in Deutschland die sogenannte Homo-„Ehe“ eingeführt. Nun verlangt die Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zusammen mit den Grünen und den Linken die Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe, obwohl dies verfassungsrechtlich dem Schutz von Ehe und Familie zuwiderläuft. Außerdem – so die Homosexuellen-Organisation ILGA – soll das Adoptionsrecht für Homopaare eingeführt und den Kindern die Möglichkeit eingeräumt werden, mehr als zwei Eltern zu haben. Niemand fragt, was dies für Auswirkungen auf das Kindeswohl haben wird. Den Kindern wird mit dieser Neudefinition von Ehe und Familie das Leitbild der monogamen Ehe von einem Mann und einer Frau als Orientierung für ihr Leben immer mehr entschwinden.

Am 20. Juli 2011 berichtet die FAZ über eine Anordnung des Berliner Senators für Bildung, Jürgen Zöllner (SPD), in der bestimmt wird, daß Grundschulkinder sich ab dem 5. Lebensjahr daran gewöhnen müssen, sich an der sexuellen Vielfalt als Norm zu orientieren. Das bedeutet, eine aggressive Wegführung von der Vater-Mutter-Kind-Familie hin zu homosexuellen Lebensformen. Im Aufklärungsprogramm des Senators findet sich ein Bücher- und Spielekoffer, mit dem nach den Sommerferien den Grundschulen das andere Bild von „Familie“ vorgestellt werden soll. Ab der 5. Klasse sollen Kinder die einschlägigen sexuellen Begriffe in Scharaden darstellen. Eine der Geschichten aus dem Bücherkoffer schildert die Suche nach einer Prinzessin, denn der Kronprinz soll heiraten. Viele Mädchen werden ihm vorgeführt, aber keine gefällt ihm, bis die Prinzessin Liebegunde mit ihrem Bruder eintritt. Da verliebt sich der Kronprinz in den Bruder der Prinzessin. Sie heiraten und regieren gemeinsam als „König und König das Land“. So klingen die Märchen im 21. Jahrhundert.

Die Schweiz – eifrig bemüht der EU zu Diensten zu sein – hat ebenfalls ihr Umerziehungsprogramm gestartet. Durch die Schweizer Boulevard-Zeitung „Blick“ wurde die Öffentlichkeit auf das Sexualprogramm des Kantons Basel-Stadt aufmerksam. Dort wurden in 30 Schulen und Kindergärten Sex-Koffer und Boxen mit eindeutigem Inhalt verteilt: Puppe, Puzzels, Bücher und anderes „Lehrmaterial“ für Vier- bis Zehnjährige, das die erotischen Zonen der Kinder und deren Möglichkeiten der Stimulation erklärt.

Daß gerade in den letzten Monaten ein flächendeckendes Programm zur Früh-Sexualisierung von Kleinst- und Kindergartenkindern gestartet wurde, ist nicht zufällig. Ende August 2010 fand in der mexikanischen Stadt Léon Guanajuato eine Weltjugend-Konferenz statt, die mit einem sogenannten „Statement-Entwurf“ abgeschlossen wurde, dessen Inhalt in höchstem Grad als jugendgefährdend und familienfeindlich bezeichnet werden kann. Um die weltweite Abtreibungsmentalität immer mehr auszuweiten, hat der Bevölkerungsfond der Vereinten Nationen (UNFPA), unterstützt von den radikalen Feministinnen und den bekannten Abtreibungs- und Anti-Familiengruppierungen, eine globale Kampagne gestartet, um heranwachsende Mädchen zu sogenannt „selbstbestimmten Menschen“ heranzubilden und ihnen eine „erschöpfende sexuelle Erziehung“ zu gewährleisten, vor allem aber, sie für die Abtreibung zu gewinnen. Es geht bei dieser Kampagne jedoch nicht nur um die Durchsetzung der Abtreibung als Menschenrecht, sondern das letzte Ziel ist eine anti-christliche Indoktrinierung der Jugend. Diese soll nach den Vorgaben der Gender-Ideologen sexuell aufgeklärt und entsprechend erzogen werden. Die Forderungen, die in diesem 11 Seiten umfassenden Statement aufgelistet wurden, beinhalten das Recht auf Abtreibung und eine Erziehung, die sich freihält von jeglicher Religion. Wörtlich heißt es: „Die Regierungen müssen das fundamentale Recht einer religionsfreien Erziehung garantieren.“ Darüber hinaus soll Gender-Gleichheit vorgeschrieben werden, was bedeutet, daß die sexuellen Interessen der LGBT (Lesben-, Gay (gay engl. = schwul), Bisexuellen und Transsexuellen) durchzusetzen seien. Ebenso sollen die Regierungen mit den Medien und Behörden zusammenarbeiten und ihren Einfluß geltend machen, um jegliche Ablehnung und Phobie von Gender Mainstreaming zu beseitigen. Regierungen werden aufgefordert, LGBT als Teil des Spektrums von Gender-Gleichheit zu akzeptieren und sollen dafür sorgen, daß Jugendliche ihre sexuelle Identität (die sich ja nach Belieben wandeln kann) als Menschenrecht verstehen lernen. Es wird darauf gepocht, daß die Regierungen der Mitgliedstaaten diese Forderungen in ihren Ländern popularisieren.

