Dummheit

6 03 2014

Meine Bibellesung führte mich vor einiger Zeit zu einer überraschenden Entdeckung.

Dabei ist es ja nicht so, daß man nicht auch in vermeintlich wohlvertrauten Bibelpassagen immer wieder etwas neues entdecken würde. Das ist aber besonders der Fall, wenn man den griechischen Text oder die (durch die Kirche als „authentisch“ deklarierte, somit maßgebliche) lateinische Vulgata heranzieht. Die erwähnte überraschende Entdeckung bezog sich auf eine altbekannte Stelle, die ich für meine Meditation in den Versionen Griechisch und Latein konsultiert hatte.

In der Einheitsübersetzung (die man leider guten Gewissens nur sehr bedingt empfehlen kann, die Einleitungen gar nicht) heißt es also bei Mk 7, 20-23:

Weiter sagte [Jesus]: Was aus dem Menschen herauskommt, das macht ihn unrein.

Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord,

Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.

All dieses Böse kommt von innen und macht den Menschen unrein.

 

Wenn man sich den lateinischen und griechischen Text ansieht, steht für das in allen gängigen deutschen Übersetzungen verwendete „Unvernunft“ stultitia bzw. aphrosyne.

Stultitia ist aber viel härter und pointierter, als es „Unvernunft“ nahelegt. „Unvernunft“ klingt ja fast ein bißchen entschuldigend. Einem Kind oder Jugendlichen z. B. sieht man manche „Unvernunft“ gerne nach. Alles andere wäre überzogen.

Aber es geht um etwas anderes. Zu der hier angeprangerten Fehlhaltung sagte man früher „Torheit“. Heute sagt man „Dummheit“. Der stultus ist ein „Narr“, ein „Blödmann“, umgangssprachlich ein „Depperter“.

Es stellen sich dann die Fragen: Kann diese Eigenschaft Sünde sein, und wenn ja, wie? Oder: Macht uns die Dummheit tatsächlich innerlich „unrein“?

Nun, es ist wie mit den anderen Begriffen aus der Tugendlehre, mit Tugenden und Lastern: Sie sind heutzutage kaum mehr verständlich. Die Manipulation des Denkens durch die diskreten, subversiven Zirkel hat sich als weitgehend erfolgreich erwiesen. Schauen wir nur beispielsweise auf die Kardinaltugenden: „Klugheit“ ist eliminiert, „Gerechtigkeit“ in staatliche Konfiskation des Privateigentums und Verteilung an bestimmte Klientelen umgelogen, „Tapferkeit“ kommt als Ausdruck fast nicht mehr vor, allenfalls zeigt jemand „Mut“ oder „Zivilcourage“, wenn er gegen – sicherheitshalber inexistente – „Neonazis“ auf die Straße geht, „Mäßigung“ ist nur mehr im Zusammenhang mit „Ernährungssünden“ relevant.

Oder auf die theologischen Tugenden: „Glaube“ kann sich auf alle möglichen und unmöglichen Überzeugungen beziehen, „Hoffnung“ auf innerweltliche, politische Utopien, „Liebe“ ist praktisch nur mehr „Sex“.

Die Wahrheit der Tugenden ist also verdeckt worden. Die Laster sind als solche aus dem Bewußtsein vertrieben worden – „Sünde“ gibt es ja nicht mehr – und werden derzeit allenfalls (und immerhin) als psychiatrische Phänomene wieder thematisiert. 

 

Um also zu unserem Thema zu kommen:

Ein erstes intuitives Verständnis von „Dummheit“ zeigt uns, daß es sich um ein „Laster“ handelt, nämlich um eine Haltung, die sich aus moralisch verwerflichen Gründen (Trägheit, Unaufmerksamkeit, Flucht vor dem Gewissen und dem Anspruch Gottes) gegen die Kenntnisnahme notwendiger Informationen sträubt. Eine Haltung, die also nicht wissen will. Das ist sicher als „deppert“ zu bezeichnen.

Damit können wir auch schon einmal festhalten, was „Dummheit“ nicht ist: „Dummheit“ ist nicht von vorneherein der Mangel an formaler oder gar akademischer Bildung. (Sie wäre es aber dann, wenn aus eigener Ignoranz die Chance auf Bildung verspielt wurde.) Viele Intellektuelle und Professoren sind leider Gottes dumm. Dummheit ist somit auch nicht der Zustand einer Krankheit oder Behinderung.

Im Zusammenhang mit zitierter Bibelstelle und mit der gesamten Tugend- und Lasterlehre der katholischen Tradition schlage ich zu definitorischen Zwecken folgende drei Facetten des Wesens von Dummheit vor:

Dummheit ist (1) die moralisch verwerfliche Weigerung, seinen eigenen Seelenzustand, sein Gewissen, wirklichkeitsgemäß zu betrachten und zu prüfen. Sie ist (2) die Weigerung, die eigene Person zu entfalten und damit dem Schöpfungsauftrag Gottes zu entsprechen und die „Talente“ zur Ehre Gottes, zum Wohl und Heil des Nächsten und zum eigenen Heil einzusetzen. Sie ist (3) schließlich die Weigerung, die von Gott geoffenbarten und zur Verfügung gestellten Mittel zur Erlangung des endgültigen Heils (Sakramente, Gebet, Bibellesung, Fasten, Werke der Nächstenliebe) zur Kenntnis nehmen und einsetzen zu wollen.  

Wenn man diese Kriterien anlegt, wird man den Schluß ziehen müssen, daß eine große Anzahl von Zeitgenossen im Zustand der Dummheit lebt. Das eigene Innenleben zu ignorieren, ist eine unausweichliche Folge des Konsums der Massenmedien. Hier werden viele überflüssige (und falsche) „Informationen“ eingesaugt, aber das „eine notwendige“ (Lk 10, 42) nicht zur Kenntnis genommen. Es ist die für unsere Zeit charakteristische „Flucht vor Gott“ (Max Picard, 1934).

Die Oberflächlichkeit als Flucht vor dem Anspruch, dem eigenen Gewissen, damit der Stimme Gottes, Raum zu geben – das ist die Situation unserer Zeit. Die kostbare Lebenszeit vor dem Fernsehgerät zu verschwenden, ist Dummheit. Es ist Dummheit, eine änderbare Lebensführung nicht zu ändern, die Gewissensbisse auslöst (oft als „Krankheit“ getarnt) und unglücklich macht. Dummheit ist, der Lüge zuzustimmen und nicht für die Wahrheit einzutreten, wo man es könnte.

Es ist äußerste Dummheit, angesichts der ewigen Wahl zwischen Himmel und Hölle unachtsam, gleichgültig und desinteressiert zu sein.

In diesem Sinne ist das Gegenteil von Dummheit eben nicht, wie schon gesagt, die formale oder akademische Bildung, sondern die Klugheit. Das ist diejenige Tugend, die erste der vier Kardinaltugenden, die mir hilft, die allgemeinen ethischen Prinzipien im Hinblick auf die Erlangung des eigenen Heils auf die konkrete Situation anzuwenden.

Um hier eine Geläufigkeit zu erlangen, bedarf es großer Aufmerksamkeit und Übung. Die Aufmerksamkeit filtert aus der Masse an Sinneseindrücken und Informationen heraus, was wirklich wichtig ist – im Hinblick auf mein ewiges Ziel.

In diesem Sinne ist auch Aufmerksamkeit das Gegenteil von Dummheit, die inhaltlich und etymologisch mit „Dumpfheit“ verwandt ist. Das wache Interesse an der Wirklichkeit, vor allem an der Wirklichkeit des eigenen Seelenlebens und Gewissenszustandes, immunisiert gegen die Dummheit, fördert die Klugheit, und läßt den Klugen sicherer das ewige Ziel seines Lebens erreichen.

Das wird es sein, was der Herr meinte, wenn er die „Unvernunft“ oder „Dummheit“ in eine Reihe mit anderen Fehlhaltungen stellte, die zunächst weitem schwerwiegender und dramatischer klingen (Mord, Ehebruch, Verleumdung). Aber sie benötigen eben in gewisser Weise die stultitia.

Darum heißt es auch: „Die Toren sagen in ihrem Herzen: Es gibt keinen Gott“ (Ps 14, 1; Ps 53, 2). Aus dem Atheismus der Toren folgen die anderen Fehlhaltungen. Dabei bedarf es keineswegs des elaborierten theoretischen Atheismus des 19. Jahrhunderts, es ist auch der praktische Atheismus der alltäglichen Gottvergessenheit unserer Zeit, der aus der Torheit stammt und zu ihr führt. Die fünf törichten Jungfrauen im Gleichnis (Mt 25, 1-13) haben nicht vorausschauend gehandelt. Bei der Ankunft des Herrn waren sie nicht vorbereitet.

Eine ernste Mahnung an den Leser!  

Der Beginn der vorösterlichen Bußzeit ist ein hervorragender Zeitpunkt, die Haltung der Aufmerksamkeit für das Wesentliche, die christliche Klugheit und die Wissenschaft des Wortes Gottes neu zu kultivieren.

Schon seit alters wird Maria, die Mutter des Herrn, unter dem Titel sedes sapientiae, Sitz der Weisheit, angerufen. Möge sie allen, die ernstlich aus der Dumpfheit des Dahinlebens aufbrechen und sich um die Wahrheit bemühen wollen, eine wirksame Hilfe sein.





Entwicklungsländer?

3 12 2010

Von Assemani

Letztens ist mir wieder einmal der Kragen geplatzt. Da habe ich wieder von „Entwicklungsländern“ und „Entwicklungshilfe“ (das ja seit einiger Zeit „Entwicklungszusammenarbeit“ heißt, weil die korrupten Potentaten ja mit uns „auf selber Augenhöhe“ stehen sollen o. ä.) und ähnlichen mysteriösen Dingen lesen müssen.

Ja, wann sind denn diese Länder endlich entwickelt? Welche Maßstäbe sollen angewandt werden, um den Status der Entwicklung festzustellen?

Ich diagnostiziere, daß die meisten islamischen Staaten, auch die armen, ohnehin schon entwickelt sind. Denn gemäß ihren eigenen Vorgaben kann man sich nicht anders entwickeln. Es kann immer nur ein korrupter Staat mit Verschwendungswirktschaft und enormer Bürokratie herauskommen. Ähnliches trifft auf viele Staaten zu, in denen alle möglichen Götzenkulte herrschen. Solange die Neidgesellschaft des Heidentums nicht durch das Licht des Evangeliums überwunden wird, werden alle diese Länder auf einem primitiven Niveau stagnieren.

Nur der wahre Gott erlaubt einem Individuum, einer Gruppe, einem Gemeinwesen, einem Staat oder Staatenbund sich wirtschaftlich, kulturell und menschlich gut weiterzuentwickeln. So unvollkommen viele europäische Kolonialmächte auch waren und so viele Fehler sie auch gemacht haben (was ich nicht bestreite), muß man doch die Kirche im Dorf lassen und fragen: Ist die Situation z. B. der afrikanischen Länder nach der „Befreiung“ besser geworden? Ist es besser, von europäischen Staaten mit mehr oder weniger christlicher Ausrichtung regiert zu werden oder von einheimischen Potentaten, die – wie im Falle der 60er Jahre und danach – von kommunistischen Ideen verseucht sind oder europäisch kodifizierte Menschenrechte durch grausame Scharia-Vorschriften ersetzen? Ist die Renaissance des Wahhabismus und anderer Phänomene den Bevölkerungen des Orients zuträglicher als – meinethalben – der französische Einfluß vor hundert Jahren (so unvollkommen er auch war)?

Mir platzt förmlich der Kragen, wenn ich wie zuletzt höre, daß man jetzt noch die europäischen Kolonialmächte für alle möglichen Versagen der Gegenwart, einschließlich der AIDS-Ausbreitung, verantwortlich macht. Haben die post-kolonialen Staaten kein Eigenleben und keine Eigenverantwortung?

Nein, die Entwicklungsländer in Afrika und anderswo waren schon einmal weiter. Die islamische Welt hatte schon einmal mehr Menschenwürde, Menschenrechte und Prosperität gesehen, nämlich als der Einfluß des Islam zurückgedrängt war.  Jetzt, in der „Moderne“, haben Steinigung, Amputation, Zwangsehe und Kinderehe, eine gewaltige Renaissance erlebt.

Ist das die „Entwicklung“, die sich der Westen wünscht?

 Nein, Entwicklung gibt es nur – und wir sehen das jeden Tag – wo man den wahren Gott mit ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzer Kraft liebt und der Nächsten wie sich selbst. Alle anderen Gesellschaftsmodelle werden die Menschen auf einem primitiven Niveau festhalten – oder Schlimmeres.

Auch wenn man es im Westen nicht hören will.





Barbarisierung

30 10 2010

Von Assemani

Vor etwa zwanzig Jahren wurde gleichsam schleichend für den 31. Oktober ein heidnisches Fest –  gut, sagen wir ein heidnischer Brauch, denn, was hier gefeiert werden soll, ist ganz unerfindlich, aber irgendetwas wird begangen, dem Vernehmen nach ein keltischer Totengötze, oder was auch immer – eingeführt.

Ich weiß nicht, wer das gemacht hat. Vermutlich gab es dazu weder Ministerratsbeschlüsse noch EU-Richtlinien. (Immerhin. )

Aber das ist auch fast unerheblich. Was  nicht unerheblich ist, ist, daß durch das Aufflammen des längst überwunden geglaubten heidnischen Mumpitz eine Re-Paganisierung und dadurch eine Re-Barbarisierung unserer Zivilisation betrieben wird – mit allen schlimmen Folgen. Der Anblick absichtlich häßlich gemachter junger Menschen in Hexen- und Teufelskostümen, die andere Leute belästigen und bei diesen im Falle, daß sie ihnen nicht die geforderten Süßigkeiten aushändigen, kleinere Sachbeschädigungen verüben, ist ein durchaus unerfreulicher.

Hexen und Teufel sind nicht gut. Sie sind nicht Vorbild und sie sind auch nicht „integrierbar“. Sie öffnen das Tor zum Aberglauben, zu Angst und Abhängigkeit, letztlich zum Ruin des Menschen.  Zu Recht wurde dieser Spuk beendet, als Europa getauft wurde.

Jetzt kommt dieses Zeug aber wieder. Dabei sind die kommerziellen Interessen einer pervertierten Spielzeugindustrie noch der verhältnismäßig harmlosere Aspekt. Es ist der orchestrierte Rückfall in gewollte Bösartigkeit, in Heidentum und Barbarei, der sich als geistige Tendenz mit einer gewissen Macht darstellt, der hier zum entschlossenen Widerstand aufrufen läßt.

Die „Feier“ des irischen Totengötzen, damit des Todes selbst, ist eine direkte Beleidigung Gottes. Sie schmäht Sein Erlösungswerk am Vorabend des ersten Novembertages, da Seine Kirche alle Heiligen feiert. In Dankbarkeit gedenken wir Christen aller Menschen, die vor uns das ewige Ziel erreicht haben und mit denen wir zutiefst verbunden sind. Wir erinnern uns aller bekannten Heiligen, aller, die wir nicht kennen, und aller, von denen wir nicht wissen, daß sie bei Gott sind. Von dort aus treten sie für uns.

Sie sind gestorben, aber sie sind nicht „tot“, denn Gott ist kein Gott der Toten sondern der Lebenden.

Wer dieser frohen Botschaft den alten Götzenkult entgegensetzt, gibt Ärgernis und führt viele in die Irre. Dabei sind es  kaum die Kinder, die einer für sie aufregenden Mode nachlaufen, die hier selbst schuldig werden als vielmehr diejenigen, die diese unfaßbare Barbarisierung betreiben oder sie fördern.  Wir wissen, was denen gebührt, die die Kinder zum Bösen verführen.

Hier ist Wachsamkeit gefragt. Hier ist auch das Zeugnis gefragt, das wir allenfalls unseren Nachbarn, Arbeitskollegen, Angehörigen und Freunden geben sollen, wenn morgen diese abscheuliche Barbarisierung quasi-kultisch zelebriert werden wird. Wir werden dafür von vielen Spott und Verachtung ernten. Wir werden das aber gerne für unsere Kinder, für unser eigenes Gewissen und für die Ehre Gottes auf uns nehmen.





DIE HERKUNFT DES MENSCHEN

21 09 2010

Evolutionstheorie oder Gott?

Gastbeitrag von DDDr. Peter Egger

EINFÜHRUNG

In unserer Zeit hat sich bei den meisten Menschen die Ansicht durchgesetzt, dass der Mensch vom Affen abstammt bzw. sich aus dem Affen entwickelt hat. Viele Wissenschaftler und verschiedene Ideologien sehen im Affen den Vorfahren des Menschen.

Wenn man nun den Menschen mit dem Affen vergleicht, kann man feststellen, dass es mehrere Gemeinsamkeiten zwischen Affe und Mensch gibt. Neben den Gemeinsamkeiten gibt es aber auch einen „qualitativen Sprung“ zwischen Affe und Mensch. Dieser „qualitative Sprung“ war immer wieder der Grund, die Abstammung des Menschen vom Affen kritisch zu hinterfragen.

I  DIE GEMEINSAMKEITEN VON MENSCH UND AFFE

Es lässt sich zunächst feststellen, dass es zwischen Mensch und Affe verschiedene Gemeinsamkeiten gibt.

1) Die Gene

Der Mensch verfügt über Gene, die zu ca. 96 Prozent mit den Genen der höheren Primaten übereinstimmen.

2) Die Sinnesorgane

Der Mensch verfügt über die gleichen Sinnes-Organe wie die höheren Primaten (Sehsinn, Hörsinn, Geruchsinn, Geschmacksinn, Tastsinn).

3) Die Instinkte

Der Mensch verfügt über die gleichen Instinkte wie die höheren Primaten (Selbsterhaltungstrieb, Nahrungstrieb, Aggressionstrieb, Fluchttrieb, Fortpflanzungstrieb).

4) Die sozialen Grundstrukturen

Der Mensch verfügt über ähnliche soziale Grundstrukturen wie die höheren Primaten (Gemeinschaftswesen, Herdentrieb, Auslese, Herrschaft des Stärkeren).

II  DIE UNTERSCHIEDE ZWISCHEN MENSCH UND AFFE

Es gibt neben den „Gemeinsamkeiten“ aber auch qualitative Unterschiede (Wesensunterschiede) zwischen Mensch und Affen.

1) Das Selbstbewußtsein

Der Mensch hat Selbstbewußtsein:

●  er weiß um sich selbst

●  er kann über sein eigenes Wesen nachdenken

●  er kann über sich selbst verfügen

●  er ist eine eigenständige Person

2) Das abstrakte Denken

Der Mensch kann abstrakt denken:

●  er kann über unanschauliche Dinge nachdenken (z. B. Gerechtigkeit)

●  er kann die Ideen bzw. Prinzipien der Dinge erkennen

●  er kann universale Begriffe bilden (z. B. mathematische Formeln)

3) Die Einsicht in die Dinge

Der Mensch hat Einsicht in die Dinge:

●  er begreift die Funktionen der Dinge

●  er begreift das Wesen der Dinge

●  er begreift die Zusammenhänge der Dinge

4) Die Sprache

Der Mensch hat eine begriffliche Sprache:

●  er kann konkrete Gegenstände mit geistigen Begriffen ausdrücken

●  er kann geistige Gegenstände mit abstrakten Begriffen ausdrücken

●  er kann Gefühle mit emotionellen Begriffen ausdrücken

5) Die Überschreitung von Raum und Zeit

Der Mensch kann in seinen Gedanken Raum und Zeit übersteigen:

●  er kann an Orte außerhalb seines Stand-Ortes denken

●  er kann an die Vergangenheit und Zukunft jenseits der Gegenwart denken

●  er sprengt damit die Grund-Dimensionen der Materie (Raum und Zeit)

6) Die Kreativität

Der Mensch hat Kreativität:

●  er kann neue Dinge erfinden

●  er kann ein Kultur entwickeln

●  er ist künstlerisch begabt

7) Die Freiheit

Der Mensch ist ein freies Wesen:

●  er kann wählen und selbst entscheiden

●  er kann über die Natur verfügen

●  er kann über sich selbst verfügen

8 ) Das Wissen um Gut und Böse

Der Mensch hat ein Wissen um Gut und Böse:

●  er kann zwischen Gut und Böse unterscheiden

●  er hat ein Gewissen, das geistige Werte erkennen kann

●  er kennt die Reue nach bösen Handlungen

9) Die Beherrschung der Instinkte

Der Mensch kann die Instinkte lenken:

●  er wird nicht von den Instinkten gesteuert und bestimmt

●  er kann selbst die Instinkte lenken

●  er kann den Instinkten widerstehen

10) Das Streben nach dem Absoluten

Der Mensch strebt nach dem Absoluten:

●  er übersteigt das Materielle und das Irdische

●  er strebt nach dem Unendlichen und dem Ewigen

●  er strebt nach dem Absoluten

III  DIE HERKUNFT DES MENSCHEN

1) Die geistigen Fähigkeiten des Menschen

Der Mensch weist verschiedene Fähigkeiten auf, die ihn wesentlich vom Tier unterscheiden: das Selbstbewußtsein, das abstrakte Denken, die Einsicht in die Dinge, die Sprache, die Kreativität, die Freiheit, das Wissen um Gut und Böse und das Streben nach dem Absoluten. Der Mensch weist geistige Fähigkeiten auf, die ihn über die Materie und die Natur erheben. Er hat geistige Fähigkeiten, die ihn unendlich über jedes Tier erheben.

2) Das neue Wesen des Menschen

Die geistigen Fähigkeiten des Menschen weisen darauf hin, dass zwischen Affe und Mensch nicht nur ein gradueller Unterschied, sondern ein wesentlicher Unterschied besteht. Der Mensch weist völlig neue Fähigkeiten auf, die beim Affen nicht vorhanden sind. Der Mensch ist gegenüber dem Affen ein qualitativ neues Wesen.

3) Die Mutation, Adaptation und Selektion reichen nicht aus

Die darwinistische Evolutionstheorie erklärt, dass es durch rein zufällige Mutationen (Veränderungen) des Affen, durch eine immer bessere Adaptation (Anpassung) des Affen an die Umwelt und durch die Selektion (Auswahl, Auslese) im Kampf um das Überleben zur Entwicklung des Menschen gekommen sei. Das logische Denken führt aber auf Grund des Kausalgesetzes von Ursache und Wirkung zur Erkenntnis, dass diese rein zufälligen, materiellen und natürlichen Faktoren keine ausreichenden Ursachen sind, um die Entstehung des menschlichen Wesens mit seinen qualitativ neuen, geistigen Eigenschaften zu erklären.

4) Der Affe hat nicht die nötigen Voraussetzungen

Die darwinistische Evolutionstheorie erklärt, dass der Affe ein Vorfahre des Menschen sei. Das logische Denken fragt sich jedoch, wie sich die neuen Eigenschaften und Fähigkeiten des Menschen aus dem Affen entwickelt haben sollen. Jede Entwicklung von Eigenschaften und Fähigkeiten setzt bekanntlich voraus, dass diese Eigenschaften und Fähigkeiten bereits vor der Entwicklung in Form von potentiellen Anlagen vorhanden sind (z. B. der Same für die Pflanze, die Musikalität für die Musik). Der Mensch weist aber neue Fähigkeiten auf, für die im Affen keine potentiellen Anlagen zu finden sind. Es kann sich also bei der Entstehung des Menschen nicht um eine Entwicklung aus dem Affen handeln.

5) Das plötzliche Auftreten des Menschen

Die darwinistische Evolutionstheorie erklärt, dass der Mensch durch eine allmähliche Entwicklung entstanden sei. Die Anthropologie spricht aber von einem plötzlichen Auftreten der menschlichen Spezies. Es handelte sich also bei der Entstehung der menschlichen Spezies nicht um eine langsame Entwicklung, sondern um einen plötzlichen qualitativen Sprung. Für einen solchen plötzlichen qualitativen Sprung bietet aber die darwinistische Lehre einer allmählichen Evolution durch zufällige Mutation, Adaptation und Selektion keine Erklärung.

6) Jede Spezies reproduziert nur sich selbst

Die darwinistische Evolutionstheorie erklärt, dass die Spezies des Menschen aus der Spezies des Affen entstanden sei. Die empirische Wissenschaft stellt aber fest, dass jede Spezies immer nur sich selbst hervorbringt. Diese Erkenntnis gilt auch für die Spezies der Affen: die verschiedenen Affen bringen immer nur Affen hervor. Man konnte bisher noch nie empirisch feststellen, dass ein Affenpaar einen Menschen gezeugt und geboren hätte. Es gibt also keinen empirischen Beweis für die Abstammung des Menschen vom Affen.

7) Die Unzulänglichkeit der darwinistischen Evolutionstheorie

Es gibt also gewichtige Gründe, die Entwicklung des Menschen aus dem Affen kritisch zu hinterfragen: 1) Der Mensch ist gegenüber dem Affen ein qualitativ neues Wesen. 2) Die Faktoren der zufälligen Mutation, der Adaptation und der Selektion reichen nicht aus, um aus dem Affen das qualitativ neue Wesen des Menschen entstehen zu lassen. 3) Im Affen gibt es keine geistigen Potenzen (Anlagen), aus denen sich die geistigen Fähigkeiten des Menschen entwickeln konnten. 4) Der Mensch ist durch einen plötzlichen qualitativen Sprung entstanden. 5) Jede Spezies bringt immer nur die gleiche Spezies hervor. Diese Fakten sprechen eindeutig gegen die Abstammung des Menschen vom Affen. Diese Fakten zeigen aber auch, dass die darwinistische Evolutionstheorie nicht imstande ist, die Entstehung des Menschen zu erklären.

8 ) Die Geistseele des Menschen

Zur Erklärung des Menschen braucht es zunächst eine Ursache, die die geistigen Fähigkeiten des Menschen ermöglicht. Die geistigen Fähigkeiten des Menschen sind nur dann möglich, wenn es im Menschen ein entsprechendes geistiges Prinzip gibt. Dieses geistige Prinzip des Menschen nennt die Philosophie die „Geist-Seele“ des Menschen.

9) Die Herkunft der Geistseele

Zur Erklärung des Menschen braucht es auch eine Ursache, die die Herkunft der Geistseele des Menschen erklärt. Die Geistseele des Menschen kann nicht aus der Materie stammen, sondern erfordert ein entsprechendes geistiges Urprinzip. Es bedarf daher eines geistigen Urprinzips, welches als Ursache für die Geistseele fungiert und die Herkunft der Seele erklärt.

10) Die Schöpfung des Menschen

Zur Erklärung des Menschen braucht es schließlich eine Ursache, die das plötzliche Auftreten des Menschen erklärt. Es bedarf einer Ursache, die einem Körper aus dem Tierreich die nötigen Informationen und das nötige Programm vermittelt, damit sich dann durch einen plötzlichen qualitativen Sprung der Mensch entwickeln kann. Es braucht eine Ursache, die dem tierischen Körper eine Geistseele „einhaucht“, die dann das leib-seelische Wesen des Menschen entstehen läßt. Die plötzliche Entstehung eines solchen neuen Wesens mit geistigen Fähigkeiten setzt also intelligente, schöpferische Akte voraus und erfordert somit einen geistigen Schöpfer.

11) Die Entwicklung durch schöpferische Akte

Diese vielfältigen Überlegungen lassen begreifen, dass die Entstehung des Menschen wesentlich komplexer ist, als man zunächst meinen möchte. Zusammenfassend lässt sich über die Entstehung des Menschen Folgendes sagen: Der Körper des Menschen stammt aus dem Tierreich und hat manche Gemeinsamkeiten mit höheren Primaten. Der Geist des Menschen ist jedoch von einer neuen Qualität, die nicht aus dem Tierreich hervorgegangen sein kann. Die Entstehung des menschlichen Wesens erfordert daher schöpferische Akte durch einen geistigen Schöpfer.

12) Die philosophische Evolutionstheorie

Diese Erklärung des Menschen basiert auf einer Evolutionstheorie, die sich grundsätzlich von der darwinistischen Evolutionstheorie unterscheidet: Während die darwinistische Evolutionstheorie auf zufälligen Mutationen, Adaptation und Selektion aufbaut, baut die philosophische Evolutionstheorie neben den natürlichen Ursachen auch auf metaphysischen Ursachen und schöpferischen Akten eines geistigen Schöpfers auf, um die Entstehung und das geistige Wesen des Menschen ausreichend erklären können.

IV  DIE GRENZEN DER NATURWISSENSCHAFT

1) Die Möglichkeiten der Naturwissenschaft

Im Hinblick auf die Erklärung der Herkunft des Menschen soll auch kurz auf die Möglichkeiten und Grenzen der Naturwissenschaft hingewiesen werden. Der Gegenstand der Naturwissenschaft ist die Natur bzw. die materielle Welt. Die Naturwissenschaft hat spezielle Methoden entwickelt, um die Natur zu erfassen und zu erklären. Mit Hilfe der Physik, der Chemie, der Botanik, der Zoologie, der Anthropologie, der Astronomie usw. kann sie die verschiedenen Bereiche der Natur erforschen. Die Naturwissenschaft hat in den vergangenen Jahrhunderten grandiose Erkenntnisse gewonnen und ist bis zu den Prinzipien der Materie, des Lebens und des Kosmos vorgedrungen.

2) Die Grenzen der Naturwissenschaft

Die Naturwissenschaft hat aufgrund ihrer empirischen Methoden nicht die Möglichkeit, die geistige Dimension des Menschen und der Kultur zu erfassen. Es ist nicht möglich, mit den Methoden der Physik, der Chemie, der Botanik usw. zu begreifen, was Geist, Person, Moral, Glück, Leid und Sinn usw. ist. Es ist nicht möglich, mit Hilfe der Naturwissenschaft zu erfassen, was Literatur, Kunst und Musik ist. Goethes „Faust“ kann man nicht durch das Zählen der Wörter verstehen, die „Mona Lisa“ von Leonardo kann man nicht durch eine chemische Farbanalyse erklären, die „Neunte“ von Beethoven kann man nicht durch eine Messung der Tonfrequenzen begreifen usw.

3) Die Aufgabe der Geisteswissenschaft

Die Naturwissenschaft kann also auf Grund ihrer methodisch bedingten Grenzen nicht das geistige Wesen und die Kultur des Menschen erfassen und erklären. Sie ist deshalb auch nicht imstande, die Herkunft der geistigen Natur des Menschen zu erklären. Sie sollte deshalb nicht versuchen, die Herkunft des Menschen durch eine Abstammung vom Affen zu erklären. Sie sollte sich vielmehr darauf beschränken, die körperlichen, psychischen und sozialen Eigenschaften des Menschen auf empirische Weise zu untersuchen. Im Hinblick auf das geistige Wesen des Menschen sollte die Naturwissenschaft das Feld der Geisteswissenschaft überlassen. Es ist die Aufgabe der Philosophie, das Wesen der menschlichen Geistnatur zu erklären. Es ist die Aufgabe der Metaphysik, die Herkunft und die Ursache der Geistseele zu ergründen.

ZUSAMMENFASSUNG:

DIE HERKUNFT DES MENSCHEN

I  Die Gemeinsamkeiten von Mensch und Affe

1) Die Gene

2) Die Sinnesorgane

3) Die Instinkte

4) Die sozialen Grundstrukturen

II  Die Unterschiede zwischen Mensch und Affe

1) Das Selbstbewußtsein

2) Das abstrakte Denken

3) Die Einsicht in die Dinge

4) Die Sprache

5) Die Überschreitung von Raum und Zeit

6) Die Kreativität

7) Die Freiheit

8 ) Das Wissen um Gut und Böse

9) Die Beherrschung der Instinkte

10) Das Streben nach dem Absoluten

III  Die Herkunft des Menschen

1) Die geistigen Fähigkeiten des Menschen

2) Das neue Wesen des Menschen

3) Die Mutation, Adaptation und Selektion reichen nicht aus

4) Der Affe hat nicht die nötigen Voraussetzungen

5) Das plötzliche Auftreten des Menschen

6) Jede Spezies reproduziert nur sich selbst

7) Die Unzulänglichkeit der darwinistischen Evolutionstheorie

8 ) Die Geistseele des Menschen

9) Die Herkunft der Geistseele

10) Die Schöpfung des Menschen

11) Die Entwicklung durch schöpferische Akte

12) Die philosophische Evolutionstheorie

IV  Die Grenzen der Naturwissenschaft

1) Die Möglichkeiten der Naturwissenschaft

2) Die Grenzen der Naturwissenschaft

3) Die Aufgabe der Geisteswissenschaft





Langeweile

13 09 2010

Ein Blick auf das Lebensgefühl unserer Zeitgenossen macht eines klar: Die Langeweile nimmt in erschreckendem Ausmaß zu. „Mir ist fad“, ist geradezu zum Lebensgefühl vieler Menschen geworden. „Events“, „Feste“, clubbings, shows, action, matches u. andere Spektakel, inklusive der unfaßbaren Verschwendung von Lebenszeit durch das Fernsehen bezeugen den Status des gegenwärtigen Menschen als eines sich langweiligenden Wesens, als eines Wesens, der ohne diese „Events“ ein unerträgliches Gefühl der Lehre, einen horror vacui, erleiden müßte.  

In der klassischen Tugend- und Lasterlehre der Kirche ist die Langeweile in der „akedia“, dem „Überdruß“, enthalten, die siebte der sieben Hauptsünden. Sie ist eine Geistesverfassung, die den von ihr Befallenen hindert, Glanz, Sinn und Wert in den Dingen und Ereignissen, vor allem aber in den geistlichen Dingen, ja in Gott wahrzunehmen.

Wie kommt es nur, daß heute so viel Leere und Überdruß herrschen, daß es eine eigene Freizeit-Industrie braucht, um die Menschen zu beschäftigen?

 Wie kommt es, daß so viele Menschen so viel Zeit mit sinnlosen Dingen, halb-falschen Informationen und nichtigen Bildern zubringen? Daß Kinder und Jugendliche Jahre ihres Lebens mit unproduktiver bzw. nicht-persönlichkeitsformender Tätigkeit verlieren? Daß auch erwachsene, ja ältere Menschen sinnlose Stunden pro Tag in freiwillig vollzogener Gehirnwäsche (TV) zubringen?

Eine erste Antwort darauf ist der fast völlige Verlust des Wissens um das ewig Gültige, der Verlust des Bewußtseins eines zukünftigen Gerichts, der Verlust des Sündenbewußtseins in unserem Kulturkreis. Wenn alles erlaubt ist, ist alles gleich gültig,  somit gleichgültig, somit grenzenlos öde. Nichts hat mehr Wert und Bedeutung.  Nichts kann nützen, nichts kann schaden, wir kommen alle, alle in den Himmel. Damit können wir tun und lassen, was wir wollen – und viele tun es auch. Tu, was du willst, sagt ein infamer okkulter Schriftsteller. Er sagt aber nicht, was wir wollen sollen, wenn wir nicht umsonst gelebt haben wollen.

Eine zweite Antwort ist aber – und hier ist ein politischer Blog gefragt –  daß dieser gerade genannte Verlust des Wissens um absolut Gutes und Böses, um Tugend und Sünde, kein Zufall ist. Es gibt kein Naturgesetz oder kein Geschichtsgesetz, wonach seit einigen Jahrzehnten die Langeweile als Lebensgefühl in westlichen Kulturen (und anderswo) ausbrechen mußte.

Nein, für skrupellose Machthaber war die Erzeugung von metaphysischer Tristesse immer ein gutes Mittel, um bei ihren Untertanen Offenheit für regierungskonforme und regierungsgesteuerte Vergnügungen zu erzeugen. Langeweile und Überdruß im Volk schreien nach Abhilfe – nach den circenses der Machthaber, die hier auch ihre inhaltlichen Botschaften senden können. Es ist heute nicht grundsätzlich anders als im späten Rom: Regierungen, auch Stadtregierungen, werden zu Alleinunterhaltern bzw. sie kontrollieren die Unterhaltung. Staatskünstler, auch Kabarettisten, die den Machthabern nicht wirklich weh tun, haben daher einen einträglichen Job.

Vor allem müssen skrupellose Machthaber danach trachten, daß die Menschen nicht Dinge von Sinn und Wert finden, die von den Machthabern selbst nicht kontrollierbar sind.  Darum sind Christen, die Sinn und Glanz im geistlichen Leben, in Bibel und Kirche, in Liturgie und Diakonie finden, für illegtime politische Systeme aller Zeiten eine große Gefahr. In diesem Sinne ist der christliche Glaube zutiefst subversiv, er richtet sich einerseits gegen die Langeweile einer rein diesseitigen Welt, andererseits gegen Versuche, diese Langeweile auf illegitime Weise zu beheben.

Und im übrigen wissen auch Machthaber, wie subversiv gesellige Unterhaltung im Freundeskreis und private kulturelle Vergnügungen sind. Sie sind so schwer kontrollier- und manipulierbar.  

Somit lautet die – erwartbare – Schlußfolgerung: Ja zu gediegener Unterhaltung, ja zu Kunst und Literatur – aber im Wissen, daß die Sehnsucht des Menschen erst in Gott Erfüllung findet. Nein zu sinnlosen Spektakeln und deren politischem Mißbrauch. Ja zur Askese, die die Seele für „das eine, das nottut“, vorbereitet und jedem Überdruß die Spitze abbricht.





ORDO AMORIS

27 08 2010

Die wiederum sehr hitzig und noch mehr völlig konfus geführte mediale Pseudo-Diskussion um Patriotismus, Rassismus, Nationalismus, „Wiener Blut“ (und türkische Milch) und alles, was damit zusammenhängt, zeigt eines sehr deutlich:

Der gesunde Menschenverstand hat sich aus der öffentlichen Diskussion schon lange verabschiedet.

Es liegt schon geraume Zeit zurück, daß man in der Erörterung diesbezüglicher politischer Probleme das Offenkundigste auszusprechen wagte, nämlich, daß es eine  „Ordnung der Liebe“ (ordo amoris) gibt. Das ist von der Natur der Sache und ausdrücklich von der Lehre des Neuen Testamentes her klar und evident:

Liebe ist nur real, wenn sie konkret umgesetzt wird. Niemand darf prinzipiell von der Absicht des Wohlwollens (intentio benevolentiae) ausgeschlossen werden, aber freilich ist dieses Wohlwollen in aktiver Form sinnvollerweise zunächst den Menschen der nächsten Umgebung entgegenzubringen: der Familie, dem Nachbarn, dem Kollegen, dem Freund, den Verwandten u. s. w. Darum spricht man auch von „Nächstenliebe“, da ja eine  „Fernstenliebe“ keinen wie immer gearteten realen Effekt zeitigen kann.

In einem analogen Sinn gilt dieses oben genannte Wohlwollen auch den Strukturen und ihren Angehörigen, die uns nun mal näher sind: Dorf oder Stadtteil, Stadt, Bundesland, Kanton oder Region, Staat. Natürlich wird sich ein Wiener Politiker um die Sorgen der in Wien lebenden Menschen zu kümmern haben. Um welche sonst? Analoges gilt für die Politiker anderswo.

Würde sich jeder einzelne und jeder Politiker an diese Rangordnung halten, wäre viel Verwirrung und Chaos beseitigt und vor allem würden konkrete Effekte dieses Wohlwollens schnell greifbar werden. Da aber heute viele von „globaler Verantwortung“, „Integration“, „niemanden zurücklassen“ und „Bewegungsfreiheit für alle“ u. dgl.  herumschwadronieren, ohne ihre Ziele offenzulegen, ist viel Konfusion eingetreten. (Oder drastischer gesagt: Nicht jeder, der Herrn Strache wegen „Ausländerfeindlichkeit“ und „Rassismus“ kritisiert, will schon seinem eigenen Nächsten wohl.)

Vielleicht wollen die Schwadronierer auch von der Liebe überhaupt gar nichts wissen? Vielleicht haben sie gar keine Absicht des Wohlwollens und brauchen daher keine Ordnung der Liebe? Vielleicht geht es ihnen um Gesellschaftsveränderung im Sinne einer der vielen wahnwitzigen Utopien, die zwar viel versprechen, aber keinen konkreten Einsatz der Liebe fordern, und am Ende viele Tote zurücklassen? Wie im Marxismus? So sieht es jedenfalls aus.

Nein, jeder, der sich in dieser Diskussion zu Wort meldet, muß sagen, ob er dieses Wohlwollen will oder nicht. Wenn er es nicht will, möge er als Haßprediger demaskiert und gemieden werden.

Der morgige 28. August ist im katholischen Kalender der Gedenktag des hl. Augustinus (gest. am 28.08.430), des „doctor amoris“, des „Lehrers der Liebe“, wie ihn die Tradition nennt. U. a. er hat die Lehre vom „ordo amoris“ ausformuliert. Sein Leben und seine Werke beweisen, daß ein glühendes Herz und ein scharfer Verstand, demütiger Glaube und hochgestimmtes Denken, gut zusammengehen. Sie beweisen auch, daß uns die Klassiker der christlichen Antike immer noch (natürlich) vieles zu sagen haben. Und vor allem könnten sie uns helfen, die oben genannte Konfusion aufzulösen und zu Taten des Wohlwollens im privaten und öffentlichen Leben zu ermutigen. Das wäre für die gegenwärtige Politik am heilsamsten. 

 





Gottesliebe

15 07 2010

Die Katholische Kirche feiert heute den hl. Bonaventura (1221 – 15.07.1274), Kirchenlehrer, Mystiker, Generaloberer des Franziskanerordens, bekannt als „Doctor seraphicus“. Er gilt als Fachmann für den Aufstieg zu Gott und als Künder und Lehrer der Liebe zu Gott.

Ohne auf seine Person und sein Werk hier näher einzugehen, soll der eine Aspekt seines Schaffens, für den er berühmt geworden ist, deutlicher hervorgehoben werden: die Gottesliebe.

Was ist Gottesliebe? Und warum ist das für eine politische Seite relevant?

Unvermeidlicherweise ist es so, daß der Mensch in der Praxis so handelt, wie er im Inneren glaubt und überzeugt ist.

Unvermeidlicherweise ist es auch so, daß der Mensch sich an etwas orientiert. Unvermeidlicherweise muß der Mensch wählen zwischen der Ausrichtung an Gott und der Ausrichtung an etwas Zeitlichem, Geschaffenem, Vergänglichem – das dann zum Götzen wird und zum Einfallstor für das Böse: Entweder der Mensch liebt Gott bis zur Verachtung seiner selbst oder er liebt sich selbst bis zur Verachtung Gottes (wie ein anderer Lehrer der Liebe, der hl. Augustinus, 354 – 28.08.430,  gesagt hat). Etwas drittes gibt es nicht. Das ist die radikale Alternative, auf die jedes Leben hinausläuft.

Gehen wir von unserer alltäglichen Erfahrung aus: Es gibt Menschen, die das Gute ausdrücklich und bewußt wollen und sich – bei allem Scheitern und aller Schwäche und Unvollkommenheit – darum bemühen und es gibt Menschen, die das Gute nicht wollen bzw. die sich dafür nicht interessieren. Viele kümmert sich nur um  kurzfristige – und vermeintliche –  Eigeninteressen. Manche wiederum wollen ausdrücklich das Verbrechen,  ja das Böse selbst  (was vermutlich nur selten in ganz bewußter Weise vollzogen werden dürfte).  

Wer das Gute tun und vollbringen will, wird bald die Entdeckung machen, daß das nicht so einfach ist. Es gibt viele innere und äußere Widerstände. Der Aufstieg zum Guten läßt sich nicht durchführen, wenn man den Guten, Gott, nicht ausdrücklich sucht. Von Gott stammt alles Gute. 

Jetzt ist es aber so, daß Gott durch sein geschichtliches Eingreifen einen konkreten Weg geöffnet hat, auf dem wir ihm begegnen können und sollen.  Nicht alle Wege, die vermeintlich zu Gott führen, können das leisten, weil sie ja grundverschieden und widersprüchlich sind, wie wir an den „Religionen“ und Heilsversprechen sehen.  

Worauf ich hier aber hinauswill, ist, daß es für die Politik und Wirtschaft, für die menschlichen Beziehungen und die Beziehungen der Völker, für Gerechtigkeit und Nächstenhilfe, Gesetzgebung, Wohlfahrt, Gesundheitswesen, Umweltschutz und alle anderen Bereiche des Lebens einen Unterschied macht, ob sich die Menschen überhaupt „guten Willens“, „bonae voluntatis“ sozusagen, dafür interessieren oder ob es ihnen egal ist. Um wieviel mehr macht es einen Unterschied, ob die Zeitgenossen tatsächlich Gott lieben wollen, gemäß dem „Großen Gebot“, oder ob sie sich nicht darum kümmern oder – abgründige Möglichkeit des Menschsein – ob sie ihn hassen.

Das Wollen ist der erste Schritt zur Gottesliebe. Die Gottesliebe ist Anstrengung („mit ganzem Herzen, mit all deinen Gedanken und mit all deiner Kraft“) und gleichzeitig  – wie menschliche Liebe und Freundschaft auch – ungeschuldetes Geschenk.  Wir können sie nicht ganz durchschauen, sie bleibt Geheimnis.

Es ist trivial das festzuhalten, manchmal muß man aber das Offenkundige besonders betonen, wiederholen und verkünden: Eine Gesellschaft, in der die Gottesliebe gedeiht und die Bereiche des Lebens erfüllt, muß anders ausschauen als eine Gesellschaft, in der das nicht geschieht. Das müßte auch einem Atheisten oder Agnostiker klar sein. Eine Gesellschaft, in der es die Gottesliebe nicht einmal dem Begriff nach gibt, muß in Terror, in Angst und Schrecken, im Polizeistaat und in der Diktatur enden.

Diese Analyse macht auch klar, daß nicht alles, was sich „Gott“ nennen läßt, auch tatsächlich Gott ist.

Freilich kann es eine halb-unbewußte Gottesliebe geben (nämlich durch eine Ausrichtung am erkannten Guten, wie unvollkommen auch immer), aber ganz real ist sie nur, wenn sie ausdrücklich und bewußt ist und sich von der Gnade Gottes leiten und stärken läßt.

Dazu hat sich Gott als die Liebe  geoffenbart, wie auch die hl. Schrift des Neuen Bundes sagt. In der Dreifaltigkeit gibt es nur Liebe und Gemeinschaft. Das gilt es nachzuahmen.

Somit müßte es klargeworden sein, inwiefern die Gottesliebe gesellschaftlich und politisch relevant ist.

Darauf wollte ich hinaus. Dafür kann auch der Heilige des heutigen Kalendertages Inspiration und Stärkung bieten. Auch diejenigen p. t. Leser, die nicht gläubig oder nicht katholisch sind, können einmal in das Werk des hl. Bonaventura hineinschmökern und auf sich wirken lassen, was er zu sagen hat. Vielleicht haben die „Mittelalterlichen“ doch mehr zu sagen, als man glaubt.





Spott

3 05 2010

Ist Ihnen, sehr geehrte Leser,  aufgefallen, daß der Spott zu einem der wichtigsten journalistischen Stilmittel geworden ist? Natürlich ist Ihnen das aufgefallen, denn Sie konsumieren offensichtlich die Massenmedien – sonst würden Sie sich auch nicht für diesen politischen Blog interessieren.

Ist Ihnen auch aufgefallen, daß es immer nur ganz bestimmte, wenige Gruppen von Menschen oder Überzeugungen sind, die zum Objekt publizistischen Spottes werden? Auch das wird Ihnen schon aufgefallen sein.

Es ist ja nicht zu übersehen, daß die Journalisten des ORF und anderer selbsternannter „Qualitätsmedien“ nicht-linke Politiker und gläubige Christen mit Hohn und Spott übergießen – sowohl in der Berichterstattung über sie als auch im Interview mit ihnen.

Warum nur?

Warum ist der Glaube an Christus, die Liebe zur Heimat, die Treue zu Ehepartner und Familie, das Bekenntnis zu den menschlichen Tugenden Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und Maß u. a. so „lustig“, daß man sich darüber lustigmacht?

Oder sind diese Dinge ohnehin nicht so „lustig“? Sind sie nicht vielmehr ein Ärgernis? Ist es nämlich nicht so, daß nur erhabene Dinge, ja die Wahrheit selbst, den sündigen Menschen zum Spott reizt? Weil ihn die Wahrheit quält und ein schlechtes Gewissen erzeugt?

Ein Schlüssel zum Verständnis des publizistischen Spottes gegen diejenigen, die sich zur geoffenbarten und zur natürlich erkennbaren Wahrheit über den Menschen bekennen, liegt im Buch der Weisheit im Alten Testament:

Laßt uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. … Er ist unserer Gesinnung ein lebendiger Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig; denn er führt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden. (Weish 2, 12.14f; Einheitsübersetzung)

Schon der Anblick eines Politikers, der sich für das Amt des Bundespräsidenten bewirbt und sich dabei für die traditionellen und vernünftigen Werte des Glaubens und der Gerechtigkeit einsetzt, der Anblick eines Bischofs, der ohne wenn und aber für den überlieferten Glauben eintritt, der Anblick eines einfachen Menschen, der das Ideal der Familie in der Öffentlichkeit hochhält, ist für den durchschnittlichen Journalisten dermaßen lästig, daß er ihn beim Interview nur mit Häme und Spott in der Stimme interviewen kann.

Dabei ist der Text aus dem Weisheitsbuch eine Vorwegnahme des Lebens des Gerechten schlechthin, also des Herrn selbst. Jeder noch so lautere Christ wird hinter diesem Anspruch immer zurückbleiben. Trotzdem hat er Anteil an der Heiligkeit Christi und das kann der sich dem Bösen ergebende Mensch nicht ertragen.

Spott zu ertragen ist also ein Zeichen, daß man auf dem richtigen Weg ist.

Für den Spötter selbst wird jedoch das Leben immer mehr zur Hölle. Nachdem alles Gute immer mehr zum Gegenstand des Verleumdens und „Herunterziehens“ (lat. sehr schön „detrahere“) wird, gibt es nichts mehr, worauf er sein Leben bauen kann. Die Verzweiflung wird langsam aber sicher ins Unermeßliche steigen. Zudem ist es so, daß in Gemeinschaft betriebener Spott und Hohn die Gemeinschaft nicht stärkt. Aus dem Hohngelächter wächst keine Freundschaft. Das hat etwa C. S. Lewis in seinen Screwtape Letters meisterhaft ausgeführt. Das Spötteln wohlsituierter und feister Lemuren erzeugt nicht nur keine Freundschaft sondern bringt Mißtrauen und daher Isolation hervor. Denn niemand kann sich sicher sein, nicht auch zur Zielscheibe des Spottes zu werden, wenn er gerade einmal nicht anwesend ist.

Darum warnt der Prophet eindringlich davor, mit solchen Menschen überhaupt nur Gemeinschaft zu pflegen:

Wohl dem Mann, der nicht dem Rat der Frevler folgt, nicht auf dem Weg der Sünder geht, nicht im Kreis der Spötter sitzt, sondern Freude hat an der Weisung des Herrn, über seine Weisung nachsinnt bei Tag und bei Nacht. (Ps 1, 1; Einheitsübersetzung)

Im Gegenzug ist es jedoch so, daß wir die Skurrilitäten gewisser Irrlehren sehr wohl mit Spott bedenken können und sollen: den Glauben (!) an den Euro etwa. Das  Bekenntnis (!) zur EU. Die Niederwerfung unter skurrile Götzen in den verschiedensten „Religionen“. Die selbstverliebten und dummen Ideologeme der allgegenwärtigen linken Gedankenwelt. Die Eitelkeit ungebildeter aber arroganter Publizisten.

Dieser Spott soll den von diesen Irrungen Befallenen helfen, aus ihrem Wahn herauszukommen und das Licht der Wahrheit zu erkennen. Und die Wahrheit wird sie frei machen. Dann wird – wie der Prophet in Psalm 126 sagt – ihr Mund voll Lachen sein, von echtem,  freudigem Lachen, und jeder Spott wird verstummt sein.





Ignoranz

29 04 2010

Österreich hat seinen neuen Bundespräsidenten gewählt. 

Dazu stellen sich mehrere Fragen:  Was ist „Österreich“ nach dem Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages noch?

Welche Bedeutung hat ein Bundespräsident überhaupt? Welche hat er nach Lissabon? Hätte er als Hüter der Verfassung diesen nicht beeinspruchen müssen? Welche persönliche und moralische Qualifikation weist Heinz Fischer überhaupt auf?

Egal.

Österreich (oder „Österreich“) hat sich jedenfalls als Land der Ignoranz erwiesen. Über 50% gehen nicht zur Wahl. Dazu werden sie von der Irrelevanz des Bundespräsidentenamtes, einer Empfehlung der ÖVP und der vollkommenen politischen Ignoranz der kirchlichen Obrigkeit geradezu aufgefordert. Letztere, in diesem Fall die katholische, vermittelte ja das Bild, daß eigentlich nur Heinz Fischer wählbar wäre. Ist das Ignoranz – oder Kollaboration?

Ignoranz ist nicht harmlos. Jede/r hat die Verpflichtung, sich nach bestem Wissen und Gewissen zu informieren (also nicht bei „heute“, „ÖSTERREICH“, ORF u. dgl.). Ansonsten möge er/sie sich mit Kommentaren und Verurteilungen besser zurückhalten.

Aus Ignoranz wurde – mindestens das – vom Wahlvolk nicht wahrgenommen, (1) daß gegen Barbara Rosenkranz eine unfaßbare Menschenjagd mit persönlichen Unterstellungen, Gewaltandrohungen, Lügen und Beleidigungen entfesselt wurde, daß (2) Rudolf Gehring ein seriöser Mann mit vernünftigen Ansichten ist, aber von dummen Journalisten angepöbelt und in den Zeitungen verrissen wurde, daß (3) somit die Demokratie gefährdet ist, weil die Information zur Desinformation ausgeartetet ist. Die Verstrickungen von Bundespräsident Fischer wurden schon vor Jahren von Hans Pretterebner in seinem Buch „Lucona“ und vor kurzem von Andreas Unterberger auf dessen Blog veröffentlicht.  Aber wer nimmt das schon zur Kenntnis? Das Gedächtnis ist kurz, der Opportunismus stark.

Die meisten Leute, vor allem die jungen Leute,  sind an dieser ihrer Ignoranz nur teilweise schuld, zu groß ist schon die von oben künstlich erzeugte Ignoranz. Aber – wie gesagt – jede/r muß sich sachgerecht informieren. Davon ist niemand dispensiert.

Aber gegen die von oben erzeugte Ignoranz werden wir ankämpfen müssen.  Denn die Wahrheit wird uns frei machen.





Die Unvernunft des Atheismus

6 12 2009

Am 4.12.09 hielt der Althistoriker Dr. Jürgen Spieß einen Vortrag in Wien über den neuen Atheismus und dessen Denkfehler. Dazu zog er hauptsächlich das Buch „Der Gotteswahn“ von Richard Dawkins und dessen darin enthaltenen Hauptthesen heran. Veranstaltet wurde der Abend vom Institut Renovatio und der Evangelischen Allianz.

Die erste Überaschung trat auf als ein äußerlich unscheinbarer und schüchtern wirkender Vortragender zu Reden begann. Sein Vortrag war verbal und inhaltlich hervorragend, und meine deutschen Freunde mögen verzeihen – für einen Deutschen und Althistoriker unerwartet humorvoll.

Der moderne Atheismus gilt als Antwort auf die Ereignisse des 11.September 2001. Er geht von der Annahme aus, dass eine Welt ohne Religion friedlich ist. Er äußerte sich unter anderem in der Atheismuskampagne des letzten Sommers. Dawkins stellt die Behauptung auf „Ich bin Atheist weil es wahr ist“ obwohl er im Buch davon spricht, dass es nur „mit an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit keinen Gott gibt“. In einem Fernsehinterview bezifferte er diese Wahrscheinlichkeit mit 98,5% ohne näher darauf einzugehen wie er auf diese Zahl gekommen ist. Verglichen mit einer Betriebsgarantie von 98,5% z.B. bei einem Internetanschluß würde das bedeuten, dass wahrscheinlich an ca. 5 Tagen pro Jahr das Internet nicht funktioniert. Hier lies sich der Vertreter des neuen Atheismus also ein noch recht großes Schlupfloch offen.

Die 4 Hauptthesen für den Atheismus des Buches „Der Gotteswahn“  sind:

1, Glaube und Wissenschaft sind Gegensätze
Der Glaube ist blind, Wissenschaft steht auf Basis von Belegen. Er gibt zu, dass man auch als Wissenschafter einen gewissen Glauben an Dinge braucht, nennt dies aber Vertrauen.
Der Basissatz ist hier, dass es nichts Übernatürliches gibt. Dies ist ein Widerspruch in sich, da eine philosophische Basisaussage dazu verwendet wird um eine naturwissenschaftliche Behauptung zu tätigen. Wie im „Netz des Physikers“ geschildert können nicht alle Dinge Naturwissenschaftlich erkannt werden. Die Frage des Übernatürlichen kann nicht durch das Natürliche erklärt oder widerlegt werden, da sich die Mittel zur Erkenntnis ausserhalb des natürlichen Systems befinden. Das Netz des Physikers kann nur Fische fangen die größer als 5cm sind, daher geht er davon aus, dass alle Fische größer als 5cm sind. Alle kleineren Fische könnte er nur mit einer anderen Betrachtungsweise herausfinden. Daher folgt, dass Gott naturwissenschaftlich weder bewiesen oder widerlegt werden kann.
Die Naturwissenschaft bringt sowohl bei gläubigen, als auch bei ungläubigen Wissenschaftern die gleichen Resultate hervor. Sehr viele Naturwissenschafter sind gläubig und dies stellt keinen Gegensatz zu ihren Glauben dar.

2, Unsere Welt ist so komplex, dass sie den Anschein erweckt, dass sie intelligent gestaltet wurde. Das ist Wunschdenken, denn die Evolution hat durch natürliche Selektion dazu geführt.
Als Gegenargument kann man anführen, dass die Nichtexistenz Gottes ebenso Wunschdenken sein kann. Der Wunsch dass es Gott nicht gibt ist für den Menschen nämlich viel bequemer und die Evolution legitimiert seinen Egoismus. Weiters behauptet kein ernsthafter Wissenschafter, dass die Evolution Neues schafft. Dadurch erklärt sie in keinster Weise die Schöpfung sondern nur die geringfügige Veränderung. Auch die Veränderungen von einer Art in eine andere kann nicht belegt werden, sondern nur die Mikroevolution, die Veränderung und Anpassung innerhalb von Arten.
Die Evolution und Selektion erklärt nicht wie es vom Nichtleben zum Leben kommt, vom Nichtbewußtsein zum Bewußtsein, von der Nichtsittlichkeit zur Sittlichkeit. Wo kommen die Anfänge her? Im Gegensatz zur Evolution lehrt uns das Anthropische Prinzip, dass der Kosmos mit seinen Naturkonstanten im Gesamten auf den Menschen hin geschaffen wurde. Weiters zeigt uns die Entropie, dass sich in der Natur ein System höherer Ordnung immer in ein System niedriger Ordnung entwickelt, wenn nicht mit absichtlicher Intervention die Ordnung erhöht wird.

3, Eine Welt ohne Religion ist friedlich. Noch nie wurde im Namen des Atheismus Krieg geführt.
Dieser Argumentation konnte sich nicht einmal der sonst links-liberale Spiegel anschließen. Sicherlich ist Religion, und hier vornehmlich der Islam, auch für kriegerische Aktivitäten verantwortlich. Aber ebenso andere Weltanschauungen wie der Kommunismus oder der Faschismus, die ausgesprochen antireligiös sind, waren oft die Kriegstreiber oder die Mörder an unschuldigen Leben. Habgier, Geltungssucht oder das wehrhafte Verhalten gegen die Ungerechtigkeit waren in der Geschichte ebenso Auslöser für Krieg. Hitler war Atheist und erklärter Gegner des Christentums, ebenso wie Marx, Stalin oder Mao.

4, Die Evangelien sind eine literarische Erfindung, ein Roman, genau so wie das Buch Sakrileg von Dan Brown.
Als Althistoriker legte Dr. Spieß hier klar, dass aus historischer Sicht die Evangelien, sowie die Aussagen davon wie die Auferstehung eine historische außerordentlich gut belegte Tatsache ist. Es gibt keine historischen Fakten aus dem ALtertum die besser belegt sind als die Evangelien und die biblische Geschichte. Wenn wir das in Zweifel ziehen, dann müssten wir die gesamte uns bekannte Geschichte ebenfalls anzweifeln und überhaupt keine historisch wissenschaftlichen Belege gelten lassen.

Wir müssen bedenken, dass der Umstand ob es einen Gott gibt oder nicht die Grundlage der Gesellschaft, der Politik, der Rechtssprechung und der Moral darstellt.

Sollte es Gott geben, dann hat das zwingendermaßen Auswirkungen auf unser gesamtes Leben. Es gibt ein absolut richtig und falsch und Richtlinien an denen wir unser Leben ausrichten sollen, ob es uns Spaß macht oder nicht.

Sollte es keinen Gott geben, dann hat das natürlich ebenfalls enorme Auswirkungen auf unser Leben. Es gibt kein richtig und kein falsch, alles ist relativ. Übrigens ist hier der oft benutzte Bezug dieser Aussage auf Einstein vollkommen falsch, denn dieser hat diese Aussage nie gesagt, sondern er verwehrte sich zu Lebzeiten dagegen, da er sehrwohl an einen Gott glaubte. Es gibt auch keine Moral, somit keine Grundlage für Gesetze. Das Gesetz ist ein Abbild der aktuellen Gesellschaft und passt sich an unsere Bedürfnisse an. Dann muss auch Mord kein Verbrechen sein. Abtreibung kann man problemlos argumentieren, ebenso wie Euthanasie.

Wenn es keinen Gott gibt, dann ist, wie Dostojewski sagte,  alles erlaubt.

Die EU ist bereits voll in eine Welt ohne Gott unterwegs. Das ehemalig christliche Amerika vollzieht unter Obama gerade einen Schwenk. Die ehemallig kommunistischen Länder sind orientierungslos. Die Errungenschaften der christlich westlichen Welt werden weggeworfen und gegen eine vermeintlich bessere moderne Lebensordnung eingetauscht die Genderismus, Evolutionstheorie, natürliche Selektion und neuen Atheismus predigt. Diese schöne neue Welt ist eine Welt ohne Moral und Liebe, ohne Werte, ohne Hoffnung. Ohne die wesentlichen Elemente die das Menschsein ausmachen.

Weiterführende Informationen unter www.iguw.de








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