Klare Worte zum drohenden Maulkorb

22 06 2010

Verweis auf einen Artikel von Hr. Prüller „Die Presse“, Online Ausgabe 19.06.2010

Wenn die Freiheit ganz leise Ade sagt

Diskriminierung ist schlecht, Antidiskriminierung ist gut. Aber wenn die Antidiskriminierung zur unwidersprochenen Staatsideologie der EU wird, bleibt der freie Mensch irgendwann auf der Strecke. Dass kaum einer darüber redet, beunruhigt.

Erstaunlich ist vor allem die Stille: Da wird in der EU seit dem Jahr 2008 eine Richtlinie ins Rennen geschickt, die weiter und tiefer in die Privatautonomie des einzelnen Bürgers eingreift als jemals zuvor in der Geschichte der Europäischen Union – und kaum jemand erfährt davon….

hier gehts zum ganzen, äußerst lesenswerten Artikel






Angst vor der Wahrheit

8 12 2009

Aufschrei über die Zustimmung zum Schweizer Volksentscheid gegen den Bau neuer Minarette

Kommentar von Dennis Riehle

Mit einem großen Aufschrei reagierte nicht nur die islamische Welt auf den Volksentscheid der Schweiz, bei welchem knapp 58 % der abgegebenen Stimmen für das hauptsächlich von der Schweizer Volkspartei SVP lancierte Verbot zum Bau neuer Minarette im Alpenstaat votierten. Auch bei den Eidgenossen selbst und in den Nachbarländern war die Erschütterung groß: Intoleranz, Missachtung der Religionsfreiheit und Polemik waren die Vorwürfe, die man nicht nur den Initianten bescheinigte. Auch von der Europäsichen Union und den Vereinten Nationen gab es Rüffel.

Dabei hat niemand daran gedacht, dass mit solchen Verurteilungen die Meinng von Millionen Schweizern in Misskredit gestellt wurde. Nein, weder den Unterstützern des Volksentscheids, noch den Bürgern kann ein Vorwurf gemacht werden, dass die diffuse Angst vor einem unberechenbaren Islam ausgenutzt wurde. Viel eher ist es die Angst vor der Wahrheit, die die vielen Kritiker des Volksentscheidergebnisses plagt. Denn offenbar können sich nicht derart viele Menschen irren, wenn sie sich durch einen zunehmenden Machteinfluss einer Religion bedrängt fühlen.

Ich sehe nicht, dass diejenigen, die das Volksbegehren angetrieben haben, verantwortungslos handelten. Im Gegenteil: Waren sie doch mutig genug, die basisdemokratische Verfassung der Schweiz so zu nutzen, dass es zumindest dort zu einem klaren Bekenntis der Bevölkerung kommen konnte. Wie groß ist die Furcht beispielsweise in Deutschland, im Fall einer Abstimmung hier noch deutlichere Resualtate zu bekommen? Statt einer Empörung über die rechtskonservativen Schweizer, die sich zu solch einem Votum hinreißenließen, ist nun klares Handeln gefordert: Statt einer blauäugigen und geschönten Zufriedenheit mit der Integration darf und muss die Ungewissheit über einen Machtanspruch des Islams nun geklärt werden. Eindeutig und indiskutabel ist festzuhalten, dass in unseren Breiten eine Religion himmlische und keine weltliche Macht ist und daher keine Berechtigung hat, politisch Einfluss nehmen zu wollen. Jeder einzelne religiöse Wert ist zu achten, nicht jedoch die Ansammlung von Verboten, Geboten und Anweisungen, wie wir sie in Heiligen Büchern vorfinden – so unter anderem sehr deutlich im Koran. Ein Buch kann und soll friedliche Wegweisung für das Leben sein, ist jedoch unreflektiert und uninterpretiert eine Gefahr für die Menschen. Und leider konnte der Islam in vielen seiner Wirkungsgebiete noch keine derartige Aufklärung erleben, wie es das Christentum schon hinter sich hat.