Um diese Ziele besser bekannt zu machen und durchsetzen zu können, wurde von den Vereinten Nationen am 12. August 2010 ein „Internationales Jahr der Jugend ausgerufen, das bis Ende 2011 dauern soll. Länder, die sich gegen die Indoktrinierung ihrer Gesellschaft mit Gender Mainstreaming zur Wehr setzen, wie z. B. Ungarn, geraten unter den massiven Druck der Abtreibungslobby und der Institutionen der EU. Diese versuchen, die neue ungarische Verfassung, die sich für den Schutz des Lebens „von der Empfängnis an“ und für die monogame Ehe von Mann und Frau einsetzt, zu diskreditieren.

Der Vorstoß der Vereinten Nationen, Abtreibung weltweit durchzusetzen – und zwar durch die unerträgliche Beeinflussung heranwachsender Mädchen und junger Frauen – ist eine immense Gefahr für das Leben, für die Familie, für die Heiligkeit und die Würde des Lebens, eine Gefahr für die Erhaltung moralisch-ethischer Werte und für die Freiheit der Christen, ihren Glauben zu leben.

Der Höhepunkt des Zynismus ist jedoch der erwähnte Statement-Entwurf, der im August 2010 in Mexiko verabschiedet wurde. In unüberbietbarer Rücksichtslosigkeit werden gesundheitliche Risiken durch die propagierte zügellose sexuelle Lebensweise mit unterschiedlich praktizierten sexuellen Orientierungen ganz bewußt in Kauf genommen. Anstatt zu einer Lebensweise anzuregen, die lebensbedrohliche Krankheiten wie z. B. Aids vermeiden hilft, wird von den Regierungen verlangt, jenen, die aufgrund ihrer sexuellen Lebensweise erkranken, umfassende medizinische Dienstleistungen durch die Allgemeinheit zu garantieren.[iv]

In seiner Schrift „Athanasius und die Kirche unserer Zeit“ zitiert Bischof Rudolf Graber aus einer Geheiminstruktion aus dem Jahr 1819, in der diese Ziele klar schon zur Sprache gebracht wurden. „Schmeichelt allen Leidenschaften“, heißt es da, „den schlechtesten ebenso wie den hochherzigsten…popularisieren wir das Laster…Schafft Herzen voller Laster und ihr werdet keine Katholiken mehr haben…Laßt das Greisenalter und das reifere Alter beiseite; geht zur Jugend und wenn es möglich ist zu den Kindern.“ Diese Anweisung scheint heute ihre perfekte Anwendung gefunden zu haben.

Um den gesellschaftsverändernden Plänen die erfolgreichste Resonanz zu verschaffen, hat der Genderismus vor allem im universitären Bereich Fuß gefaßt. In akademischen Kreisen wird die Frage nach dem „Geschlecht“ schon mit einer Gegenfrage beantwortet, welche lautet: Geht es um das biologische oder um das angeblich sozial konstruierte Geschlecht, also geht es um „Gender“? „Gender-Studies“ ist eine neue Disziplin, die sich in den Universitäten schon längst etabliert hat. Darüber hinaus ist sie das einzige Fach, das sich über ein ungebrochenes Stellenwachstum freut. Eine von der Gender-Theorie unabhängige Geschlechterforschung existiert nicht, denn Kritiker der Gender-Ideologie haben an den Universitäten keine Chance.

In allen studierbaren Fächern muß Gender integriert werden. Selbst die Studenten der Önologie (Weinbau) sollen „geschlechterspezifische Wertesysteme erkennen“ lernen. An vielen Universitäten sind solche Forderungen schon umgesetzt. Agrarwissenschaftler an der Berliner Humboldt-Universität beispielsweise können „Gender und Globalisierung“ als Wahlfach belegen. Das ist das Ergebnis „mehrjähriger Lobbyarbeit von Frauen aus Frauenbewegung und Frauenforschung“ und ihrer „fantasievollen und kämpferischen Aktionen“, wie das Netzwerk verkündet.[v]

Um dem neuen Studien-Fach „Gender“ Attraktivität und vor allem Glaubwürdigkeit zu verleihen, wurde das Fach zum Objekt „feministischer Naturwissenschaftsforschung“, m.a.W. man will wissenschaftlich beweisen, daß Gender Mainstreaming eine Wissenschaft ist, und zwar auf dem Hintergrund der Naturwissenschaft. Offensichtlich spielt es keine Rolle, daß dieses Ansinnen an den Haaren herbeigezogen ist, denn naturwissenschaftliche Beweisführung ist objektiv, weil es auf dem systematisch-reproduzierbaren Experiment beruht. Nur was systematisch-experimentell bewiesen werden kann, hat eine objektive naturwissenschaftliche Beweiskraft. Da dies in Bezug auf Gender völlig unmöglich ist, wird der Begriff „Naturwissenschaft“ schlicht und einfach umgepolt. Für die Genderisten ist Naturwissenschaft nicht mehr objektiv, sondern subjektiv. Genauso wie sie sich entschlossen haben, das „Geschlecht“ neu zu definieren, sind sie nun von der neuen Erkenntnis beseelt, eine subjektive Naturwissenschaft zu denken. Die Wissenschaftsgläubigkeit ihrer Zeitgenossen tut das übrige, sie gläubig dabei zu unterstützen.

Als Beispiel für diese „Kopernikanische Wende“ in der Geisteswissenschaft sei die Hamburger Universität genannt. Die Erziehungswissenschaftler und „Queer-Forscher“, Robin Bauer und Helen Götschel, nennen das neue „wissenschaftliche“ Feld „Gender & Science-Studies“. Das heißt, die Naturwissenschaft wird nun aus einer Geschlechter-Perspektive erforscht.[vi] Robin Bauer, Professor für „Mathematik und Gender Studies in der Mathematik“ an der Universität Hamburg, hieß bis vor einigen Jahren noch Birgit. Er hat also die Erforschung seiner sexuellen Identität und Interessen zum Beruf gemacht. Queer-Forscher befassen sich also „wissenschaftlich“ mit sich selbst, das heißt mit ihrer eigenen sexuellen Identität und ihren eigenen Praktiken und werden dabei staatlich finanziert.

Eine seiner Veröffentlichungen heißt: „Das Zwei-Geschlechter-System als Menschenrechtsverletzung“ (d. h. das Faktum der beiden Geschlechter „Mann und Frau“ verletzt die Menschenrechte). 2004 erhielt Robin Bauer eine Auszeichnung der Schweizerischen Akademie der Naturwissenschaft. Gewürdigt wurde das Projekt „Degendering Science“ mit dem Modul „Gender-Studies und Naturwissenschaft“ als erfolgreiche Strategie zur Überwindung von frauenspezifischen Grenzen in Forschung und Lehre in den Naturwissenschaften.

„Im Ganzen gesehen kann man sagen, daß sich in den letzten Jahren an den Universitäten ein Fach etabliert hat, das wissenschaftliche Objektivität und Rationalität gegen offen praktizierten Subjektivismus eingetauscht hat, um politisch-ideologische Ziele zu erreichen. Was muß man von einer Universitätskultur halten, die gegen diese Machtergreifung der Geisteswissenschaften keinen Widerstand leistet?“[vii]

Ziel der Gender-Ideologen ist die 50/50 Quotenregelung für Männer und Frauen für sämtliche Arbeits- und Lebensbereiche. Die Frauen müssen mit oder ohne Kinder jederzeit einer vollzeitigen Erwerbstätigkeit nachgehen. Die Männer jedoch sollen dazu bestimmt werden, 50 % der Säuglings- und Kinderpflege zu übernehmen. Die Kinderbetreuung und -pflege übernimmt der Staat. Wie verunsichert die Männer in dieser für sie fremden Zuordnung schon sind, zeigt eine von vielen Umfragen, die aber alle mehr oder weniger dasselbe Resultat ergeben. 27 % der Männer möchten die traditionelle Rolle als Verdiener und Ernährer behalten, so die Umfrage von protestantischer wie katholischer Seite. 19 % verstehen sich als sogenannte moderne Männer mit Vätermonaten zur Kinderbetreuung und erwerbstätiger Ehefrau. 24 % der Befragten bezeichnen sich als „balancierende Männer“, die die alten Rollen nicht verlassen und die neuen Rollen nicht übernehmen wollen. Der größte Teil – nämlich 30 % der Männer – nannten sich „suchend“, sie hätten sich von den klassischen Rollen verabschiedet, die neuen aber noch nicht gefunden[viii].

Die Revolution der Neuen Linken 1968 war der Wendepunkt für eine Geisteshaltung, die ernst gemacht hat mit den vorgegebenen Programmen und sich die Abschaffung der Familie, das Schleifen jeglicher Autorität, die „Befreiung“ zur Sexualität von Kindesbeinen, die Selbstverwirklichung und Befriedigung aller Bedürfnisse auf die Fahne geschrieben hat.

Das, was jetzt mit Ehe und Familie geschieht, ist der tiefste kultur-revolutionäre Eingriff der Menschheitsgeschichte. Er verändert den Menschen in einer Weise, daß er in Gefahr gerät, seine Gottesebenbildlichkeit zu vergessen. Was wird aus der Familie, aus unserer Gesellschaft, unserer Nation, unserer Kultur? Fühlt sich noch jemand zuständig?

Im September 2010 fand in Berlin ein Kongreß der AUF-Partei (Partei für Arbeit, Umwelt und Familie) statt, der sich intensiv mit dem Lebensschutz und der Familienpolitik befaßte. Zum Schluß dieses Kongresses wurde eine friedliche Kulturrevolution gefordert. Der Appell aufzuwachen, um Himmels Willen aufzuwachen, ging an alle, denen Ehe, Familie, Kinder ein tiefes Anliegen ist, denn etwas dürfte jetzt jedem klar geworden sein: während wir schliefen, „kam der Feind, und säte Unkraut“ (Mt. 13, 25).

Der Schriftsteller Johannes Grassl hat bei diesem Kongreß einen Satz geprägt, dem ich mich anschließen möchte. Er sagte: „Es ist für eine Umkehr nicht entscheidend, ob man die Mehrheit stellt. Entscheidend ist, daß Gott immer einen kleinen Überrest benutzt, um das große Ganze zu verändern.“


[i] Präsident Georg H.W. Bush, US Präsident 1989-1993 am 11. September 1990 vor dem amerikanischen Kongreß.

[ii] KOMMA, Nr. 75/2010, S. 36

[iii] SPIEGEL, Nr. 52/1999.

[iv] Quelle: C-FAM vom 11. August/8. September 2010.

[v] Handelsblatt Nr. 181 vom 19. September 2009, S. 9.

[vi]„Queer“, (dt. seltsam, sonderbar) ist eine Eigenbezeichnung von Schwulen, Lesben, Bisexuellen, Intersexuellen, Transsexuellen, Asexuellen, also Menschen, die sich von den Heterosexuellen unterscheiden. Sie sind an vielen Universitäten, etwa in Hamburg und Göttingen, ein integrierter Teil der Gender-Studies.

[vii] Handelsblatt dito

[viii] Idea Spektrum, Nr. 32, 2010.





Das furchtbare Schreien der Kinder

28 05 2011

von Inge M. Thürkauf

Im Ares Verlag Graz ist ein Buch erschienen mit dem Titel „Kinder brauchen Mütter. Die Risiken der Krippenbetreuung – Was Kinder wirklich stark macht“. Hanne K. Götze hat es geschrieben. Aufgewachsen in der ehemaligen DDR schildert sie ihre Beobachtungen und Erfahrungen als Mutter von vier Kindern zum damaligen Kinderkrippen-System. Fassungslos über die Absichten der Gender orientierten Regierungen, flächendeckend die Krippenplätze auszubauen, berichtet sie vom Alltag der Kinderkrippen-Fremdbetreuung. „Panik, verzweifeltes Schreien, Streß kamen bei den Babys auf, als ihre Mütter sie in die Krippen brachten. Schlimmer noch war mit anzusehen, wie diese Kinder nach einiger Zeit schließlich resignierten und nur noch stumpf vor sich hinblickten. Aus ihren Augen waren die Freude und die kindliche Neugierde gewichen. Kinder verbrachten einen wichtigen Teil des Tages in einem apathischen Zustand.“

Was dieses Buch unbedingt lesenswert macht, sind die Erfahrungsberichte der Mütter und Erzieherinnen, die „das furchtbare Schreien“ der Kinder schildern, als die Mütter sie morgens in den Krippen abgeliefert haben. „Jeden Morgen um 6 Uhr hätte dieses furchtbare Schreien begonnen. Es sei so schrecklich gewesen, daß sie sich geschworen hätte, niemals ein so kleines Kind wegzugeben. Wenn sie selbst einmal Kinder bekäme“, schildert eine Hausbewohnerin einer Kinderkrippen-Station ihre Beobachtungen.

Eine Mutter berichtet, „daß ihr kleiner Junge auf dem Weg zur Einrichtung im Kinderwagen bereits wimmerte: ‚Sitten bleiben, sitten bleiben!’ Dort angekommen, hätte er sich krampfhaft am Wagen festgehalten und sich steif gemacht, um tatsächlich sitzen zu bleiben. Mit seiner ganzen Kraft hätte er gegen das Unvermeidliche gekämpft. Eine Frau erzählte davon, daß sich ihr Kind regelrecht in die Polster des Kinderwagens verbissen hätte, wenn es morgens in die Krippe ging.“

Es gibt heute genügend wissenschaftliche Arbeiten, die einwandfrei belegen, daß die frühe Trennung der Kinder von den Müttern eine Störung der Persönlichkeitsentwicklung zur Folge hat. Die Autoren der Studie „Study of Early Child Care and Youth Developement“ stellen bei 12-jährigen Kindern, die als Kleinkind einer Krippenbetreuung übergeben wurden, Verhaltensauffälligkeiten und vermehrte Aggressionen fest. Kinder, die mindestens 10 Stunden pro Woche in der Kinderkrippe verbracht hatten, zeigen im 6. Schuljahr häufiger aggressives und schwieriges Verhalten, als Kinder, die von den Eltern betreut wurden. Die Trennungsangst des Kindes darf nicht bagatellisiert werden. Die frühkindlichen Beziehungserfahrungen sind letztlich Grundlage für die psychische Gesundheit, vor allem legen sie das Fundament zu späteren befriedigenden Bindungen.





Fukushima und die Büchse der Pandora

10 05 2011

Von Inge M. Thürkauf

Mit den Atomkraftwerken verhält es sich ähnlich wie mit der Büchse der verführerischen Pandora, von der die griechische Mythologie erzählt und die im Haus des Epimetheus stand. Diese Büchse zu öffnen war den Menschen verboten, weil alle Übel der Welt darin enthalten waren. Doch das „Wissen-Wollen“ der Neugierigen war stärker, sie brachen das Siegel und Jammer und Elend kamen über die Erde.

„Wie im Hause des Epimetheus steht in einem Atomkraftwerk eine Büchse: das Reaktorgefäß, dessen Inhalt weit gefährlicher ist als die Übel der Pandora: die radioaktiven Spaltprodukte. Sie entstehen als zum größten Teil unerwünschte Nebenprodukte bei der Kernspaltung des Urans zur Gewinnung von Atomenergie. Solange die Büchse geschlossen bleibt, ist alles in Ordnung. Wie jede Büchse kann aber auch ein Reaktorgefäß geöffnet werden. Auf verschiedene Weisen. Die Erfahrung zeigt, daß auch die modernste Technik etwas nicht kennt: absolut dichte Gefäße. Atomkraftwerke sind die Spitze einer Entwicklung, gewissermaßen die Spitze eines Eisbergs, der aus dem Meer der technologischen Maßlosigkeiten unserer Zeit herausragt. In den Reaktoren der Atomkraftwerke erzeugen die Menschen „etwas Neues unter der Sonne“: gewaltige Mengen von künstlicher Radioaktivität. Bei Normalbetrieb gelangt Radioaktivität in „gesetzlich zugelassenen Mengen“ in die Umwelt. Bei einem (gesetzlich nicht zugelassenen) Unfall können weite Landstriche unbewohnbar werden.“

Am 11. März 2011 ereigneten sich in Japan in einigen Kernkraftwerken, gesetzlich nicht zugelassene Unfälle, hervorgerufen durch ein Erdbeben, das auf der Richterskala mit 8,9 gemessen wurde. Der darauf folgende Tsunami überspülte die Nordost-Küste des Landes und vernichtete Dörfer und Siedlungen. Über 20 000 Menschen haben ihr Leben verloren, wurden ins Meer gespült oder unter den Trümmern der einstürzenden Häuser begraben. Fast 400 000 Bewohner verloren ihr Hab und Gut. Zusammen mit dem schweren Erdbeben löste der Tsunami Störungen in den AKWs aus, wobei der Reaktor in Fukushima am Schwersten betroffen wurde. Heftige Explosionen zerstörten Teile des Reaktors, Tausende Tonnen radioaktives Wasser gelangten ins Meer, Radioaktivität in die Umgebung. Freiwillige Arbeiter versuchen vor Ort die nukleare Katastrophe einzudämmen. Doch Radioaktivität ist ein unlöschbares Feuer.

Seit diesem Desaster von Fukushima erinnert man sich wieder an den Super-Gau von Tschernobyl in der Ukraine vor fast 25 Jahren. Damals wie heute erhielt die Anti-Atomkraft-Bewegung in der Folge enormen Aufwind. Kernenergie, so war von den diversen Gruppen der Atomkraftgegner zu hören, soll nur als Übergangsenergie zu betrachten sein. Damals wie heute verlangen große Teile der Bevölkerung den Ausstieg aus der Atomenergie, eine Forderung, die damals wie heute nicht eingelöst werden kann, auch nicht von den Linksparteien, die als Anführer der Weltverbesserer vor allem vor den Wahlen sich mit wohlüberlegten Argumenten sorgen um die Zukunft des Menschen und seines Planeten. „Für Politiker sind Atomkraftwerke ein gutes Mittel zur Karriere; mehr als die Umwelt erhitzen sie die Gemüter.“ Und aus Erfahrung wissen sie, daß sie sich auf die Trägheit und Vergeßlichkeit der Massen verlassen können.

Bei einem Ausstieg aus der Atomkraft sei die Versorgung gesichert, versichern die Umweltschützer. Sic! Reicht die Alternativenergie, um die Ansprüche der Angestellten einer Fabrik z. B. zu befriedigen, die hoffen, in absehbarer Zeit befördert zu werden. Solche Beförderungen bedeuten eine Erhöhung des Einkommens und des Ansehens. Der Umsatz einer Fabrik hängt von Maschinen ab; ein größerer Umsatz erfordert mehr, schnellere und größere Maschinen. Auf die Steigerung des Umsatzes könne man nicht verzichten – wegen der Konkurrenz. Maschinen werden mit Elektrizität angetrieben. Woher kommt die Elektrizität für all die Bequemlichkeiten, die in unserer Verschwendungswirtschaft längst zur Selbstverständlichkeit geworden sind? Wo nehmen wir die Elektrizität her für die Maschinen, die uns immer mehr auch aufgedrängt werden, ohne die selbst der Normalbürger vermeint nicht mehr auszukommen. Wer im Grünen wohnt außerhalb einer Stadt braucht ein Auto, vielleicht auch zwei. Fernsehen gehört selbstverständlich zum Standard, und ohne Computer mit allem Zubehör ist Kommunikation kaum mehr möglich. Wer ohne Handy durch die Welt reist, hat in den Augen der meisten Zeitgenossen irgendwie den Anschluß verpasst! Von den ungezählten kleinen und großen technischen Hilfsgeräten in Haus und Garten nicht zu reden. Kein Zweifel, die technische Entwicklung der letzten Jahrzehnte hat die materiellen Ansprüche ins Maßlose getrieben, und wer möchte sie reduzieren oder verzichten. Die Benützung der so bequemen Technik ist längst zur Selbstverständlichkeit geworden. Aber all diese Apparate sind ohne Elektrizität weder herzustellen noch zu betreiben, und auch nicht zu entsorgen.

Vor 40 Jahren wäre ein Ausstieg aus der Atomenergie schrittweise noch möglich gewesen. Da gab es vieles, was uns heute so unentbehrlich erscheint noch nicht. Warner vor einer technischen Expansion gab es genug. Sie wurden im günstigsten Fall belächelt, doch wenn die Ermahnungen allzu konkret formuliert und die Kraftwerkbetreiber mit Szenarien wie Tschernobyl oder Fukushima konfrontiert wurden, konnte es schon vorkommen, dass die Warner aus ihren Positionen geworfen oder sogar körperlich bedroht wurden.

Das, was wir heute als Fortschritt bezeichnen, besteht in einer Perfektionierung der Maschine. Sie hat mit dem Leben nichts gemeinsam. Das Leben ist ein Phänomen jenseits der Maschine. Immer dort, wo die Maschine maßlos angewendet wird, vernichtet sie Leben, und sie wird um des Geschäftes willen maßlos angewendet. Nach wie vor verurteilen wir unsere Nachkommen zu Wächtern unserer Zivilisationsabfälle über Jahrtausende hinweg. Atommüll kann man nicht bewachen, wie man Menschen, Tiere, Häuser oder Straßen bewachen kann. Für die Radioaktivität haben wir keine Sinnesorgane. Um die tödliche Gefahr festzustellen, braucht es eine hochentwickelt Apparatetechnik. Somit verurteilen wir unsre Nachkommen dazu, jahrtausendelang Technokraten zu sein.

Die Wurzel des Übels gründet in einer Wissenschaft, die sich für wertfrei hält. Wertfreiheit der Wissenschaft bedeutet: forschen ohne moralisch-ethische Werte zu beachten, mit andern Worte ohne auf Gottes Gebote zu achten. Es darf alles getan werden, was technisch möglich ist. Doch eine solche Wertfreiheit kann es gar nicht geben, weil die beanspruchte Wertfreiheit selbst ein Wert ist, und zwar der alle Werte entwertende Wert der Wertfreiheit, und dieser Wert ist es – man darf ihn ruhig Gottlosigkeit nennen – , der uns heute bedroht. Bei seinen Abschiedsreden hat der Herr gesagt: „Ohne mich könnte ihr nichts tun“ (Jo 15,5). Er hat nicht gesagt, gewisse Dinge könnt ihr ohne mich nicht tun, sondern „nichts“. Und ausgerechnet bei einer derart folgenschweren Tätigkeit wie der Naturforschung haben wir ohne IHN – wertfrei – getan. Die Folgen sehen wir. Die Spitzen des Eisbergs, mit welchen unser Zivilisationsschiff auf Kollisionskurz steht, hat der bekannte Biochemiker Erwin Chargaff in aller Deutlichkeit genannt: „Mit der wertfreien Wissenschaft haben wir zwei Grenzen überschritten, die wir hätten meiden müssen und beide Male handelt es sich um die Manipulation eines Kerns: des Atomkerns und des Zellkerns.“ Die Frage ist nur, welche Manipulation katastrophalere Folgen hat: die Genmanipulation oder die Kernenergie.

Mein Mann hat in seinen Büchern und Vorträgen eine Technik angemahnt, deren Grundlagen die Gesetze des Lebens berücksichtigt und nicht lediglich die Gesetze von Physik und Chemie. Eine solche Technik widerspricht keinem einzigen Naturgesetz, nur den Börsengesetzen unserer Raubbauwirtschaft. Eine Technik für das Leben würde keine durch Radioaktivität verseuchten Menschen dahinsiechen lassen und unbewohnbar gewordene Gebiete zurücklassen.

Unsere materialistische Lebensweise ist eine Folge mißbrauchter Freiheit, einer Freiheit von Gott statt einer Freiheit für Gott. Gott kann dem Menschen nicht die Freiheit geben und ihn zugleich zwingen, keinen Raubbau an seiner Schöpfung zu betreiben. In unserer materialistisch geprägten Gesellschaft ist wohl die Verfügbarkeit materieller Güter angestiegen, aber parallel damit eine Verarmung an geistigen und seelischen, also kulturellen Werten. Da jedoch die Materie begrenzt ist, wird bald auch eine Verarmung an materiellen Gütern eintreten. „Die Zeit ist nicht mehr fern, wo auch die Reichsten kein gutes Wasser und keine reine Luft mehr haben können- nicht für alles Geld der Welt. Der selbstverständlich gewordene Komfort und das verlängerte Erdenleben der Menschen in den reichen Ländern werden zerrinnen wie die letzten Minuten im Stundenglas des Atomzeitalters.“

Auch wenn die Neu-Atheisten sich voll Entsetzen davon abwenden, daß Naturwissenschaft irgend etwas mit Religion zu tun haben könnte: Die Wissenschaft der Zukunft wird eine Wissenschaft sein, die zuerst Gott sucht, und der dann alles andere dazugegeben wird, die nicht bloß Wissen stapelt, sondern zu Weisheit führt. Eines ist sicher, und dies hat mein Mann auch immer wieder betont: Es wird ein Kreuzweg sein, doch er führt zu dem der ihn vor uns gegangen ist: er führt Christuswärts.

Diese Gedanken sind entnommen aus: Max Thürkauf: „Pandorabüchsen der Wissenschaft – Das Geschäft mit dem Energiehunger“ (vergriffen), „Die Gottesanbeterin“, „Das Fanal von Tschernobal“.





Der Antichrist

26 04 2011
Antichrist (Bild: justin wilson, Flickr-creativ commons)
von Inge M. Thürkauf

 Gedanken über das Wesen und Wirken des Antichrist in der Kleinschrift von Reinhard Raffalt, Linsverlag, A-Feldkirch, 1966.

Zahlreich sind die Prophezeiungen, Deutungen und Legenden, die sich des ewigen Widersachers Gottes bemächtigen, und im Verlauf der Geschichte wurden immer wieder Menschen, die sich über alles erhoben was Gott und Gottesverehrung heißt (2 Thess 2,3), mit dessen Schmähtitel bezichtigt: des Antichrist. Sowohl von Paulus als auch von Johannes wird bezeugt, daß dieser eine Person sei, der vor der Erfüllung der Zeit, d.h. vor der Wiederkunft Jesu Christi, in Erscheinung treten müsse. In der heutigen Diskussion über die Zukunft der Welt ist die Möglichkeit der Wiederkunft des Herrn in eine somnambule Ferne gerückt. Wir leben so, als ob dieses Ereignis in unserem Leben keine ernstzunehmende Bedeutung mehr hätte. Die christliche Gesellschaft, sofern sie sich überhaupt noch als solche bezeichnen kann, ist im Begriff, sich für immer auf Erden einzurichten. Das Weltbild der Wissenschaft, die Machbarkeit aller Dinge, hat sich an die Stelle der christlichen Kultur gesetzt, und es drängt sich die Frage auf, ob im Glauben an die Wissenschaft, die immer eigenmächtiger sich alle Bereiche des Geisteslebens erobert und damit den Glauben an Gott verdrängt, nicht jener Geist des Antichrist verborgen liegt, von dem Johannes warnt: „Jeder Geist, der bekennt, daß Jesus Christus im Fleisch gekommen ist, ist aus Gott, und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt, ist nicht aus Gott. Und das ist der Geist des Antichrist, von dem ihr gehört habt, daß er kommt; und nun ist er schon in der Welt“ (1. Jo 4,3).

