Dr. Harsieber ist neuer Wiener CPÖ Obmann

18 01 2010

Am letzten Wiener Landesparteitag der CPÖ (Christlichen Partei Österreichs, ehem. Die Christen) wurde Dr. Robert Harsieber einstimmig zum neuen Wiener Landesobmann bestellt.

Sein Lebenslauf: Geb. 1950 in Weissenbach bei Gloggnitz, NÖ. Studium der Philosophie an der Universität Wien. Hauptinteresse: Welt- und Menschenbilder. Fachjournalist (Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin). Verheiratet, 2 Kinder.
Dr. Harsieber ist durch seine Familie politisch vorbelastet. Sein Großvater war über viele Jahre Bürgermeister in Gloggnitz.

Lesen Sie hier das erste Interview.

– Wie sehen Sie die CPÖ im politischen Umfeld, was sind die Hauptanliegen?

Zunächst möchte ich keine gängigen Vorurteile bedienen. Wir gehen von einem christlichen Welt- und Menschenbild aus, aber wir sind keine Fundamentalisten. Wir sind auch nicht „erzkonservativ“. Wir vertreten ein ganzheitliches Menschenbild, das Körper, Seele und Geist umfasst und nicht – wie heute modern, auch in der Politik – Seelisches und Geistiges verdrängt.

Ich möchte eher an einem naiv und unreflektiert als „modern“ bezeichneten Weltbild rütteln. Das heutige Weltbild ist an die Naturwissenschaft angelehnt, aber an die Naturwissenschaft des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Damals glaubten die Physiker, dass sie nur die kleinesten „Bausteine“ der Welt finden müssten, dann könnten sie die ganze Welt inkl. des menschlichen Gehirns erklären. Da stehen wir noch heute – obwohl sich bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts herausgestellt hat, dass es diese kleinsten „Bausteine“ nicht gibt, gar nicht geben kann. Unterhalb des Atoms gibt es keine Teilchen mehr, sondern nur mehr Beziehung. Beziehung, nicht Beziehung von etwas. Nichts, was mit unserer gängigen Vorstellung von Materie übereinstimmt. Ein materialistisches Weltbild – volkstümlich: wir glauben nur, was man sehen und angreifen kann – ist daher um 100 Jahre zurück.

Dagegen war das christliche Weltbild immer schon ganzheitlich. Die Offenheit für das Ganze, letztlich für Gott, war immer vorhanden – auch wenn es immer wieder Phasen gegeben hat, die nicht in dieses Bild passen. Aber ein ganzheitliches Weltbild schließt z.B. jegliche Ausgrenzung aus. Eine prinzipielle Ausländerfeindlichkeit oder Ausgrenzung Andersgläubiger ist mit einem christlichen Denken nicht vereinbar. Hier wollen wir mit einer Politik der Menschlichkeit einen ganz deutlichen Kontrapunkt setzen. Wir brauchen keinen Kampf der Kulturen, sondern einen Dialog der Kulturen – ohne natürlich die Probleme unter den Teppich zu kehren.

Wir machen keine Politik der Parolen und Schlagworte, die immer an der Wirklichkeit vorbeigeht, sondern wir wollen die Probleme differenziert und offen angehen.

– Welche Pläne und Schwerpunkte haben Sie sich für Ihre Obmannschaft gesetzt?

Man muss kein Prophet sein, um in Wien einen Wahlkampf vorauszusehen, der sich um die Ausländerfrage dreht. Hier wird vor allem von einer bestimmten Partei und einem bestimmten Medium eine Ausländerfeindlichkeit geschürt, die genau die Probleme schafft und vergrößert, die dann vermeintlich bekämpft werden müssen. Der Effekt ist der, dass sich hier die Österreicher nicht auf die Straße trauen, dort die Moslemfrauen lieber zu Hause bleiben, als sich schräg anschauen zu lassen. Die Mehrzahl derer, die hier friedlich leben wollen, wird ausgeklammert. Aber die Schuld liegt nicht bei den betroffenen In- und Ausländern, sondern in einer Grundstimmung und mentalen Einstellung, die bewusst geschürt wird. Dieser hässlichen Grundstimmung können oder wollen sich anscheinend auch die Großparteien nicht mehr entziehen. Daher gilt es, hier einen christlichen Weg des Aufeinander Zugehens aufzuzeigen.

Unsere Feinde sind nicht andere Religionen, auch nicht der Islam, sondern ein degeneriertes Weltbild, das alles Seelische und Geistige verdrängt. Das die soziale Kälte des Neoliberalismus ebenso bewirkt wie die Abwertung der Familie. Die „Front“ – um im Kriegsjargon zu bleiben – verläuft nicht zwischen In- und Ausländern, nicht zwischen Christen und Moslems, sondern zwischen einem materialistischen und egoistischen Weltbild einerseits und einem Denken und Fühlen, das Seelisches und Geistiges mit einbezieht. Zwischen einer mentalen Schrebergartenmentalität und einer Offenheit für das Ganze, für Gott. Daher geht es mir zuerst um ein prinzipielles Umdenken, um einem neuen Zugang zu den alten Problemen. Nur so kann wieder Bewegung in Themenkreise wie Immigration und Integration, aber auch Familie, Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Gesundheit usw. kommen.

– Wird die CPÖ bei den Landtagswahlen in Wien antreten? Welches Wahlziel gibt es?

Das werden wir noch entscheiden, aber natürlich ist es Aufgabe einer politischen Partei, sich dem Wählervotum zu stellen. Ziel wäre es, als ernsthafte Alternative wahrgenommen zu werden. Ziel wäre es, zumindest in Teilbereichen der Bevölkerung ein Umdenken zu erreichen. Wir glauben heute nur mehr an die Realität (von res = Ding), der Sinn für die Wirklichkeit, das was wirkt, ist uns abhandenkommen. Daher fehlen uns Sinn und Orientierung im Leben. Christliches Denken ist auf diesen Sinn hin orientiert. Christliche Politik muss alle Dimensionen menschlichen Seins einbeziehen, nicht nur die materielle Oberfläche. Und die heutigen Probleme sind nur miteinander, nicht gegeneinander zu lösen. Wenn wir es schaffen, die Menschen zu erreichen, die sich mit der Oberfläche nicht mehr zufrieden geben und die seelische Tiefe, soziale Wärme und die spirituelle Dimension in der Politik vermissen, dann werden wir auch die nötige Unterstützung in der Bevölkerung bekommen.








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