Daher wird die Religion Islam für den Westen so bedenklich. Und damit geht es auch in einem Volksentscheid nicht um baurechtliche Bedenken, sondern um die Abwägung des Anspruches, dass mit Minaretten, die in der Sache nicht von Kirchtürmen zu unterscheiden sind, aber nicht alleinig ein Symbol des Glaubens, sondern ein Zeichen von politischem Einfluss sind, gesetzt wird – ein Einfluss, der sich auf Worten begründet, die vielerots keine Toleranz kennen. Denn wer die Suren des Koran studiert, erkennt deutlich, dass dort eben nicht nur zur Verständigung aufgerufen wird, sondern auch zu tatkräftiger Verteidigung des Islam.

Ja, auch die Bibel kennt genügend Verse, die nicht als Grundlage für ein gemeinsames Miteinander herhalten – doch schaffen es Christen in der Mehrheit heute durchaus, diese Sätze einer kritischen Begutachtung zu unterziehen. Dann, wenn auch die Muslime in der Welt an diesen Punkt gekommen sind und ihren Wunsch von Gleichberechtigung zurück auf die Ebene der Religionen und weg von Politik bewegen, kann es nachvollziehbar werden, gegen derartige Volksentscheide wie in der Schweiz aufzubegehren.





Machtsymbole im Kreuzfeuer

29 11 2009

Schweiz ohne Minarette? Europa ohne Kruzifixe?

Kommentar von Dennis Riehle

Die Schweiz stimmt heute darüber ab, ob in der Verfassung ein Verbot des Baus von Minaretten verankert werden soll. Nach letzten Umfragen wird das von der Schweizer Volkspartei SVP lancierte Referendum von einer Mehrheit der Bürger zurückgewiesen. Damit könnten zu den bereits vier bestehenden Minaretten im Land weitere hinzukommen (Allerdings berichtet das Schweizer Fernsehen in seiner ersten Prognose: Mit großer Überraschung erwartet das Politikforschungsinstitut GFS nach ersten Trends doch eine Zustimmung zum Minarett-Verbot; Stand: 12.30 Uhr. So meldet als erster Kanton Glarus 8750 Befürworter der Anti-Minarett-Initaitive, dagegen stimmen nur 3250).

Die Argumentation der Gegner von weiteren Minarettbauten konzentrierte sich zumeist auf die Darstellung, dass ein Minarett nicht wie ein Kirchturm nur religiöses Symbol ist, sondern vor allem einen Machtanspruch darstellt.

Kommt diese Behauptung aus bloßer Emotion oder ist die Befürchtung, dass Minarette tatsächlich den Beginn einer Islamisierung in Europa darstellen würden, gerechtfertigt?

Viele Befürworter des Baus von Minaretten pochen stets neu auf die Einhaltung der Religionsfreiheit, die man auch dem Islam zusichern müsse, Zeichen der Präsenz zu setzen. Allerdings liegt schon in der Begrifflichkeit der Religionsfreiheit das eigentliche Problem, das die Diskussion anfacht: In wie weit kann sich der Islam im Vergleich beispielsweise mit dem Christentum als Religion allein bezeichnen?

Nach vielen Jahrhunderten Konflikten haben wir in der christlichen Welt heute eine zumindest weitgehende Trennung von staatlicher und kirchlicher Macht. Im Islam konnte diese Trennung bei weitem noch nicht erreicht werden – im Gegenteil: In vielen arabischen Ländern sehen wir bis heute eine deutliche Einflussnahme des Islam auf politische Entscheidungen; ja, man kann sogar sagen: In einigen Teilen der Welt ist der Islam Gesetz.

Und gerade aus dieser Perspektive erscheint die Initiative aus der Schweiz, über die zwar in ganz Europa diskutiert wird, über die aber nur im Alpenstaat auch vom Volk entschieden wird, in einem anderen Licht.

Kann ein Koran, der deutlich politische Signale setzt, der Verbote und Gebote aufzeigt, der klare Handlungsanweisungen an seine Gläubigen gibt und der schlussendlich auch an vielen Stellen zu Radikalität aufruft, in solch einer Debatte außen vor gelassen werden?