Die bekannteste Betrachtung über das Ende der menschlichen Geschichte und die Gestalt des Bösen schlechthin ist die „Kurze Erzählung vom Antichrist“ des russischen Philosophen und christlichen Denkers Wladimir Solowjew. Seine gewaltige apokalyptische Schau, in viele Sprachen übersetzt, wurde oft mißverstanden und falsch ausgelegt, nicht zuletzt deshalb, weil er seine Zukunftsvision mit Schilderungen anschaulich zu machen versuchte, die sowohl auf historischen Erwägungen beruhten als auch seiner Phantasie entsprangen. Trotzdem behält Solowjews Werk in seinem Ringen um ein tieferes Verstehen der endzeitlichen Geschichte gerade auch für den heutigen Leser seine bleibende Gültigkeit.

Nicht weniger brillant und von prophetischer Aussagekraft als die „Erzählung“ Solowjews ist die kurze Studie „Der Antichrist“ des leider früh verstorbenen deutschen Philosophen, Historikers und freien Schriftstellers Reinhard Raffalt. Er unternimmt nicht den Versuch, die Zeit des auftretenden Antichrist zu berechnen. Aber seine Analyse erhellt in erregender Weise die heutige Zeit im Hinblick auf sein Erscheinen. Eine seiner Perspektiven in bezug auf den Widersacher Christi ist der „richtig lebende Mensch“, der sich nach seinen Anlagen zu einem beinah technisch funktionierenden Wesen entwickelt, „dessen einzige Bestrebung sein muß, nichts falsch zu machen“. In seinem Erscheinen manifestiert sich die „extreme Entfaltung irdischer Macht“, die im Ziel gipfelt, den Weltfrieden zu verwirklichen und alle Religionen gleichzuschalten. Der Glaube an die Erlösungstat, an das Kreuz Jesu Christi, wird durch das Gebot der Nächstenliebe überwunden. Der Nächste wird zwar geliebt „wie sich selbst“, aber die Ursache der Liebe, Gott, wird ausgeklammert. „Von der Perspektive der sich höher entwickelnden Menschheit her gesehen, ist das Reich des Antichrist der Zustand äußerster irdischer Vollkommenheit“. Das einzige, das fehlen wird, ist das Wesen der menschlichen Freiheit: das Fragenkönnen und Fragendürfen und somit das geschichtliche Bewußtsein.

Hier nähern wir uns in gefährlicher Weise einer geistigen Bewegung, die seit ungefähr 40 Jahren immer tiefer in unsere gesellschaftlichen und kirchlichen Strukturen eingedrungen ist: New Age mit allen Facetten der Esoterik. Zur Zeit der Abfassung seiner Überlegungen noch weitgehend unbekannt, folgte Reinhard Raffalt mit seiner Analyse den Spuren eines Prozesses, der sich immer mehr dem Geiste des Christentums zu entziehen droht. Es sind beklemmende Visionen, die er vor uns entfaltet, die aber in unserer nur aufs irdische Dasein fixierten Gesellschaft schon erschreckende Wirklichkeit erfahren geworden sind. Die Heilige Schrift sagt vom Antichrist, daß er ein großer Lästerer sein werde, „und er werde die von ihm ins Werk gesetzte Verwüstung zum Gegenstand allgemeiner Verehrung machen“. Lästerung des Heiligen und Lust an der Verwüstung bis hin zum absichtsvollen Verzicht auf Schönheit sind Verirrungen der heutigen Kunst und auch der Medien, die unter dem Deckmantel der künstlerischen und publizistischen Freiheit sich jeder kritischen Überlegung enthalten, weil die Toleranz es verbietet.

Antichristliche Zeichen als Vorboten der beginnenden Endzeit sind zugleich Zeichen der Wiederkunft des Menschensohnes. Das letzte Wort wird nicht vom Antichrist gesprochen werden, auch wenn sich dieser „in das Haus Gottes setzt, und von sich erklärt, daß er Gott sei“ (2. Thess 2,4). Uns jedoch ist aufgetragen, eine Entscheidung zu fällen. Reinhard Raffalts einzigartige Studie weist in einer prophetischen Sprache auf jenes Ziel, das uns über den Antichrist hinaus gewiesen ist: auf jenen, der von sich sagte, daß er der Weg, die Wahrheit, und das Leben ist (Jo 14,6), und daß er mit uns sein wird bis ans Ende der Welt (Mt 28,20).








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