Die Bibel wird auch von vielen Christen bis heute als Grundlage ihres Lebens wahrgenommen. Doch nur noch selten wird damit der Anspruch verbunden, die Aussagen der Heiligen Schrift auch in das politische Alltagsgeschäft einzubringen – zumindest nicht als wortwörtliche und undifferenziert stehen gelassene Botschaft, deren Inhalt eins zu eins umzusetzen, sondern deren Appell zu hören ist.

Dass die Religionsfreiheit jeodch offenbar nicht überall gleich interpretiert wird, zeigen Entscheidungen europäischer Gerichte: Neben dem Machtsymbol Minarett beschäftigte die Öffentlichkeit auch die Entscheidung der obersten eurpäischen Richter zum Machtsymbol Kruzifix. Nach Ansicht der Verfassunghüter ist der staatliche Bildungsauftrag an europäischen Schulen durch das Aufhängen eines Kreuzes in Klassenzimmern beeinflusst. Neutralität im Unterricht stehe an oberster Stelle, so wurde argumentiert. Klar ist: Ein Kruzifix in Schulen ist nicht zum ersten Mal Streitpunkt in Europa. Gerade auch in Deutschland wurde deshäufigeren schon darüber diskutiert, ob nicht um des Glaubensfriedens willen auf jegliche religiöse Zeichen in den Klassen verzichtet werden sollte.

Diejenigen, die Gleichberechtigung fordern, achten jedoch in der Frage über Kreuze im öffentlichen Bereich nicht darauf, dass das Kruzifix keinen Hang zur Beeinflussung aufweist. Im Gegensatz zu oftmals Freiheit nehmend wirkenden Symbolen anderer Religionen verbindet das Kreuz eine lange Geschichte von Emanzipation. Das Krufix lädt ein, Frieden zu stiften. Es verweist uns zurück in die Historie, in der wir durch den leidenden Jesus erfahren durften, dass Gnade in uns wirkt. Das Kreuz ist Teil einer Botschaft aus Hoffnung, Verbundenheit und Zuversicht – nicht allein die christliche Religion verwendet es als Ausdruck einer klaren Aussage: Das Leid, das wir tragen, erdrückt uns nicht. Wir können darauf vertrauen, dass Gottes Sohn in unsere Welt kommt und uns erlöst. Eine Vorhersage, die Freude bringt, aber auch zum Nachdenken über das eigene Leben anregt. Das Kruzifix ist ein eindeutiger Beweis dafür, dass Menschen Perspektive bekommen. Gerade in einer Bildungseinrichtung ist solch eine Ermutigung von großer Bedeutung. Offenbar konnten die Richter nicht erkennen, dass das Kreuz nicht allein religiöses Zeichen ist, sondern Sinn stiftet.

Egal, wie die Abstimmungen ausgehen: Die Ängste der Menschen vor einer Einflussnahme von Religion auf die Politik sind ernst zu nehmen. Wir brauchen Werte in unserem politischen System, jeodch dürfen sich Gesetze und Verbote nicht durch von Glauben geprägte Gefühle und Forderungen beeindrucken lassen. Das, was Religion an Wahrhaftem und Konstruktivem in unsere Gesellschaft einbringt, müssen wir ihr als Innovation und Anregung abgewinnen. Doch darf auch ein kritikloses Übernehmen von Phrasen und Aufrufen aus göttlichen Büchern und von führenden Gläubigen nicht dazu führen, dass weltliche Politik nicht mehr für den Menschen gemacht wird, sondern auf verschiedene Formen des Höchsten ausgerichtet ist, ohne dabei zu beachten, dass Missgunst, Anstoß zu Gewalt und Intoleranz gestreut wird. Dies gilt für den Islam – aber auch für das Christentum. Religion ist Wegweiser, Stütze und Begleiter – und allein Gott selbst kann Macht ausüben. Dafür braucht er weder Symbole, noch menschliche Verteidiger.








%d Bloggern gefällt das: